Wien

Grüne Wien / Monika Vana: Karriere nur für Männer? .......................... - (Un) Gleichbehandlung im Wiener Magistrat


Monika Vana von den Grünen: "Frauen strukturell benachteiligt"

Obwohl das Wiener Gleichbehandlungsgesetz seit 1996 in Kraft ist, besteht nach wie vor ein großer Unterschied zwischen Frauen und Männern in der Besetzung von Leitungsfunktionen, in der Verteilung der Elternkarenz und bei den Einkommen im Wiener Magistrat.

Die Situation bezüglich Einkommen und Karriere ist für Frauen im Öffentlichen Dienst nicht viel besser als in der Privatwirtschaft. So sind im Wiener Magistrat 96% der Teilzeitbeschäftigten Frauen, 98 % der Personen im Magistrat in Elternkarenz sind Frauen. "Damit liegt der Männeranteil bei der Elternkarenz mit 2 Prozent sogar unter dem Österreichschnitt von 3 Prozent", kritisiert die Frauensprecherin der Grünen Wien, Stadträtin Monika Vana, die derzeitige Situation. 

"Der Einkommensnachteil ist weiblich", so Vana: Das durchschnittliche Jahresbruttoeinkommen von Frauen im Magistrat liegt um 21 % unter dem der Männer. Berechnet nach Vollzeit-äquivalenten ergibt sich ein Einkommensnachteil von 15 %. Schon in den ersten drei bis vier Beschäftigungsjahren als Lehrling bei der Stadt Wien macht sich ein 2 %iger Unterschied in der Lehrlingsentschädigung bemerkbar. "Der Grund dafür ist klar: Frauen werden in niedrigeren Verwendungsgruppen beschäftigt. Frauen kommen weniger zum Zug, wenn es um die Besetzung von Spitzenfunktionen und Beförderung und Aufwertungen geht", so Vana.

Die Beförderung in höhere Jobs ist offensichtlich noch immer eine Sache der Männer: So wurden im Wiener Magistrat nur 38 Prozent der Beförderungen an Frauen vergeben. Bei den Aufwertung liegt der Frauenanteil bei 37 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr ist er sogar um 10 Prozent gefallen. Frauen sind bei der Besetzung von Spitzenfunktionen im Wiener Magistrat unterrepräsentiert, es herrscht ein geschlechtsspezifisches Ungleichgewicht in Bezug auf Bewerbung und Nachbesetzung von AbteilungsleiterInnenfunktionen. Obwohl der Männeranteil bei den Beschäftigten nur gut ein Drittel beträgt, liegt er seit Jahren bei den höherwertigen Verwendungen, Aufwertungen, Beförderungen und Schlüsselfunktionen bei etwa zwei Drittel. Der Frauenanteil auf der höchsten Führungsebene beträgt weniger als ein Drittel (29%). Höherwertige Dienstposten mit Schlüsselfunktion sind nur 39 Prozent mit Frauen besetzt.

Die Grünen Wien fordern ein Schließen der Einkommensschere zwischen Frauen und Männern im Magistrat, eine Erhöhung des Frauenanteils in Spitzenfunktionen, eine Erhöhung des Männeranteils bei Betreuungs-aufgaben: Väterkarenz, "Papamonat", verstärkte Gender-Trainings für Personalverantwortliche sowie mehr Demokratie und Transparenz: Ausbau der Informations- und Kontrollrechte der Opposition für die ausgegliederten Unternehmen der Stadt Wien.

Rückfragehinweis:
Pressereferat, Tel.: (++43-1) 4000 - 81814, Mobil: 0664 22 17 262
E-mail:  presse.wien@gruene.at
OTS0133    2008-11-04/11:09


Anmerkung Wien-konkret:
Frage 1:
Das heißt zusammenfassend, dass sie dem Wiener Magistrat nicht vorwerfen, dass Männer für den gleichen Job bei der gleichen Arbeitszeit mehr bezahlt bekommen, als Frauen oder?
Somit beim Thema Einkommen eine Gleichbehandlung herrscht?
Sie werfen eher den Männern vor, dass sie Vollzeitarbeiten und dadurch mehr verdienen als Frauen und dass Männer aufgrund eines höheren Anteils bei Spitzenjobs im Durchschnitt mehr verdienen.

Frage 2
Finden Sie es fair, dass männliche Fussballer mehr verdienen, als weibliche Fussballerinnen?
Finden Sie es fair, dass weibliche Fotomodells mehr verdienen, als männliche Fotomodells? 

 



Antwort vom Grünen Klub im Rathaus


Sehr geehrter Herr Marschall, Herzlichen Dank für´s Online-Stellen der Presseaussendung von Monika Vana, Stadträtin der Grünen Wien. Im Namen von Frau Stadträtin Vana darf ich Ihnen zu Ihren Fragen wie folgt antworten.

1.) Ja, stimmt: Im Magistrat werden Frauen wie Männer für die gleiche Arbeit gleich ins Gehaltsschema eingestuft. Die Einkommensunterschiede von Frauen und Männern im Magistrat ergeben sich nicht durch eine diskriminierende Praxis der ungleichen Einstufung und Einstellung (jedenfalls dürfte das nach Wiener Gleichbehandlungsgesetz nicht der Fall sein), sondern aufgrund der unterschiedlichen Bewertungen von Arbeitsbereichen, unterschiedlichen Zulagen, geschlechtsspezifischen Arbeitszeiten, unterschiedlichen Beförderungs- und Aufwertungspraxen sowie der unterschiedlich beanspruchten Elternkarenz. Es zeigen sich im Magistrat natürlich auch gesellschaftliche Phänomen, wie die geringe Bewertung von Pflegearbeit im Gegensatz zu technisierter Arbeit oder der privaten Arbeitsteilung bei der Versorgung von Kindern/Haushalt/zu Pflegenden, die zulasten der Zeit von Frauen fürs Erwerbstätig sein geht.

Nicht den Männern ist der Vorwurf zu machen, sondern dem Magistrat bzw. der zuständigen personalverantwortlichen Stadträtin, dass es zuwenige Initiativen und konkrete Maßnahmen gibt, bezahlte und unbezahlte Arbeit im Rahmen der eigenen Handlungsmöglichkeiten gerechter aufzuteilen. So könnte ein Magistrat ein Papamonat einführen oder sich eine Modell überlegen, wie Kompetenzen erworben durch Kinderbetreuung karrierefördernd statt karrierehemmend wirken. Ebenfalls wäre mehr Bewußtsein notwendig bei der Beförderungspraxis, denn dass der Abteil an Frauen in Spitzenfunktionen überall geringer ist als der Anteil der weiblichen Beschäftigten in den jeweiligen Magistratsstellen, ist doch auffällig.

2.) Zu Ihrer zweiten Frage möchte ich sagen, dass es sich jeweils um Beispiele handelt, die in der Regel außerhalb des Verständnisses von ArbeitnehmerIn liegen. Sie denken dabei wahrscheinlich an die SpitzenverdienerInnen, die mit Werbeverträgen etc. Einkommen lukrieren, von dem die meisten in den jeweiligen Branchen selbst nur träumen können. Die Beurteilung mit "fair ja oder nein trifft in beiden Punkten nicht den Punkt.

Dass Frauen im Sport generell weniger verdienen oder sich mit niedrigeren Preisgeldern zufrieden geben müssen, wird oft damit begründet, dass Sponsoren bei "Frauenevents" weniger verdienen, weil weniger ZusehmerInnen sind und somit auch weniger Gewinn ausgeschüttet werden kann. Darin drückt sich meiner Meinung nach die gesellschaftlich geringere Anerkennung von Frauen und ihren Leistungen aus, die es zu hinterfragen und auch zu kritisieren gilt. In diesem Bereich spielt sich die Diskriminierung auf der gleichen Ebene ab wie in der übrigen Arbeitswelt. Auch die öffentliche Hand fördert Männersport mehr als Frauensport. Für Frauenfußball gibt der ÖFB lediglich ein Prozent seines Geldes aus.

Dass einige Modells mit ihrem Körper für eine ganz kurze Spanne ihres Lebens sehr gut verdienen können, spiegelt einerseits die Vermarktung des Menschens, wo sich ein weiblich makelloser Leib offenbar gewinnbringender verkaufen lässt als ein männlicher, als auch die Reduktion von Frauen auf den Körper. Die ganze Mode-, Kosmetik und Schönheitsindustrie zielt auf Frauen als Konsumentinnen ab, denen die Werbung einredet was gesellschaftlich weit verbreitet ist, dass sie nur schön und makellos etwas wert sind, bzw. mehr wert sind. Die wirklich gut Verdienenden sind Männer in diesem Bereich. Es ist ein zweifelhaftes Beispiel für bessere "Verdienstmöglichkeiten" von Frauen gegenüber Männern, da der Schönheitswahn, der durch Modells verkörpert und kommuniziert wird, sich letztendlich gegen Frauen richtet, die bei einem Bewerbungsgespräch nach ihrem Aussehen bewertet werden und nicht nach ihrer Leistung.

Ich hoffe, ich konnte Ihre Fragen zu Ihrer Zufriedenheit beantworten. Gerne stehe ich Ihnen für weitere Diskussionen zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen Barbara Huemer

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Mag.a Barbara Huemer
Referentin für Beschäftigungs-, Wissenschafts- und Frauenpolitik
Grüner Klub im Rathaus
1082 Wien
Telefon: 01-4000 81580