Wien

Geschichte der Buchbinder



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Zur Geschichte

Das Handwerk des Buchbinders blickt auf eine Jahrhunderte währende Tradition zurück. So wurde bereits im Jahre 1302 erstmals ein weltlicher (gewerblicher) Buchbinder "HERMANN DER BUCHBINDER" urkundlich in Wien erwähnt. Dies ist der erste urkundliche Nachweis eines Buchbinders im deutschsprachigen Raum.
In Klöstern wurden bereits lange Zeit vorher Bücher handwerklich hergestellt.
Zu den bekanntesten zählten das Kloster St. Theobald sowie die Schotten- und Dominikanerklöster.

Den ersten merklichen Aufschwung für das Handwerk der Buchbinder brachte die Gründung von Universitäten im deutschsprachigen Raum, wie z.B. die Universität Wien im Jahre 1365. Bis zur Erfindung des Buchdruckes durch Gutenberg 1455 gab es, da nur Handschriften in sehr geringer Zahl (enorme Kosten) hergestellt wurden, sehr wenige Buchbinder.

Erst die Erfindung des Buchdruckes ermöglichte die Massenherstellung und führte naturgemäß zum Erblühen des Handwerkes. Die Massenherstellung ermöglichte die Produktion von Büchern zu wesentlich günstigeren Preisen, machte allerdings auch die Entwicklung neuer Techniken notwendig. So entstand der Gebrauchseinband, der sich sowohl in Technik, als auch in der Gestaltung vom klösterlichen, mittelalterlichen Einband wesentlich unterschied.
Die wachsende Zahl der Buchbinder weckte das Bedürfnis, sich entsprechend zu organisieren.
1548 legten erstmals die Meister der Stadt Wien (die selbständige Gewerbesausübung war an den Besitz des Bürgerrechtes gebunden) eine von ihnen selbst ausgearbeitete Zunftordnung dem Stadtrat vor.
Der 30jährige Krieg und die Türkenkriege bewirkten einen fast völligen Stillstand in der Buchkultur, die Produktion blieb allerdings beachtlich. So verzeichnete der Leipziger Meßkatalog in der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts jährlich zwischen 600 und 1.100 Neuerscheinungen.
Erst zum Ende des 17. Jahrhunderts mit seinen kunstsinnigen Kaisern gewann das Buch und dessen Form und Ausstattung wieder an Bedeutung.

Die älteste Innung Österreichs, die Buchbinderinnung Wien, legte 1689 das erste bekannte Meisterbuch an. Es bildet zusammen mit dem 2. Protokollbuch, 1774 angelegt sowie mit den Ordnungen 1549 und 1636 die Grundlagen, sozusagen die "Verfassung" der Innung.

Im 18. Jahrhundert war das Buchbindergewerbe insoferne rückläufig, als man auf das Äußere der Bücher weniger Wert zu legen begann. Zum Einbinden wurde billigeres Material (Papier) verwendet. Diese Papiereinbände haben zwar zur Verbilligung des Buches, nicht aber zur Veredelung der Buchbinderarbeit beigetragen.

Durch die Einführung der Schulpflicht durch Maria Theresia wurden auch für die ärmeren Kinder Schulbücher notwendig. Zur Deckung des Bedarfs wurden Schulbücherverlage ins Leben gerufen.
Dies bedeutete für viele gewerblichen Buchbinder jahrzehntelang ein wichtiges Betätigungsfeld. Heute wird dieser Zweig vorangig von den industriellen Buchbindern abgedeckt.

Die Aufhebung der Zensur durch Josef II. führte zu einer bedeutenden Steigerung der Produktion von Druckwerken und damit auch zu einem Aufschwung für das Buchbindergewerbe. Zu der Zeit entstanden auch 3 neue Arten von Druckwerken, nämlich Zeitung, Zeitschrift und Lexikon.

1811 wurde Johann von Kronberg von der niederösterreichischen Landesregierung ein Patent auf Klebebindung erteilt. Der Klebebindung war durch die Ungunst der damaligen Zeit kein Erfolg beschieden. Das Buchbinderhandwerk dieser Tage war zu sehr mit deren althergebrachten Arbeitsweisen verbunden, um in dem Neuen einen Fortschritt zu sehen.
Erst Emil Lumbeck (1886-1979) führte mit einer völlig neuen Methode die Klebebindung 1936 zu einem durchschlagenden Erfolg. Dieses Verfahren ist im wesentlichen bis in die Gegenwart erhalten geblieben.
Die Erfindung der Fotografie 1839 eröffnete dem Buchbinderhandwerk ein neues weitreichendes Betätigungsfeld. Hier wurden Fotos auf Karton aufgezogen und mit schrägem Goldschnitt und runden Ecken versehen.
Der geprägte, englische, vertiefte Karton wurde ursprünglich "Wiener Carton" genannt und nur hier hergestellt.

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