Wien

KAV und Ärztekammer Wien setzen gemeinsam Maßnahmen gegen Mobbing:

Foto v.li.n.re.: Ärztekammerpräsident MR Prim. Dr. Walter Dorner, StR. Mag.a Sonja Wehsely und KAV-Generaldirektor Dr. Wilhelm Marhold; © Pressefoto Votava

Foto v.li.n.re.: Ärztekammerpräsident MR Prim. Dr. Walter Dorner, StR. Mag.a Sonja Wehsely und KAV-Generaldirektor Dr. Wilhelm Marhold; © Pressefoto Votava

Wien (RK). "Der Kampf gegen Mobbing im Unternehmen ist ganz klar eine Managementaufgabe. Überall dort, wo Menschen miteinander arbeiten, kann es zwischen ihnen zu Konflikten bis hin zu Mobbing kommen. Es gehört zu einer guten Unternehmenskultur, dass die Unternehmensführung beim Thema Mobbing nicht wegschaut, sondern damit konstruktiv und professionell umgeht - zum Wohle aller MitarbeiterInnen und damit des Konzerns", erklärte Gesundheits- und Sozialstadträtin Mag.a Sonja Wehsely am Montag im Rahmen der Präsentation des Netzwerks "MOBnet" mit KAV-Generaldirektor Dr. Wilhelm Marhold und Ärztekammerpräsident MR Prim. Dr. Walter Dorner. MOBnet ist eine Initiative des Wiener Krankenanstaltenverbundes und der Ärztekammer Wien und soll als Plattform für Mobbing-Prävention und -Intervention im Gesundheits- und Sozialwesen dienen. Bei diesem Kooperationsprojekt werden Qualitätsstandards und verpflichtende Maßnahmen der Trägerorganisationen gegen Mobbing entwickelt sowie Erfahrungen ausgetauscht. Von den gemeinsamen Ressourcen profitieren alle KooperationspartnerInnen, zu denen auch der Österreichische Gewerkschaftsbund, die Medizinische Universität Wien und das Kuratorium Wiener Pensionisten-Wohnhäuser zählen.

Veränderungen und zunehmender Druck in der Arbeitswelt sind Ursachen für das Auftreten von Unruhe, Nervosität und gehäuften Spannungen zwischen Personen am Arbeitsplatz. "Das sind mitunter Hintergründe, die zu Mobbing am Arbeitsplatz führen können", so Ärztekammerpräsident Dorner. In den Spitälern herrsche häufig eine nervlich aufreibende Arbeitssituation, daher "ist es gerade in diesem Bereich wichtig, ethische Prinzipien, eine offene Unternehmenskultur und einen respektvollen Umgang miteinander zu pflegen, um Mobbing bereits von vornherein keine Chance zu geben", betont der Ärztekammerpräsident.

"Es darf keine Toleranz gegenüber Mobbing-Attacken geben, die unseren MitarbeiterInnen die Motivation und das Engagement am Arbeitsplatz rauben und zu Krankheiten führen", so KAV- Generaldirektor Marhold. Natürlich komme es immer wieder zu angespannten Arbeitssituationen zwischen MitarbeiterInnen. Noch öfter sollte der KAV-Unternehmensleitsatz 'Wir begegnen einander mit Wertschätzung und Toleranz' zum Tragen kommen. Deshalb setze der Wiener Krankenanstaltenverbund bereits seit Jahren gezielte Aktionen gegen Mobbing.
 

Mobbing-Prävention im KAV

Seit dem Jahr 2000 existiert im KAV unter der Leitung von Dr.in Susanne Hanzl eine Beratungsstelle für alle 32.000 MitarbeiterInnen. Psychologisch geschultes Personal bietet hier kostenlos und in geschütztem Rahmen Hilfe zu Themen wie Mobbing, Stress, Burnout oder Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Bereits im Jahr 2000 startete das erste größere Mobbing-Projekt. Dieses magistratsweite Projekt lief unter der Leitung des KAV und hatte die Definition und Ursachendarstellung von Mobbing zum Inhalt. In weiterer Folge wurden zahlreiche Mobbing-Präventionsinstrumente im KAV entwickelt und 2005 präsentiert. Mit Foldern, Handbüchern und Schulungen für Führungskräfte wird seither gegen Mobbing mobil gemacht.

In den vergangenen drei Jahren wurden in insgesamt 43 Seminaren mehrere hunderte Personen im professionellen Umgang mit Mobbing geschult. "Durch die öffentliche Diskussion fanden immer mehr Menschen Mut, über ihre Probleme am Arbeitsplatz zu sprechen. Die Aufklärung über Mobbing und vor allem über die Möglichkeiten darauf zu reagieren, ist für Betroffene und verantwortliche Führungskräfte sehr hilfreich", so die Leiterin der Psychologischen Servicestelle im KAV, Dr.in Susanne Hanzl. Den betroffenen MitarbeiterInnen und Führungskräften werden Beratungsgespräche und therapeutische Hilfe sowie Coachings angeboten.
 

Mobbing-Ombudsstelle der Wiener Ärztekammer

Der Ärztekammer ist es ein großes Anliegen, sich gegen Mobbing im Krankenhaus stark zu machen. Aus diesem Grund wurde in der Standesvertretung der Wiener Ärztinnen und Ärzte eine Ombudsstelle eingerichtet, an die sich Betroffene wenden können. Ombudsfrau Dr.in Brigitte Schmidl-Mohl und ihr Stellvertreter Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Lalouschek sind Montag bis Freitag (werktags) von 8 bis 9 Uhr für Mobbing-Opfer unter der Nummer 0664/810 96 90 erreichbar.

Mit der Einrichtung einer Ombudsstelle will die Standesvertretung einen wichtigen Teil zur Enttabuisierung des Themas "Mobbing im Spital" beitragen. Die Ärztekammer vertritt alle Wiener Ärztinnen und Ärzte, "Opfer wie auch Täter". Gerade aus dieser Position heraus sei es möglich, "als Katalysator zu wirken und als Berater gleichzeitig für Dienstgeber und Personalvertretung zu wirken", betont der Ärztekammerpräsident, der auch darauf hinweist, dass die diesbezüglichen Aktivitäten direkte Auswirkungen auf die PatientInnen haben: "Mobbende und gemobbte Ärztinnen und Ärzte können nie so gut ihren Betreuungsauftrag erfüllen wie jene, die in einem funktionierenden Team mit guten Kommunikationsstrukturen arbeiten."
 

Folgen von Mobbing aus medizinischer Sicht

Mobbing-Opfer zeigen im Zuge des Mobbing-Geschehens in der Regel eine außerordentlich starke Beeinträchtigung ihres Befindens. Das bedeutet: Mobbing bewirkt Dauerstress, den Verlust von Gesundheitspotenzialen und schließlich sozialen Ausschluss. Nach einer gewissen Zeit zeigen sich bei der gemobbten Person Konzentrationsprobleme und manchmal auch Gedächtnisstörungen. Betroffene neigen dazu, ihre Gedanken über die durchgemachten Erlebnisse kreisen zu lassen und wollen oft offensiv darüber reden bzw. ziehen sich bisweilen zurück. Das Opfer äußert häufig Selbstzweifel. Zudem können auch psychische Störungen wie panische Angstzustände auftreten.

"Im Sinne unserer MitarbeiterInnen ist es uns daher ein Anliegen, alle erforderlichen Maßnahmen zu treffen, um Mobbing gar nicht erst entstehen zu lassen. Mobbing schadet MitarbeiterInnen individuell und letztlich dem ganzen Unternehmen", so Stadträtin Wehsely abschließend.
 



Rückfragehinweis:

Mag. Michael Eipeldauer
Mediensprecher Stadträtin Mag.a Sonja Wehsely
Tel: 01/ 4000/ 81231 , Handy: 0664/826 84 36
E-Mail: michael.eipeldauer@magwien.gv.at

Birgit Wachet
Wiener Krankenanstaltenverbund / Presse
Tel: 01/ 40409/ 60103 , E-Mail: birgit.wachet@wienkav.at

Mag.a Kristin Posch
Pressestelle der Ärztekammer für Wien
Tel: 01/ 51501/ 1407 , E-Mail: posch@aekwien.at

(RK vom 19.02.2007) 
  



Anmerkung Wien-konkret:

Rätselhaft bleibt, warum hilfesuchende gemobbte Ärzte eine teure Mobilfunkrufnummer anrufen müssen. Eine Festnetznummer wäre billiger und hätte den gesundheitlichen Vorteil, dass der Angerufene nicht mit den Mikrowellen des Handys (Rufnummer 0664/810 96 90) bestrahlt wird.

Postings zum Beitrag: => Email an Wien-konkret
 

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Aufklärung durch die Ärztekammer:

Sehr geehrter Mag. Marschall,                                        Email: 28.2.2007

Ich darf Ihnen anbei die Antwort der Mobbing-Ombudsfrau in der Ärztekammer für Wien, Dr. Brigitte Schmidl-Mohl, zukommen lassen:

Die Mobilfunknummer 0664 / 8109690 wurde von der Ärztekammer für Wien eingerichtet, damit Mobbingopfer sich an Experten wenden und Termine für ein persönliches Gespräch vereinbaren können. Die Hotline soll einer ersten kurzen Kontaktaufnahme zwischen Berater und Opfer dienen.

Die Mobilfunknummer soll sicherstellen, dass die Experten in den angegeben Uhrzeiten erreichbar sind, unabhängig davon, wo sie sich gerade befinden.  Die Ärztekammer für Wien hat auch immer, trotz ihrer Warnungen vor möglichen gesundheitlichen Folgen durch Mobilfunkstrahlung, betont, dass Mobilfunktelefone ihren Zweck erfüllen, wenn sie für Notfälle und kurze Information genutzt werden, und die Richtlinien für einen sicheren Umgang mit Handys ("Zehn medizinische Handy-Regeln") beachtet werden. 

Mag. Kristin Posch
Referat für Öffentlichkeitsarbeit,
Kommunikation und Medien der Ärztekammer für Wien
Abteilung Pressestelle
1010 Wien, Weihburggasse 10-12
Tel. +43/ 1 / 51501 - 1407 , Fax +43/ 1 / 51501 - 1289
E-Mail: posch@aekwien.at