Wien

12.4.2012 "Kleine Zeitung" Kommentar: "Selten waltet Vernunft, besser wirken Strafen"

Ausgabe vom 13.4.2012  (Von Ernst Sittinger)
Diesen Wahnsinn kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen:
Bis 1973 das Tempolimit 100 km/h auf Bundesstraßen eingeführt wurde, gab es pro Jahr bis zu 3.000 Verkehrstote in Österreich.
Im Vorjahr dagegen kamen "nur" 523 Menschen im inländischen Straßenverkehr ums Leben. Das ist der tiefste Wert seit Beginn der Aufzeichnung im Jahr 1961. Die Opferzahl wurde also auf ein Sechstel reduziert, und das bei explodierendem Verkehrsaufkommen und immer PS-stärkeren Boliden. Besonders in jüngster Vergangenheit sind beachtliche Erfolge gelungen. Die Zahl der Toten wurde seit 2002 beinahe halbiert. Ist die Risikotechnik Autofahren also plötzlich beherrschbar geworden? Gewiss ist, dass nicht die Menschen vernünftiger geworden sind, sondern die Elektronik uns heute besser schützt. Rundum-Airbags, Warnprogramme und vollelektronische Fahr- und Bremsassistenten greifen dort ein, wo der Mensch täglich versagt. Auch die Überwachungstechnik ist ausgefeilt wie nie, die Palette reicht von der Laserpistole über den Alkomaten bis zur Tempomessung mittels Section Control. Ob Handyverbot am Steuer, Kindersitzpflicht oder Verkehrssünder-Punktekartei: Selten waltet die Vernunft, viel besser wirken Zwang, Verbote und Strafen. Keine Spur also von "Freiheit auf Rädern". Die Mehrheit der Verkehrsteilnehmer tut nur das Nötigste für die Sicherheit anderer und hat allenfalls Angst vor dem Führerscheinverlust. Die Jäger der Urzeit gebärden sich heute noch immer als Jäger der Uhrzeit, die als Raser und Drängler auf den Straßen für drei Minuten Zeitvorteil gerne Kopf und Kragen riskieren. Das Stammhirn lässt grüßen.
   Bei allem Respekt für die Erfolge in der Verkehrssicherheit muss festgehalten werden, dass 1,4 Tote pro Tag noch immer eine unfassbar hohe Opferzahl darstellen. In keinem anderen Bereich der Zivilisation würden wir diesen Blutzoll akzeptieren. (Die jährlich 1300 Selbstmorde, von denen viele auch als Verkehrsunfälle erfolgen, seien hier ausgenommen, dort geht es um andere Probleme.) Man stelle sich jährlich 500 tote Soldaten vor oder 500 Lawinentote oder 500 Brandopfer. Bei jedem der rund 40 Morde herrscht Großalarm. Man kann es drehen und wenden, wie man will:
   Der Mensch der westlichen Welt hat keine natürlichen Feinde mehr, aber sein gefährlichster Fressfeind bleibt das Auto. Oder, genauer gesagt, der Fahrer des (anderen) Wagens. Vielleicht sollten wir uns diesen Umstand jedes Mal kurz ins Gedächtnis rufen, sobald das Zündgeräusch ertönt.
Rückfragehinweis: Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032



30.9.2009 ÖAMTC: Vier Fünftel aller Verkehrstoten sind Männer

Unfallstatistik zeigt: Ältere Frauen als Fußgänger stärker unfallgefährdet

Fast 80 Prozent der Todesopfer im Straßenverkehr sind Männer. (Anmerkung Wien-konkret: Es fahren ja die Männer auch wesentlich mehr Kilometer im Auto und LKW, zB auch als Berufsfahrer. Interessant wäre der Vergleich bei den Unfalltoten je 1000 Kilometer Fahrleistung. Man könnte sonst den Eindruck bekommen, Männer sind die schlechteren Autofahrer.)

Das zeigt die bisherige Unfallstatistik bis 27. September 2009. Gesamt verunglückten in Österreich bisher 374 Männer und 102 Frauen tödlich. "Aktuell dominieren in allen Altersklassen die männlichen Opfer", sagt ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger. So sind in der Altersgruppe bis 14 Jahre sieben getötete Buben und sechs Mädchen zu beklagen. In der Altersgruppe 15 bis 29 Jahre gab es in diesem Jahr bisher 115 getötete Männer und 24 getötete Frauen, in der Altersgruppe 30 bis 59 Jahre 157 getötete Männer und 35 getötete Frauen, in der Altersgruppe 60 bis 94 Jahre 95 getötete Männer bzw. 37 getötete Frauen (Quelle: BMI). "Auch bei Verkehrsunfällen ohne tödlichen Ausgang gibt es anteilsmäßig mehr verletzte Männer als Frauen", sagt die ÖAMTC-Expertin. "Grund dafür ist die höhere Risikobereitschaft bei Männern. Außerdem spielt das unterschiedliche Mobilitätsverhalten ein Rolle."

Zur Veranschaulichung hat die ÖAMTC-Verkehrspsychologin drei Altersgruppen anhand der Unfallstatistik 2008 (Quelle: Statistik Austria) verglichen.

Altersgruppe "Beginners" – 15 bis 24 Jahre
In dieser Gruppe gab es im Vorjahr – gemessen am Gesamtergebnis – mit 15.835 die meisten verunglückten Personen (58 Prozent Männer, 42 Prozent Frauen). Davon sind rund ein Drittel mit Motorrad oder Moped verunglückt (69 Prozent Männer, 31 Prozent Frauen), wobei die Unfälle im Mopedbereich eindeutig überwiegen. Noch deutlicher – wenn auch wenig überraschend – ist der Geschlechterunterschied im Lkw-Sektor (Lkw mit und ohne Anhänger, Sattelkraftfahrzeuge, Tankwagen, Zug- oder Arbeitsmaschinen). Hier verunglückten im Vorjahr 264 Personen (davon 83 Prozent Männer). Auch auf dem Fahrrad waren mehr junge Herren (63 Prozent) in einen Unfall involviert. Kaum Unterschiede gab es hingegen bei den Fußgängern mit 360 verunfallten Männern gegenüber 362 Frauen. Ebenso fast ausgewogen ist das Verhältnis bei den Pkw-Fahrern.

Altersgruppe "Mediums", 35 bis 44 Jahre
In dieser Gruppe beträgt der Anteil der Männer, die am Moped oder Motorrad verunglückt sind, sogar 82 Prozent (von 1.153 Personen). "Wie es scheint, meiden Frauen in diesem Alterssegment den eher riskanten Zweiradbereich", sagt die ÖAMTC-Verkehrspsychologin. Im Pkw wiederum verunglückten in dieser Altersgruppe mehr Frauen als Männer (2.640 gegenüber 2.421 Männern). "Die Frauen sind vermehrt mit dem Auto, oftmals als Familienchauffeurinnen unterwegs. Viele fahren einen Zweitwagen, dessen Sicherheitsstandards nicht an die des Erstwagens des Lebenspartners herankommen", sagt Seidenberger. Auf dem Fahrrad sind in dieser Altergruppe fast doppelt so viele Männer (548) wie Frauen (279) verunglückt. Der Fahrradboom im Freizeitsport dürfte dazu einen großen Beitrag leisten. Bei den verunfallten Fußgängern hingegen herrscht in etwa Gleichstand bei den Geschlechtern.

Altersgruppe "Experts", 65+

Im motorisierten Zweiradbereich gibt es mit 266 verunfallten Männern gegenüber 35 Frauen wieder einen sehr eindeutigen Geschlechterunterschied. "Es zeigt sich, dass das motorisierte Zweirad für ältere Damen als Verkehrsmittel nicht von Interesse ist", sagt die ÖAMTC-Expertin. Fahrradfahren ist hingegen bei den über 65-Jährigen sehr beliebt. 17 Prozent aller statistisch erfassten Fahrradunfälle sind im vergangenen Jahr in dieser Altersgruppe passiert (949 Menschen, davon 57 Prozent männlich).
Als Fußgänger verunglückten in der Gruppe 65+ mehr Frauen (649) als Männer (332) im Straßenverkehr.

Rückfragehinweis: ÖAMTC-Öffentlichkeitsarbeit, Eva Käßmayer
Tel.: +43 (0) 1 711 99-1218  mailto:pressestelle@oeamtc.at  



2008: 678 Verkehrstote in Österreich im Jahr 2008

678 Menschen starben im Jahr 2008 auf Österreichs Straßen.
Damit wurde die niedrigste Zahl an Verkehrstoten seit dem Jahre 1950 verzeichnet. Gegenüber dem Jahr 2007 gab es einen Rückgang um 13 Tote. Am meisten ging die Zahl der Verkehrstoten in Wien und Niederösterreich zurück. In den Bundesländern Salzburg, Vorarlberg und Tirol gab es im Jahr 2008 mehr Verkehrstote als im Jahr 2007. 

Verteilung der Verkehrstoten nach Art der Beteiligung 2008:
358 Pkw-Insassen
103 Fußgänger
93 Motorrad-Fahrer
62 Radfahrer,
29 Lkw-Insassen (davon 23 in einem Klein-Lkw),
24 Moped-Fahrer
7 sonstige Beteiligte
6 Traktor
2 Autobus-Insassen
1 Microcar.

Unfallursachen 2008:
35% Zu schnelles Fahren
14% Vorrangverletzung
11% Unachtsamkeit/Ablenkung
 9,4% Überholen 
 7,0% Alkoholisierung 
 7,0% Fehlverhalten von Fußgängern
 4,3% Übermüdung
 2,1% Herz-/Kreislaufversagen 
Rest: andere Ursachen
 
 





=> Kommentare & Postings eintragen