Wien

Stellungnahme Alfred Ötsch, AUA Vorstand, zur AUA Übernahme durch die deutsche Lufthansa

Anlass: ÖIAG Pressekonferenz 5. Dez. 2008 zur AUA Übernahme durch die Lufthansa
Ort: Sitz der ÖIAG, Dresdner Strasse 87, 1201 Wien 
Person: Alfred Ötsch ist Vorstand der Austrian Airlines AG

Kernaussagen:

  


Video: Teil 1 Stellungnahme Alfred Ötsch,
Austrian Airlines Vorstand,
zur AUA Übernahme durch die deutsche Lufthansa,
Pressekonferenz 5.12.2008;
Dauer 3:40 min; 14 MB


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© Wien-konkret

Austrian Airlines Vorstand Alfred Ötsch - Teil 1

"Gruß Gott von meiner Seite.
Ich begrüße Sie auch im Namen meiner beiden Kollegen Andreas Bierwirt und Peter Malanik hier sehr herzlich. Gestatten Sie mir, dass ich mich zunächst an unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wende, die über Intra- und Internet hier dazugeschaltet sind. Ich bedanke mich bei Ihnen vor allem für die Leistung, die sie täglich erbringen und die dazu führt, dass wir operationell zu den besten Airlines zählen: In Pünktlichkeit, regulartity, Gepäck und vor allem in Kundenzufriedenheit haben wir Spitzenwerte. Und was in ihnen steckt haben sie erst kürzlich bewiesen, als wir als einzige europäische Airline hier den Flugverkehr mit Thailand aufrecht erhalten konnten. Vielen Dank

Ohne ihre Leistung am Markt und beim Kunden wären wir für einen Partner uninteressant. Diese Leistung wird leider überlagert von der finanziellen Situation in der sich das Unternehmen sich derzeit befindet und geraten ist. Wir sind mit unserer Größe alleine nicht robust genug bei solchen Umfeldbedingungen zu bestehen. Die Sensitivitäten und die Abhängigkeit vom US Dollar, vom Kerosinpreis, den konjunkturbezogenen Faktoren wie Ladefaktorveränderung, yield usw. waren ja alle bekannt, jedoch hat niemand auch nur annähernd ahnen können oder für möglich gehalten, dass sich die Parameter Kerosin und Konjunktur – K & K im schlechten Sinn würde ich sagen – so stark und in so kurzer Zeit verändern können. Die IATA selbst – das ist der Weltverband aller Fluglinien – hat im April dieses Jahres das Ergebnis aller Fluglinien für das Jahr 2008 mit plus 4,5 Milliarden US Dollar prognostiziert und im Juni nach der Kerosin-Ralley mit minus 6,1 Milliarden prognostiziert. Aus +4,5 sind -6,1 Milliarden Dollar geworden innerhalb von 3 Monaten. Das zeigt die Dramatik der Situation und vor diesem Hintergrund haben wir am 7.5.2008 gemeinsam mit dem Aufsichtsrat einen Strategie-Check gestartet, dessen Ergebnis – wie Sie wissen – die Privatisierungsempfehlung war.

Stand-alone wäre mit einer dramatischen Redimensionierung, mit hohem Investbedarf und einem unsicheren Ausgang verbunden gewesen. Wir sind heute am Ende einer entscheidenden Phase, der entscheidenden Phase des Privatisierungsprozesses. Mein Dank gilt der ÖIAG und der Regierung für die konsequente Umsetzung des Regierungsauftrages.

Die Partnerschaft mit Lufthansa sichert die Zukunft mit Austrian. Streckennetz und Arbeitsplätze werden weitgehend erhalten, Standortqualität und damit Kundennutzen gesichert, wir haben eine gute Chance durch die Krise zu kommen und nach der Krise aus der Defensive in die Offensive zu gehen mit der neuen Mutter – wenn ich das so sagen darf – und im Verband der STAR Alliance. Das ist dann der wirkliche Mehrwert, der Zusatzmehrwert, für den Kunden. Vorstand und Mitarbeiter von Austrian begrüßen diese Lösung und wir freuen uns auf eine intensive Zusammenarbeit."


Anmerkung Wien-konkret: Der Dank von Alfred Ötsch gilt wahrscheinlich der ÖIAG und Regierung auch deshalb, weil sie diese Herrn in den Vorstand der AUA gehievt haben und sie dadurch hohe Gehälter + Bonusprämien bekamen. Leider fehlen Worte des Dankes an den österreichischen Steuerzahlen, der nun 500.000.000 Euros der AUA zuschießen soll, damit diese an die Lufthansa verschenkt werden kann. Was für eine Absurdität !

 
 


Video: Teil 2 Stellungnahme Alfred Ötsch,
Austrian Airlines Vorstand,
zu "Plan B" und Staats- zuschuß bzw. liquide Mitteln,
Pressekonferenz 5.12.2008;
Dauer 2:30 min; 10 MB


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© Wien-konkret

Austrian Airlines Vorstand Alfred Ötsch - Teil 2 über Plan B und dass der Staatszuschuß nur eine Sicherheitsmaßnahme sei aber derzeit gar nicht gebraucht wird.

Alfred Ötsch: "... Ich darf dazu ergänzen, dass ja die AUA den Turn-around nicht ausschließlich über die Synergien schaffen wird, sondern da ist ein erhebliches Maß an Eigenoptimierung dabei, ein Programm, das schon gestartet ist …"

Journalist:
Gibt es einen Plan B
Ötsch: "Für die AUA schon, aber das ist kein Lufthansa-Thema. ... Über den Plan B ist ja genug spekuliert worden und geäußert worden. Darüber hinaus will ich eigentlich nichts sagen. Das wäre dann eine drastische Redimensionierung -  habe ich auch erwähnt - die wir uns mit der Chance der neuen Partnerschaft ersparen zum Wohle des Standorts, zum Wohle der Kunden."

Alfred Ötsch weiter:
"… Wir ändern im Moment an der Markenaufstellung nichts …
…Die Liquiditätssituation ist eng. Das ist ja nicht zu beschönigen und als Sicherungsinstrument ist eben dieser Überbrückungskredit da, der eben bedarfsgerecht abgerufen wird. Die Volatilitäten und Schwankungen sind im Moment sehr hoch, sodaß ah schon davon ausgehen kann, dass ein Überbrückungskredit eine adäquate Sicherheitsmaßnahme ist. Aber man muss eben vorsichtig sein und darf nicht immer davon ausgehen das alles, was man geplant hat aufgeht, gerade in der heutigen Zeit kann keine sagen, wie wird sich 2009 entwickeln, wenn es da zu starken Abnahmerückgängen kommt – noch stärker als geplant – dann ist eine solche Sicherheitsmaßnahme sehr gut."


Journalisten:
"Aber sie brauchen den Überbrückungskredit am 16. sofort – oder?" (Anm.  Am 16.12.2008 soll der Beschluß des Ministerrates der Bundesregierung für den Staatszuschuß für die AUA fallen)
Ötsch: "Nein"
Journalistin: "Wie lange kommen sie aus?"
Ötsch: "Ich habe Ihnen gesagt, dass die Volatilitäten sehr groß sind, so dass diese Frage von niemandem zu beantworten ist."

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Quartalsbericht drittes Quartal 2008 zum 30. Sept. 2008 veröffentlicht am 28. Oktober 2008:

Periodenergebnis – 65,1 Mio. Euro  (Vorjahr – 20,6 Mio. Euro)
Eigenkapital: 667 Millionen Euro
Eigenkapitalquote: 24,8 %
Liquide Mittel: 189 Millionen Euro
Bilanzsumme: 2687 Millionen Euro

D.h. am 28. Oktober 2008 hat der AUA Vorstand im Quartalsbericht für das dritte Quartal 2008 noch ein Eigenkapital von 667 Millionen Euro - das sind 9,2 Milliarden Schilling - und eine Eigenkapitalquote von 24,8% öffentlicht bekannt gemacht. Selbst einen angeblichen Megaverlust der AUA von 475 Millionen Euro kann die AUA verkraften, denn selbst dann bleibt das Eigenkapital mit ca. 200 Millionen Euro positivEs ist daher sehr unwahrscheinlich, dass die AUA vor einer Insolvenz steht. Ein Gesellschafterdarlehen (Staatszuschuß?) für die AUA ist daher gar nicht notwendig und wahrscheinlich wettbewerbsrechtlich auch gar nicht zulässig.

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