Wien

Rede von Andreas Bellinger bei der Kundgebung "Väter ohne Rechte" am 4.4.2008 in Wien:

Wer: Andreas Bellinger
Was: Rede zum Thema der mangelnden Väterrechte, der nicht umgesetzten Kinderkonvention in Österreich und einer besseren Familienpolitik

Wann: 4.4.2008, ab 15 Uhr 
Wo: 1010 Wien vor dem Parlament

Kontakt:
Beiratsmitglied des Vereins Kindergefühle e.V., 5020 Salzburg
E-mail:
bellinger@kindergefuehle.at



Rede Andreas Bellinger:

Foto vom Redner Andreas Bellinger; 
© Richard Maier (Kindergefühle)

Foto vom Redner Andreas Bellinger;
© Richard Maier (Kindergefühle)

"Sehr geehrte Damen und Herren!

Danke für´s Ausharren.


Es ist schön so viele Menschen hier und heute für ein so wichtiges Anliegen versammelt zu sehen. - Ich hoffe es geht Ihnen gut an diesem Tag, meine Damen und Herren. Denn zig tausenden Kindern in Österreich, die dank der österr. Familienpolitik bewusst zu Scheidungs- bzw. Trennungswaisen gemacht worden sind - geht es keinesfalls gut, meine Damen und Herren. Denen geht´s dreckig. !! Es leiden tagtäglich stillschweigend und unbeachtet von der Öffentlichkeit  tausende von diesen Kindern unter den  Umstand, einen Elternteil entbehren zu müssen - diesen nicht mehr sehen und spüren zu dürfen.

Meine Damen und Herren,
Ich möchte mich bei Ihnen gerne vorstellen, Mein Name ist Andreas Bellinger. Ich bin Vater einer kleinen und liebenswerten Tochter. Sie ist bald 6 Jahre alt und bin für diese Kundgebung extra aus Salzburg angereist,

Bravo-Rufe und Applaus im Publikum

weil auch ich natürlich ein persönliches, wichtiges Anliegen habe.

Mein Anliegen ist, dass meine süße Tochter Angelina auch mich weiterhin als Papa aktiv zur Verfügung stehen hat. Ich möchte auch in Zukunft meine Verantwortung als Vater aktiv wahrnehmen. Darin verstehe ich- sowie tausende andere ausgeschlossenen Elternteile keinesfalls nur finanzielle Mittel, denn so einfach ist es nicht. Und so einfach machen wir uns das auch nicht!

Für das Erwachsenwerden meiner Tochter möchte ich auch weiterhin als Vater mein Bestes geben und auch entsprechend mitwirken. Das Kind soll auch nach der Trennung von der Liebe beider Elternteile profitieren. Das ist ein verankertes Menschenrecht, und für uns als Eltern eine Pflicht dieses für das Kind zu gewährleisten. Und wenn dies auch nur ein Elternteil verabsäumt, ist es die Pflicht des Staates dieses Recht des Kindes auf beide Elternteile durchzusetzen, und nicht wie es derzeit praktiziert wird, stillschweigend und duldend - dieses Kindesleid zu fördern.

Meine Damen und Herren,
Die Problematik in Österreich ist, dass die Rechtssprechung auf das Wohl des Kindes nicht entsprechend eingehen will, warum auch immer. Ich sehe es nicht als erstrebenswert, wenn meine Tochter als Scheidungswaise in Österreich die Zukunft wahrnehmen muss.

Es ist zweifelsfrei, dass dieser Missstand aufgezeigt werden muss und auch von der Politik und dem Gesetzesgeber entsprechend aufgearbeitet werden soll. Es ist höchste Zeit dafür!

Die Verfahrensdauer in Österreich dauert mitunter bis zu mehreren  Jahren. Das sind Jahre der Ungewissheit für das Kind. Das sind Jahre der extremen psychischen Belastungen für das Kind

Österreich ist in dieser Hinsicht noch ein Entwicklungsland. Wir schimpfen andere Länder als Entwicklungsland, obwohl diese Länder in diesen Bereichen sicherlich eine bessere und kindgerechte Familienpolitik wie Österreich vorweisen können.

Österreich sieht als Familienpolitik es nur, Männer und Frauen in die Arbeit zu schicken und die Kinder in Kinderkrippen abzuschieben.

Familienpolitik bedeutet in Österreich offensichtlich das Land mit übergroßen Plakaten vollzukleistern, wo am Fußboden kauernde Mütter mit Ihren Kindern, die Kopfschutz und Panzeranzüge tragen, in voller Furcht vor dem stets gewaltbereiten Familienvater in Schrecken und Angst versetzt werden..

Sieht Österreich uns verantwortungsvollen Väter tatsächlich in dieser Rolle? Ich kann ihnen versichern, sehr verehrte Damen und Herren, bei den Kindern die tagtäglich an solchen Plakatwänden vorbeigehen, löst dies einiges an Emotionen aus.

Familienpolitik ist jedoch mehr. Familienpolitik ist, wenn Kinder beide Elternteile haben. Bedauerlicherweise haben wir von der Regierung noch keinen einzigen Vorschlag über ein vernünftiges Familienprogramm in dieser Richtung gehört.

Neueste Kenntnisse bzw. Studien im Bereich des Kindeswohls zeigen immer wieder Ergebnisse, wie wichtig beide Elternteile für Kinder sind. Und tagtäglich wird an diesen Erkenntnissen blindlings vorbeigearbeitet.

Deutschland z.B. kennt nur die gemeinsame Obsorge, es funktioniert. Wie können die österreichischen Volksvertreter die Meinung vertreten, das ist nicht möglich.

Andere Länder haben das Wechselmodell,  d.h. das Kind hat zwei Wohnsitze und daher auch einen doppelten Freundeskreis. Das Kind lernt 2 Erziehungsmethoden kennen und profitiert daher auch durch 2 Systeme. Auch stellen beide Elternteile daher optimal ihre Zeit für das Kind zur Verfügung, denn eine Einteilung ist bei diesem System möglich.

Es muss einfach mehr für das Kind gemacht werden. Als erstes muss einmal die KinderRechtsKonvention umgesetzt werden. Es ist schon traurig genug, dass Österreich auf das wartet bis die internationale Gemeinschaft wieder ein Gesetz erlässt, damit zum Wohle des Kindes hantiert werden soll.

Wie wäre es einmal, wenn Österreich von sich aus, auf nationaler Ebene einmal Gesetze erlässt, die dem Wohl des Kindes entgegenkommen. Das wäre sicherlich kein Fehler und ein erster Versuch wäre es auf jeden Fall wert.

Ich fordere daher die Regierung auf, auch an meine Tochter Angelina zu denken und an die vielen Scheidungswaisen. Machen Sie dem Wahnsinn ein Ende.

Setzen Sie die Kinderrechtskonvention um.
Lassen Sie mich Ihnen noch zu einer aktuellen familienpolitischen Kampagne Stellung nehmen:
Zeugungsfähig heißt auch obsorgefähig, Zeugungsfähig heißt auch verantwortungsfähig, und das bitte nicht nur im PAPA MONAT, sondern ein ganzes Leben lang - als Väter unserer Kinder!

Danke für Ihre Aufmerksamkeit!