Wien
26/08 2008

Neue Frauen braucht das Land



Foto: Bettina Stadlbauer und Barbara Prammer

Wien, Löwelstrasse. SPÖ-Zentrale. Bundesfrauenvorsitzende und Nationalratspräsidentin Barbara Prammer sowie Bundesfrauengeschäftsführerin Bettina Stadlbauer nehmen zum Thema "Soziale Sicherheit für Frauen" Stellung und präsentieren die Wahlkampagne der SPÖ-Frauen. Wien-konkret war dabei.


Frauenquoten in den Aufsichtsräten
Ein Thema das nicht fehlen darf. Barbara Prammer weist auf die vielen Untersuchungen und Berichte aus Norwegen hin und wie erfolgreich der norwegische Weg war mit gesetzlichen Vorgaben 40 Prozent Frauen in die Aufsichtsräte zu bringen.

Auch die ÖVP-Frauen hätten schon signalisiert, dass man sich eine Quotierung vorstellen könne und hätten dabei die SPÖ-Frauen definitiv als Bündnispartnerinnen.


Wirtschaftsförderung an Frauenförderung koppeln
Weiter habe man in den letzten eineinhalb Jahren viele Maßnahmen gesetzt, auch die Frauenministerinnen, das reiche aber nicht: "Denn nur was Gesetz ist werde eingehalten. All das was gesetzlich normiert ist gilt, und daher ist jede gesetzliche Maßnahme natürlich eine bedeutend bessere als die Zuckerl um Unternehmen zu locken."


Warum die SPÖ die richtige Partei ist
Bettina Stadlbauer bemühte sich zu erklären, warum man andere Parteien nicht wählen könne. Mehr wehmütig wurde Brigit Weinzinger von den Grünen genannt, die, wie sie selbst, gerne und selbstsicher nach gesetzlich quotierten Aufsichtsratsposten und Parlamentssitzen geschielt hatte. Die trockene Auskunft van der Bellens, dass Weinzinger eben nicht mehr wählbar sei stieße bei ihr, Stadlbauer, auf Missfallen.

Kritik auch an der FPÖ, die Karlheinz Klement (Genderwahn) letztlich nicht wegen seiner frauenkritischen Äußerungen aus der Partei ausgeschlossen hatte sondern andere Gründe fand.


Fragen an die SPÖ-Frauen
Nach der Vorstellung des Programms stellten sich dann konkrete Fragen, etwa zur Halbierung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel. Aber auch die Leser von Wien-konkret kamen hinsichtlich Gleichbehandlungsfragen auf ihre Kosten.




Video: SPÖ Pressekonferenz vom 26.8.2008 in der SPÖ-Zentrale in Wien.
SPÖ Bundes-Frauenvorsitzende Barbara Prammer


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©rb

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Die Einkommensschere oder die Suche nach dem Elefantenfriedhof

Eine der Fragen an Barbara Prammer war, warum der Rechnungshofbericht zum Einkommen im Schnitt 40 Prozent bzw. auf Vollzeitbeschäftigung bereinigt 22 Prozent Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern ausweise, aber niemand die Frage beantworten könne welche Unternehmen so diskriminierend entlohnen. Ob den SPÖ-Frauen derartige Unternehmen bekannt wären?

Konkrete Unternehmen konnten keine genannt werden, es sei eben überall so lautete die Antwort die alles und nichts erklärt.


Datenmangel bei der Statistik Austria

Eine weitere Frage: Sowohl eine Billa-Kassiererin wie auch ein Billa-Kassier hätten dasselbe Einkommen, aber die unter denselben Kollektivvertrag subsumierten, meist männlichen Billa-Techniker würden deutlich mehr verdienen. Die Statistik Austria darauf angesprochen hatte die Auskunft gegeben, dass sie gesetzlich gar nicht ermächtigt sei die Kollektivvertragsdaten der Unternehmen abzufragen um sie in die Einkommensstatistik einzubeziehen. Die Frage, ob sie, Prammer, es unterstütze, wenn man die Statistik Austria gesetzlich ermächtigen würde auch die Kollektivvertragsdaten zu erfragen blieb unbeantwortet.

Sie würde es allerdings begrüßen, wenn die Unternehmen gesetzlich dazu verpflichtet wären die Unterschiede zwischen den Einkommen von Frauen und Männern intern auszuhängen was allerdings von der ÖVP blockiert werde. Anschließen könne sie sich, dass 40 Prozent ausgewiesener Einkommensunterschied ohne über die Kollektivvertragsdaten zu verfügen ein bizarrer Wert wäre.


Positive Diskriminierung

Wie schnelllebig Frauenpolitik sein kann wurde an der Beantwortung der Abschlussfrage ersichtlich. Ob man sich nach Muster der gesetzlichen Frauenquoten in Aufsichtsräten vorstellen könne auch Mädchen durch Gesetze in die höher entlohnten Berufe zu zwingen?

Natürlich solle niemand zu etwas gezwungen werden, die Wirtschaft habe Handlungsbedarf und müsse Jobs schaffen die Frauen ansprechen, die Frauen wären jedenfalls bereit, meinte Barbara Prammer abschließend.


Die Wirtschaft sieht sich ebenfalls bereit

Die Wirtschaft biete Mädchen schon seit Jahrzehnten Lehrstellen in technischen Berufen an und bewirbt diese ebenso lange gemeinsam mit Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretungen. Bei Siemens hatten die 1978 eingetretenen Mädchen bei Lehrabschluss einen Anteil von etwa 10 Prozent. Heute liegt dieser Anteil bei 6-7 Prozent, so die Auskunft des Leiters der Lehrlingsausbildung, Walter Krippl.


Eine Frage die nicht gestellt wurde

Die geringeren Einkünfte die Frauen auf Grund ihrer Berufswahl erzielen, müssen über Transferleistungen ausgeglichen werden. Vom Netto-Steuerzahler Mann. Die Schweiz kommt hier auf 50 Millionen Franken oder 31 Millionen Euro pro Tag die so von den Männern zu den Frauen fließen. In Österreich hat sich noch niemand zu fragen getraut.

Warum also sollten Männer die SPÖ wählen? Wien-konkret wird diese Frage an Werner Feymann stellen.

(rb)