Wien

Stellungnahme Peter Michaelis, ÖIAG Vorstand, zur AUA Übernahme durch die deutsche Lufthansa

Anlass: ÖIAG Pressekonferenz 5. Dez. 2008 zur AUA Übernahme
Ort: Sitz der ÖIAG, Dresdner Strasse 87, 1201 Wien 
Person: Dr. Peter Michaelis ist Vorstand der ÖIAG

Videos
Teil 1: Allgemeines zum AUA Abtretung an die Lufthansa
Teil 2: Die Gewinner des Lufthansa Deals (Verlierer werden nicht genannt)
Teil 3: Stiftungskonstruktion und Staatszuschuß

Kernaussagen:
* ÖIAG Aufsichtsrat hat heute die AUA Übernahme durch die deutsche Fluglinie Lufthansa beschlossen
* Der Vertrag wurde heute unterschrieben
* Laut Michaelis sei heute der Tag 1 der "AUA neu" (Anm.: Ist damit die bisherige AUA gestorben?)
* Es wird einen 500 Millionen Staatszuschuß für die AUA / Lufthansa Tochter geben
* Eigentlich gibt es gar keinen österreichischen Kernaktionäre, sondern nur Mitspracherechte in einer ominösen Stiftung.
* Es bedarf noch der Zustimmung der EU Wettbewerbsbehörde
  


Video: Teil 1 Stellungnahme Peter Michaelis,
ÖIAG Vorstand,
zur AUA Übernahme durch die deutsche Lufthansa,
Pressekonferenz 5.12.2008;
Dauer 8:30 min; 32 MB


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© Wien-konkret

ÖIAG Vorstand Dr. Peter Michaelis - Teil 1

"Meine sehr geehrten Damen und Herren!
Ich begrüße Sie sehr herzlich zu diesem Ereignis. Wir schreiben heuten den Tag 1 für die „AUA neu“, wahrscheinlich der wichtigste Tag seit der Unternehmensgründung vor 50 Jahren. Die AUA startet neu durch und fliegt im Flottenverband mit der Lufthansa in eine gesicherte und hoffentlich bessere Zukunft. Ich möchte hier gar nichts Schönreden. Ich glaube, wir sind in heftigen Turbulenzen gewesen. Wir sind in schlechtem Flugwetter unterwegs gewesen. …
Mein Respekt gilt auch der Politik. Uns allen ist bewusst, dass die AUA für viele Österreicher mehr ist, als nur irgendeine Fluglinie. Sie ist ein nationales Symbol. Die Entscheidung zur Privatisierung war daher verständlicher Weise nicht ganz so einfach. Letztlich hat die Bundesregierung durch die Zusage des Zuschusses den erforderlichen Abschluss dieser Transaktion überhaupt ermöglicht. …“

Michaelis erklärt dann Details zu den Aktienpreisen des Streubesitzes (4,44 Euro) und der ÖIAG (0,01 Euro + Besserungsschein). Weiters erklärt Michaelis die neue Privatstiftung mit 5 Vorständen, wobei 2 davon aus Österreich kommen werden.

 
 


Video: Teil 2 Stellungnahme Peter Michaelis,
ÖIAG Vorstand,
über die Gewinner des Lufthansa-Deals
Pressekonferenz 5.12.2008;
Dauer 2:00 min; 8 MB


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© Wien-konkret

Peter Michaelis (ÖIAG) am Ende der Präsentationsrunde:
„…Ich glaube, dieser Tag sieht wirklich viele Gewinner. An erster Stelle die
AUA und ihre Mitarbeiter, der Flughafen Wien, die österreichische Wirtschaft, der österreichische Tourismus, alle Österreicher und Österreicherinnen und letztendlich auch die Politik. …“


Anmerkung Wien-konkret
zu den Verlierern des AUA-Lufthansa-Deals zählen vermutlich:
a) der
Flughafen Wien :
* Erstens, weil die Lufthansa über Berlin und München den Osteuropamarkt sehr gut und viel billiger bedienen kann, Flüge von Wien weg verlagern kann.
* Zweitens, weil die Landegebühren in Wien-Schwechat vermutlich von derzeit 160 Euro auf 60 Euro - wie derzeit in München senken muss, um nicht internationalen Verkehr zu verlieren.
b) der österreichische Steuerzahler
Mit Sicherheit zählt der österreichische Steuerzahlen zu den Verlierern des Lufthansa-Deals, denn der österreichische Steuerzahler muss 500.000.000 Euro dazuzahlen. Das sind 62 Euro pro Kopf, vom Baby bis zur Urgroßmutter.
c) die
SPÖ und ÖVP Politik
SPÖ und ÖVP müssen mit den Imageschaden leben, dass eines der wichtigsten Symbole des freien, neutralen Nachkriegs-Österreichs nun in deutsche Hände gefallen ist, kostenlos und mit unglaublichen Zugaben. Im Staatsvertrag 1955 wurde festgelegt, dass ein wirtschaftlicher Anschluß an Deutschland verboten ist. Ein Stück dieses untersagten wirtschaftlichen Anschlusses ist heute vollzogen worden. Eine Schande für die Volksvertreter von SPö (Werner Faymann) und ÖVP (Josef Pröll). Mal schauen ob nun, ORF, Post, Telekom und ÖBB nun auch den Weg nach Deutschland einschlagen müssen.

 
 


Video: Teil 3 Stellungnahme Peter Michaelis,
ÖIAG Vorstand,
über den ominösen österreichischen Kernaktionär an der AUA und über den Staatszuschuß
Pressekonferenz 5.12.2008;
Dauer 5:30 min; 21 MB

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© Wien-konkret

Dr. Peter Michaelis über den Privatisierungsauftrag der Bundesregierung, der die Auflage eines österreichischen Kernaktionärs enthält:
"... Wir haben - als wir uns mit dieser Auflage beschäftigt haben österreichische Kernaktionärsstrukturen herzustellen - festgestellt, dass in diesem Auftrag eine gewisse Schizophrenie (Anm. = Geisteskrankheit) ist, denn wenn sie wirklich physische, materielle Investoren suchen, so müssen die eigentlich alles daran setzen, dass ihr Investment die höchste Rentabilität erzielt und dass die dann so selbstlos sind, dabei dann auch noch österreichische Interessen wahrzunehmen, das glaube ich ist eine Überforderung des Investors. …"


Der ÖIAG Vorstand Dr. Peter Michaelis konnte auf hartnäckige Journalistenfragen auch im zweiten und dritten Anlauf nicht erklären, wie nun der 25% Anteil eines österreichischen Kernaktionäres ausschaut. Er gab keine Auskunft darüber, wie hoch nun die neue „Stiftung“ an der AUA beteiligt sein wird. Weiters gab es keine Auskunft, wie hoch der österreichische Anteil an der Stiftung sein wird und wer diesen Anteil an der Stiftung halten wird.

Wahrscheinlichste Variante: Die ÖIAG selbst ist der „neue“ österreichische Kernaktionär, der eigentlich gar keine Aktien hält, sondern nur gewisse Mitspracherechte hat. Die Mitspracherechte beschränken sich darauf, dass man 1x das Vetorecht gebrauchen kann. Das war natürlich nicht der Sinn der AUA-Privatisierung, dass der neue österr. Kernaktionär – der eigentlich gar keiner ist, sondern nur 1x nein sagen darf – die staatliche ÖIAG ist.