Wien

Tradition für Morgen



Der Stephansdom

Jeder Mensch braucht ein Dach über dem Kopf, so war es bereits seit Beginn des Menschheit.

Am Anfang gab es Laub, Schilf und Strohdächer, dann Schindeldächer.
Wegen der Feuergefahr wurden ab dem 14. Jahrhundert Ziegeldächer für wertvolle Gebäude verwendet – und so entstand der Beruf des Ziegeldeckers.

Im Jahr 1359 wurde der Bau des „Münsters zu St. Stephan“ in Wien begonnen und 1498 fertig gestellt.
Am 3. Oktober 1433 wurde der große Turm des Domes durch Aufsetzen der Rose und des Knopfes schließlich vollendet.

Im Jahre 1391 gab es in Wien bereits die ersten mit Ziegel gedeckten Häuser und 1437 findet man die erste schriftliche Erwähnung des namentlich genannten Ziegeldeckers „Hanns Schechinger in der Katerlukken.“

1500 sind bei einem Steueranschlag bereits drei Ziegeldecker namentlich aufgeführt. Bei der 1. Türkenbelagerung Wiens im Jahre 1529 wurden unter allen Handwerkern auch die Ziegeldecker zur Verteidigung gegen Sultan Soliman herangezogen.

Am 23. Oktober 1548 wütete der große Stadtbrand in Wien, wobei speziell die Ziegeldecker in vorderster Reihe zur Brandbekämpfung herangezogen wurden, da sie sich auf den Dächern problemlos mit Leitern bewegen konnten und die Feuerwachdienste in ihrer Verantwortung lagen.
Schon 1527 war unter Ferdinand I. die erste allgemeine Handwerksordnung erlassen worden, darin wurden bereits die Ziegeldecker und ihre lohnrechtlichen Fragen behandelt und genannt.

1581 legten die Ziegledeckermeister einen eigenen Handwerksverordnungsentwurf dem Wiener Magistrat zur Begutachtung vor. 1593 wurde dies dann – mit einigen Änderungen – bewilligt, womit die offizielle Ziegeldeckerzunft nun schon länger als 400 Jahre besteht.

1683 belagerten die Türken Wien zum zweiten Mal, angeführt von Großwesir Kara Mustapha; wieder wurden enorme Schäden angerichtet.

Besonders stark in Mitleidenschaft gezogen wurde die Wiener Dachlandschaft schließlich während des zweiten Weltkrieges: Bis 1945 blieb kein Dach mehr verschont. Selbst der „Steffl“ brauchte ein neues Dach, an dem viele Dachdecker aus Wien und Umgebung mitgearbeitet haben.
In der Rekordzeit von kaum 100 Arbeitstagen wurden ca. 7500 Quadratmeter Dachfläche bei einer Dachneigung zwischen 60° und 80° mit mehr als 500 Meter ausgedeckten Ziegelichsen hergestellt.

Brände, Krieg, der Lauf der Zeit – immer mussten die Dächer Wiens überholt und saniert werden; trotz Wirtschaftskrise und Konjunktureinbrüche.

Und noch immer gilt:
„Dachdecker-Handwerk hat goldenen Boden: einst – jetzt – und in Zukunft!

Copyright: Tradition für Morgen– Innungsmeister Josef Matzner