Wien

Radio Sendung auf 88,6 mit Mag. Marschall am 21.8.2009

Ich möchte zum Thema „böse Tricks nach Trennung/Scheidung“ im besonderen nach dem Interview von Herrn Mag. Marschall beim Radiosender 88,6 etwas schreiben:

Dass Frauen  - laut den Radiomoderatoren - ebensolch schlechte Erfahrungen mit dem Besuchsrecht zu ihren Kindern nach der Trennung/Scheidung haben, ist meiner Meinung nach absurd. Es gibt nur wenige Mütter, denen es so ergeht, wenn ihre Kinder woanders versorgt werden, wenn ihnen aus bestimmten Gründen die Obsorge entzogen wurde, aber hier reden wir von weit und breit üblichen Fällen, die tausende Ex-Ehemänner als Väter erleben. Die Ex-Ehefrau, um sie korrekt „so nett“ zu bezeichnen, hat andere Probleme natürlich, der Mann wird sie dafür aber auch eher selten für Zahlungen ihrerseits an ihn belangen!

Ich bin als Mutter und Ex-Ehefrau selbst eine Betroffene: unter der Trennung/Scheidung habe ich sehr gelitten, weil ich meine Familie liebe und dazu gehörte mein Ex-Mann. Er hatte mich auch in jeder Hinsicht unterstützt. Trotzdem kam es zur Krise, ich hatte auch eine „Nebenbuhlerin“, also eine dritte Person in der Ehe, da kommen die Rachegefühle, dann kommen die Ohnmachtsgefühle, der Frust, weil das Familien- und bei mir auch das gemeinsame Berufsleben zerbrochen ist.

Ich habe einmal versucht, diese Gefühle über die Kinder auszudrücken, weil ich keinen anderen Weg wußte, um ihn „zurückzugewinnen“, weil er die Kinder liebt. Heute weiß ich, dass ich mich ganz anders hätte verhalten sollen, ruhig und traurig. Ich war aber fassungslos und in Panik.

Bei meinem Antrag auf alleinige Obsorge hat das Gericht die Kinder gefragt, die damals im Alter von 12 und 14 Jahren waren und zwar bei einem Termin, wo die Mutter NICHT mit hinein ins Zimmer geht: „wollt ihr den Papa noch regelmäßig sehen – wenn ja, dann dürft ihr das auch!“ und sie versicherten, dass sie das unbedingt wollten und er ihnen weder ein schlechter Papa sei noch dass er geregelte Zeiten mit ihnen haben soll. Der Papa konnte auch per Handy mit den Kindern vereinbaren, dass er mit ihnen ins Kino gehen will oder sie zum Essen einlädt und tollen Sport mit ihnen macht. Ich hätte einen Kopfstand vor Ärger machen können, mein Ex-Mann hätte gesat:“frag doch die Kinder, ob sie das wollen“ und die haben gesagt: „natürlich wollen wir den Papa sehen!“.

Wir haben dann doch auch fixe Zeiten ausgemacht – abgesehen von 3 Wochen Urlaub im Jahr - jedes 2. Wochenende und einen Tag mit Schlafen in der Woche, damit ihr Schulleben nicht so zerrissen ist. Mir ist es schwer gefallen, die Kinder wie Vagabunden ihr Päckchen packen zu lassen und immer hin und her zu ziehen. Ich war auch eifersüchtig, dass sie zu ihrem Papa durften und ich nicht. Und natürlich, dass die Frau dort die „nette Ersatzmama“ spielt, die mir meinen Mann entzogen hat. Das alles tut sehr weh. Aber ich habe diese „freie“ Zeit bald zu nützen gewußt und habe mir beruflich (schnell) und privat (langsam) ein neues Leben aufgebaut, mit dem ich sehr glücklich bin. Ich hätte mir das nach der Trennung nie vorstellen können, aber ich weiß, wenn man durch das alles tapfer und fair geht, wird man von allen Seiten geschätzt und hat die Wirkung, dass es wieder Harmonie gibt!

Die Kinder haben ein super Verhältnis zu ihren beiden Eltern und auch zu deren neuen Partnern – sie fahren gemeinsam mit auf Urlaub, obwohl sie nun schon 5 Jahre älter sind. Ich glaube, sie brauchen diesen fairen Umgang ohne Rosenkrieg, weil ja auch für sie die Trennung/Scheidung ein Schock und Trauma ist und sie - wie man öfters hört und liest - sogar auch teilweise die Schuld bei sich suchen.

Susanne aus Wien               E-mail 21.8.2009