Wien
Wiener Zentralfriedhof Haupttor

Als am 1. November 1874 der Wiener Zentralfriedhof feierlich eröffnet wurde, fand der Gemeinderat nach langen vorangegangenen Debatten eine Lösung des Problems, welches das rasante Wachsen der Reichshaupt- und Residenzstadt Wien mit sich brachte. Ein "Central Friedhof ", welcher ausgerichtet wurde auf die Größe einer Hauptstadt von vier Millionen Einwohnern und nach damaligen Plänen der einzige Friedhof für ganz Wien werden sollte.

Heute ist der Wiener Zentralfriedhof zwar nicht der einzige Friedhof in Wien, jedoch bei weitem der größte in der Stadt. Mit ca. 330.000 Grabstellen, über 3 Millionen Verstorbenen und einer Fläche von 2,5 Millionen m2 ist der Wiener Zentralfriedhof der zweitgrößte Friedhof Europas. Der Zentralfriedhof ist jedoch auch ein Platz des Verweilens, der Erholung, des Meditierens und des Nachdenkens sowie ein Naturrefugium vieler Tiere und Pflanzen.

Zu Beginn empfanden die WienerInnen diesen Friedhof eher als unattraktiv. Um dieses zu ändern, beschloss 1881 der Gemeinderat die Verlegung verstorbener berühmter Persönlichkeiten von anderen Friedhöfen und die Zuerkennung von Ehrengräbern auf dem "Central - Friedhof". Der Wiener Zentralfriedhof war der erste Friedhof, der allen Religionen als Begräbnis- oder Verbrennungsstätte offen stand. Wie schon damals ist auch heute der Zentralfriedhof für alle da, ob mit oder ohne Konfession. Hier finden Angehörige aller Religionen, arm und reich, weltberühmt oder namenlos, ihre letzte Ruhe in der selben Erde.

Der Zentralfriedhof stellt ein kulturelles Erbe dar und wird mit einer einzigartigen Kirche ihrer Epoche gekrönt. Nach Plänen von Max Hegele erbaut und im Jahre 1911 dem heiligen Karl Borromäus geweiht, ist die Friedhofskirche eine der bedeutendsten Sakralbauten des Jugendstils. Im Jahre 2000 wurde sie nach fünfjähriger Renovierungsdauer wieder eröffnet und fasziniert WienerInnen und BesucherInnen aus aller Welt gleichermaßen.

Wahrzeichen für die morbiden Seiten der Stadt
Zahlreiche Wien-Gäste besuchen die Gräber der Komponisten Beethoven, Schubert, Brahms, Schönberg und Strauß sowie das Grabdenkmal von Mozart. Auch an den Gräbern von Schauspielern wie Curd Jürgens, Paul Hörbiger und Hans Moser treffen sich viele Fans.

Carol Reeds Film "Der dritte Mann", der 1948 mit Orson Welles in Wien entstand und 1949 in London Premiere hatte, steigerte die internationale Bekanntheit des Zentralfriedhofs: die Schlussszene auf dem Zentralfriedhof, in der Anna an Martin vorbei geht, gehört zu den eindruckvollsten Filmenden. Heute zählt der Film zu den hundert wichtigsten der Filmgeschichte. In den Siebziger Jahren wurde das Lied "Es lebe der Zentralfriedhof" von Wolfgang Ambros ein Hit. Der Zentralfriedhof scheint in allen Wien-Reiseführern auf. Auch Reisejournalisten bauen ihn gern in ihre Reportagen ein, als Wahrzeichen für die morbiden Seiten der Stadt. "Der Friedhof muss nicht traurig erlebt werden", weiß man im Wien-Tourismus. Infos: www.wien.info

Quelle Text und Foto: Rathauskorrespondenz

Weiterführende Internetseiten:

* Zentralfriedhof Wien (Beschreibung und Fotos)
* Universum-Dokumentation über den Zentralfriedhof Wien
* Adressen, Telefonnummern und Öffnungszeiten der Wiener Friedhöfe