Wien
15/07 2009

„Quotenregelung zwischen Traum(a) und Wirklichkeit“



HP: www.christinelapp.at
Foto: © Petra Spiola

So titelt die Diplomarbeit von Nationalratsabgeordneter Mag. Christine Lapp, Trägerin des Großen Silbernen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich und Rechnungshofsprecherin der SPÖ. Auf 85 Seiten wird beschrieben, wie die SPÖ-Frauen seit Jahrzehnten versuchen innerhalb der Partei eine Quotenregelung durchzusetzen (1988, ONB 1288943-C. NEU Mag).

„man brauche Männer“ lautet dort ein Zitat, das am Parteitag der Sozialdemokratie 1888/89 einer Frau den Zugang zu einer politischen Funktion in der Sozialdemokratischen Partei verwehrte.

Der Mann, es war sicher einer, hatte allerdings völlig recht. Im Vereinsgesetz vom 15. November 1867 war bestimmt: „Ausländer, Frauenspersonen und Minderjährige dürfen als Mitglieder politischer Vereine nicht aufgenommen werden“

Nun, das ist Geschichte. Aber die zu erlernen hatte einmal der bekannte Sozialist Bruno Kreisky einem Journalisten nahegelegt.

Sigmund Freud und die Quote



Sigmund Freud, Wikipedia

Das eigentlich interessante in der Diplomarbeit ist, dass die Merkmale die die Quote in der SPÖ ermöglichen sollen schon 1988 gar nicht so unkritisch gesehen wurden. So wurde auch die Psychotherapeutin Rotraut Perner interviewt die sich schon damals gegen die Quote ausgesprochen hatte. Nicht ohne Folgen.

"Die Psychoanalytikerin steht der Quote skeptisch gegenüber, da sie diese Regelung als typisch weiblich hält, ohne große Auseinandersetzungen doch etwas durchsetzen zu wollen.
»So ist es immer eher ein Versuch, unter Konfliktvermeidung einen Fuß in der Türe zu haben, in der Hoffnung, daß alles andere dann von selbst kommt.«“
(Seite 41)

"Sie spricht sich als einzige Gesprächspartnerin gegen die Quote aus und vertritt die Meinung, daß das Aufteilen von vorhandenen Ämtern eine Weiterführung des kindlichen Penisneids darstellt. Sie bezeichnet sich als Freudianerin. Ihre Meinung hat sie auch dezidiert in einem Profil-Artikel (35/1987) vertreten, in einem Gastkommentar über die Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe ging sie in einem Nebensatz auf die Quotenregelung mit der Bemerkung ein, daß die Quotenregelung eine subtile Form einer versuchten Kastration sei. Aufgrund ihres Artikels konnte sie an der Verwaltungsakademie kein Training mehr abhalten und eine zeitlang war ihre Existenz gefährdet." (Seite 55, Unterstreichung durch den Autor)

Das damalige Profil weist Johanna Dohnal als Staatssekretärin aus der Perner vor dem Kastrationspassus noch den Satz mitgegeben hatte: "Oder geht es Johanna Dohnal gar nicht um ein besseres Verständnis zwischen Mann und Frau, sondern darum, Männern Angst zu machen?" (Profil 35/87, Seite 45f)

Norwegen 1988


Aber auch interessantes zum gerne herangezogenen Norwegischen Modell der Quotenregelung findet sich in der Diplomarbeit:

"Obwohl in Norwegen der Sprung in Richtung Gleichstellung in der Politik gelang, gibt es in den Bereichen Arbeit und Bildung Ungleichheiten.
»Die Gleichstellungsbeauftragte in Oslo hat Zahlen vorgelegt, aus denen klar hervorgeht, daß Männer mehr als je in Frauenberufe hineinquotiert werden, den Frauen aber bei weitem nicht dieselben Vorgaben in traditionellen männerdominierten Arbeitsbereichen und höheren Stellen gemacht werden.«"
(Seite 38)

Zitiert wird Uecker. Quotierung - praktizierte Gleichbehandlung; In: Jansen (Hrg.) Halbe-Halbe, Berlin 1986.

Da ist also etwas, das man auch heute noch vergisst Frauen zu sagen wenn man gleiches Geld für gleiche Arbeit verlangt. Hätte Österreich Norwegens Ölvorkommen könnten sich auf Grund der Schwerarbeitsregelung Frauen problemlos für die gut bezahlten Jobs auf den Förderplattformen bewerben. Die Norwegerinnen tun das übrigens auch nicht.

Lern wos g´scheits ...

Elli Zipser, Burgenland, NR-Abgeordnete 1988 im Interview mit Christine Lapp:

"Sie (Anm. Zipser) beginnt provokant meine Ausbildung in Zweifel zu ziehen. »Lernen´s ein gescheites Handwerk, das was Sie machen wollen, ist eh schon so zu.«" (Seite 60)

Womit wir wieder bei der Berufswahl der Mädchen wären die sich ja, egal welchen Ausbildungsweg sie einschlagen, gerne Berufe aussuchen die später gar nicht so gut bezahlt werden. Davon ist Mag. Christine Lapp aber weit entfernt. Nur: soviele Nationalratsmandate gibt es nicht, als dass ihre Karriere dem Gros der jungen Mädchen und Frauen ein Vorbild sein könnte.

Übrigens wird der erlernte Beruf ihres Vater mit Automechaniker, der ihrer Mutter mit Büroangestellter angegeben, also typisch geschlechtsspezifische Berufswahl.

Rechnungshof und die Einkommensschere

Mit Spannung wird erwartet, wie die Rechnungshofsprecherein die Zahlen zur Einkommensdisparität zwischen Frauen und Männern erklären wird, die bisher vorgegaukelt hatten, Frauen würden beim Einkommen diskriminiert. Nachdem Gleichbehandlungskommission, Arbeiterkammern und Gewerkschaften seit Jahren kein Betriebe nennen können die derart bizarre Zahlen verursachen würden, ist man ja mittlerweile in der Zwickmühle erklären zu müssen was es da auf sich hat. Theoretisches Know-How hätten die sozialdemokratischen Frauen allemal, seit Jahrzehnten, sie müssten es nur noch ihren Wählerinnen vermitteln; was das eigentliche Problem ist.

Wien-konkret war ja beim transparent machen der Einkommensschere einsamer Vorreiter und darf stolz verkünden, dass auch kleinere Medien etwas für die Allgemeinheit und vor allem zum Frieden zwischen den Geschlechtern beitragen können. Ein kollegialer Gruß auch an Christian Ortner, der in der Presse mit seinem Artikel "Hilferuf einer Unbeachteten" auf die Billa-Verkäuferinnen und Verkäufer aufmerksam gemacht hat. Ohne Quoten haben die nämlich auch keine Chance in die Aufsichtsräte zu kommen.

(rb)