Wien

4.7.2014 ERSTE Group macht 1,6 Milliarden Euro Verlust

Milliardenverlust:
Die Erste Group schockiert mit der Ankündigung eines Rekordverlusts und dem Ausfall der Dividende ihre Aktionäre. Erste-Aktien stürzen ab.
Bankchef Treichl sieht keinen Grund zum Rückzug.
=> Der Standard vom 4.7.2014



30.10.2008: 2,7 Milliarden Euro Staatshilfe für "Erste Group Bank AG"

Filiale der Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen AG

Foto: Filiale der Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen AG

Die Holding "Erste Group Bank AG" hat heute 30.10.2008 - einen Tag vor dem Weltspartag - das staatliche Hilfe im Rahmen des Bankenhilfspaket in Anspruch genommen. Die "Erste Group Bank AG" erhält 2,7 Milliarden Euro (= 37 Milliarden Schilling) von der Republik Österreich (= Steuerzahler). Dafür wird die Republik Österreich Miteigentümer der ERSTE Group Bank AG. Der Staat zeichnet Partizipationsscheine und soll dafür 8% Zinsen von der Bank bekommen. Dadurch steigt die Eigenkapitalquote der ERSTE Group Bank AG von 7,5% auf 10,3%. Die "ERSTE Group Bank AG" ist eine Holding, die Anteile an Banken in Tschechien, Slowakei, Ungarn, Rumänien, Ukraine, Kroatien und Serbien hält. In Österreich hält sie die Anteile an der "Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen AG".
 
Gleichzeitig gab die Holding "Erste Group Bank AG" heute bekannt, dass sie das Ergebnis in der ersten drei Quartalen 2008 um 23,2% stark steigern konnte. Der Konzernüberschuss erhöhte sich in den ersten drei Quartalen um 74,6% auf EUR 1.463,0 Mio (bereinigt um den Verkauf der Versicherungssparte +2,8% auf EUR 861,7 Mio).Die Bank stehe also nicht vor der Pleite.

Anmerkung: Das eine stark gewinnbringende Bank das Bankenhilfspaket der Republik Österreich als erstes annimmt und dann gleich mit 2,7 Milliarden Euro, das wird der leidgeprüfte österreichische Steuerzahler nur schwer verstehen. Die Aktionäre verstehen das viel besser. Heute gab es ein Kursfeuerwerk bei der Aktien der "Erste Group Bank AG": +13,9% Tagesgewinn an der Wiener Börse.

Mehr Infos => Börsekrach 2008





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Gagenrückzahlung der verantwortlichen Manager

wird endlich zeit dass die herrschaften von ERSTE, EVN, volksbanken, raiffeisen, investkredit, kommunalkredit, baumax usw. und so fort - ihre gagen der letzten 20 jahre anstandshalber zurückzahlen, ein präpotenter treichl das doppelte samt enteignung. empörend für das ganze geschehen ist ja kein ausdruck mehr
 
aber im osten liegt unsere zukunft - meinte kürzlich ein gewisser kurz, ein schüssel meint nichts mehr, wie immer und der "wahlgewinner" karas hat wieder für 5 jahre ausgesorgt und braucht sich bei den schüler, die er zwecks wahlwerbung über die " eu - informiert" hat -  auch nicht mehr blicken lassen.
Rene P.       4.7.2014




FPÖ Mölzer: Gehälter von Bankmanagern, die Staatshilfe beanspruchen, sind auf 500.000 Euro zu begrenzen


Nach dem "großzügigen" Verzicht von Erste-Bank-Chef Treichl auf Sonderzahlungen: Österreich soll dem deutschen Vorbild folgen

Daß Erste-Bank-Chef Andreas Treichl und seine Vorstandskollegen wegen der Inanspruchnahme des staatlichen Hilfspaketes in geradezu "großzügiger" Weise auf ihre Bonuszahlen verzichten, sei einfach nicht ausreichend, sagte der freiheitliche EU-Abgeordnete Andreas Mölzer. "Treichl hat im Vorjahr, also zu einem Zeitpunkt, an dem die ersten dunklen Wolken am internationalen Finanzhimmel auftauchten, 4,4 Millionen Euro verdient, und mehr als die Hälfte seines Gehalts bestand aus Boni. Und wenn ihm nun trotz des Verzichtes auf Sonderzahlungen eine fixe Gage von weit mehr als einer Million Euro bleibt, dann bleibt die Schieflage bei den Gehältern von Bankmanagern bestehen", fügte Mölzer hinzu.

Daher sprach sich der freiheitliche EU-Mandatar dafür aus, dem Beispiel der Bundesrepublik Deutschland zu folgen und die Gehälter von Bankmanagern, deren Institute staatliche Hilfe in Anspruch nehmen, auf 500.000 Euro jährlich zu begrenzen. "In Zeiten, wo ein dramatischer Anstieg der Arbeitslosigkeit droht, ist gerade von jenen, die in den letzten Jahren Bezüge in astronomischer Höhe erhielten, weil sich ihre Banken an waghalsigen Spekulationsgeschäften beteiligt haben und nun vom Staat, also von den Steuerzahlern, Hilfe erwarten, ein Solidarbeitrag mehr als gerechtfertigt", betonte Mölzer.

In diesem Zusammenhang bezeichnete es Mölzer als unverständlich, daß Finanzminister Molterer in seiner Verordnung zum Finanzmarktstabilitätsgesetz nur auf die "Erforderlichkeit eines marktkonformen Entgelts" hinweist und nicht eine Begrenzung der Gehälter der Bankmanager auf 500.000 Euro vorgenommen hat. "Dies wäre nicht nur ein klares Signal an die Bürger, daß der Staat die Banken und deren Verantwortliche in die Pflicht nimmt, sondern auch im Sinne der EU. Schließlich hat die Kommission, als sie das bundesdeutsche Hilfspaket in der Höhe von 500 Milliarden Euro gebilligt hat, ausdrücklich auf die Begrenzung der Managergehälter verwiesen. Und diese Begrenzung kann nur durch klar definierte Beträge und nicht durch unbestimmte Begriffe erfolgen", schloß Mölzer.

Rückfragehinweis:  FPÖ
OTS0260    2008-10-30/15:01



Erste Bank: Keine Hilfe ohne Bedingungen

Attac und BEIGEWUM: Gesetz enthält zu wenige und lediglich freiwillige Auflagen

Angesichts der Staatshilfe für die Erste Bank erneuern das globalisierungskritische Netzwerk Attac und der Beirat für gesellschafts-, wirtschafts- und umweltpolitische Alternativen (BEIGEWUM) ihre Kritik am staatlichen Bankenpaket. „Das Bankenpaket hat grobe Mängel. Anstelle von verpflichtenden Auflagen enthält es in entscheidenden Bereichen lediglich Kann-Bestimmungen. Wichtige Details bleiben ungeklärt oder fehlen vollständig“, erklärt Attac-Mitbegründerin Karin Küblböck.

Im „Bundesgesetz zur Stärkung des Interbankenmarkts“ finden sich keine Details dazu, welche Kontrollrechte der Staat erhält. „Es fehlen Kriterien, welche Kreditinstitute als systemrelevant gelten. Unklar bleibt auch, ob die Garantien versteigert, auf Antrag gewährt, wie die Kapitalerhöhungen bepreist werden und welchen Preis der Ausstieg des Staates zu einem späteren Zeitpunkt für die Banken hat“, kritisiert BEIGEWUM-Mitglied Ao. Prof. Joachim Becker von der Wirtschaftsuniversität Wien.

Jene Auflagen, die derzeit nur als Kann-Bestimmungen definiert sind, müssen verpflichtend werden, fordern Attac und BEIGEWUM. Dazu zählen etwa die Auflagen zu Gehältern und Arbeitsplatzerhalt, zur Kreditgewährung, Mittelverwendung, Eigenmittelausstattung, Dividendenpolitik und zur Verhinderung von Wettbewerbsverzerrungen.

Folgende Auflagen sind zusätzlich dringend erforderlich:

•    Gerettete Banken müssen ihre Filialen in Steueroasen auflösen.
•    Eine Rechenschaftspflicht gegenüber dem Parlament, nicht bloß gegenüber dem Finanzminister.
•    Die Unterstützung für Kleinkreditnehmer: Banken sollen einen Fonds für die Schuldnerberatung oder eine unabhängige Beratungsstelle finanzieren, die bei Schuldenproblemen berät.
•    Das Verbot bestimmter geschäftlicher Praxen und Beeinflussung der Geschäftspolitik der Banken: Kleinkundengeschäfte dürfen nicht mit komplexen und riskanten Finanztransaktionen verknüpft werden. Es darf keine Orientierung am Shareholder Value geben.

Für Attac und BEIGEWUM beweist die Krise, dass ein grundlegendes Umdenken im Bankensektor notwendig ist. „Wir fordern eine dauerhafte Rückkehr zum öffentlichen Eigentum an Banken. So können die öffentlichen Aufgaben der Banken im Interesse der Allgemeinheit - wie etwa die günstige Finanzierung von Krediten für Klein- und Mittelbetriebe und Privatpersonen sowie die sichere Verwaltung von privaten Sparguthaben - sichergestellt werden. Diese wichtigen Aufgaben werden von privaten Eigentümern, die rein auf Rendite bedacht sind, vernachlässigt“, schließt Becker.

www.attac.at
www.beigewum.at

Rückfragen:
David Walch
Pressesprecher Attac Österreich
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Tel:   +43 (0) 1   544 00 10



DER STANDARD-Kommentar: "Wo sich der Spaß aufhört"

von Andreas Schnauder

Staatshilfe für Banken ist keine Schande, doch Konsequenzen müssen folgen

No risk, no fun. - So reagierte Raiffeisenbanker und Spartenobmann Walter Rothensteiner vor zwei Jahren auf die Bedenken des Internationalen Währungsfonds und der Notenbank, die sich um das hohe Engagement der heimischen Institute in Osteuropa sorgten. Spaß hatten die Geldinstitute reichlich, nicht zuletzt an den üppigen Gewinnen. Die versiegen nun, zumindest für ein paar Jahre. Für die drohenden Ausfälle darf der Steuerzahler schon einmal vorweg in die Tasche greifen.
Er tut es offenbar gern. Den Eindruck kann man gewinnen, wenn man sich das Tauziehen um die Bankenstützungen vor Augen führt. Da musste der Bund fast als Bittsteller zu den Instituten pilgern, um sie unter seinen Schutzschirm zu bringen. Dass die für den Kreditapparat bereitgestellten 15 Milliarden Euro in etwa auch ausgeschöpft werden, gilt mittlerweile als ziemlich wahrscheinlich. Der Damm ist jedenfalls gebrochen: Die Erste Bank machte ihrem Namen alle Ehre und nahm die Einladung wenige Stunden nach Vorlage der entsprechenden Verordnung an.

Viel wird ihr dafür nicht abverlangt. Die Top-Banker vom Graben werden die Gehaltseinbußen verschmerzen, die sie sich angeblich selbst auferlegt haben. Und auf lästige Kontrolle durch den Bund muss sich das Spitzeninstitut des Sparkassensektors auch nicht einstellen - der Staat hält sich bei den Auflagen nobel zurück. Die Banken verkaufen die Hilfen munter als Konjunkturpaket und  Schutzimpfung, die lediglich zur Vorbeugung diene. Ziemlich einleuchtend: Der Bund stopft mit voraussichtlich 15 Milliarden Euro das Fünffache der (ziemlichen fraglichen) Steuerreform in den Kreditapparat, der nach wie vor am Schnürchen rennt.

Der Bürger gibt und dankt für die Annahme der Geschenke. Immerhin geht es um die Stabilisierung des heimischen Finanzwesens (das eigentlich eh gesund ist). Bei der Erste Bank gibt es wenigstens den Trost, dass hier keine großen Verfehlungen in der Geschäftspolitik bekannt sind. Island, spekulative Investments oder Lehman ziehen zwar eine rote Spur durch die Bilanz, allerdings in geringerem Ausmaß als anderswo.

Völlig anders das Bild bei Kommunalkredit und Constantia, denen ohne staatliche Hilfe kaum Überlebenschancen eingeräumt werden. Während die Turnauer-Privatbank mitten im Sumpf der Immofinanz-Gruppe steckt und Milliardensummen zu schleierhaften Zweckgesellschaften verschob, zockte die Kommunalkredit heftig in Island und auf Zypern.

Da fragt sich der Steuerzahler schon, warum er für die Managementfehler, möglicherweise auch schwere Pflichtverletzungen, geradestehen soll. In der derzeitigen Lage ist zwar viel von Paradigmenwechsel im Finanzsystem die Rede, doch den Worten folgen kaum Taten: Die würden nämlich mit der Übernahme der Verantwortung für die Verfehlungen beginnen. Von  Managementänderungen ist wenig zu hören. Auch die Aktionäre, die sich in den vergangenen Jahre über hohe Profite freuen durften, werden nicht in die Pflicht genommen.

Das sind schlechte Voraussetzungen für die so heftig eingemahnte Neuordnung des Finanzsystems.
Die Kapitalspritzen gehen insgesamt in Ordnung, weil Österreichs Banken ansonsten gegenüber jenen Mitbewerbern benachteiligt würden, die weit höhere Summen erhalten. Doch wesentlich wichtiger als die Diskussion um Gagenlimits wäre es, die in den Bilanzen schlummernden Risiken jetzt komplett offenzulegen und zu berichtigen. Stattdessen wird getüftelt, wie man den Banken diese Schritte ersparen kann. Zweitens sollte nicht gutes Geld schlechtem nachgeworfen werden, indem Institute aufgefangen werden, die sich selbst ins Aus manövrierten. Irgendwann hört sich nämlich der Spaß auf.

Rückfragehinweis:
Der Standard     Tel.: (01) 531 70/445
OTS0311    2008-10-30/18:10



WirtschaftsBlatt-Kommentar: Banken stehen am Weltspartag Schlange

von Esther Mitterstieler

Erstaunlich, wie schnell sich die Welt gedreht hat

Mit 2,7 Milliarden Euro Partizipationskapital hilft nun der Bund bei der Erste Group aus. Das ist so viel, wie uns in den vergangenen Monaten noch von der Bundesregierung als Steuerreform für 2010 versprochen wurde - oder auf jede(n) Einzelne(n) runtergebrochen rund 34.000 Euro. Notabene: Einen Teil dieser Steuerreform auf 2009 vorzuziehen, schien unmöglich, weil das Geld nicht vorhanden war/ist.

Will heißen: Schöne Bescherung für die Banken. Nach der Erste Group wird wohl die Kärntner Hypo Alpe Adria bald zugreifen. Volksbank und RZB sollen ebenso schon in der Schlange stehen. Frei nach dem Motto des ersten deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer: "Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?" Hatte doch Raiffeisen-Oberboss Christian Konrad eine Staatshilfe "nur über meine Leiche" abgelehnt. Sollte er nun doch umschwenken, dann befindet er sich zumindest in guter Gesellschaft: Der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, hatte sich glatt auf die Behauptung verstiegen, er würde sich schämen, staatliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Jetzt denken auch die deutschen Großbanken daran. Erstaunlich, wie sich die Welt gedreht hat: Und wo vor kurzer Zeit kein Geld war, taucht es plötzlich auf.

100 Milliarden Euro ist das Bankenpaket in Österreich schwer. 75 Milliarden Euro sollen über eine Clearingstelle an die Institute fließen, darin enthalten sind Haftungen und Garantien. Werden diese schlagend, wird das Geld sofort budgetwirksam. Zehn Milliarden Euro sind für die Einlagensicherung der KMU reserviert. Die 2,7 Milliarden Euro, die jetzt an die Erste Bank fließen, kommen aus dem restlichen 15 Milliarden schweren Topf zur Stärkung des Eigenkapitals. Eurostat-Statistiker sind sich uneins, ob dieses Geld budgetwirksam wird. Alles läuft darauf hinaus. Wir Steuerzahler müssen also vorerst dafür geradestehen. Bis die Bank das Geld in fünf Jahren mit jährlich acht Prozent Verzinsung zurückzahlen kann.

Was nicht hinlänglich erklärt wurde, ist die immense Höhe des heimischen Bankenpakets: Großbritannien stellt seinen Banken 636 Milliarden Euro zur Verfügung. Das heißt: Österreichs Banken wird zumindest unterstellt, einen massiven Kapitalbedarf zu haben. Wenn es jetzt heißt, das Paket sei im Verhältnis zu Großbritannien okay, muss man hellhörig werden. Schließlich ist Großbritannien massiv vom Subprime-Sumpf getroffen. Die Schlüsse kann jeder selbst daraus ziehen.

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt 
Redaktionstel.: (01) 60 117/300  www.wirtschaftsblatt.at
OTS0302 2008-10-30/17:14