Wien

125 Jahre Rotes Kreuz



Heuer wird das Österreichische Rote Kreuz 125 Jahre alt. Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth übernahmen gleich 1880 die Schutzherrschaft über die „Österreichische Gesellschaft vom Rothen Kreuze (ÖGvRK)“, deren erste konstituierende Sitzung am 14. März 1880 stattfand.

So wurden die bisher vorhandenen Hilfsvereine zu einem tatkräftigeren Verband zusammengeschlossen. Damals zählte die ÖGvRK auf die Unterstützung von 1193 Mitgliedern und 357 Gönnern. Heute hat das Österreichische Rote Kreuz (ÖRK) eine „humanitäre Schlagkraft“ von ca. 50.000 hauptberuflichen und freiwilligen Mitarbeitern und über 700.000 unterstützende Mitglieder in der Österreichischen Bevölkerung. Doch auch die Zahl der Aufgaben ist enorm gewachsen.

Der Anfang

In den Jahren nach der Gründung kümmerte sich das Österreichische Rote Kreuz in erster Linie um im Krieg Verwundete, immer mehr spielte aber auch die Vorsorge in Form von Lazaretten und Heimen eine Rolle. Sukzessive ging die Hilfs- und Vorsorgearbeit auch in den zivilen Bereich über. In der Zwischenkriegszeit widmete man sich der öffentlichen Gesundheitspflege und der Rettungsdienst wurde aufgebaut.

Etwa ab 1890 richtete die Österreichische Gesellschaft vom Rothen Kreuze ihre Ziele auch auf außerkriegerische Ereignisse, bei denen Hilfe gebraucht wurde, so waren die ersten Einsätze dieser Art bei gewaltigen Wildbachverheerungen in Tirol und Vorarlberg, sowie bei katastrophalen Überschwemmungen in Böhmen, Mähren und Niederösterreich. Die dabei gezeigten Leistungen und der beispielhafte Idealismus verhalfen der "Österreichischen Gesellschaft vom Rothen Kreuz" zum Durchbruch.

Bereits 1897 war Wien und damit die Österreichische Gesellschaft vom Rothen Kreuze erstmals Gastgeber einer internationalen Rotkreuz-Konferenz, an der Vertreter aus 32 Staaten teilnahmen.
Am 5. März 1906 wurde der erste Rettungswagen (für Pferdegespann) in Salzburg in Dienst gestellt. Der Landeshilfsverein vom Roten Kreuz stellte das Fahrzeug unentgeltlich zu Verfügung. Dies kann als Beginn der Epoche menschenwürdigen Krankentransportes verstanden werden. Erst im August wurde die erste Einsatzfahrt angefordert. Ein an Blinddarmentzündung erkrankter Sommergast wurde am 11. August von Mondsee nach Salzburg überführt.

Zwei Kriege

Nach dem Ersten Weltkrieg 1921 trat das Österreichische Rote Kreuz der zwei Jahre zuvor geschaffenen Liga der Rotkreuz-Gesellschaften bei. Ein Jahr darauf wurde das Österreichische Jugendrotkreuz gegründet. 1938 wurde die Gesellschaft vom Österreichischen Roten Kreuz aufgelöst, und dem Deutschen Roten Kreuz eingegliedert. Erst 1945 entstand sie unter großen Anstrengungen mit Unterstützung der Alliierten wieder.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges haben viele unserer Großmütter und Großväter verzweifelt auf ein Lebenszeichen ihrer Lieben gehofft. Sie wussten nichts von ihnen. Nicht wo sie waren, ob es ihnen gut ging, ob sie überhaupt noch lebten. Dieses „Nicht – Wissen“ verursachte mehr Leid, als die Gewissheit, dass die Mutter, der Vater, die Schwester, der Bruder, das Kind nicht mehr lebt. Bis heute konnten die Schicksale von in etwa 80 % der damals vermissten Personen geklärt werden, viele werden aber für immer im Dunkeln bleiben.

Erneuter Aufbau

Die erste große Herausforderung für das neu gegründete Österreichische Rote Kreuz war sicherlich die Hilfe während und nach der Ungarnkrise im November 1956. Tausende Flüchtlinge wurden in Österreich versorgt, es konnten aber auch mehrere Hilfstransporte – an russischen Panzern und Truppen vorbei - bis nach Budapest gebracht werden. Medikamente, Decken – aber auch Lebensmittel - konnten an die meist Betroffenen vor Ort verteilt werden.

Im Jahr 1965 wurde das Österreichische Rote Kreuz mit der Durchführung der XX. Internationalen Rotkreuz-Konferenz betraut. In Wien wurden damals die bis heute gültigen Grundsätze des Roten Kreuzes beschlossen: Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Neutralität, Unabhängigkeit, Freiwilligkeit, Einheit, Universalität.

Die Neuzeit

1970 erfolgte eine grundlegende Überarbeitung der Satzungen und der Name wurde in „Österreichisches Rotes Kreuz“ geändert.Auch in Österreich gingen die Hilfeleistungen des Roten Kreuzes weiter. Tag für Tag in den Rotkreuz-Rettungswagen, die bis heute ganz Österreich flächendeckend im Rettungsdienst versorgen. In Westösterreich waren zusätzlich immer wieder verheerende Lawinenabgänge zu verzeichnen – das Rote Kreuz war immer vor Ort um genau dort zu helfen, wo Hilfe dringend nötig war.

1976 bebte im Norditalienischen Friaul die Erde – ganze Dörfer wurden dem Erdboden gleich gemacht – Einheiten des Österreichischen Roten Kreuzes waren rasch dort und konnten Akuthilfe leisten. Doch auch die langfristige Wiederaufbauhilfe war in Friaul wichtig – Häuser wurden errichtet und Schulen wieder aufgebaut.

Glücklicherweise gibt es in unserem Land seit Jahrzehnten keine kriegerischen Auseinandersetzungen mehr, trotzdem können  wir unsere Augen vor den Folgen des Krieges nicht verschließen. Der letzte große Krieg in Europa fand in den 90iger Jahren direkt vor unserer Türe statt. Hunderttausende Menschen flohen aus ihrer Heimat am Balkan, Familien wurden zerrissen, Träume zerstört. Die Hilfe für die am meisten betroffenen Zivilpersonen war die nächste Herausforderung für das Rote Kreuz. Gemeinsam mit dem ORF und der Caritas startete Nachbar in Not, die bis heute größte Österreichische Hilfsaktion für Menschen, die Hilfe brauchen. Was im Laufe der Geschichte unzähligen Menschen in unzähligen Kriegen widerfuhr – wie unseren Großeltern im Zweiten Weltkrieg oder den Menschen auf dem Balkan - widerfährt tagtäglich Millionen von Menschen weltweit: Auf der Flucht vor bewaffneten Konflikten und Katastrophen lassen sie nicht nur ihre Heimat, ihr Hab und Gut und ihre Träume zurück, viele von ihnen verlieren auch noch den letzten Schatz, den sie besitzen: ihre Familie.

Auch der große Rotkreuz-Einsatz in Asien, wo nach der Flutwelle am 26. Dezember 2004 hunderttausende Menschen verstarben und Millionen betroffen waren, ist für das Österreichische Rote Kreuz ein Meilenstein. Erstmals wurden internationale Kriseninterventionsteams entsendet, psychosoziale Fachkräfte und Ärzte, sowie Sanitäter sorgen im interdisziplinären Team um das Wohl der betroffenen Österreicher am Katastrophenort. Die Hilfeleistung für die Betroffenen in der Region wird wohl noch bis 2010 weitergehen, vieles wurde zerstört.

Zum Jubiläum: Einige Gedanken von Rot-Kreuz-Präsident Fredy Mayer

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