Wien

AUA Berichte: Die Entwicklung der Finanzen im Jahr 2009:

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* 4.8.2009: Halbjahresbericht der Austrian Airlines für das 1 Halbjahr 2009:

AUA Halbjahresergebnis 2009



Fotos: Pressekonferenz des AUA Vorstandes Peter Malanik und Andreas Bierwirth am 4. August 2009 mit Präsentation des Halbjahresergebnisses der AUA für das 1 Halbjahr 2009; © Wien-konkret


 Quartalsbericht AUA 

 Ergebnis 2. Qu. 2009 

 Ergebnis 2. Qu. 2008 

 Periodenergebnis

  -167 Millionen Euro

   -49 Millionen Euro

 Eigenkapital:

   162 Millionen Euro

   256 Millionen Euro

 Eigenkapitalquote:

          8,0 %

          11,6 %

 Liquide Mittel:

     84 Millionen Euro

   231 Millionen Euro

 Bilanzsumme:

 2030 Millionen Euro

 2823 Millionen Euro


Pressekonferenz am 4. August 2009 im Hotel Hilton Wien am Stadtpark ab 10 Uhr

Eckpunkte:
* Das Periodenergebnis ist auf katastrophale -167 Millionen Euro Verlust gesunken. Der Rekordverlust der AUA ist somit 3,5 Mal so schlecht, wie im Vorjahr unter Alfred Ötsch.
* Der Umsatz ging um 22% nach unten.
* Die AUA verbrennt somit weiterhin fast 1 Millionen Euro am Tag
* Die Eigenkapitalquote ist auf 8% gesunken.
* Liquide Mittel sind auf 84 Millionen Euro gesunken
* Vom staatlichen 200 Millionen Euro Kredit sind schon ca 172 Millionen Euro verbraucht. Diesen Kredit kann man erst bei Erhalt des 500 Millionen Euro Staatszuschusses rückzahlen.
* AUA Mitarbeiter per 30.6.2009: 7300

Hauptgründe des katastrophalen Ergebnisses:
* Schlechtes wirtschaftliches Umfeld,
* Wegfall der Fussballfans zur Europameisterschaft 2008,
* Reiseversicherungen haben keine AUA-Tickets mehr versichert und das führte zu Kundenrückgängen. 
* großes Problem mit dem Osteuropa-Geschäft ("Wann kommt es zurück?")

zukünftige Gegenmaßnahmen:
* bis Mitte 2010 werden 1000 Mitarbeiter abgebaut
* zum Sommerfahrplan werden die 50-sitzigen Canadair Regional Jets eingestellt
* ein viertes Sparpaket kann notwendig werden
 
Im schriftlichen Halbjahresbericht wird folgendes festgehalten:
"... Schlankere und effizientere Strukturen werden geschaffen, ein Abbau von rund 1.000 Stellen durch einvernehmliche Lösungen, Outplacements und Nicht-Nachbesetzung von Vakanzen wird bis Mitte 2010 vorgenommen. Zum Sommerflugplan 2010 werden die 50-sitzigen Canadair Regional Jets, die von Tyrolean Airways unter der Marke Austrian arrows betrieben werden, aus dem Dienst genommen sowie die Dash 8-300-Flotte reduziert und teilweise durch Dash 8-400 ersetzt. Insgesamt wird die 50-Sitzer-Flotte um bis zu 14 Flugzeuge reduziert, um das Netzwerk zu deutlich niedrigeren Stückkosten bedienen zu können.  ... Im Juli wurde darüber hinaus ein weiteres Sparpaket vereinbart, um die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu verbessern. Dabei wird der Personalaufwand zwischen 2010 und 2015 um EUR 150 Mio. gesenkt. ... Unsere Liquidität ist aufgrund der Saisonalität des Fluggeschäfts und der Entspannung an den Kapitalmärkten bis über das Jahresende gesichert. ...", so der AUA Vorstand Malanik und Bierwirth (Seite 3 und 4 des AUA Quartalberichts)

Anmerkung Wien-konkret: Das Ergebnis ist 3x so schlecht, wie im ersten Halbjahr des Vorjahres. Pro Tag wird bei der AUA auch im ersten Halbjahr 2009 eine Million Euro verbrannt. Die Eigenkapitalquote von 8% ist schon existenzbedrohend. Der AUA Vorstand hofft, dass die EU-Kommission den 500 Millionen Euro Staatszuschuß genehmigt und ebenso die Abtretung an die Lufthansa.

Resümee: Es zeigt sich, dass der Rausschmiß von Alfred Ötsch möglicherwiese richtig war, die verbliebenen Vorstände Peter Malanik und Andreas Bierwirth aber komplett überfordert sind. Eine Sanierung der AUA ist nicht einmal ansatzweise erkennbar. Finanzminister Josef Pröll (ÖVP) spricht trotzdem von einem großen Erfolg der österreichischen Finanz- und Wirtschaftsgeschichte.
 

Video: AUA Presse- konferenz
am 4. August 2009 im Hotel Hilton Wien zur Präsentation des AUA Halbjahres- ergebnisses 2009

Video 118 MB;
© Wien-konkret


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Highlights aus der Pressekonferenz:

* Malanik erklärt die größte Krise in der Luftfahrt sei. Die AUA stemmt sich gegen die Krise.
* Bierwirth erklärt die AUA-Krisenpakete und die erhofften Synergieeffekte nach einer Integration in den Lufthansa-Konzern
* Bierwirth: Wir können nicht 5 Jahre Kurzarbeit machen.
* Malanik erklärt den Mitarbeiterabbau: im Jahr 2006 waren es noch knapp 8600 Mitarbeiter, per 30.6.2009 waren es knapp 7300; Ziel für das Jahr 2010: 6500 Mitarbeiter.
* Bierwirth: Flugzeugabwertungen im 1. HJ 2009: 74,3 Millionen Euro. Das war notwendig, weil die Marktpreise so verfallen sind
* Bierwirth: In Westeuropa gibt es einen enormen Shift von der Business-Klasse in die Eco-lasse. Insgesamt haben wir 35% weniger in der Business-Klasse
* Bierwirth: heuer wurden nur 104 Millionen Euro aus der Rettungsbeihilfe von der AUA in Anspruch genommen.
* Malanik: ad Hedging: Das bedeutet, dass wir Treibstoffportionen, die wir im vergangenen Jahr zu hohen Preisen gekauft haben, teilweise im heurigen Jahr noch mit uns herumschleppen.
* Malanik: Die Freigabe des negativen Kaufpreises (Erg. durch die EU-Kommission) steht unmittelbar bevor. … Der negative Kaufpreis soll nicht bei der Lufthansa verbleiben, sondern der soll ins Unternehmen zurückfließen. Das wird in Fom einer Kapitalerhöhung der Fall sein.
* Bierwirth: Wir werden Flugzeuge – nicht zur Gänze aber in großer Stückzahl – vom Chartersegment in die Linie überführen

zum Thema Niki Lauda:
* Malanik: Wir haben damit auch Mitarbeiter von der Lauda Air bekommen, die für das Problem, das wir uns eingekauft haben, nix können. Das sind gute engagierte Mitarbeiter und wir sind froh, dass wir diese Mitarbeiter in unserem Unternehmen haben. Die Schuldenzahl: 700 Millionen (Anmerkung: Gemeinst waren offenbar 700 Millionen Euro in der Lauda Air Bilanz. Fairerweise muss man dazu sagen, dass den Schulden ja Flugzeuge im Anlagevermögen gegenüber stehen. "Schulden" heißt ja nicht "Verlust")

* Bierwirth: Man muss mit diesem Thema endlich auch einmal aufhören. Man muss nach vorne denken. Immer wieder der Verweis auf Lauda Air bringt uns nicht auf den Erfolgskurs. Zu jedem Verkäufer gehört ein Käufer. Es ist natürlich ein emotionales Thema. Was die AUA gemacht hat – und Peter Malanik hat es ja gerade gesagt – sie hat sich verschluckt. Das war zuviel des Guten. Und während wir uns die letzten Jahre damit befaßt haben mit dem Verschlucken zu recht zu kommen, hat der Käufer es wieder geschafft völlig neu – was viel einfacher ist – eine sehr zeitgemäße Airline in einem Segment - das wir nicht bedienen -  auf den Markt zu stellen. Wogegen wir uns verwehren ist nur Querverweise, was man hätte besser machen müssen, sich gegebenenfalls darüber lustig machen etc. Wir haben ja selbst geholfen - muss man sagen - indem wir mit unserer Schrumpfung immer wieder Piloten – die bereits ??? für den Airbus hatten – immer wieder an den Markt gebracht haben. Also wir haben ihm noch Kostenvorteile verschafft auf der anderen Seite. Ich glaube auch, man muss es auf beiden Seiten belassen. Wir sind Wettbewerber. Wir nehmen auch flyniki als Wettbewerber war und wir werden uns auch nicht passiv aufstellen. Und vielleicht sollten wir die Emotionalität da raus gehen lassen. Die Leistung wird letztendlich entscheiden. … Wir haben – ohne das wir da zu emotional werden, sie sehen, sie treffen da einen Nerv bei uns – aber wir haben siebeneinhalbtausend Mitarbeiter, die mit roten Strumpfhosen durch die Gegend gehen oder Hosen, die für Austrian Airline stehen. Es gibt bei flyniki nur einen, der etwas Rotes trägt. Das ist auf dem Kopf und der Rest ist anderwertig gelöst. Die Art und Weise, wie wir mit Mitarbeitern umgehen und das Rote und in dem Fall Rot-weiß-rote auch prägen und auch in Zukunft prägen werden, dass ist bei uns schon deutlich größer. (Anmerkung Red.: Andreas Bierwirth ist übrigens Deutscher). Und deshalb bleiben wir der Nationalcarrier Österreichs. Ganz ohne Zweifel. Das lassen wir uns auch nicht nehmen und auch die Mitarbeiter nicht. … „Lauda Air“ ist eine sehr gute Marke bei uns im Konzern. Wir wollen das Segment nicht aufgeben. Per heute ist das Thema Markenaufgabe nicht zur Disposition. Ich kann nur sagen: Wir werden die Marke nicht aufgeben. Die Marke wird im Konzern bleiben. Wir werden natürlich die Anzahl der Lauda Air-lakierten Flugzeuge rückläufig sein.


Nicht Teil des Videos:
Frage Wien-konkret: In den Unterlagen für die Journalisten fehlt die Halbjahresbilanz. Ist das Zufall oder Absicht?
AUA-Vorstand: Schweigen   AUA-Finanzchef: Das hat keinen Hintergrund

Frage Wien-konkret: Die Eigenkapitalquote ist nur mehr 8% oder anders ausgedrückt, die Fremdkapitalquote ist 92%. Ab wann ist für sie der Insolvenztatbestand der Überschuldung gegeben?
Malanik: Es gibt bereits eine Reorganisation

Frage Wien-konkret: Wie wollen Sie die 200 Millionen Euro Kredit zurückzahlen, wenn der 500 Millionen Euro Staatszuschuß von der EU-Kommission nicht genehmigt wird?
Malanik: Wir sind sehr zuversichtlich, daß wir auch das Beihilfenverfahren über den negativen Kaufpreis positiv abschließen werden.  … Natürlich haben wir uns auch eine Alternative überlegt und das ist dann der Plan B. Seit letzten Freitag, wo es eine inhaltliche Einigung mit der EU gibt, denke ich, können wir Plan B in der Schublade lassen.

Frage Wien-konkret: Sie waren auch schon 2008 Vorstand der AUA. Es ist ja nur der Herr Ötsch ausgeschieden. Sie sind jetzt wieder Vorstand im Jahr 2009. Das erste Halbjahresergebnis hat sich mehr oder weniger in seiner Schlechtigkeit verdreifacht. Glauben Sie, dass sie die optimale Besetzung für den AUA-Vorstand sind?
Bierwirth: JA. Daran haben wir keinen Zweifel

Frage Wien-konkret: Inwiefern sind ihnen die Banken und der Flughafen Wien entgegen gekommen?
Bierwirth: Die Mehrheit der Banken gibt uns zu verstehen, daß das Risikopotenzial bei uns größer geworden ist und der Wille zur Hilfe wird immer geringer. … Der Flughafen  Wien bekommt jetzt Wettbewerb von Frankfurt und München und das hilft.
Malanik: Der Flughafen Wien ist ein ganz, ganz wichtiger Lieferant, der mit dem Skylink-Terminal hofffentlich einen Qualitätssprung uns bieten wird können.



* 5. Mai 2009: Quartalsbericht der Austrian Airlines für das 1 Quartal 2009:

 Quartalsbericht AUA 

 Ergebnis 1. Qu. 2009 

 Ergebnis 1. Qu. 2008 

 Periodenergebnis

   -88 Millionen Euro

   -60 Millionen Euro

 Eigenkapital:

   148 Millionen Euro

   711 Millionen Euro

 Eigenkapitalquote:

          8,7%

          25,5%

 Liquide Mittel:

    76 Millionen Euro

   205 Millionen Euro

 Bilanzsumme:

 2108 Millionen Euro

 2792 Millionen Euro


"...Zahlreiche Maßnahmenpakete sind umgesetzt. Durch Kapazitätsanpassungen und Streckenadaptionen konnte das Produktionsziel und die damit einhergehende Senkung der variablen Kosten bereits übererfüllt und EUR 132 Mio. eingespart werden. Im Bereich Krisenkompensation sind bereits weit mehr als 50% aller Maßnahmen umgesetzt bzw. befinden sich gerade in Umsetzung. Durch Kurzarbeit, Gehaltsverzicht und sonstige Personalmaßnahmen konnten z.B. alleine im Bereich Boden rd. EUR 13,4 Mio. an Ergebniseffekten lukriert werden. Auch die im April erzielte Einigung mit dem fliegenden Personal resultiert in Einsparungen von rd. EUR 20,6 Mio. Nichts desto trotz müssen speziell unsere Systempartner noch aktiver an der Krisenbekämpfung mitwirken. Teilerfolge konnten z.B. durch das Absenken der Sicherheitsgebühr für Transferpassagiere am Flughafen Wien erzielt werden, wenngleich eine flächendeckende Gebührensenkung zur Sicherung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit und Verringerung des Standortnachteils sowie weitere Maßnahmen unumgänglich sind. ...", so der AUA Vorstand Malanik und Bierwirth (Seite 3 des AUA Quartalberichts)

(Quelle AUA Quartalsbericht 2009 1. Quartal, veröffentlicht am 5. Mai 2009)