Wien

Fernseh-Diskussion auf puls4 TV “Talk of Town – Darüber spricht Österreich",

Sendung “Talk of Town – Darüber spricht Österreich, Mo-Fr 19.45 auf PULS 4

Datum: Fernsehsendung vom 14. Juli 2009 um 19.45 Uhr 
Thema: "Hat die Politik die AUA verspielt und soll Niki Lauda die AUA retten?
Zuseher konnten mitmachen und in die Sendung anrufen unter der
Telefonnummer: 01-5265531

Diskussionsgäste:
* Alfred Junghans, Betriebsrat der AUA und Aufsichtsrat der ÖIAG
* Robert Marschall, Unternehmer und Bestbieter für die staatlichen AUA-Aktien
* Hedwig Schneid, Wirtschaftsjournalistin Die Presse

Moderation: Manuela Raidl
 

Video puls 4 TV

Studiodiskussion vom 14. Juli 2009 zum Thema: Wie kann man die AUA retten?
Video 124 MB;
© mit freundlicher Genehmigung von
puls 4 TV

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Alfred Junghans

Bild: Alfred Junghans

Bild: Alfred Junghans

* Ich weiß nicht, ob Österreich zu 100% eine Fluglinie braucht, die zu 100% in Österreichischem Besitz steht. Ich glaube aber, da gebe ich allen Beteiligten Recht, Austrian ist ein Stück Heimat. Ich sehe es aber durchaus auch kommerziell.
* Es geht für mich als Personalvertreter in erster Linie um viele 1000 Arbeitsplätze bei der Austrian Airline und umgefähr um die zehnfache Anzahl an Beschäftigten, an Menschen mit Familie im Standort Österreich, die nachgelagert dranhängen.
* Ich bin 31 Jahre bei der AUA und ziemlich lange Betriebsratsvorsitzender. habe viele Sparpakete und zwei Restrukturierungsmaßnahmen mitgemacht.
* Es wurde der AUA die Totalübernahme der Lauda-Air aufgezwungen. Es wurden 605 Millionen (Schilling?) an Schulden hinterlassen.
* Ich möchte das Märchen vom überbezahlten Kapitän a bisserl relativieren. Wir haben vor zwei Jahren einen hohen Pilotenmangel gehabt. Es haben uns – ohne irgendwelche Pakete – 30 bis 40 Piloten verlassen, weil sie bei jeder anderen Airline mehr verdient haben.
* Es gibt andere Airlines, denen zahlt man von Touristikverbänden Millionenbeträge, dass sie überhaupt kommen.
* British Airways wurde vom Staat komplett entschuldet, auch vom Steuerzahler. Air France bekam 40 Milliarden France vom Steuerzahler. Von Alitalia will ich gar nicht reden. Dort hat die EU-Kommission eigentlich ein Monopol festgeschrieben.
* Wir haben die größte Konkurrenz in Wien an anderen Carriern.
* Ich halte den Herrn Lauda für ein begnadetes PR-Genie, der auch Unwahrheiten relativ leicht an den Mann bringt und das einfach erklärt. Nur wenn man wirtschaftliche Belange nimmt, dann ist es ungefähr so als würde Angela Merkel den Anspruch erheben, Playmate des Jahres zu werden.
 

Robert Marschall

Bild Robert Marschall

Bild Robert Marschall

* Die AUA ist ein Symbol für ein eigenständiges Österreich. Die AUA hat am 31. März 1957 ihren ersten Flug absolvierte. Seit dem ist die AUA ein österreichsches Nationalsymbol. Deshalb ist es auch so wichtig, dass man die AUA nicht fallenläßt, sondern dass man sich alle Möglichkeiten - die es gibt - sehr genau überlegt und dazu gibt es einige Varianten, die noch nicht bedacht wurden.
* Für mich war die Nachricht, dass die Lufthansa bietet für die AUA einen negativen Kaufpreis – das ist für einen Betriebswirt eigentlich eine Ohrfeige. Österreich soll 500 Millionen Euro zahlen und dafür schenken wir unsere Fluglinie – die nicht nur aus der AUA besteht, sondern auch aus Lauda Air und Tyrolean – wir schenken das jetzt alles den Deutschen. Da habe ich mir gedacht, es muss eine bessere Lösung geben. Die Lösung muss so ausschauen, dass einerseits die Austrian Airline für Österreich erhalten bleiben aber es muss natürlich auch eine Lösung gefunden werden, wo man nicht permanent irgendwelche Staatszuschüße benötigt.
* Einsparungspotenzial: An der Mengenstruktur und an der Preisstruktur
* Wenn die Nachfrage am Flugmarkt sehr starkt sinkt, dann führt kein Weg daran vorbei, dass man auch gewisse Linien streicht und Mitarbeiter kündigen.
* Wieviele Mitarbeiter ihren Job verlieren hängt davon ab, wiesehr das Gehaltniveau sinkt. Je billiger man Leute einkaufen kann, desto mehr Jobs werden gerettet. Je teurer die Mitarbeiter sind, desto weniger kann sich eine Firma leisten. D.h. realistisch betrachtet – so wie ich das aus der Ferne beobachte – werden es 30% - 50% der Mitarbeiter sein, also zwischen 2400 und 4000 Mitarbeiter. Anders kann ich es mir nicht vorstellen, dass der AUA-Konzern in die Gewinnzone kommt.
* Es besteht die Möglichkeit, dass eine redimensionierte Austrian Airlines wieder Gewinne schreibt. Nur man wird sehr viele der bisherigen Wege verlassen müssen und sich komplett neuen Ideen widmen.

 

Hedwig Schneid

Bild: Hedwig Schneid

Bild: Hedwig Schneid

* Es gibt in fast jeden Land die Diskussion um nationale Fluglinien
* Das eine ist das Herz und die Sentimentalität, das andere ist nicht nur die kommerzielle Seite. Die Welt hat sich masslos gedreht und zwar schon vor der aktuellen Wirtschaftskrise.
* Kleine Airlines haben große Probleme alleine zu bestehen.
* Ich glaube, dass wir in Österreich eine Airline haben werden, aber sicher nicht zu 100% in österreichischem Besitz.
* Die Stimmung auf der heutigen AUA Hauptversammlung war sehr gedrückt. Die Aktionäre haben sich gefrotzelt gefühlt.
* Ich bin nicht überrascht, dass Brüssel länger prüft. Brüssel hat bei allen Airlines Deals eine vertiefte Prüfung angesetzt.
* Die Lauda-Air war nur ein Puzzlestein im Konglomorat des Unglücks der AUA.
* Mich irritierte der Zickzack-Kurs des Managements über die vielen Jahre, zB Streckeneröffnungen und Schließungen. Strecken wie Chicago drei Mal eröffnet.
* Es waren oft Manager am Werk, die von der Luftfahrt wenig oder gar nichts verstanden haben.
* Die Insolvenz wäre vielleicht gar keine so schlechte Lösung, aus zwei Gründen: Erstens würden sie in einer Insolvenz die Schulden auf einen Schlag los werden. Das zweite ist und ich sage nicht, dass ich damit liebäugle, in einer Insolvenz sind sie auf einen Schlag alle Kollektivverträge los.
* Warnt davor, dass Niki Lauda AUA-Chef wird. Nicht, weil ich dem Niki Lauda nicht zutraue viel über die Luftfahrt zu wissen, das weiß er sehr wohl und das kann er auch. Beim Kaufmännischen hat es schon zweimal nicht hingehaut.
 

Zuhörer & Meinungen von AUA-Aktionären:

* Die AUA sollte man liqudieren
* Das ganze ist ein Fass ohne Boden
* Die nationalen Eitelkeiten haben in einer globalen Welt in einem globalen Markt eigentlich wenig Platz.
* Das AUA Desaster zeichnete sich seit Jahren ab.
* Man hat das Gefühl, dass die AUA systematisch an die Wand gefahren wurde.
* Wenn mich wer frägt, ob ich die AUA nehmen will und 500 Millionen dazu bekomme, dann sage ich JA.
* Als österreichischer Patriot habe ich mir gedacht ich kaufe (AUA-Aktien) ein. Daraus ist aber nicht viel geworden.
* Man hätte früher einsparen müssen, auch beim Personal. Da war sicherlich auch der Betriebsrat sehr bremsend.
* Die AUA ohne wenn und aber zusperren. Wenn ein kleiner Gewerbetreibender so einen Mist baut, dann wird ihm das Haus unterm Hintern versteigert.
* Wenn ein AUA-Pilot mehr verdient, als der Österreichsche Bundeskanzler, dann ist alles faul.
* Der Lauda ist sicher sehr kompetent für diese Dinge. Der hätt des damals schon machen sollen.
* Der Niki Lauda ist ja selber schon einmal Pleite gegangen. Dann hat ihm die Politik gerettet.
* Ich weiß nicht, ob der Niki Lauda ein guter Sanierer ist. Ob er einen desolaten Betrieb wieder in Schwung bringen kann, weiß ich nicht.
* Niki Lauda ist kein Politgünstling sondern ein echter Fachmann.
* Niki Lauda soll das Ganze übernehmen. Dann ist das ganze Problem gelöst. Das ist ein Geschäftsmann, der hat eine Ahnung davon.

 



Resümee zur Fernsehsendung:

Bild: Manuela Raidl

Gratulation für die souveräne Moderation an Manuela Raidl

Eine äußerst gelungene Sendung. Insbesondere der Moderatorin Manuela Raidl gelang wieder einmal eine sehr gute Mischung aus Information, Meinungen und Diskussion zusammenzubringen. Ihr Wortwitz und ihre fröhliche Natur machten selbst das Krisenthema interessant für viele Zuseher und brachte neue Einsichten. Am Tag nach der puls 4 TV Sendung "Talk of Town" gab beispielsweise die AUA bekannt, dass zwischen Management und Belegschaft weitere Einsparungsmaßnahmen im Personalbereich im Ausmaß von 150 Millionen Euro vereinbart wurden, um das Überleben der AUA zu ermöglichen. Das war kein Zufall. 
 


Posting zu Talk of Town AUA

BRAVO !

Lieber Herr Marschall,
 
Sie haben sich wacker geschlagen und Sie sind super rübergekommen !!!
(Unglaublich wie gut Sie mit Anzug und Krawatte ausschauen ...;-)
 
Leider kam ich telefonisch erst 60 Sekunden vor dem Ende der Sendung durch und somit nicht mehr auf Sendung. Herrn Junghans hätte ich schon gerne gefragt, wie er einerseits Aufsichtsrat der ÖIAG und andererseits Betriebsrat sein kann. Und ich hätte ihn gerne gefragt, ob es ihm nicht auch lieber wäre, Ihnen von mir aus 500 Mio Euro zu schenken, als einem deutschen Konzern.
 
LG
S. Krasel,   www.krasel.at   E-mail 14.7.2009

Anmerkung Wien-konkret:
Danke für das positive Feed-back. Die Visagistin von puls 4 TV hat wahrscheinlich den größten Beitrag geleistet ! Es hatte an dem Tag über 30 Grad und somit war es gar nicht so einfach, "cool" zu bleiben.