Wien

Von den Zimmerleuten

Im 16. Jahrhundert war es, als die Hamburger Gesellen zu wandern begonnen – wobei ihre strengen Regeln genau befolgt werden mussten, denn man musste sich erst der „Ehrbarkeit“, des schwarzen Halsbandes würdig erweisen.

Diese Wanderung dauerte meistens 3 Jahre lang, wer ein solches Ritual nicht mitmachte, trug keine Ehrbarkeit und wurde „Vogtländer“ genannt. Hauptsitz der alten Zimmermannsverbände war Bremen, was auf die Bedeutung der Schiffszimmermannsarbeit schließen lässt.

Die Niederösterreicher und Wiener Zimmermannsgesellen wanderten bis Hamburg und Bremen – wobei auch sie gerne die Tracht der Hamburger trugen. Heute wird die „Krawatte „Ehrbarkeit " genannt und bei offiziellen Anlässen sowohl von den Wiener als auch den NÖ getragen

Wie sieht sie aus, die malerische Tracht der Wanderburschen?

Eine schwarzsamtenen Jacke mit großen Perlmutterknöpfen, eine unten weit abstehende Hose und die weiß ausgeschnittene Weste aus gleichem Material, dazu der große Schlapphut „Sechzehner“ oder „Obermann“ genannt, ist charakteristisch. Auf dem Rücken oder unter dem Arm wird ein Bündel aus Bielefelder Leinen der „Berliner“ getragen, in dem mittendrin die lange Stoßaxt ist. Im linken Ohr hat der Zimmerergeselle einen silbernen Ohrring, sein schöner Knotenstock heißt „Stenz“

Von den Bräuchen bei der Aufnahme in den Gesellenstand, wie sie 1752 noch geschildert wurden, ist nichts mehr erhalten:

„Sonst setzten sich auch die Zimmerleute ihre Canditaen auf starke Schultern, trugen sie damit zu einem Fluß, wurfen und taucheten sie daselbst unter…Andere schwärzten ihre Pursche im Gesichte, und schickten sie mit einem großen Korb auf dem Rücken aus, um eine Spiel-Charter darin zu holen. Da denn die am Tische sitzenden Gesellen mit großen Ruthen oder Kochlöffeln sich versahen, und dem Neuling die Chartre vom Tische wegzunehmen befohlen, sich aber alsdenn schrecklich auf die Hände und Finger schlugen, ja gar die Finger zum öfteren verwundeten und verderbeten. Der Prätext war, dass man sie vom Chartenspiel dadurch abmahnen, und solches in diesem Stande zu vermeiden erinnern wollte.“ (Abhandlung von den Handwerksgesellen und ihren Zünften, 1752)

Ihre Zunft- und Innungsversammlungen und -Feiern halten die Zimmerleute gern zu Josefi am 19, März, am Tag des Schutzheiligen, ab.

Nach der Überzeugung der Zimmerleute ist ihr Berufsstand sozusagen das Ur-Handwerk, von dem sich viele Spezialzünfte abgespaltet haben, wie etwa die Maurer, die Wagner, die Tischler, die Schiffsbauer,…

Im frühen Hochmittelalter während der zahlreichen Städtegründungen, gab es noch keine der später so mächtigen Innungen oder Zünfte – vielmehr wurden vom Landesherrn so genannte „Zimmerämter“ vergeben, die mit manchem Privileg ausgestattet waren und auch erblich waren. Am wichtigsten war dabei wohl die Konkurrenzlosigkeit. Die Städte wuchsen und a mehr Zimmerleute wurden benötigt.

Vorbildwirkung für Österreich hatte die Wiener „Zimmerleut´-Zech“, die im Jahre 1433 von Herzog Albrecht V. eine Handwerksordnung erhielt. Vorher waren die Zimmerleute bei den Bauhütten organisiert.

Die Handwerksordnungen boten neben der Regelung der Ausbildung (seit 1547 gibt es das „Meisterstück“, der Leistung, des gesellschaftlichen und religiösen Lebens auch den Schutz vor der Konkurrenz der „Störer“und Pfuscher.

Nicht nur in Museen sondern auch in so manchem traditionsbewusstem Gasthaus, findet man die Stammtischzeichen: das der Zimmerleute zeigt zumeist in symmetrischer Anordnung die wichtigsten Werkzeuge – Winkeleisen, Breitbeil, Handhacke, Säge- aus Metall oder Holz.

Viele der Zunftzeichen und Fahnen finden sich in den Landesmuseen oder in den Meisterstuben – bei Fronleichnamsprozessionen einiger Städte werden die schönsten Zimmermannsfahnen nach wie vor Jahre für Jahre von Meister und Gesellen zur Ehre Gottes und des eigenen Standes mitgetragen.

Interessant sind auch die alten „Handwerkskundschaften“, eine Art von Gesellenbriefen, die 1810 von amtlichen Wanderbüchern abgelöst wurden.

Der Beruf zeichnete sich durch Beständigkeit aus – auch durch den Umstand, dass sich der „Meister“ in vielen Familien vererbte. Dabei ist auch interessant, dass viele Zimmermeister gleichzeitig Baumeister sind und Sägewerke und Brunnenbau betreiben. Ein Beispiel für diese Herstellungsvielfalt ist die Familie Winkler aus Zistersdorf, welche einst Ölbohrtürme aus Holz und Schiffsmühlen für die March herstellte.

In vielen Fällen waren es auch anerkannte Meister und Gesellen der Zimmererzunft, die während des eher arbeitsfreien Winters auf der „Störi“ in die Vierkanthöfe und Preßhäuser gingen und denen man nun die schönsten verzierten Most- und Weinpressen des Landes verdankt.

Bevor der Zimmermann zur Arbeit schreitet, „reißt“ er das Holz an bzw. macht er einen „Riß“ oder einen „Blei“, aber ja keinen Strich. Das solchermaßen vorbereitete Holz wird mit Spaltwerkzeugen wir Band- oder Bundhacke, Handhacke, mit dem Dexel, der Stoßaxt und der Kreuzaxt bearbeitet.

Weiters finden noch Handsägen, Schweifsägen, Fuchsschwanz oder die seltsam geformte Grat- oder Grundsäge ihre Verwendung. Bei den Hobeln ist das Zwiemandl mit den vier Griffen besonders bemerkenswert, wenn auch der „Schrupp-Schlicht-Doppel“ mit der Zweimannbedienung heute schon durch Maschinen ersetzt wurde. Mit all diesen für den Laien verwirrenden Begriffen muss sich der angehende Zimmermann auseinandersetzen, bevor er seine 3-jährige Lehrzeit erfolgreich absolvieren kann.

Die beste Baustelle für den Zimmermann war die, bei der das Zurichten gleich auf einer Wiese erfolgen konnte und man die Vorbereitung nicht in der Werkstatt bzw. im Betriebshof treffen musste.

Ein ursprünglicher Zimmermannsbrauch war das mit bunten Bändern geschmückte Gleichenbäumchen des „Richtfestes“ – ehe es von Maurern und auch von Kanalbauern, Kabellegern und Betonbrückenherstellern übernommen wurde. In Deutschland ist es mit Glocken, Kronen oder Kuppeln aus Reisiggirlande verziert.

Heute arbeiten die Zimmerleute natürlich mit modernsten Geräten und Maschinen, wodurch sich ihre Produktion vervielfacht hat, zumal gerade in letzter Zeit Vorteile und  Leben des Holzes entdeckt werden, so ist z.B. das bekannte „Rinter-Zelt“ in Wien bis auf den Betonmittelpfeiler reinste Zimmermannsarbeit.

Immer öfter vernimmt man auch beim „Neuen bBauen“ (Biohäuser“) und auch bei Großbauten den Zimmererruf: „Holz, holt´s Holz her! 
 
Quelle: "Zimmerleut`- rare Leut" von Dr. Werner Galler – zur Verfügung gestellt von der Landesinnung Wien der Zimmermeister