Wien

130 Jahre selbstständiges Optikerhandwerk



Zunftzeichen um 1591
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Vor mehr als 130 Jahren gab es in Österreich noch kein Optikerhandwerk. Die Versorgung der Bevölkerung erfolgte, soweit es die damaligen Möglichkeiten erlaubten, durch die Schleifer von optischen Gläsern und die Brillenmacher. 

Die durchschnittliche Arbeitszeit war im Sommer von 6 Uhr früh bis 7 Uhr abends, im Winter von 7 Uhr früh bis 7 Uhr abends mit 1/2 Stunde Frühstückspause, 1 Stunde Mittagspause und 1/2 Stunde Jausenzeit. Glasschleifer verdienten 7-15 fl./ Woche, Taglöhner nur etwa 6 fl. / Woche.

Das Material für die Fassungen, im wesentlichen Horn, Schildpatt und Metall, sowie die Arbeitsmethoden, die die alten Brillenmacher anwendeten, führten zu Ihrer Eingliederung in die Genossenschaft der Maschinenfabrikanten und Mechaniker. Die steigende Bedeutung des Optikerberufes brachte 1867 die Gründung der Genossenschaft der Optiker mit sich. Damals bestanden in ganz Österreich etwa 90 Optikerbetriebe - davon 50 allein in Wien.



Zunftzeichen um 1550
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Am Anfang erfolgte die Berufsausbildung ausschließlich in den Werkstätten mit einfachen Erzeugungsmethoden. Die Optiker "der ersten Stunde" mußten vom Rohstoff bis zum fertigen Erzeugnis alle Arbeitsphasen noch selbst durchführen. Alsbald setzte jedoch ein rascher Aufstieg ein. Das Optikergewerbe folgte der beginnenden Industrialisierung, die Optikerbetriebe wurden größer und der Ausbildungsstandard ständig und gründlich intensiviert.

Heute gibt es in Österreich 850 selbstständige Optikerbetriebe, die in innungsmäßig organisiert sind. Aufgrund der Gewerbeordnung, Handelskammerordnung und des Medizinproduktegesetzes ist die Berufsausübung gesetzlich geregelt.

Der heute aufwendig gestaltete Ausbildungsgang gründet sich auf eine dreieinhalbjährige Lehrzeit in einem Meisterbetrieb mit gleichzeitigem Besuch einer Berufsschule für Augenoptiker. Nach dieser Lehrzeit kann die Gesellenprüfung abgelegt werden. Nach mindestens dreijähriger Gesellenzeit kann zur Meisterprüfung angetreten werden. Neben dem praktischen Teil, den physikalischen und brillentechnischen Kenntnissen wird ein starkes Augenmerk auf Anatomie, Pathologie und Physiologie der Augen Wert gelegt. Ein weiterer Schwerpunkt bildet die exakte Brillenglasbestimmung in Theorie und Praxis. Mit ihrem fachlichen Wissen und handwerklichen Können haben die österreichischen Fachoptiker heute keinerlei Konkurrenz zu scheuen.

Erst nach einer mit Erfolg bestandenen Meisterprüfung darf schließlich ein Optikerbetrieb eröffnet werden. Idealismus und permanente Fortbildung sind Indikatoren für zufriedene, gut sehende Kunden. Eine Brillenanfertigung beim Fachoptiker ist - heute mehr denn je - ein Garant für die hochwertige Versorgung mit modernsten Korrektionsmitteln.

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