Wien

Rating

Als "Rating" bezeichnet man in der Wirtschaft ein Bewertung von Firmen, Organisationen und Staaten im Hinblick auf ihre Zahlungsfähigkeit. Die Bewertung erfolgt in den Stufen A, B, C, D und Unterstufen dazu. AAA ist das beste Rating, das eine Institution bekommen kann.

* Je besser die Bonität, desto besser ist meist das "Rating" und umso niedrigere Zinsen muß man bei Kreditaufnahmen bezahlen. Warum? Weil im Zins das Ausfallsrisiko mitbewertet wird. Je besser also die Bonität, desto geringer ist das Zahlungsausfallsrisiko und desto geringer ist folglich der Zins.
* Firmen und Staaten, die ihre Kredite nicht mehr zurück zahlen können oder wollen, werden auf Ramsch-Status gesetzt.
* Die Bewertung der Ratingagenturen ist eine private Meinungsäußerung und keine amtlich Information.
* Ratingagenturen können auch irren, wie viele Beispiele aus der Bankenwelt, aber auch bei Staatsbewertungen zeigen. Meist bewerten die Ratingagenturen "zu gut" und nicht "zu schlecht". In diesem Fall erleiden die Gläubiger oft enorme Zahlungsausfälle.

Ratingagenturen: Moody's, Standard & Poor's, Fitch, DBRS





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13.7.2011 Nationalbank-Präsident Claus Raidl: "Polizei für Rating-Agenturen."

In einem Interview in der morgen erscheinenden Ausgabe des Nachrichtenmagazins NEWS fordert Nationalbank-Präsident Claus Raidl eine "Polizei gegen die Übermacht der Rating-Agenturen." Diese sollte ähnlich funktionieren wie die Enforcement-Stelle der EU, die als "Bilanzpolizei " Konzernbilanzen nochmals überprüft und Strafen bis hin zum Berufsverbot aussprechen kann. Raidl: "Nach diesem Muster kann auch eine Ratingagenturen-Polizei funktionieren. Eine solche Enforcementstelle ist das mindeste, das wir brauchen."
   Raidl vor dem Hintergrund der geplanten Rating-Abwertungen in Italien: "Es gibt eine unerträgliche Ankündigungspolitik der Agenturen. Die verkünden öffentlich, dass sie überlegen, ein Land downzugraden, also eine schlechtere Kreditwürdigkeit für ein Land auszuweisen. Was passiert: Die Investoren flüchten, die Zinsen steigen. Das ist eine self-fulfilling prophecy. Dieser Mechanismus ist unverantwortlich." Die Schaffung einer europäischen Rating-Agentur sieht Raidl skeptisch: "Ich hege keine Hoffnungen, dass eine neu zu schaffende, europäische Agentur zu kurzfristigen Verbesserungen führt. Diese müsste sich erst eine Reputation auf den Finanzmärkten verschaffen, und das würde sie nicht mit Soft-Beurteilungen erreichen."

Rückfragehinweis: Sekretariat NEWS Chefredaktion
OTS0149 2011-07-13/13:54



14.7.2011 DER STANDARD-KOMMENTAR "Kontrollierter Staatsbankrott" von Alexandra Föderl-Schmid

Ausgabe vom 15.7.2011
Die EU gibt derzeit das Bild einer Chaostruppe ab. Die Staats- und Regierungschefs ringen seit Tagen um einen Termin für ein Gipfeltreffen. Das zeigt ihre Hilf- und Ratlosigkeit, denn eigentlich sollte das zweite Hilfspaket für Griechenland seit dem 3. Juli fixiert sein. Allen voran Deutschland wehrt sich gegen weitere finanzielle Zusagen, was verständlich ist. Es wird immer schwieriger, der eigenen Bevölkerung klarzumachen, warum deutsche Steuerzahler noch einmal für Griechenland einspringen sollen. Je länger die politischen Entscheidungsträger zuwarten, desto größer wird die Unsicherheit an den Märkten, der Flächenbrand weitet sich immer mehr aus. Die Ratingagenturen tun ihr Übriges, um die Nervosität zu steigern, indem sie fast im Tagesrhythmus ein Land nach dem anderen abstufen. Nach Griechenland und Portugal folgte Irland, dann wieder Griechenland. Ihr Urteil ist entscheidend, weil jede Herabstufung für Schuldenstaaten höhere Zinsen bedeutet. Es ist ein Fehler, dass selbst staatliche Institutionen wie die Europäische Zentralbank ihre Geldverleihpolitik vom Urteil der Ratingagenturen abhängig machen. Die amerikanisch dominierten Ratingagenturen können praktisch ohne Kontrolle agieren. Eine europäische zu gründen würde das Problem der Abhängigkeit nicht lösen. Außerdem ist damit nicht gesagt, dass deren Urteil positiver für die europäischen Schuldnerstaaten ausfiele, auch wenn dies Politiker insinuieren. In dieser Phase der Unsicherheit nehmen Spekulanten die Eurozone ins Visier, obwohl die USA oder Japan deutlich mehr Schulden haben als jedes der 17 Euro-Länder. Die Europäer schauen dem Treiben derzeit hilflos zu. ...
Europa braucht einen Plan B. Die Europäer müssen der Tatsache ins Auge sehen, dass ein Staatsbankrott Griechenlands unausweichlich ist. Es ist besser, diesen Schritt kontrolliert in Angriff zu nehmen. ...
Von der Drohung der Ratingagenturen, dies würde als Zahlungsausfall mit entsprechender Herabstufung der Bonität geahndet werden, soll sich die Politik nicht abschrecken lassen. ...

Rückfragehinweis: Der Standard Tel.: (01) 531 70 DW 445
OTS0173 2011-07-14/18:26



6.7.2011 WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Minnesota: Triple-A und pleite - von Hans Weitmayr

Wer soll solche Ratings denn eigentlich noch ernst nehmen?
Wie nennt man im Allgemeinen ein Unternehmen, das nicht mehr im Stande ist, Löhne auszuzahlen und Rechnungen zu begleichen? Pleite. Wie nennt man einen US-Bundesstaat, der nicht
mehr im Stande ist, Löhne auszuzahlen, Rechnungen zu begleichen, aber gleichzeitig auf ein AAA der Rating-Agentur Standard & Poor's zählen kann? Minnesota.
   Die Schieflage des Bundesstaates wirft in vielerlei Hinsicht ein neuerliches Schlaglicht auf die traurige Performance der Rating-Agenturen - besonders interessant erscheint aber der Mangel an Geschick, mit dem sie vorgehen. Denn die erste Frage, die sich der Beobachter beim Blick auf dieses Triple-A stellt, lautet: Wieso nicht auch ein AAA für Griechenland? Minnesota wie Griechenland sind in eine übergeordnete Währung eingebettet. Für beide Entitäten haften supranationale Organisationen, also ein Bundesstaat auf der einen, ein Staatenbund auf der anderen Seite. Wobei an dieser Stelle gleich ein möglicherweise auftauchender Zweifel aus der Welt geräumt werden soll: Kritisiert werden soll nicht ein zu harsches Vorgehen der Agenturen gegen Griechenland, sondern das zu lasche Vorgehen in beiden Fällen. 
    Weder Minnesotas AAA ist gerechtfertigt noch das griechische CCC. Und da wir gerade beim Thema sind: Auch das AAA der USA ist lachhaft: Billionen Dollar Schulden, ein politischer Todestango, in den sich Republikaner und Demokraten in schöner Regelmäßigkeit stürzen, um die gesetzliches Schuldengrenze nach unglaublichem Getöse im Vorfeld immer wieder auszuweiten - wer soll solche Ratings noch ernst nehmen? Einmal mehr geht somit die landläufige Kritik an den RatingAgenturen in die falsche Richtung. Sie verschlimmern Krisen nicht, sie sind -
wie bei Enron - eines ums andere Mal zu spät dran.
Ihr zögerliches Handeln hält das negative Sentiment dann - wie im Fall Griechenland - nur unnötig lange am Köcheln.
   Es gibt übrigens noch eine Parallele zwischen Europa und den USA: Island. Das Land hat einige Jahre, bevor es zur Finanzschmelze in Europa kam, als Labor für das kontinentale Wirtschaftssystem gegolten. Der Zusammenbruch - der der erste in Europa war - hätte als Warnsignal verstanden werden müssen. Man hätte mehr Zeit und Ruhe gehabt, Krisenpläne zu schmieden, hätte man die Parallelitäten zwischen Labor und und dem großen Ganzen rechtzeitig hergestellt. Minnesota ist das Labor der USA. Der Sturm, der im dortigen Wasserglas stattfindet, muss eine Lehre für Washington sein. Schlüsse und Gegenmaßnahmen müssten jetzt getroffen werden. Wenn es dafür nicht schon zu spät ist.

Rückfragehinweis:   Wirtschaftsblatt Verlag AG    Tel.: 01/60117 / 300
OTS0297    2011-07-06/18:15