Wien

Allgemeine Infos zu den WU-talks am 12.10.2006

Wann: 12. Oktober 2006, 18:00 Uhr
Wo: Großen Sitzungssaal (2. Stock, Kern D) an der WU (Augasse 2-6, 1090 Wien)
Veranstalter: WU-Alumni-Club  Tel: 01-31336-4094
Teilnahmeberechtigt: Jeder Interessierte
Kosten: Eintritt ist frei
 
Vortragender: Univ.Prof. Dipl.Math. Dr. Gerhard Speckbacher, Institut für Unternehmensführung

Thema: „Trends und Herausforderungen in der Unternehmensführung - Inwiefern haben sich die Wertschöpfungsstrukturen geändert und mit welchen Strategien und Steuerungssystemen können Unternehmen darauf reagieren?“

Zuschauer: 65 Zuhörer (Studenten, Absolventen, WU-Alumni-Mitglieder, Gäste)







Foto: Univ. Prof. Dr. Gerhard Speckbacher bei den WU-talks am 12.10.2006; © Robert Marschall

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Kurzzusammenfassung und Gedankensplitter:

Dr. Speckbacher ging bei den WU-talks der zentralen Frage: "Wie schaffen es Unternehmen langfristig Geld zu verdienen bzw. langfristig Werte zu schaffen" nach.

Quellen der Wertschöpfung sind:
=> Market power (Marktmacht)
=> Commitment & Timing 
=> Competence & Strategic Ressources (Physisches Kapital, Working Capital, Markenkapital, Humankapital)
=> Governance (Allianzen)


* Wertschöpfungsquelle "Marktmacht"

* Früher: Kostenführerschaft oder Qualitätsführerschaft. Es gab klar definierte, stabile Branchen
Heute: Kostendruck und Differenzierungszwang. Unklar definierte Branchen, die sich dynamisch ändern zB IBM im Biotech-Bereich, ÖBB im Immobilienbereich

* Früher: Fokus auf physische, materielle Ressourcen z.B. Schrauben. Klar definierte Verfügungsmacht darüber im Unternehmen.
Heute: Fokus auf immaterielle Ressourcen z.B. Wissen & Kompetenz. Unklare Verfügungsmacht darüber. Immaterielle Ressourcen können jederzeit "davonlaufen". Wie binde Sie immaterielle Ressourcen an Ihr Unternehmen?* 


* Wertschöpfungsquelle "Competence / Strategic Ressources": In der Industriegesellschaft war das physische Kapital - die Verfügung über die Produktion - am wichtigsten. In der Wissensgesellschaft ist das Humankapital am wichtigsten.

* Kunde hängt häufig am Mitarbeiter und nicht am Unternehmen

* Das traditionelle Rechnungswesen ist stark auf die materiellen Ressourcen ausgerichtet.

* Finanzziele sind nicht sinnstiftend. What "profits" can learn from "non-profits" => sinnstiftende Tätigkeiten !

* Eine Strategie kann nicht 20 Jahre gleich bleiben. Wenn ich fast Pleite bin, dann muß man sich zuerst um das Cash-Management kümmern. Wenn es mir gut geht, dann kann ich mich mit dem Ausbau von Marktanteilen und Sozialeinrichtungen kümmern.

* Die Wichtigkeit von sozialen Kompetenzen steigt im Vergleich zu den technischen Kompetenzen. Zu den sozialen Kompetenzen gehören auch Netzwerkbildung, Umgang mit Menschen / Mitarbeitern / Kunden. Das Fachwissen muss einen Mindestlevel haben. Entscheidend sind in der Praxis aber die sozialen Fähigkeiten, z.B. beim Abendessen


* Wertschöpfungsquelle "Commitment & Timing"

Früher war der Vorteil für einen Vorreiter (Pionier) sehr hoch. Hoher "First-mover advantage". Heute ist die Flexibilität und die Risikoteilung sehr wichtig. Damit können Vorreiter schnell wieder eingeholt werden und es entstehen neue Produkte. Heute gibt es wesentlich kürzere Produktlebenszyklen und Lernzyklen. Man muss schnell am Markt sein. Daher wird das Zeitmanagement (Timing) immer wichtiger. Weiters gilt es heute wesentlich hörere Kundenerwartungen zu erfüllen.
 

* Wertschöpfungsquelle "Governance"

Was kann man auslagern und was nicht? Was hat die Auslagerung für einen Wert? Am Anfang generiert man Kostenvorteile. Später entstehen dadurch Abhängigkeiten. Was passiert, wenn die übernehmende Firma nur an die Wettbewerber liefert und nicht mehr an meine Firma? Firmen können darauf mit den geeigneten Netzwerkstrukturen und Allianzen reagieren.


* Thesen für die Zukunft:
=> neue Wertschöpfungsstrukturen erfordern neue Modelle zu deren Abbildung und Steuerung. Das traditionelle Rechnungswesen verliert als Steuerungsmodell der Wissensgesellschaft an Relvanz.
=> aktives Management von Verfügungsmacht über immaterielle Ressourcen wird immer wichtiger
=> Rückbesinnung auf die Mission (Sinn) der Organisation
=> Die Posotionierung im Netzwerk wird wichtiger als die Positionierung in der Branche
 

Resümee:

"Wissensgesellschaft", "kooperative Ökonomie" und "Industry Redefinition" sind Schlagworte, über die heute viel geredet wird. Anhand praktischer Beispiele wurde verdeutlicht, welche konkreten Auswirkungen sich für die strategische Unternehmensführung ergeben und wie Unternehmen die hierdurch fundamental veränderten Wertschöpfungsprozesse abbilden und steuern können.

Die erste Folge der WU-Talks war eine sehr gelungene Veranstaltung, bei der auch Anwesende aus der Praxis (Wirtschaft) viele neue Anregungen bekamen. Bei so manchem aufgezeigten Verbesserungspotenzial kann mit der Umsetzung unmittelbar begonnen werden. Hohe Praxisrelevanz !

Verbesserungsvorschlag: Längere Diskussionsmöglichkeit für das Publikum, sonst wird aus den "Talks" mit dem Publikum ein "Talk" des Vortragenden - auch wenn dieser sehr interessant ist.



Im Anschluss lud der WU-Alumni-Club zu einem Buffet ein.

Nächste Veranstaltung der WU-talks am 14.12.2006

Autor des Beitrages: Mag. Robert Marschall     
Letztstand: Wien, 24. Okt. 2006
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