Wien
17/07 2008

Frauenministerin Silhavy zu (a)typischen Mädchenberufen



Foto: Frauenministerin Heidrun Silhavy. ©rb


Frauenministerin Silhavy kündigt an, Mädchen verstärkt über die vielfältigen Lehrberufe informieren zu wollen.

Grund dafür ist wohl, neben dem politischen Druck auf ihre Vorgängerin, dass nach Jahrzehnten der Förderungen Mädchen noch immer zur Hälfte die klassischen Lehrberufe wie Einzelhandelskauffrau, Bürokauffrau oder Friseurin erlernen während Burschen in die besser bezahlten technischen Berufe streben.

Später wirkt sich das bis weit in die Familien hinein aus. Dann bleibt der bei den Kinder daheim, der weniger verdient, also meist die Mutter. 4 Prozent der Väter, die 2008 in Karenz sind, sprechen da eine deutliche Sprache. Und "weniger verdienen" meint im überwiegenden Teil der Familien schon eine Einkommensdifferenz von 100 Euro oder darunter.

Kommt es zur Trennung, bleibt es dabei, dass meist die Väter weiter arbeiten gehen müssen während die Kinder automatisch bei den Müttern verbleiben. Was in etwa 85 Prozent der Scheidungsfälle zutrifft.


50:50 bei Lehrlingen schließt die Einkommensschere

In ihrer Presseaussendung meint die Ministerin: "Ein ausgewogenes Verhältnis von weiblichen und männlichen Lehrlingen habe außerdem den Effekt, die Einkommensschere weiter zu schließen."

Das klingt nicht gut. Mittlerweile ist es nämlich möglich, durch positive Diskriminierung gesetzliche Maßnahmen zu schaffen geschlechtsspezifisches Ungeleichgewicht auszugleichen. Und es ist nicht klar, wie man Mädchen durch Gesetze in Berufe zwingen will die sie nicht ergreifen wollen.

Zu befürchten ist, dass es männlichen Lehrstellensuchenden in Zukunft schwerer gemacht wird indem man, ähnlich wie bei den Bestrebungen 40 Prozent Frauen durch gesetzliche Quoten in die Vorstände und Aufsichtsräte zu bringen, auch bei den Lehrstellen Quotenregelungen einführt.

Auch kündigt sich der erste parteiinterne Gegenwind an. Barbara Prammer sieht ihr beliebtestes Totschlagargument davonschwimmen - "40 Prozent Einkommensdifferenz auf Grund von Ungerechtigkeit", wenn sich tatsächlich herausstellt, dass die Berechnung gut- vs. schlechtbezahlter Berufswahl dahintersteckt.

Silhavy weiter: "Jetzt liege es an der Wirtschaft, diese Chance zu ergreifen und geeignete Lehrstellen zur Verfügung zu stellen."


Bereit, wenn Sie es sind

Eine Anfrage bei einem der größten österreichischen Lehrlingsausbilder, der Firma Siemens AG die im Jahr etwa 750 Lehrlinge ausbildet ernüchtert.

1978, als man bereits heftig um weibliche Lehrlinge warb um den drohenden Facharbeiterengpaß abzufangen, lag der weibliche Anteil bei den dann im Jahr 1981 abgeschlossenen Lehrlingsausbildungen bei 10 Prozent. Heute liegt dieser Anteil bei 6-7 Prozent, berichtet Walter Krippl, der Leiter der Lehrlingsausbildung bei Siemens.

Sein Unternehmen bietet in Wien die Ausbildung in den Lehrberufen Informationstechnologie, Elektrotechnik und Elektronik an. Lehrberufe in anderen österreichischen Bundesländern können bei ihm unter der Telefonnummer 05 1707 - 23850 erfragt werden.

An der Wirtschaft kann es also nicht liegen.

(rb)

siehe auch   OTS0217    2008-08-21/15:35



* 19.8.2008 Silhavy (SPÖ) begrüßt VP-Frauen-Forderung nach Quotenregelung in Aufsichtsräten

SPÖ Frauenquote,

Frauenministerin Heidrun Silhavy (SPÖ) reagierte heute, Dienstag, erfreut auf die Forderung von VP-Frauensprecherin Rauch-Kallat nach einer Quotenregelung in Aufsichtsratsgremien. "Schön, dass nun auch die VP-Frauen erkennen, dass Quoten ein sinnvolles Hilfsmittel auf dem Weg zur Gleichbehandlung sind. Es handelt sich hier ja um eine langjährige Forderung der SPÖ-Frauen. Noch schöner wäre es, wenn Frau Rauch-Kallat sich dazu durchringen könnte zu sagen, wie hoch die Quote ihrer Meinung nach sein sollte", so Silhavy.

Quelle: OTS0216    2008-08-19/14:48

Anmerkung Wien-konkret:
Wie die Gleichbehandlungsministerin Silhavy (SPÖ) für eine Frauenquote - also einer Bevorzugung von Frauen aufgrund des weiblichen Geschlechts - sein kann, bleibt für einen Mann unergründlich. Gleichbehandlung würde vielmehr bedeuten, dass der bestqualifizierte Kandidat oder die bestqualifizierte Kandidatin - unabhängig von Rasse, ethnischer Zugehörigkeit oder Geschlecht - einen Job erhält.
Andererseits, wenn man bedenkt, dass viele Aufsichtsräte ohnedies politisch besetzt werden und nicht nach Qualifikation, dann ist es wurscht, ob man in Zukunft einen Mann oder eine Frau nimmt.