Wien

Geschicht(e)n des Handwerks



Der kaiserliche Hofschreiner Johannes Indau, Innungsfahne der Schildermacher, eine Meistertruhe

Die Arbeitswelt hat sich verändert – neue Technologien greifen um sich, Automaten, Mikroprozessoren, Computer und Roboter dominieren die heutige Produktion.

Ist das alte Handwerk nun ein Relikt vergangener Zeiten oder hat es nach wie vor seine Berechtigung? Wie ist es mit dem Trend zum neuen Luxus, zum Leben nach Maß, ein Credo, dass viele Handwerkstraditionen verkörpern?

Seit den 70 er Jahren – als alternative Lebensformen neue Bedeutung erhielten, gibt es nun wieder Interesse am „Alten Handwerk“

Doch was ist das „Alte Handwerk“ nun eigentlich? Wie sah das Leben in einem typischen Handwerksbetrieb aus?

Die wesentlichen Kennzeichen des Alten Handwerks:

 - Die kleinbetriebliche Produktion – d.h. die Arbeit findet im Alleinbetrieb oder im Zwergbetrieb statt. Wo der Meister nicht alleine arbeitet, beschäftigte er bis ins 18. und 19. Jhd. meist kaum mehr als 1 oder 2 Gesellen bzw. Hilfskräfte – wenngleich es z.b. im Bauhandwerk größere Betriebe gab.

Die Größe und Produktivität der Betriebe war durch die Zunft und durch die Handwerkerbünde geregelt.

-  Charakteristisch für den Handwerksbetrieb ist die Mitarbeit des rechtlich und wirtschaftlich selbständigen Meisters.

Ein weiteres Merkmal des alten Handwerks ist die Bedeutung des arbeitenden Menschen – der im Vordergrund des häufig von Naturprozessen abhängigen Arbeitsprozesses steht.

Handwerkliche Produktion beruht auf Handfertigkeit und individuelle Werkstoffbeherrschung. Werkzeuge und Maschinen sind nur Ergänzungen – daher ist Arbeit der entscheidende Prod. Faktor.

- Wesentlich für das alte Handwerk ist auch der geregelte Ausbildungsgang – der eine Lehre und Gesellenzeit umfasst und bis ins 20. Jhd. Bedeutende blieb. Bis ins 20. Jhd. blieb die Lehrzeit im Handwerk der Gradmesser für qualifizierte Arbeit im Gewerbe.

Bis in die frühe Neuzeit kannten einige Handwerke auch noch Lehrtöchter – diese wurde im Zuge der Verdrängung der Frauenarbeit jedoch auf den Lehrjungen beschränkt. Bedeutender als eine Gesellenprüfung war der Lehrbrief sowie die rituelle Aufnahme in den Kreis der gesellen – die auch durch die Wanderschaft erreicht werden konnte.

Die Wanderschaft der Gesellen verbreitete sich mit Ende des 14 Jhd, und galt als Hochschule des Handwerks. Sie prägte die Vereinigung der Gesellen und damit deren überregionale Kultur und das Gesellenbrauchtum.

Im alten Handwerk wohnten und aßen die Gesellen meistens im Meisterhaus – die so genannte Einheit von Arbeit und Wohnen löste sich im späten 18.jh. durch die Verbreitung des Massenhandwerks wieder auf. Die selbständige Ausübung des Handwerks und die Beschäftigung von Hilfskräften war jedoch an das Meisterrecht gebunden – der Geselle musste meistens mehrere Jahre bei verschiedenen Meistern gearbeitet haben, um dieses recht zu erlangen.

Die Meisterprüfung wurde zwischen dem 15. und 17. Jh. in den meisten Handwerken verbindlich. Ein ganz wichtiges Merkmal ist die zünftige Organisation – die die verschiedensten Funktionen ausübte, von einer eigenen Gerichtsbarkeit bis zu marktregulierenden Funktion.

Ein weiteres Merkmal sind vor allem die zünftigen Organisationen (Innungsorganisation), deren Entwicklung sich - abhängig von den politischen Rahmenbedingungen - sich sehr unterschiedlich gestaltete. Ihren Höhepunkt hatten die Zünfte im 14. und 15 Jahd., wo sie neben der sozialen Funktion auch religiöse und militärische Funktionen wahrnahmen.

In wirtschaftlicher Hinsicht waren es folgende Punkte:

 

  • berufsordnende Funktion - Ausbildung
  • marktordnende Funktionen
  • preisordnende Funktion 

 

Im späten 19. Jahrhundert verloren die Zünfte allerdings ihre Bedeutung.

Was nun das "Alte Handwerk" betrifft, so haben einige Berufe bereits früh ihreen handwerklichen Charakter verloren und sind in Verlag, Manufaktur oder Fabrik aufgegangen - oder haben einen Strukturwandel vollzogen.

Einige gibt es aber noch bis heute - und werden nun im Detail beschrieben.

Quelle: Lexikon des Alten Handwerks - Reinhold Reith