Wien

7. Internationaler Abfallwirtschaftskongress in der Messe Wien

Rote Karte für den Mist in Wien

Mit einem klaren Bekenntnis zur kommunalen Verantwortung in der Abfallwirtschaft eröffnete die Wiener Umweltstadträtin Ulli Sima den 7. Internationalen Abfallwirtschaftskongress in der Messe Wien: "Die Städte und Gemeinden müssen weiter selbst entscheiden können, wie sie zentrale Aufgaben der Daseinsvorsorge wie die Entsorgung von Abfällen organisieren. Nur so finden Umweltaspekte die nötige Berücksichtigung und nur so kann die flächendeckende Versorgung der Bürgerinnen und Bürger gesichert werden." 450 Gäste aus 33 Nationen nahmen an dem von der MA 48 veranstalteten dreitägigen Kongress teil. Sima hob die Bedeutung des Erfahrungsaustausches auf internationaler Ebene hervor: "Tagungen wie diese bieten die Möglichkeit von einander zu lernen und erfolgreiche Lösungen für die eigene Stadt oder Region zu adaptieren. Wir stehen alle vor den selben Herausforderungen in der Abfallwirtschaft: Unter dem Motto 'Rote Karte für den Mist' wollen wir hier gemeinsam an der Bewältigung der Probleme arbeiten." Das Wiener Modell der Abfallwirtschaft sei sehr erfolgreich, so Sima: "Müllvermeidung hat in Wien die oberste Priorität. Der Mist, der sich nicht vermeiden lässt, wird unter Einhaltung höchster Umweltstandards zu Fernwärme und Energie verwertet.

Die Diskussion über die Liberalisierung kommunaler Dienstleistungen und ihre Folgen war einer der Schwerpunkte des Kongresses. Zum Thema sprachen etwa Hannes Swoboda, Mitglied des Europäischen Parlaments, Günther Langer (AWM - Abfallwirtschaftsbetrieb München) und Rüdiger Siechau (Geschäfts- führer der Stadtreinigung Hamburg). Ernst Ulrich von Weizsäcker, Herausgeber des Buches "Limits to Privatization" und langjähriger Abgeordneter zum Deutschen Bundestag, richtete seine Botschaft per Video an die Kongressteilnehmer.



Rote Karte für den Mist in Wien

Ein weiterer Fokus des Kongresses lag auf dem Phänomen Littering - also dem achtlosen Wegwerfen von Müll, der dann auf Straßen, Plätzen oder in Parks herumliegt - und möglichen Lösungsansätzen mit besonderem Schwerpunkt auf der Eigenverantwortung der Bürger. Dazu sprachen u.a. Martina Ableidinger (MA 48) und Tadeusz Trzmiel (Vizepräsident der Stadt Krakau). Ralf Hansmann (ETH Zürich) näherte sich dem Problem aus psychologischer Sicht. Abgerundet wurde dieser Block durch Berichte über Anti-Littering-Aktionen u.a. an Schweizer Schulen, in den Niederlanden, in Vorarlberg und in Zürich. Die Wiener Kampagne "Rote Karte für den Mist", die heuer im Frühjahr und Sommer sehr erfolgreich gelaufen ist und die dem Kongress auch seinen Namen gab, stellte Franz Bischof (MA 48) vor.

Die Vorstellung des Wiener Modells der integrativen Abfallwirtschaft war ein weiteres wichtiges Kongressthema, u.a. wurde die Biokreislaufwirtschaft der Stadt Wien präsentiert (Wojciech Rogalski, MA 48). Über abfallwirtschaftliche Konzepte in "ihren" Städten berichteten Gerhard Gamperl (Vorstandsvorsitzender der Berliner Stadtreinigungsbetriebe) und Martin Bellew (Direktor der New Yorker Stadtreinigung). Erfahrungsberichte u.a. aus Budapest und Hongkong und die Vorstellung der pneumatischen Müllsammlung in Barcelona standen ebenfalls auf dem Programm.

Quelle Text und Fotos: Rathauskorrespondenz