Wien

Geschlechtsspezifische Berufswahl



Bundeskanzleramt Frauen 2007

Die Frauenabteilung im Bundeskanzleramt hat 2007 die Studie Frauen und Männer in Österreich - Statistische Analysen zu geschlechtsspezifischen Unterschieden veröffentlicht.

Darin enthalten auch die Unterschiede in der Berufswahl von Frauen und Männern:

Akademikerinnen und Akademiker

Lieblingsdisziplin der Frauen sind weiterhin die Geisteswissenschaften

Sehr deutlich zeigen sich geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Studienwahl. An erster Stelle in der Beliebtheitsskala steht für Frauen das Sprachstudium. In diesen Studienrichtungen findet man Frauenanteile von 80% und mehr. Auch Pädagogik, Ernährungswissenschaften, Pflegewissenschaft und das Veterinärstudium werden überwiegend von Frauen gewählt.

Die Domäne der Männer ist weiterhin das technische Studium und die Montanistik.

Die höchsten Frauenquoten finden sich bei den Studienabschlüssen in den Hauptstudienrichtungen Geistes- und Naturwissenschaften (71%), Veterinärmedizin (69%), Künste (67%) und Medizin (61%), während nur 19% der Studienabschlüsse in technischen Studienrichtungen auf Frauen entfallen.

Lehrberufe



Lehrlingsstatistik 2006, die 10 häufigsten Lehrberufe

Bei weiblichen Lehrlingen ist die Konzentration auf einige wenige traditionelle Frauenberufe weiterhin extrem ausgeprägt

Die starke Konzentration von Frauen auf bestimmte Berufe wird schon bei den Lehrlingen deutlich sichtbar. Im Jahr 2006 wurde die Hälfte aller weiblichen Lehrlinge in nur drei Lehrberufen ausgebildet. Hingegen entfällt auf die drei für Burschen am wichtigsten Lehrberufe nur etwas mehr als ein Viertel der männlichen Lehrlinge.

Die Konzentration der weiblichen Lehrlinge wird noch deutlicher, da nahezu doppelt so viel Burschen als Mädchen eine Lehre absolvieren.

73% aller weiblichen Lehrlinge konzentrieren sich auf die zehn häufigsten Lehrberufe, bei den Burschen sind es nur 55%. Unter den zehn bei Frauen beliebtesten Lehrberufen finden sich auch 2006 keine Produktions- oder technischen Berufe, die hingegen bei den männlichen Lehrlingen weiterhin dominieren.

Arbeiterinnen und Arbeiter

Während 2006 mehr als jede/r zweite Angestellte oder Beamtin weiblichen Geschlechts ist, sind es nur drei von zehn ArbeiterInnen.

Quelle: Bundeskanzleramt - Frauen

(rb)




Berufswahl im deutschsprachigen Ausland

Die in Österreich veröffentlichten Erkenntnisse lassen sich auch in Deutschland und der Schweiz beobachten.

 

Datenreport 2006 - Statistisches Bundesamt Deutschland



Datenreport 2006, Statistisches Bundesamt Deutschland

Frauen erreichten 2004, wie schon in den vergangenen zehn Jahren, deutlich bessere Abschlüsse an allgemein bildenden Schulen als ihre männlichen Mitschüler. Bei der Berufswahl jedoch finden sich die Frauen weitgehend in den klassischen Frauenberufen wieder. Einen hohen Frauenanteil haben die Ausbildungsgänge zur Altenpfleger/in und alle Gesundheitsdienstberufe sowie kaufmännische Berufe. Dagegen war von den Schülern im stark besetzten Ausbildungsgang Technische/r Assistent/in für Informatik in Berufsfachschulen lediglich jede elfte (9,3 %) weiblich.

Verteilung auf Ausbildungsberufe

Bei der Wahl der Ausbildungsberufe lassen sich deutliche Schwerpunkte erkennen. Im Jahr 2004 waren 38,3 % aller Ausbildungsplätze männlicher und 52,9 % aller Ausbildungsplätze weiblicher Auszubildender auf nur 10 von insgesamt 348 anerkannten Ausbildungsberufen konzentriert. Bei den jungen Männern rangiert der Beruf des Kraftfahrzeugmechatronikers in der Beliebtheitsskala eindeutig an erster Stelle: Jeder zwölfte Auszubildende ergriff ihn 2004. Ein großer Teil der jungen Frauen entschied sich für die Berufe Bürokauffrau und Arzthelferin (jeweils jede 14.) oder jede 16. Auszubildende für Kauffrau im Einzelhandel. Die Berufswahl erfolgte auch 2004 noch weitgehend geschlechtsspezifisch. So waren in den Ausbildungsgängen der neuen IT-Berufe Frauen mit einem Anteil von nur 10,8% unterrepräsentiert. Dagegen scheinen die neuen Medienberufe für sie besonders interessant zu sein, hier betrug ihr Anteil 50,3%. Insgesamt waren 40,1% der Auszubildenden weiblich. Dieser Anteil war in den vergangenen zehn Jahren weitgehend konstant. Frauen erlernen neben den Berufen im dualen System häufig auch Berufe im Sozial- und Gesundheitswesen, wie z. B. Krankenschwester oder Altenpflegerin, deren Ausbildung meistens rein schulisch erfolgt.

Quelle: Datenreport 2006 - Zahlen und Fakten über die Bundesrepublik Deutschland

 

Schweiz - Eintritte in Berufsbildungen


Die gesamthaft beliebteste Berufsgruppe ist jene der Wirtschaft und Verwaltung mit einem Frauenanteil von 63%. Junge Männer wählen am häufigsten Berufe des Ingenieurwesens und technische Berufe; junge Frauen nach den Berufen der Wirtschaft und Verwaltung solche im Gesundheitswesen und im persönlichen Dienstleistungsbereich. Die markante geschlechtsspezifische Berufswahl hat sich seit 1990 nur gering verändert. Die Eintrittsquote in die Büroberufe hat bei den Frauen leicht abgenommen. Gesunken bei den Männern sind die Eintritte ins Ingenieurwesen und in technische Berufe. Bei den Frauen sind die Eintritte in Berufe des Gesundheitswesens angestiegen, bei den Männern in die Informatik und in Berufe der persönlichen Dienstleistungen. In den übrigen Berufsgruppen lassen sich sowohl bei den jungen Frauen wie Männern nur minimale Verschiebungen erkennen.

Bildungsstand

Der Anteil Frauen zwischen 25 und 64 Jahren ohne nachobligatorische Bildung ist deutlich höher als derjenige der Männer im selben Alter (2007: rund 17,7% gegenüber 10,4%). Auffallend ist der grosse Unterschied zwischen den Geschlechtern bei den höheren Berufsbildungen. Auf Hochschulebene nehmen für beide Geschlechter die Abschlussquoten kontinuierlich zu und der Unterschied zwischen Frauen und Männern verringert sich. Die Wahl der Fachrichtung ist jedoch immer noch stark geschlechtsspezifisch geprägt.

Quelle: Statistik Schweiz - Eintritte in Berufsbildungen

(rb)




Das Metall-Paradoxon

Die Arbeiterkammer Niederösterreich berichtet über absurde Arbeitsmarktlage: Die Metallbranche zahlt hohe Löhne, bietet Fixanstellungen und sucht dennoch händeringend neue Arbeitskräfte.

Nur jeder 35. Lehrling im Metall- und Kfz-Bereich ist weiblich. In der Branche sind heuer noch rund 1.000 Stellen frei.

Noch sind Frauen an den Werkbänken von Voest, Böhler oder Berndorf so selten wie ein Mann im Nagelstudio: 2,4 Prozent Frauenanteil bei den Schlossern, bescheidene 7 Prozent in der gesamten Metallbranche. Nur jede 35. Lehrstelle im Metall- und Kfz-Bereich ist mit einem Mädchen besetzt. Gleichzeitig verzeichnet die Metallbranche in den ersten vier Monaten dieses Jahres in Niederösterreich um 31,7 Prozent oder 1.028 mehr freie Stellen als im Jahr davor. Allesamt Vollzeitstellen mit einem Jahresbruttolohn von knapp 30.000 Euro. Sollen sie tatsächlich mit Fachkräften aus dem Osten besetzt werden?

Weibliches Personal nützen

Bereits 2007 hat das AMS ein Arbeitsprogramm für Metallberufe gestartet. 1.270 Ausbildungsplätze stehen zur Verfügung, die von 1.640 Arbeitslosen genutzt wurden. Das Erfreuliche: Jeder sechste Teilnehmer ist eine Frau „Viele machen große Augen, wenn sie einen Job in der Metallbranche angeboten bekommen“, schmunzelt AMS-Expertin Martina Fischlmayr. Aber: „Zur Lösung des Fachkräftemangels müssen die bisher ungenützten Potenziale der Frauen gefördert werden“, sagt AMS-Geschäftsführer Karl Fakler. Das Programm bietet für Männer und Frauen Lehrausbildungen im Metall- und Elektrobereich sowie Kurse für Fachkompetenzen wie Schweißen. Unternehmen wie etwa Böhler oder Berndorf holen sich von dort Beschäftigte, die sie im Betrieb oder per lmplacement-Stiftung weiterausbilden. Bis 2010 soll es österreichweit 10.000 Absolventlnnen geben. Vielleicht eine Gelegenheit, selbst über einen Branchenwechsel nachzudenken ...

(fk) treffpunkt-arbeitswelt 03, Juli 2008




Reporter ohne Grenzen

Frauen- und Medienministerin Silhavy am 9.10.2008 (ots):

Doch auch im Medienbereich gebe es noch keine Gleichstellung von Frauen: Zwar seien 42 Prozent der österreichischen Journalisten Frauen, im Vergleich zu Deutschland, der Schweiz und den USA ein hoher Anteil, dennoch gelte für den Medienbereich, was auch für andere Branchen gelte. "Frauen verdienen wesentlich weniger, sie haben bis auf wenige Ausnahmen keine Spitzenpositionen inne und sie sind wesentlich häufiger in Teilzeit- oder in prekären Arbeitsverhältnissen beschäftigt - und das trotz höherer Qualifikation!", so Silhavy, "der Akademikeranteil bei den Frauen liegt bei 41 Prozent, jener der Männer bei 29 Prozent."

Für 2007 vermelden die Reporter ohne Grenzen 87 bei der Berufsausübung getötete Journalistinnen und Journalisten. 96,5 Prozent der getöteten waren Männer.

Das könnte mit dem investigativen Charakter des Berufes zu tun haben und dem Leitsatz "Bad News Are Good News". Der impliziert, dass die Öffentlichkeit mehr an den spannenden Nachrichten interessiert ist die jedoch nicht ohne eine gewisse Gefährdung des Journalisten erlangt werden können.

(rb)