Wien

Entscheidungsgründe für die Berufswahl von Mädchen

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14/10 2008

"Frau sein alleine ist kein Programm"

Frauenministeriun Heidrun Silhavy und Margarete Bican, Geschäftsführerin der Mädchenberatungsstelle "Sprungbrett", präsentieren die von der Frauenabteilung des Bundeskanzleramtes in Auftrag gegebene Antwort zur Frage, was denn die Entscheidungsgründe für die Berufswahl von Mädchen wären.

Demnach sind es mit 49 Prozent die Eltern, die maßgeblich an der zukünftigen Berufswahl der Mädchen beteiligt sind was politisch die Frage aufwirft, wie man an die Eltern herankommt um hier ein Umdenken zu erreichen.

50 Prozent der weiblichen Lehrlinge entscheiden sich nämlich für die drei Berufe Einzelhandelskauffrau, Friseurin und Bürokauffrau.

Video: ©rb

So zeigen sich dann bereits bei den Lehrlingsentschädigungen deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Berufen. Exemplarisch wurde bei den Lehrlingen die Friseurin mit 317 Euro und der Automechaniker mit 460 Euro genannt, was 45 Prozent Einkommensdiffernez entspricht die sich nach dem Berufseinstieg auf 55 Prozent weiter erhöht.

„73 Prozent aller weiblichen Lehrlinge konzentrierten sich 2006 auf die zehn häufigsten [frauenspezifischen] Lehrberufe unter denen sich keine Produktions- oder technischen Berufe befinden“. (Frauenabteilung im Bundeskanzleramt 2007)
 

Déjà-vu - Alles schon mal dagewesen





9. Frauenkonferenz 1980 und 10. Zentralfrauenkonferenz 1984, Gewerkschaft Metall-Bergbau-Energie; Achtung Sozialstaat (1992)

Solche Erkenntnisse sind nicht neu. Vielmehr werden sie fast jedes Jahr aufs Neue getroffen. Allerdings nicht ohne vorher Steuergelder aufzuwenden um damit Vereine zu beauftragen, die dann immer wieder zu denselben Ergebnissen kommen.

„Noch immer sind 89 Prozent der weiblichen Lehrlinge in nur zehn Berufen zu finden. Unter diesen befindet sich lediglich ein Handwerksberuf, nämlich Damenkleidermacher.“

Diese Erkenntniss stammt nicht aus aktuellen Publikationen oder Studien, sondern aus dem Bericht zur 9. Frauenkonferenz der Gewerkschaft Metall-Bergbau-Energie, März 1980. Dort findet man auch folgendes:

„Um noch mehr Mädchen die Ausbildung in einem zukunftsträchtigen Metallberuf zu ermöglichen, bedarf es unter anderem:
• einer noch intensiveren Zusammenarbeit von Gewerkschaft, Schule, Betrieb und Sozialministerium;
• einer weiteren Vereinheitlichung der Lehrpläne für Burschen und Mädchen sowie der Ausweitung der Vorbereitungskurse für interessierte Mädchen vor allem in technischen Belangen;
• der Aufgeschlossenheit der Eltern, der Berufsberatung, aber auch der gesamten Öffentlichkeit.“

Und aus dem Bericht zur 10. Zentralfrauenkonferenz der Gewerkschaft Metall-Bergbau-Energie, März 1984:

„Die Frauensektion hat schon vor Jahren erkannt, daß die meisten neuen Arbeitsplätze eine spezifisch technische Ausbildung erfordern.“

Auch 10 Jahre später nichts Neues. In Achtung Sozialstaat (Ehrenfried Natter, Christoph Reinprecht. Europaverlag 1992) findet sich altbekanntes:

„In den fünf häufigsten Lehrberufen werden mehr als zwei Drittel aller weiblichen Lehrline geschult: Einzelhandelskaufmann (31,6 Prozent), Friseur (14,2 Prozent), Bürokaufmann (12,9 Prozent), Kellner/Koch (5,4 Prozent) und Koch (4,3 Prozent). (ÖAKT, 1991a, S. 15f)“
 

Endlosschleife auf Steuerzahlerkosten

Nach so vielen fehlgeschlagenen Versuchen Mädchen in die besser bezahlten Berufe zu bringen, böte sich jetzt gesetzliche Motivation an. Mag. Barbara Prammer fordert derartige geschlechtsspezifische Zwänge z.B. für den Nationalrat um dort die Frauenquote zu erhöhen.

Seit 1982 erlaubt es die Konvention zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau, einseitige gesetzliche Maßnahmen zu treffen. Das Werkzeug wäre also da.

Artikel 4 Absatz 1 der Konvention lautet: "Vorübergehende Sondermaßnahmen der Vertragsstaaten zur beschleunigten Herbeiführung der De-facto-Gleichberechtigung von Mann und Frau gelten nicht als Diskriminierung im Sinne dieser Konvention, dürfen aber keinesfalls die Beibehaltung ungleicher oder gesonderter Maßstäbe zur Folge haben; diese Maßnahmen sind aufzuheben, sobald die Ziele der Chancengleichheit und Gleichbehandlung erreicht sind.

Die Intention der Konvention ist mittlerweile in den Gleichbehandlungsgesetzen umgesetzt.

Allerdings ziert man sich regelmäßig, wenn es darum geht Maßnahmen für Frauen zu treffen die, im speziellen beim Einkommen, Männer entlasten würden. Die tragen immer noch die Hauptlast bei der Erwirtschaftung der Steuerleistungen und damit zum wesentlichen Teil zur Quersubventionierung der weniger verdienenden Frauen bei.

30 Jahre Frauenpolitik sind so nahezu spurlos am Arbeitsmarkt vorübergegangen. Und dass das so bleiben wird hat Laura Rudas unlängst anklingen lassen indem sie die freie, von sozialen Zwängen unbelastete (Frauen)Berufswahl propagierte. Übrigens hat es Nurten Yilmaz nicht in den Nationalrat geschafft. Von den 30 Kandidatinnen war sie eine von zwei mit technischer Ausbildung.

Eine Endlosschleife.

(rb)