Wien

Allgemeine Informationen über die "Gruft"

Betreuungszentrum für Obdachlose
1060 Wien, Barnabitengasse 14
Tel. 01-587 87 54 31, http://www.gruft.at

* 24 Stunden geöffnet und es gibt jederzeit eine Aufenthaltsmöglichkeit
* es gibt Mahlzeiten, Duschmöglichkeiten, Übernachtungsmöglichkeiten
* es gibt eine medizinische und psyachtische Betreuung
* das Durchschnittsalter der Obdachlosen ist 43 Jahre
 



Landau und Brauner betonen Wichtigkeit dieser Einrichtung



Foto StR Mag.a Renate Brauner und Caritasdirektor Michael Landau; © Pressefoto Votava

Wien (RK). Seit 20 Jahren gibt es nun die "Gruft" in den Räumen unterhalb der Mariahilferkirche. Die Initiative zur Errichtung einer Wärmestube für obdachlose Menschen kam damals vom Pfarrer der Kirche, Pater Albert Gabriel, und den SchülerInnen des Amerling-Gymnasiums. Was mit Schmalzbroten und Tee begann, ist heute Wiens wohl bekannteste Obdachloseneinrichtung. Ein Grund zurückzublicken und Bilanz zu ziehen.

"Seit 20 Jahren unterstützt das Team der Gruft Menschen, die ihre Wohnung verloren haben und auf der Straße stehen, beim schwierigen Weg zurück in die Gesellschaft. Die Gruft hat sich in dieser Zeit zu einem wichtigen Bestandteil der Wiener Wohnungslosenhilfe entwickelt und ist aus dem Netz unserer Angebote nicht mehr wegzudenken", betont Sozialstadträtin Mag.a Renate Brauner.

"Dass es nach 20 Jahren immer noch notwendig ist, einen Raum wie die Gruft anzubieten, ist eigentlich kein Grund zum Feiern", sagt Caritasdirektor Michael Landau anlässlich des runden Jubiläums. Die Caritas hat vor zehn Jahren, im Juli 1996, die Leitung der Gruft übernommen. Zur Essenausgabe sind im Lauf der Jahre weitere Angebote gekommen - Sanitäranlagen und Waschmöglichkeiten, Kleiderausgabe, Schlafmöglichkeit, sozialarbeiterische Beratung, Nachtstreetwork. Einmal pro Woche kommt eine Friseurin. Der Louisebus der Caritas zur medizinischen Betreuung macht regelmäßig zwei Mal pro Woche Station. In Kürze wird auch wieder ein Psychiater zwei Mal pro Woche für Gespräche zur Verfügung stehen.****
 

Mehr Essensausgaben, weniger Nächtigungen

Aussagekräftige Statistiken liegen leider erst für die Zeit seit 1996 vor. Das Durchschnittsalter der BesucherInnen ist gesunken und liegt derzeit bei 43 Jahren. Die meisten Besucher sind Männer, der Frauenanteil liegt bei etwa 14 Prozent.

Die Zahl der ausgegebenen Essen ist in den letzten Jahren deutlich angestiegen, für Caritasdirektor Landau auch ein Zeichen dafür, dass die Not in unserem Land wächst. Wurden im Jahr 2000 noch 60.497 Mahlzeiten ausgegeben, so waren es im Jahr 2005 71.234 Mahlzeiten (Anstieg sowohl bei Mittag- als auch bei Abendessen), das sind durchschnittlich 203 Mahlzeiten pro Tag. "Es sind nicht mehr nur obdachlose Menschen, die zu Mittag eine warme Suppe in der Gruft essen. Als Caritas sehen wir Tag für Tag in unseren Einrichtungen, dass Menschen sich Miete, Strom und Essen nicht mehr leisten können. Sichtbare Obdachlosigkeit ist nur die Spitze des Eisbergs!"
 

Stadt Wien baut Angebot laufend aus

Dieser "Erfolg" ist darauf zurückzuführen, dass die Stadt Wien gemeinsam mit ihren Partnerinnen und Partnern in den vergangenen Jahren eine Reihe von Notquartieren und anderer neuer Einrichtungen, speziell auch für ältere obdachlose Menschen, geschaffen hat. Seit 2004 haben zehn neue Obdachlosenhäuser ihren Betrieb aufgenommen. Dabei handelt es sich um ein Betreuungsangebot, das zielgruppen- und geschlechtsspezifisch ist.

"Unsere Einrichtungen für wohnungslose Menschen sind so unterschiedlich wie die Bedürfnisse der Betroffenen. Die Stadt Wien hat sich in der Wohnungslosenhilfe zum Ziel gesetzt, dass jede und jeder die individuelle Unterstützung bekommt, die sie oder er braucht. Dieses maßgeschneiderte und an den Bedürfnissen und Notwendigkeiten unserer KlientInnen orientierte Angebot werden wir in den nächsten Jahren noch weiter ausbauen", erläutert Brauner.
 

1104 Menschen im Jahr 2005 in der Gruft sozialarbeiterisch betreut

Im vergangenen Jahr wurden 1104 Menschen von den MitarbeiterInnen der Gruft sozialarbeiterisch betreut, 733 waren es im Jahr 2000. Von diesen 1104 KlientInnen konnten 440 in andere Einrichtungen weitervermittelt werden, 164 davon in Einrichtungen des Fonds Soziales Wien, 88 in andere Einrichtungen der Caritas, 154 in Notquartiere der Caritas, aber auch anderer Träger.
 

Nachtstreetwork - (über-)lebensnotwendig

Doch nicht alle Menschen, die Hilfe brauchen, finden den Weg in die Gruft, obwohl das Angebot so niedrigschwellig wie möglich gehalten ist. Deshalb fahren die MitarbeiterInnen drei Mal in der Woche aus, um jene zu suchen und zu finden, die sozialarbeiterische und/oder medizinische Betreuung brauchen. Im Jahr 2005 wurden 450 KlientInnen an 98 verschiedenen Orten in ganz Wien (Karlsplatz, Praterstern, Franz-Josefs-Bahnhof, Esterhazyplatz, Neubaugasse und andere) regelmäßig vom Nachtstreetwork-Team der Caritas aufgesucht/betreut.
 

Die Wiener Wohnungslosenhilfe in Zahlen

Der Fonds Soziales Wien (FSW) als Einrichtung der Stadt Wien ist neben vielen anderen sozialen Aufgaben dafür zuständig, Wohn- und Nächtigungsplätze, Beratungs- und Betreuungsangebote für wohnungslose Menschen zur Verfügung zu stellen. Der FSW finanziert bzw. kofinanziert die Leistungen, die von KooperationspartnerInnen in dessen Auftrag erbracht werden. Die Caritas der Erzdiözese Wien wird beispielsweise im Jahr 2006 vom FSW mit insgesamt 6,4 Mio. Euro gefördert. Damit werden 16 verschiedene Projekte der Caritas in der Wohnungslosenhilfe unterstützt.

* acht ambulanten Einrichtungen (Tageszentren, Beratungsstellen,
dem medizinischen Betreuungsbus "Louise")
* 23 Übergangswohneinrichtungen (Nächtigerquartiere,
Übergangswohnhäuser allgemein, Zielgruppenwohnhäuser z.B. für
Frauen, Betreutes Wohnen in Wohnungen vor allem für Familien)
* elf Dauerwohnhäuser

Das Budget der Wiener Wohnungslosenhilfe beträgt im Jahr 2006 rund 22,5 Mio. Euro. Auf den insgesamt rund 2.700 Wohnplätzen werden pro Jahr durchschnittlich 4.500 Personen betreut.
 



Rückfragehinweis:

Mag.a Doris Becker
Pressesprecherin der Caritas Erzdiözese Wien
Tel. 01/878 12-221   Mobil: 0664/848 26 18
E-Mail: dbecker@caritas-wien.at

Mag. Stefan Hirsch
Mediensprecher Stadträtin Mag.a Renate Brauner
Tel. 01/4000-81231  Mobil: 0664/431 10 13
E-Mail: hir@ggs.magwien.gv.at

(RK vom 06.11.2006)