Wien

Rene Pfister (AUA-Boden-Betriebsratschef) im Interview von Andrea Maiwald (7.5.2020)

ORF-Ö1- Morgenjournal vom 7.5.2020.

Es fällt auf, dass die AUA nur mehr wenige Wochen Liquidität hat, einen Staatszuschuß von 767 Millionen bekommen will und der AUA-Betriebsratschef Bodenpersonal kein Konzept hat! Rene Pfister hält es für verantwortungslos, überhaupt von einem Insolvenzszenario zu sprechen. Einsparungsvorschläge gibt es seitens des Betriebsrates Rene Pfister keine. Statt dessen verwendet es über 100 Mal "aaa" in seinen Antworten. (Glaubt man gar nicht, dass Rene Pfister von 2013 - 2018 Bundesrat der SPÖ war. Derzeit ist Pfister noch Vorsitzender der Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter (FSG) Niederösterreich, Kammerrat der Niederösterreichischen Arbeiterkammer und NÖ-Landtagsabgeordneter; somit ein SPÖ-Apparatschik).
Da kann man nur hoffen, dass der Finanzminister - als Vertreter der österreichischen Steuerzahler -einer Staatsbeihilfe wegen Planlosigkeit nicht zustimmt. 

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Andrea Maiwald (ORF): "Fragen wir gleich einen Teilnehmer der gestrigen Aufsichtsratskrisensitzung, den Betriebsratschef des Bordpersonals, Rene Pfister. Guten Morgen."

Rene Pfister (AUA-Boden Betriebsratschef): "Einen schönen guten Morgen. Ich bin der Betriebsratsvorsitzende vom Boden."

Andrea Maiwald (ORF): "Bodenpersonal. Danke, ja."

Rene Pfister (AUA-Boden Betriebsratschef): "Ja. Wir vertreten insgesamt 3000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, gemeinsam mit meinem Kollegen, dem Rainer Stratsberger, und mit dem fliegenden Personal sind wir insgesamt 7000. Bitte."

Andrea Maiwald (ORF): "Herr Pfister. War das so: Hat man Ihnen da gestern die Rute ins Fenster gestellt, entweder die Mitarbeitr schlucken den Abbau von Hunderten Stellen und weniger Gehalt, oder die Airline geht Pleite?"

Rene Pfister (AUA-Boden Betriebsratschef): "Wir sind in sehr intensiven Austausch und sehr intensiven Gesprächen mit - aaa - dem Management - aaa - wo es auch darum geht, - aaa, aaa - Perspektiven aufzuzeigen, - aaa - und diese Gespräche wie gesagt sind jetzt - aaa - mitten oder - aaa - oder da stehen wir, da stehen wir mitten - aaa – mitten drinnen. Es kann aber nicht sein, dass am Ende des Tages nur die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer - aaa, aaa - die leidtragenden aus dieser Krise san, die die sie nicht verschuldet haben."

Andrea Maiwald (ORF): "Aber ganz konkret: 1100 Jobs weniger und 13% oder 14% weniger Gehalt. Ist das der Plan? Können Sie das so bestätigen?"

Rene Pfister (AUA-Boden Betriebsratschef): "Wie gesagt, es sind, es sind laufende Gespräche und in den laufenden Gespächen gibt es - aaa, aaa – verschiedenste Überlegungen, die wir mit dem Management auch haben. Es geht aber darum hier auch, - aaa, aaa – Konzept oder ein Kozept zu entwickeln, - aaa, aaa – das für die Zukunft auch tragfähig ist und da sind wir – aaa – rund um die Uhr dabei, – aaa – das auch zustande zu bringen."

Andrea Maiwald (ORF): "Wie weit sind Sie bereit zu gehen, bei den Einsparungen?"

Rene Pfister (AUA-Boden Betriebsratschef): "Wir haben – aaa – Verhandlungen. Verhandlungen sind und Gespräche sind - aaa, aaa – am laufenden Band hier bereit. Es geht darum, dass wir auch wissen – aaa – in welche Zukunft wir investieren und wie das auch in der Zukunft ausschaut. Vierund-, bis zu 24 Monate Kurzarbeit bedeuten natürlich bereits einen massiven Einkommensverlust für die Koleginnen und Kollegen, für uns alle - aaa – es bedeutet aber auch, - aaa – mit dem, mit dem Standort in Niederösterreich oder mit dem, mit dem Standort in der Ostregion – aaa – net nur für die AUA allein denken sollten, sondern - aaa – wirklich etwas größer.  
Allein vom Wirtschaftsfaktor Flughafen hängen in der Ostregion - aaa –  an die 90.000 Arbeitsplätze dran."

Andrea Maiwald (ORF): "Sie sind Betriebsrat des Bodenpersonals. Aber schauen wir einmal zur, zum Mutterkonzern, der Lufthansa. Dort haben die Piloten angeboten auf zwei Jahre bis zu 45% - also fast die Hälfte ihres Gehalts – zu verzichten. Das bringt mehr als 300 Millionen Euro. Ist die Belegschaft der AUA zu ähnlichen Einschnitten bereit?"

Rene Pfister (AUA-Boden Betriebsratschef): "Die Belegschaft der AUA ist - aaa –  wie gesagt aktuell – aaa, aaa –  in Gesprächen – aaa, aaa. Der Lufthansakonzern ist um einiges größer und hat da ein etwas, etwas anderes Volumen, das da dabei ist. Aber die Belegschaft hat auch in der Vergangenheit bewiesen – aaa, aaa – , dass wir zu unserem Unternehmen und zur rot-weiß-roten Heckflosse stehen und wie gesagt, – aaa – die Gespräche sind aktuell im Laufen – aaa – Es geht aber, dass wir – aaa, aaa – nicht die einzigen sein können, die – aaa, aaa – für diese, für diese Krise – aaa, aaa – am Ende des Tages zahlen."  

Andrea Maiwald (ORF): "ok, ich nehme mit, Sie wollen mir keine Zahlen nennen. Wie groß ist der Druck auf Sie, dass Sie am Ende als Blockierer dastehen, an denen die AUA-Rettung scheitert?"  

Rene Pfister (AUA-Boden Betriebsratschef): "Ich glaube nicht, dass (lacht) wir am Ende des Tages als Blockierer dastehen, sondern – aaa, aaa – es darum, wirklich ein Konzept zu haben, – aaa, aaa – um in eine Zukunft zu gehen, – aaa – an die wir alle glauben und an die wir alle glauben können und das bedeutet auch natürlich, dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einen Beitrag– aaa –  leisten werden. Die Frage – aaa – am Ende des Tages, kann ich noch nicht, kann ich noch nicht beantworten. Das ist unter laufenden Gesprächen – aaa – und – aaa – die vergangenen Jahre haben bewiesen, – aaa – 2014 mit einer Kollektivvertragsreform – aaa – in den Jahren 2009, 2010, also die AUA ist – aaa, aaa – es schon auch gewohnt, die eine oder andere – aaa – Situation hier – aaa – gut zu meistern." 

Andrea Maiwald (ORF): "Wie konkret ist denn das Insolvenzszenario? Wie intensiv hat man denn darüber gesprochen? Was passiert, wenn die Staatshilfe nicht kommt?"

Rene Pfister (AUA-Boden Betriebsratschef): "Ich halte des a bisserl verantwortungslos, – aaa, aaa – die ganze Zeit von Insolvenz zu sprechen, weil – aaa – ich hab Ihnen schon gesagt – aaa, aaa – in der gesamten Ostregion hängen am Wirtschaftsstandort Flughafen an die 90 Arbeitsplätze und in Zeiten wie diesen, wo wir – aaa – in Österreich über 600.000 Arbeitne… oder Arbeitslose – aaa, aaa – Kolleginnen und Kollegen haben, – aaa – halte ich dieses Szenario für eigentlich verantwortungsloseste, das schlimmste Szenario – aaa –, was hier angedacht wird und – aaa, aaa – dazu steht der Betriebsrat."

Andrea Maiwald (ORF): "Aber das heißt, Sie verlassen sich drauf, dass der Staat die AUA nicht fallen läßt?"

Rene Pfister (AUA-Boden Betriebsratschef): "Wir gehen davon aus, das olle an einem Tisch sitzen und dass wir hier – aaa, aaa – gemeinsam für den Wirtschaftsstandort, für die Arbeitsplätze und vor allem für den ab Wien – aaa, aaa – da eine gute Lösung finden – aaa – da geht es aber auch darum, – aaa, aaa – dass der Betriebsrat hier auch eingebunden wird."

Andrea Maiwald (ORF): "Wie ist denn jetzt der Fahrplan? Bis 18. Mai soll dieser, die Einigung über einen Sparplan stehen?"

Rene Pfister (AUA-Boden Betriebsratschef): "Also wir haben da  eine sehr-sehr intensive Zeit vor uns, jawohl – aaa, aaa – wir wollen – aaa – da bis – aaa, aaa – 18. Mai oder – aaa, aaa – ab 18. Mai weil es auch darum geht, wie wir mit der Kurzarbeit ab 19. Mai umgehen, weil wir diese noch um ein Monat verlängert haben – aaa, aaa – das sind einfach jetzt die Datums die – aaa, aaa – hier jetzt am Tisch liegen und diese Zeitfenster – aaa  – ist es für uns jetzt – aaa – diese Gespräche weiterzuführen."

Andrea Maiwald (ORF): "Es geht ums Überleben der AUA. Ist da auch die zukünftige Geschäftsstrategie – ahm – Verhandlungsthema, sozusagen Umweltauflagen für die Fluglinie?" 

Rene Pfister (AUA-Boden Betriebsratschef): "Die ökologischen Standards – aaa, aaa – sind natürlich auch ein Thema und da – aaa – möchte ich ganz entschieden auch sagen – aaa, aaa – wenn man jetzt – aaa – wenn man jetzt – aaa – von der AUA oder verantwortungslos von Insolvenzszenarien spricht, dann kann es am Ende des Tages nicht sein, – aaa, aaa – wenn dann alles den Low-cost-Airlines – aaa – in Wien überlassen wird – aaa –, die großteils – aaa – weder mit österreichischen Orbeitsverhältnissen noch mit – aaa, aaa – mit Steuerabgabe in Österreich arbeiten, dann schaut das Ganze ziemlich düster aus und, und und dann ist die ökologische Frage glaube ich eine, – aaa, aaa – die man sich nicht stellen muss. Wenn es keine Möglichkeit gibt, hier auch – aaa, aaa – Regeln oder Spielregeln festzulegen und da ist es immens wichtig, dass auch die Bundesregierung hier, hier auch erkennt, – aaa – um eine zukünftige Strategie – aaa – für den Luftverkehr in Österreich zu haben, dass sie da vorbei sein muss."

Andrea Maiwald (ORF): "Sie sagen „ein verantwortungsloses Insolvenzszenario“. Tatsächlich ist das aber noch auf dem Tisch. Rene Pfister Betriebsratschef des AUA Bodenpersonals war das. Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute."

Rene Pfister (AUA-Boden Betriebsratschef): "Dankeschön."