Wien

Stellungnahme Wolfgang Mayrhuber, Lufthansa Vorstand, zur AUA Übernahme durch die deutsche Lufthansa

Anlass: ÖIAG Pressekonferenz 5. Dez. 2008 zur AUA Übernahme durch die Lufthansa
Ort: Sitz der ÖIAG, Dresdner Strasse 87, 1201 Wien 
Person: Wolfgang Mayrhuber ist Vorstand der Lufthansa AG

Videos:
Teil 1: Video zur Vertragsunterzeichung
Teil 2: Video zu Arbeitsplatzgarantien & Personal
Teil 3: Video zu Air France / KLM
Teil 4: Video zu EU Wettbewerbsbehörde
Teil 5: Video zu Abfindung der Kleinaktioäre
Teil 6: Video zu Flugzeugabwertung & Verluste

 


Video: Teil 1 Stellungnahme Wolfgang Mayrhuber,
Lufthansa Vorstand,
zur AUA Übernahme durch die deutsche Lufthansa,
Pressekonferenz 5.12.2008;
Dauer 6:05 min; 23 MB


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© Wien-konkret

Lufthansa Vorstand Wolfgang Mayrhuber - Teil 1

Vielen Dank Herr Dr. Michaelis!
Auch ich bedanke mich für Ihr Interesse und begrüße sie hier auch im Namen meines Vorstandskollegen Stefan Mauerer und derjenigen, die in dem Team mitgeholfen haben, dass wir heute zur Unterschrift schreiten konnten, nachdem der Lufthansa Aufsichtsrat und ÖIAG Aufsichtsrat zugestimmt hat und – wie Dr. Michaelis schon ausgeführt hat – fehlt noch das okay der Regierung und das okay aus Brüssel. Das macht den Weg frei für die AUA, integraler Bestandteil eines Luftfahrtkonzerns zu sein unter der Lufthansa.
Das geht es meine Damen und Herren nicht um die Lufthansa alleine, sondern da geht es um eine europäische Dimension. Da geht es darum, dass wir dafür sorgen, dass wir in Europa einen Luftfahrtverband erzeugen, der auch langfristig wirksam sein kann und die Interessen Europas nachhaltig vertreten kann. Ich sag´ das ganz bewusst, weil auch die Lufthansa als Einzelunternehmen zwar heute stark ist, aber auf Dauer – wenn man sich die Veränderung auf diesem Globus heute ansieht und wenn man sieht, wie sich demografische Veränderungen breit machen, wie sich die Wirtschaftskräfte verändern – dann ist es notwendig, dass wir in einem fragmentierten Europa zu Lösungen finden, die aus Europa heraus Anbindungen möglich machen. Das war ja auch ein Anliegen der Regierung beim Privatisierungsauftrag, die Anbindung Wiens zu sichern und das geht alleine heute kaum noch, sondern das geht nur im Verbund und deswegen freuen wir uns, dass wir diesen Weg gehen können.

Was heißt das, Bestandteil eines integrierten Luftfahrtkonzerns zu sein? Das heißt, das die AUA auch AUA bleibt, auch mit der Lufthansa. Was bedeutet das? Das bedeutet, dass sie in ihrer Identität, in ihrem Markenauftritt, in ihrer spezifischen Form ihren Service zu tun, selbständig bleibt. Dass sie auch Verantwortung trägt für die Kundenzufriedenheit, die Qualität, für die Ergebnisse und damit auch für ihre eigene Perspektive.

Im Verbund können wir Synergien heben, die man alleine nicht heben kann. Und es ist aus meiner Sicht ein sehr logischer, strategischer Schritt, sondern auch eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit, nicht nur vor dem Hintergrund der jetzigen Wirbelstürme. Es ist auch kein Flirt aus dem wir zu diesem Schritt kommen, sondern wir kennen uns seit Jahren, weil wir als Partner der STAR Alliance vertrauensvoll zusammengearbeitet haben. Das heißt wir kennen unsere Stärken gegenseitig, aber auch unsere Schwächen.

Und was ist das Interesse der Lufthansa eigentlich, werden Sie fragen? Also zunächst ist es sicherlich so, dass wir den Markt Österreich und auch den Markt im Osten für uns auch mitsichern wollen. Das geht zusammen einfacher. Zweitens: Es ist sicherlich auch so das wir erkennen, dass qualifiziertes Personal und die Marktstärke der AUA, die auch eine prominente Marke ist, für uns interessant ist. Für die Kunden ist es bedeutsam, weil sie Mobilität brauchen und Verbindungsqualität nur hergestellt werden kann, wenn man Unternehmen zusammenbringt. Für den Standort Wien ist es wichtig, weil der Flughafen Wien wäre ohne Hub-Carrier oder mit einem schwächer werdenden Hub-Carrier nicht in dieser Form zu halten.

Ich kenne die Schwächen auch – das wissen Sie – das ist die Kosten- Ertragsschere des Unternehmens, das ist die Bilanz. Das wollen wir als erstes angehen. Wir wollen auch die Reichweite des Vertriebs, die heute etwas limitiert ist, durch den Unternehmensverbund stärken. …

Wir im Hause Lufthansa freuen uns auf diese Zusammenarbeit. Wir wissen, dass viele auch innerhalb der AUA sich darauf freuen. Wir kennen die Verantwortung, die wir übernehmen. …
Ich kenn das Vermögen – nicht das bilanzielle Vermögen – sondern das Vermögen der Menschen hier in diesem Unternehmen ausreichend um sagen zu können: Damit sind wir auf der Erfolgsstraße.
Mit diesen Worten möchte ich es belassen und bedanke mich für Ihr Interesse.

 
 


Video: Teil 2 Stellungnahme Wolfgang Mayrhuber,
Lufthansa Vorstand,
zum Thema Arbeitsplatz- garantie bzw. Personal - abbau,
Pressekonferenz 5.12.2008;
Dauer 2:35 min; 10 MB


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© Wien-konkret

Lufthansa Vorstand Wolfgang Mayrhuber - Teil 2 Personal & Personalabbau

"... Was die Arbeitsplatzsicherheit angeht, ich glaub da muss man realistisch sein, nicht? Mit Defiziten kann man keine Arbeitsplätze sichern. Nur profitable Arbeitsplätze sind sichere Arbeitsplätze. Aber das soziale Gewissen Lufthansa hat eine große Tradition und da können Sie sehen, dass wir sehrwohl Geduld haben Veränderungen herbeizuführen. Die haben auch irgendwo die Grenze. … Im Moment haben wir keinen Abbau vorgesehen. Wir wollen Produktivitätssteigerungen haben ohne dass wir irgendwelche Kündigungen aussprechen.
… Ich stelle ´mal die Frage zurück: Wer in Österreich hat eine Arbeitsplatzgarantie? Welches Unternehmen in Österreich gibt seinen Mitarbeitern eine Arbeitsplatzgarantie? …  Arbeitsplatzsicherheit: Wenn wir das vorher ausdrücken, was passiert denn dann?
Das is´ ja langweilig. Ich glaub´ auch nicht, dass die AUA-Mitarbeiter des woll´n. Des san ja kane Beamt´n, oder? ..."

Anmerkung Wien-konkret:
Eine Arbeitsplatzgarantie finden österreichhische Mitarbeiter gar nicht langweilig, schon gar nicht in Krisenzeiten. Sehr wohl wird eine Arbeitsplatzgarantie und Gehaltsgaratie vom AUA-Betriebsrat gefordert. Man merkt, Herr Mayrhuber hat Österreich schon vor langer Zeit verlassen.

 


Video: Teil 3 Stellungnahme Wolfgang Mayrhuber,
Lufthansa Vorstand,
zum Thema Air France / KLM,
Pressekonferenz 5.12.2008;
Dauer 0:55 min; 3,6 MB


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© Wien-konkret

Journalist: „... Es gibt ja einige Konkurrenten – vor allem Air France / KLM – Widerstand gegen diesen Deal, weil Sie nachträglich 500 Millionen zugesagt bekommen haben. Können Sie die Konkurrenten verstehen die meinen, unter diesen Umständen hätte ich auch noch geboten.“

Wolfgang Mayrhuber: Ja, Pech gehabt. Also ich mache mir keine Gedanken um die Air France. Die hätten selber auf die Idee kommen können. Die hätten auch rechnen können. Die haben auch einen Rechenstift, hätten sagen können: Na gut, wir sehen ein negativen Unternehmenswert, also müssen wir ein Geld haben (Anm.: gemeint „bekommen“), sonst geht es gar nicht. Wir machen uns um die Lufthansa und die AUA Gedanken und weniger um die Air France.“

 


Video: Teil 4 Stellungnahme Wolfgang Mayrhuber,
Lufthansa Vorstand,
zum Thema EU- Wettbewerbs- Behörden,
Pressekonferenz 5.12.2008;
Dauer 1:15 min; 5 MB


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© Wien-konkret

Journalist: „Was passiert, wenn die EU den Deal nicht genehmigt?“

Wolfgang Mayrhuber: “... Ein, ein, ein Blick nach Brüssel würde Ihnen aber wahrscheinlich sofort die Antwort geben, dass das eine sehr, sehr, sehr hypothetische Frage war, denn defacto hieße das aus meiner Sicht – das mag jemand anders sehen – dass viel mehr Geld hinein gesteckt werden müsste, um dann zu reduzieren. Ich glaube das Thema Infrastrukturanbindung auch aus Brüsseler Sicht einen Wert hat. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Brüsseler Verkehrspolitik sein sollte, Flughäfen wie Wien oder Standort wie Wien aufgrund einer falschen sozusagen Einsichtnahme zu aus, aus, auszugrenzen aus der Anbindung, Punkt 1 und Punkt 2: Es gibt eine ganz klare Regel: Die heißt "One time – last time". Die AUA hatte den „one time“ noch nicht, also kann sie da noch einmal etwas tun, was andere ja schon getan haben. … Ich persönlich schätze das Risiko in Brüssel gegen null. Es gibt keinen Grund, warum man das nicht genehmigen soll. Da gibt es erstens so eine Geschichte, zweitens Gesetze und drittens der Fall ist so klar, dass  ich nicht wüsste, warum es in Brüssel irgendwo auf Störfeuer stoßen sollte. …"

Anmerkung Wien-konkret: Da ist Herr Mayerhuber aber sehr ins Stottern geraten, bei der EU-Wettbewerbsfrage. Es gibt da noch eine andere klare Regel, die heißt: Kein Zuschuss darf derart hoch sein, dass er wettberwerbsverzerrend ist. Die Alitalia mußte aus dem Grund einen staatlichen Zuschuss von 300 Millionen Euro im November 2008 zurück zahlen. Auch die Air France/KLM kann für eine internationale Anbindung des Wiener Flughafens sorgen. Die Lufthansa ist nicht die einzige Fluglinie, die den Wiener Flughafen anbinden kann.

 


Video: Teil 5 Stellungnahme Wolfgang Mayrhuber,
Lufthansa Vorstand,
zum Thema Kleinaktionäre & Abfindung
Pressekonferenz 5.12.2008;
Dauer 0:53 min; 3,4 MB


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© Wien-konkret

Journalist: Abfindung der Kleinaktionäre?

Wolfgang Mayrhuber: “… Die Frage der Kleinaktionäre. Ich denke, da muss man unterscheiden zwischen der wirklichen Wahrnehmung der Aktionäre und das, was da zum Teil von einzelnen geschrieben wird. Wenn Sie die Aktienkurse vergleichen, dann ist die AUA Aktie heute noch deutlich überbewertet, denn wenn Sie den Kurs an der Lufthansa nehmen und vergleichen das mit der AUA, dann sehen Sie, dass Lufthansa Ergebnis macht und nicht Wert vernichtet und liegt im Kurs unter der AUA. Daraus leite ich als Ingenieur ab, dass die AUA Aktie eher überbewertet ist.  … Ich glaube, dass wir die 75% kriegen werden und deshalb ist die Frage hypothetisch, was machen wir wenn wir sie nicht bekommen werden.“

Anmerkung Wien-konkret: Der Preis der Lufthansa Aktie liegt heute 5. Dezember 2008 bei 10,27 Euro. Der Preis der AUA-Aktie liegt heute bei 3,86 Euro. Es stimmt also überhaupt nicht, dass der Preis der AUA-Aktie über dem der Lufthansa-Aktie liege. Herr Mayrhuber ist hier im Irrtum. Weiters seien Herrn Mayrhuber die Aktien der deutschen Hypo Real Estate (3,06 Euro) oder Infineon (0,95 Euro) empfohlen, die noch unter dem Preis der AUA notieren. Das ist natürlich Unsinn. Es hängt ja auch von der Stückelung und dem Nennwert der Aktie ab.

 


Video: Teil 6 Stellungnahme Wolfgang Mayrhuber,
Lufthansa Vorstand,
zum Thema Flugzeug- abwertungen, Verluste, Kosten
Pressekonferenz 5.12.2008;
Dauer 3:45 min; 14 MB


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© Wien-konkret

Journalisten: "... Seit wann wissen Sie, dass dieser Verlust (Anm.: der AUA) so hoch sein werden? … Da hätte ich gerne gewusst, wie lange vor der Öffentlichkeit Sie das schon wußten?"
Mayrhuber: "… Da möchte ich sagen, dass wir auch als Team in der Frage der Bewertung des Unternehmens unsere eigenen Gedanken gemacht haben in der Due Dilligence und die Bücher der AUA geprüft haben. Die Frage der Wertstellung von Flotten zum Beispiel und anderen Dingen haben wir mit unseren Annahmen - wie man die eingepreisen müßte - eingestellt und insofern ist es richtig, dass wir hier nicht total überrascht waren, was da rausgekommen ist."

Anmerkung Wien-konkret: Da die ursprüngliche AUA-Ausschreibungsphase bis 22. Oktober 2008 lief, wußte die Lufthansa es spätestens zu diesem Zeitpunkt. Spannende offene Frage: Hat die AUA ihre Flieger erst auf Vorgabe der Lufthansa abgewertet und die Abwertung - die angeblich den Megazusatzverlust für heuer bewirkt - eine Woche vor Vertragsunterzeichnung öffentlich bekannt gemacht? Ergebnis: Alle Politiker und Journalisten waren ganz geschockt von den neuen "Verlusten" und kamen zu dem Schluß, jetzt kann die AUA nur mehr von der Lufthansa gerettet werden ...


Wolfgang Mayrhuber weiter zitiert:
"… wir Kostensynergien 40 Millionen und Ertragssynergien 30 Millionen sehen …
… mit Defiziten kann man keine Arbeitsplätze sichern …
… Das heißt die Bemühung voranzukommen, besser zu werden, effizienter zu fahren, ist etwas, dass man wie Rasen-mähen oder Zähneputzen regelmäßig machen muss.
… jetzt müssen wir erst einmal Geld verdienen, bevor wir investieren …
… Wenn jetzt die Wirtschaft anfangt zu lahmen und wir enorme Kostenzuwächse haben und die Auslastung nicht hinkriegen, dann werden sicherlich einige Strecken, die heute ROT sind noch roter sein und andere Strecken, die heute schwarz sind, möglicherweise auf die Nulllinie gehen. Das muss man sich genau ansehen, wie man mit dem Vertriebsdruck da umgehen kann. Wir müssen flexibel reagieren …"




Nachtrag: Mayerhuber über Subventionen an US Airlines: Subventionen produzieren nur neue Probleme

Zitat Wolfgang Mayerhuber, Lufthansa-Chef:

"Der Airline-Chef (Erg. Wolfgang Mayerhuber) warnte vor einer Wettbewerbsverzerrung. "Es gibt auch Hinweise darauf, dass die USA ihren maroden Airlines helfen möchten. Ich hielte das für einen Fehler, denn Protektionismus und Subventionen  produzieren nur neue Probleme", kritisierte der Lufthansa-Vorstandsvorsitzende. Sollten die Konkurrenten in den USA solche Hilfe erhalten, hätte das mit fairem Wettbewerb nichts mehr zu tun."
Qu: Der Standard 1.2.2009 und beruft sich dabei auf das Magazin DER SPIEGEL.

Anmerkung: Die 500 Millionen Staatszuschuß der Republik Österreich an die AUA/Lufthansa ergeben aber seiner Meinung nach keine Wettbewerbsverzerrung ...