Wien

Die Zukunft des Lebensmittelhandels

Erstmals gab es ein öffentliches „Gipfeltreffen“ mit den beiden Spitzen-Repräsentanten des Lebensmittelhandels.

Praxisdialog Marketing
Institut für Handel und Marketing;
o. Univ.-Prof. Dr. Peter Schnedlitz

Programm:

Begrüßung und Vorstellung: Mag. Eva Walter
Vortragende: Dr. Gerhard Drexel (Präsident SPAR Österreich), Mag. Martin Lenz (Vorstandssprecher REWE Austria)

Podiumsdiskussion: Moderation Prof. Schnedlitz
Fragen aus dem Auditorium: Publikum

Verlosung des Beertenders: Dr. Doris Berger

Datum: 22. März 2006, 19:00 Uhr
Ort: Wirtschaftsuniversität Wien, Audimax, Kern C, 1. Stock, Augasse 2-6, 1090 Wien

Zuhörer: ca. 700 Personen






Fotos: Podiumsdiskussion auf der WU-Wien Martin Lenz, Peter Schnedlitz, Gerhard Drexel;
© Robert Marschall

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Begrüßung und Vorstellung: Mag. Eva Walter

„ …Ich glaube, so viele Persönlichkeiten aus Handel und Industrie pro Quadratmeter findet man selten … Tipp für Studenten und vor allem für Diplomprüfungskandidaten für die nächsten Termine: Es könnte unter Umständen eine Diplomprüfungsfrage dabei sein. Denn  wie sie ja wissen, befinden sie sich ja in einer Lehrveranstaltung und es ist somit prüfungsrelevant. Der Inhalt dieses Praxisdialoges kann zur nächsten Diplomprüfung kommen. …

Der erste Vortragende in dieser Reihe war Herr Hermann Gerharter. Sicher vielen noch ein Begriff (…Gelächter im Publikum…), vielen von ihnen sicher noch ein Begriff als Generaldirektor vom Konsum. Und wie sie auch wissen, hat sich seither nicht nur in der Handelslandschaft generell was geändert. Aber auch viele andere Persönlichkeiten hatten hier im Praxisdialog ihren Auftritt, z.B. Herr Armin Burger, Herr Karl-Heinz Essl, Philip Kotler, Bob Martin, Dietrich Mateschitz, Claudia Oswald, Karl Wlaschek…

Was heuer aber einmalig ist, ist die Kooperation gemeinsam mit unserem Partnerinstitut Werbewissenschaften und Marktforschung. Uns ist eine Kooperation mit Prof. Schweiger gelungen. … Wir planen eine Veranstaltung pro Semester. Für die heutige Veranstaltung möchte ich mich besonders bei Fr. Mag. Bergmann – Leiterin Unternehmenskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit SPAR Österreich -und bei Fr. Mag. Ziegler – Pressesprecherin und Leiterin Unternehmenskommunikation REWE Austria - für die gute Zusammenarbeit im Vorfeld zu dieser Veranstaltung bedanken.

Und mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, den in der gedenke ich zu leben“. Das hat schon Albert Einstein gesagt. Ich glaube, in diesem Auditorium sind schon alle sehr gespannt, was in der Zukunft passiert, insbesondere in der Zukunft des Lebensmittelhandels.“



Foto: Prof Peter Schnedlitz


Prof. Schnedlitz (WU-Wien):

“Vielen Dank für die Einführung.

Ich muss sagen, ich sehe die Veranstaltung mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Das Lachende ist natürlich, dass ich nicht verhehlen kann, dass ich es einfach toll finde, dass sie alle gekommen sind. Das ist wahrscheinlich der absolute Rekord bei einer Lehrveranstaltung an der Wirtschaftsuni. Das Weinende, ich habe offensichtlich kaufmännisch versagt. Wir hätten Eintrittskarten vergeben sollen. Wir hätten das WU-Budget sanieren können ! …

Ich soll die Fragen stellen und versuchen, die Diskussion zu leiten. …(Erg. es folgte ein Beispiel mit den Uhren in einer Hafenstadt)… Wenn wir von der Zukunft sprechen, dann hat man manchmal den Eindruck, dass die zwei Konzerne zu stark auf einander schauen und die Aktion sehr stark in diesem Umfeld definieren. Heute wollen wir über die Zukunft sprechen. Vielleicht auch über das Potenzial, dass auf den Lebensmittelhandel zukommt. In alphabetischer Reihenfolge bitte ich zunächst Herrn Drexel seine Perspektive hier zu entwickeln. Bitte schön.“
 

 



Foto: Hr Gerhard Drexel

Herr Dr. Drexel (SPAR):
“Danke Herr Professor. Einen schönen Abend noch, sehr geehrte Damen und Herren, Studenten und Studentinnen, die heute nicht zu kurz kommen dürfen. Ich darf im Einleitungsstatement – wie von Prof. Schnedlitz beiden mitgegeben – Worte zu den Zukunftsszenarien – in dem Fall der SPAR – zu Ihnen richten. Wenn wir über Zukunft sprechen, möchte ich folgendes Statement abgeben:

Zukunft braucht Herkunft. Zukunft braucht Herkunft im Sinne von Wurzeln (Fundamente). Herkunft im Sinne von unternehmensphilosophischem Background. Wir sind hier und heute auf akademischen Boden und so darf ich vor diesem Hintergrund zu ihnen sprechen. Ich möchte deshalb ihnen gerade diesen unternehmensphilosophischen Background der SPA Österreich in wenigen Worten skizzieren. Und zwar sind es vier Persönlichkeiten – Wissenschaftler wenn sie so wollen – die ganz maßgeblich sind, für unseren unternehmensphilosophischen Background, der für alles unser Tun und Unterlassen relevant ist.

Als erstes darf ich anführen, den großen Nationalökonomen Schumpeter. Schumpeter steht für Unternehmertum, Innovation, wirklich Neues schaffen. Dafür stehen auch wir. Ich darf hier als Beispiel einflechten, wird sind als erstes Handelsunternehmen ins Ausland gegangen (1990). Wir haben als erstes Lebensmittelhandelsunternehmen Hypermärkte errichtet (Interspargruppe). Wir haben als erstes Lebensmittelhandelsunternehmen in ein neues Geschäftsfeld investiert, nämlich Shopping-Center. Da sind wir mittlerweile Marktführer in Österreich.

Zweitens: Karl Popper, der berühmte Philosoph. Karl Popper steht für Offenheit und Menschenfreundlichkeit. Da darf ich Ihnen ein Zitat aus unserem Unternehmensgrundsätzen der SPAR gerne vorlesen. Die haben wir im Februar 1990 hervorgebracht, also vor 16 Jahren. Das ist die Unternehmensverfassung. Wir – die SPAR Österreich – treten ein für eine pluralistische, offene und humane Gesellschaft und für eine pluralistische, offene Unternehmenskultur. Wir haben nie Probleme mit Gewerkschaften und Arbeitnehmervertretern. Im Gegenteil. Wir werden geschätzt und geachtet, weil wir so viel tun für die Mitarbeiter einerseits, aber vor allem für die Kunden andererseits.

Der dritte große Geist, der für unser Handeln steht, ist ein bekannter Psychologe (Tiefenpsychologe) Viktor Frankl. Viktor Frankl steht für Sinngebung und Sinnstiftung. Genau um das geht es bei uns auch und wird es in der Zukunft noch mehr gehen. Außengerichtet - zu den Kunden gerichtet - geht es um den Sinn, den wir durch unsere Kunden richten. Gesunde Ernährung beispielsweise, Sortimentsvielfalt, regionale Vielfalt. Und nach innen gerichtet geht es um die Sinnstiftung und Sinngebung für unsere Mitarbeiter. Den ganzen lieben Tag geht  es uns darum, wie können wir es erreichen, dass unsere Mitarbeiter von innen heraus – sozusagen intrinsisch – motiviert sind und einen Sinn in der Arbeit sehen.

Und ein vierter Geist – ein großer Betriebswirt – den ich hier zitieren darf, Fredmund Malik, mein langjähriger Chef am Managementzentrum St. Gallen. Er steht für ein ganzheitliches Denken.

Genau diese Prinzipien leiten unser Handeln, unser Tun, unser Denken in der Vergangenheit und natürlich in der Zukunft. In dem wir wie kein zweites Unternehmen intern eintreten für abteilungsübergreifendes Denken, bereichsübergreifendes Denken, ja sogar länderübergreifendes Denken, indem wir sagen: Jeder soll von jedem Lernen, von jedem Unternehmensteil, von jedem Mitarbeiter, jeder Führungskraft lernen können, das Positive übernehmen; Beispielsweise bei Firmenübernahmen. Als wir im Jahr 2004 Maximarkt übernehmen durften, haben wir die Marke belassen, weil sie sehr gut eingeführt ist. Wir haben viel von Maximarkt gelernt und sind nicht als Okkupanten gekommen. Also das prägt unser Denken, unser Handeln, unser Verhalten.

Abschließend darf ich sagen, all diese vier großen Vorbilder sind Österreicher, sie sind im In- und Ausland anerkannt und erfolgreich, so wie wir, die SPAR Österreich.

Danke.“

(Anm.: großer Applaus).

 

Prof. Schnedlitz (WU-Wien):
„Ja ich glaube, da waren schon ein paar interessante Prüfungsfragen dabei. Wie sieht das der Generaldirektor der REWE Austria, der ja nebenbei bemerkt auch ein Absolvent unseres Hauses ist – was uns auch besonders freut. Wird es demnächst einen Spar-Gourmet im Merkur Markt geben – Shop in Shop? Wird SPAR natur pur gelistet? Wie schauen die Perspektiven bei Ihnen aus?“
 



Foto: Hr Martin Lenz

Herr Mag. Lenz (REWE Austria):

"Zu diesem Thema möchte ich nach meinen Ausführungen kommen. Ich darf aber trotzdem auch von meiner Seite einherzliches Grüß Gott sagen. Ich freue mich, dass ich heute da sein darf. Ich möchte aber trotzdem – bevor wir in die Zukunftsszenarien gehen – uns auch ganz kurz vorstellen:

Die REWE Group Austria – so heißen wir seit einigen Monaten – ist Österreichs Marktführer im Lebensmittel- und Drogeriefachhandel. Unser Unternehmen hat den Sitz in Wiener Neudorf, mit den Vertriebsschienen Billa, Merkur, BIPA, penny, sowie den Eigenmarken JA-natürlich, clever, Kirch-Menü, Quality-first, Wegenstein am heimischen Markt. Wir sind auch über die so genannte Euro-Billa AG für den zentral- und osteuropäischen Raum, indem wir in sieben Staaten tätig sind. Auch wir sind 1990 ins Ausland gegangen, nach Italien und konnten durch die Übernahme entsprechend expandieren.

Unser Unternehmen hat ein wesentliches Ziel – nachhaltiges und profitables Wachstum zu erzielen. Und dieses Wachstum bestimmt auch unsere strategischen Ausrichtungen. Unsere Gruppe hat auch das Ziel des Innovations- und Qualitätsführers. Diesem Ziel ist unser ganzes Handeln unterworfen. Den Weg den wir in Zukunft gehen werden – gehen müssen – in unseren Kerngeschäftsfeldern Lebensmittelhandel, Drogeriefachhandel und Touristik, um entsprechend zu reüssieren. Ich glaube, dass die Zukunft des Lebensmittelhandels dem gehören wird, der die Menschen – die unsere Filialen besuchen – am besten versteht, um entsprechend gute Produkte anzubieten. Wir müssen dem Konsumenten Sicherheit geben, d.h. sich verstärkt über die Herkunft der Produkte, über die Qualität der Produkte, kümmern – auch mit der Industrie entsprechend zusammenarbeiten, um all diese offenen Fragen und möglicherweise Unsicherheiten zu beantworten.  Wir müssen die Ansprüche der Konsumenten laufend und aktiv bearbeiten. Wir müssen über Marktforschung zum einen – und über Kundenkarten – entsprechende Informationen seitens der Kunden bekommen, diese entsprechend auswerten, um die Bedürfnisse der Kunden eingehen. Wir müssen und sollen die Kunden immer wieder überraschen. Wir müssen Aktionen setzen, die allerdings Sinn machen. Die Zukunft des Lebensmittelshandels gehört letztlich dem, der mehr weiß, der rasch und neugierig durch den Markt – durch das Leben geht.“

Anm.: großer Applaus).
 

Prof. Schnedlitz (WU-Wien):
„Vielen Dank. Wird jetzt auf den beinharten Wettbewerb – ich nenne es einmal „Kalten Krieg“ – ein vorarlberger Kuschelkurs folgen? Seriös gesagt: Wie schaffen sie es, eine Balance zwischen harten Wettbewerb -  diesen wird es zwischen den Marktführern immer geben – Fairness und sinnvolle Kooperationen in manchen Bereichen auch zu realisieren? Ist so etwas angedacht? Wird so etwas auf uns zukommen?“

Herr Dr. Drexel (SPAR):
Ja Herr Prof. Schnedlitz. Die Ausdrücke „Kalter Krieg“ und „Vorarlberger Kuschelkurs“ (Anm:…Gelächter im Publikum…), die sind medial gemacht. Während des so genannten „Kalten Krieges“ war der Krieg nicht so kalt – wie vielleicht von den Medien dargestellt. Es haben sich vielleicht einzelne Personen nicht so gut verstanden. Aber ich verstehe die Medien, dass die Medien extrem darstellen müssen. Das verstehe ich. Sonst wird man ja nicht gehört und erst recht nicht gelesen. Also so wie der Terminus „Kalter Krieg“ medial gemacht war und medial überhitzt war, so ist jetzt der neue – von ihnen geprägte Ausdruck „Vorarlberger Kuschelkurs“ erst recht – obwohl er aus dem Munde eines Universitätsprofessors stammt – äh – es wird sicherlich keinen Kuschelkurs geben. Aber was eine Erleichterung ist – wenn ich Martin Lenz anschaue – wir haben uns ja schon einmal getroffen auf einen Kaffee im November“ (Anm:…Gelächter & Applaus im Publikum…)

Prof. Schnedlitz (WU-Wien):
„Ich lese immer, sie sind in die gleiche Schulklasse gegangen.“

Herr Dr. Drexel (SPAR):
 „Wir sind in die gleiche Schule gegangen. Aber Martin Lenz war immer 5 Jahre über mir. Und wenn einer immer 5 Klassen über einem ist, schaut man nicht herunter“ (Anm:…Gelächter & Applaus im Publikum…)

Herr Mag. Lenz (REWE Austria):
„Ich war so im Maturastreß, dass ich überlegen musste …(?)…“

Herr Dr. Drexel (SPAR):
Ja, was ich sagen wollte. Was rein arbeitstechnisch bei diesem Kaffeetrinken ein gewaltiger Fortschritt war, wir konnten uns im vorarlberger Dialekt unterhalten“

Herr Mag. Lenz (REWE Austria):
„und keiner verstand uns“ (Anm:…Gelächter…)

Herr Dr. Drexel (SPAR):
Aber damit sie sehen – Spaß bei Seite -, dass es in keinster Weise einen Kuschelkurs gibt oder geben wird, sie müssen nur die Druckblätter und Inserate anschauen von diesem Januar und Februar – also von Billa vor allem, so verrückte Aktionen (Anm:…Gelächter im Publikum…) hat es noch nie gegeben, in dieser Verrückheit.“

Herr Mag. Lenz (REWE Austria):
"Also ich kann nur bestätigen, was Gerhard Drexel gesagt hat. Es wird ein faires offenes Miteinander geben – ich hoffe nicht, dass jemand von der Kartellbehörde hier sitzt (…Gelächter im Publikum…) – es soll fair mit einander umgegangen werden. Es soll auf der anderen Seite Wettbewerb sein. Wettbewerb hat einen großen Vorteil, vor allem für den Kunden, denken Sie daran, dass der in den letzten Jahren stark stattgefundene Wettbewerb beider Häuser um den besten Standort, um die beste Qualität, um die besten Lieferanten, das alles war letztendlich ausgerichtet auf die Vorteile des Kunden. Es soll weiter offen miteinander kommuniziert werden. Ich glaube, es ist wichtig, dass sich das Management der Führungsetagen, das Management entsprechend gut verstehen und verständigen kann. Das ist notwendig für zwei so große Häuser, die eine immense Verantwortung in diesem Land übernehmen und übernommen haben. Aber Kuschelkurs wird es keinen geben."

Prof. Schnedlitz (WU-Wien):
„Ich wollte noch einmal zu dieser Verantwortung – zu der corporate social responsibility nachfragen. Nun in der Tat sind sie einer der wichtigsten Arbeitgeber im Lande. Sie sind eigentlich sehr verantwortlich für vieles in unserem Leben, nämlich dafür, ob wir gesund Leben oder Junk-food essen. Sie sind auch ihren Mitarbeitern sehr viel verantwortlich und es hat ja auch das eine oder andere Problem mit Lieferanten gegeben …
Wie gehen sie mit dieser Macht um (Beispiel Wal-Mart) …
Wie kann man dem Mitarbeiter mehr Motivation geben?“

Herr Dr. Drexel (SPAR):
Ja gerne. Das Thema CSR Corporate social responsibility hat bei uns eine enorme Bedeutung. Wir haben es natürlich nicht immer so benannt. Bei uns heißt es schlicht und ergreifend „Die gesellschaftliche Verantwortung des Unternehmens“ – in diesem Fall der SPAR. Und die haben wir immer sehr vielschichtig definiert, sehr mehrdimensional definiert, ich darf beispielsweise erwähnen, das Thema Lehrling. Das nehmen wir sehr, sehr ernst. 50% der Lehrlinge im Lebensmittelhandel Österreichs bilden wir aus. Wir haben sozusagen 50% Marktanteil der Lehrlingsausbildung. Jedes Jahr nehmen wir 900 neue Lehrlinge auf. 2700 haben wir insgesamt. Oder das Thema Nahversorgung. Wir sind nicht nur „Chery-picker“ wie die Diskonter, die sich nur an dem Kreisverkehr hinstellen im Speckgürtel der Städte und Gemeinden und dort Kaufkraft absaugen. Wir fahren auch in die kleinsten Dörfer und Talschaften hinein und erhalten die Nahversorgung. Auch ein gesellschaftliches Gut. Anderes Thema: Arbeitsmarktpolitik – Headquarter-denken. Wir sind stolz darauf, dass wir unser Headquarter in Österreich haben – in dem Fall in Salzburg. 600 Mitarbeiter im Headquarter. Das sind attraktive Arbeitsplätze willkommen für Uni-absolventen. Wir haben sehr viele davon, auch natürlich von der WU-Wien. Diese Arbeitsplätze würde es nicht geben, wenn wir nur Filialisten von amerikanischen oder englischen Großkonzernen wären. Und ein weiteres Beispiel für unsere gesellschaftliche oder gesellschaftspolitische Verantwortung. Wir haben das Thema als erste im Lebensmittelhandel in Österreich besetzt, nämlich letztes Jahr im Herbst „Gesunde Ernährung“, die Initiative „SPAR Ernährung heute“ gegründet, wir haben den einzigen Ordinarius, den es in Österreich gibt für Ernährungsmedizin – nicht Ernährungswissenschaften – sondern Ernährungsmedizin, Univ. Prof. Dr Widhalm gewinnen können, als Berater und zusätzlich den weltbekannten Universitätsdozenten Primar Tatz für Magen – Darm – Leber, gewinnen können, als Mitglieder für den neu geschaffenen wissenschaftlichen Beirat. Dort werden Rezepte diskutiert für unsere SPAR-eigenen- und Exklusivmarken. Wie können wir unsere Eigenmarken noch gesünder machen? Dort werden Informationen erarbeitet, die an die Kunden gerichtet sind über Ernährung – gesunde Ernährung. Wir haben bewusst das Thema nicht populistisch angegangen, sondern sehr fachlich, sehr seriös, eben sehr ernst haben wir das Thema angegangen. Und uns bewusst ferngehalten von einem populistischen Zugang. Also das sind nur einige Beispiele für unsere umfassende Definition der gesellschaftspolitischen Verantwortung.“

Prof. Schnedlitz (WU-Wien):
„Aber haben in diesem Kampf der Giganten kleine Lieferanten überhaupt eine Chance? Denn das gehört auch dazu, dass die österreichische Wirtschaft eher mittelständisch organisiert ist, hier tatsächlich auch ein Potenzial hat, im Lebensmittelhandel tätig zu bleiben. Oder wird am Ende des Tages nur mehr, werden die drei großen Lebensmittelkonzerne an die drei großen Nahrungsmittelkonzerne sich wenden?“

Herr Mag. Lenz (REWE Austria):
„Ich möchte noch – wenn sie gestatten – zu den Aussagen von Gerhard Drexel sagen: Ich muss ihm leider widersprechen. Wir haben bereits im Jahr 2003 – 2004 eine … große Ernährungsumfrage gestartet, bei der über 200.000 Österreicher befragt wurden, einen drei-seitigen Fragebogen ausgefüllt haben und es gab erstaunliche Informationen über das Konsum- und Essverhalten der Österreicher. So haben beispielsweise 60% wollen über den Fettgehalt der Produkte bescheid wissen, 27% über den Salzgehalt. Es ist herausgekommen, dass nur 39% der Österreicher und Österreicherinnen regelmäßig eine Mahlzeit pro Tag einnehmen. …
Das sind Dinge, die für uns extrem wichtig sind, auch in Zusammenarbeit mit Ärzten, mit Köchen bzw. mit entsprechenden Wissenschaftern und …(?)…
Auch hier die Frage: Hat der Kleine überhaupt eine Chance? Jawohl. Merkur hat vor wenigen Wochen  die Initiative gestartet, „Aus der Region – für die Region“, d. h. jeder noch so kleine Lieferant ist eingeladen, sich über die Merkur-Distributionsmöglichkeiten an den Kunden zu wenden bzw …(?)… Es ist von unser aller Interesse, dass wir den Zugang der heimischen Hersteller auf den heimischen Markt fördern.“

Prof. Schnedlitz (WU-Wien):
„Ich merke noch eine Entwicklung, wenn man im Ausland unterwegs ist. Es war gerade vor ein paar Wochen die Tagung der Handelsprofessoren in St. Gallen.  … Der österreichische Handel gewinnt immer mehr Interesse in der internationalen Fachwelt. Nicht nur sie, sondern auch Lutz ist ein starkes Thema bei den deutschen Kollegen, baumax usw. Was ist da für eine Dynamik im österreichischen Handel vorhanden?“

Herr Dr. Drexel (SPAR):
Was ist es, was die ausländischen Experten am österreichischen Handel interessiert? Das wäre eine schöne Seminararbeit. (Anm…Gelächter im Publikum…). Ich glaube, es ist zum einen – hier sind wir auf fachmännischen Boden – es ist zum einen diese Kompetenzstärke. Wenn wir Märkte in Österreich vergleichen mit entsprechenden Märkten im Ausland. Es ist diese Kompetenzstärke bezogen auf die verschiedenen Geschäftstypen im Handel. Ich darf sie einladen unseren neuesten Typus anzuschauen vom SPAR Supermarkt, vom SPAR Gourmet, vom EUROSPAR oder vom INTERSPAR. Da haben wir beispielsweise gerade den Hypermarkt neu definiert – redesigned wenn sie so wollen – neu erfunden, indem wir eine Innovation nach Österreich gebracht haben, was sie bisher sinngemäß nur im mediterranen Raum gesehen haben – nämlich den Frischemarkt, wo alle Frischeabteilungen – wie auf einen großen Marktplatz - zentral positioniert sind, und nicht das Perimeter-System, wo sie immer an der Wand entlang gehen, um die Frischeabteilungen abzuklappern. Das ist aus unserer Sicht ein veraltetes Modell. Es braucht aber eine bestimmte Verkaufsdimension. Es ist klar, dass sie das bei 400-500 Quadratmeter so nicht umsetzen können.

Es ist also die Kompetenzstärke, verbunden mit einer Innovationsstärke, die uns stark macht. Und so darf ich mit Freude dem studentischen Auditorium berichten, dass wir von einer amerikanischen Jury, die wir überhaupt nicht gekannt haben, - null Lobbying Arbeit war möglich in New York -  dieses Jahr unser Maximarkt Bruck an der Glocknerstraße zum besten Supermarkt der Welt gewählt wurde. Wir waren selbst überwältigt (Anm:…Gelächter im Publikum…)

Immerhin, wir haben die Urkunde, zum besten Supermarkt der Welt gewählt worden, aufgrund der Architektur, der Modernität, der Sortimentskompetenz, der Lebensmittel. Und heuer haben wir gleich 3 Preise bekommen – einen von New York, zwei von London. Wir kennen diese Institute alle nicht, die uns den Preis gegeben haben. Es sind sehr renommierte und (Anm…Gelächter im Publikum…)

ich wollte damit sagen, dass wir keinen Einfluß auf sie hatten, das wollte ich sagen. Und da haben wir gleich drei Mal den Preis bekommen für den modernsten Hypermarkt, den besten Supermarkt. Und diesen Preis hat unser neuer Intersparmarkt in der Plus-city bei Linz eingeheimst. Da sind wir sehr glücklich darüber. Ein drittes Beispiel noch, neben der Konzeptstärke, der Innovationsstärke – das möchte ich besonders als Handelsunternehmen betonen – das ist etwas, wenn ich ihnen den englischen Begriff zumuten darf, das ist so etwas wie social skills, social leadership  - das sich manifestiert bei uns in unserer Unternehmenskultur, in unserem Menschenbild, in unserem Mitarbeiterbild. Sie können fragen, wen sie wollen. Hier sind wir in der Tat vorbildlich. Vorbildlich in der Branche, aber nicht weil wir es dekreditiert haben vom Vorstand aus, sondern weil wir das einfach leben, seit vielen, vielen Jahren leben. Und diese Philosophie in die Herzen tragen.“

Herr Mag. Lenz (REWE Austria):
„Ich glaube, ein wesentlicher Aspekt warum Österreich im Ausland mit Spitzenleistungen aufwarten kann ist, dass Österreich als kleines Land mit Kreativität punktet. Je kleiner das Land, desto größer ist auch der Mitbewerb, desto kreativer muss man sein. Wir sind gewohnt – im kleinen Österreich – rasch zu agieren. …(?)… Ein weiterer Punkt, den Österreich auszeichnet – im Gegensatz zu Deutschland -  Österreich hat nicht ausschließlich auf den Preis der Produkte gesetzt, sondern ist sehr stark in Richtung Qualität gegangen und hat hier die Qualitätsführerschaft. Gott-sei-Dank haben wir keine deutschen Zustände. 30%-40% der deutschen Konsumenten kaufen bei Diskontern. Es ist zwar mit 25% (erg. in Österreich) auch schon recht hoch …(?)…“

Prof. Schnedlitz (WU-Wien):
„Ist in Zukunft alles vollautomatisiert? Datawarehousing? Optimierung des Supermarktes?“

Herr Dr. Drexel (SPAR):
In der Praxis glaube ich – wenn es um die Frage geht, mehr Technik oder mehr Mensch – ich glaube, es wird in der Zukunft mehr „menscheln“. Der Mensch wird eine noch wichtigere Rolle spielen im Lebensmittelhandel. Da bin ich fest überzeugt. Unsere Aktivitäten gehen alle in diese Richtung – noch mehr Ausbildung , noch mehr Weiterbildung, noch mehr Personalentwicklung, noch mehr tun für die Erhöhung der Kompetenz, der Freundlichkeit der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Aber trotzdem wird es ein sowohl als auch sein. Die technischen Innovationen sind natürlich auch notwendig. Nur muss man aus meiner Sicht genau aufpassen und jede technische Innovation einzeln auf den Prüfstand stellen. Oft sind es hersteller-getriebene Innovationen, wo die Hersteller und einreden wollen, dass kommt jetzt im nächsten Jahr oder in fünf Jahren. Und da darf man einfach nicht mitmachen. Ich nenne ein Beispiel, das wir zum Beispiel nicht mitgemacht haben. Den Putzroboter. Der hätte 1 Million Schilling gekostet damals, wir haben ihn aber nicht genommen. Ist durch den Supermarkt gesaust und dem Kunden ans Schienbein. Und dann war er sowieso kaputt. Also das sind dumme Innovationen, auf die wir nicht setzen und sie auch nicht machen werden. Dagegen muss man immer überlegen, was sind technische Innovationen, die einen Nutzen stiften und / oder die Effizienz verbessern, die Kosten reduzieren und so manche technische Innovation ist eine Weiterentwicklung, eine Fortsetzung von vorhandenen technischen Lösungen. Es ist dann  recht nahe liegend und es macht dann einen Sinn, auf diesen Zug aufzuspringen.“

Prof. Schnedlitz (WU-Wien):
„Heißt das meine Herren, dass die Mitarbeiter auf Gehaltserhöhungen hoffen können?“

Herr Mag. Lenz (REWE Austria):
„Das nicht, aber ich bin der Meinung, dass gerade unsere beiden Häuser nicht gerade in die Kategorie von wenig Personal gehören. Beide Häuser beschäftigen über 60.000 Mitarbeiter in Österreich. Ich bin der Meinung – was Herr Drexel bereits gesagt hat – es immer „menscheln“ tut. Ich glaube, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Botschafter sind, die wir beschäftigen. Je besser unsere Botschafter und Botschafterinnen ausgebildet sind, desto besser wird auch unser Produkt angepriesen bzw. desto höher ist der Wunsch unserer Kunden mehr einzukaufen. Einsatz von Schulung, Einsatz von Ausbildungsmöglichkeiten und vernünftiger Einsatz  von Technik, dort wo es wirklich sinnvoll und brauchbar ist.“
 

Publikumsfragen



Foto: ca. 700 Zuhörer folgen den Ausführungen von Martin Lenz, Gerhard Drexel und Prof. Schnedlitz; © R. M.

Prof. Schnedlitz (WU-Wien):
„Ja, ich glaub, dass war einmal eine interessante Aufwärmrunde und beginnen wir einmal mit dem Publikum. Da harren sicher schon viele, Fragen zu stellen. …“

Publikumsfrage:
* Imageproblem beim Beruf im Handel?

Herr Mag. Lenz (REWE Austria):
„Meine Antwort ist klar und das beweist auch wie viel Manager der WU wir in unseren Handelsfirmen – nicht nur in Führungspositionen – sondern auch in Spitzenpositionen wie Vorstand, Geschäftsführung haben. Ich glaube nicht, dass es in Österreich ein Defizit gibt. Ich glaube der Student in Österreich bzw. der Absolvent der WU erstens einmal bei uns im Haus herzlich willkommen ist …(?)…“

Herr Dr. Drexel (SPAR):
SPAR als attraktiver Arbeitgeber. Das steht auch schon in unseren Unternehmensgrundsätzen drinnen. Aber ich weiß, Salzburg ist weit von Wien. Unsere Unternehmenszentrale ist nun einmal in Salzburg. Wir haben aber auch regionale Zentralen. Die nächste ist in St. Pölten. Die zweitnächste ist in Graz. Die Geschäftsführer sitzen hier in der ersten Reihe. Ich lade sie ein, einmal sich anzuschauen, uns besuchen zu kommen. Was für ein Geist weht in unserer Unternehmenszentrale! Da ist Kompetenz vorhanden, jede Menge junge tüchtige Leute da, gut ausgebildete Leute da, ein richtiger Braintrust ist da vorhanden. Also da macht es richtig Spaß zu arbeiten. Es kommen auch immer wieder Blindbewerbungen – unabhängig von Inseratenschaltungen – von jungen, hoch qualifizierten Absolventen, die bei uns arbeiten wollen.“

Prof. Schnedlitz (WU-Wien):
„Ich glaub, der Herr ? hat gemeint, bei Hofer gibt es einen Audi A4. Was gibt es bei SPAR und bei REWE?

Publikumsfrage:
* Ladenöffnungszeiten & Sonntagöffnung? Der Vorschlag ist vom Herrn Lenz gekommen. Wie weit ist man da?

Herr Mag. Lenz (REWE Austria):
„Der Vorschlag ist nicht längere Öffnungszeiten, sondern unser Vorschlag ist eine höhere Flexibilität in den Öffnungszeiten. Wenn sie heute um 18:30 Uhr über die Kärntnerstraße bzw. über den Graben gehen, dann sind überall die Rollbalken herunten. Wenn sie um 18:30 Uhr aus dem Büro, dann haben sie fast keine Möglichkeit mehr, gezielt einkaufen zu gehen. Unser Anliegen wäre, hier eine höhere Flexibilität zu erzielen, die nicht unbedingt mit einer längeren Öffnungszeit zusammenfällt. Es kann auch eine variable Öffnungszeit bedeuten. Aber sie wissen, die österreichischen Mühlen mahlen langsam. Das dauert seine Zeit. Ich bin da wahrscheinlich zu ungeduldig. … Sonntagsöffnungszeiten sind für uns kein Thema.“

Herr Dr. Drexel (SPAR):
Der Sonntag gehört der Familie! Zum Thema der Sonntagsöffnungszeiten haben wir grundsätzlich dieselbe Meinung. Ich hab´s auch schon mehrmals auf Anfrage bekannt gegeben. Der Sonntag ist für uns … eine Verlangsamungskonstante. Das soll auch grundsätzlich so bleiben, weil es einfach gut tut einer Gesellschaft, wenn es so etwas gibt. Aber wo wir nicht so glücklich sind ist, dass wir an einem ganz wesentlichen Standort – am Hauptbahnhof Linz – als einzige (sie wissen, es gibt ja Ausnahmen zur Ladenöffnungszeit. Die sind gesetzlich geregelt, nämlich das am Sonntag offen gehalten werden darf auf großen Bahnhöfen, auf Flughäfen, in Spitälern und in Fremdenverkehrsorten in der Saison), wo wir keine Freude habe ist, dass ausgerechnet wir an unserem wunderbaren neuen Standort Hauptbahnhof Linz am Sonntag nicht offen halten dürfen, weil es dort die Landesregierung nicht so wollte und eine entsprechende Verordnung – in dem Fall gegen SPAR – erlassen hat. Wir haben´s durchjudiziert bis zum Verfassungsgerichtshof, sind leider nicht gehört worden, angehört worden schon, aber nicht erhört worden in unserem Anliegen. Aber - im Gegensatz zu anderen – halten wir uns an Entscheidungen des Verfassungsgerichtshofes (Anm:…Gelächter & Applaus im Publikum…)“

Publikumsfrage:
Mehr Flexibilität durch selbständige Kaufleute?

Herr Mag. Lenz (REWE Austria):
„Wir haben keine selbständigen Kaufleute, daher bei uns kein Thema.“ (Anm:…Gelächter im Publikum…)

Herr Dr. Drexel (SPAR):
 „…das ist ein guter Vorschlag, dass würde uns gefallen“

Prof. Schnedlitz (WU-Wien):
„Kann man das konkretisieren? Die SPAR denkt daran, den Anteil der selbständigen Kaufleute zu erhöhen, als die zentral geführten Filialen?“

Herr Dr. Drexel (SPAR):
Das ist ein anderes Thema. Ich habe die Frage von Herrn Richter, dass selbständige Kaufleute rechtlich, gesetzlich in die Lage versetzt werden sollen, dass sie – weil dort ihre Familie arbeitet – die Ladenöffnungszeitetwas extensiver nutzen dürfen, dort wo es Sinn macht. Dass wir im Sinne der durch Marktbearbeitung einerseits über Eigenbetriebe – der SPAR AG – am Markt operieren und andererseits über sehr schlagkräftige selbständige SPAR-Einzelhändler, das ist ein bewährtes Modell und an dem werden wir natürlich festhalten in der Zukunft.“

Prof. Schnedlitz (WU-Wien):
„Mich überrascht nur das apodiktische NEIN von der REWE. In Deutschland ist doch bekannt, dass sie auch mit selbständigen Kaufleuten operieren.“

Herr Mag. Lenz (REWE Austria):
„Ich habe nicht apodiktisch NEIN gesagt. Ich habe gesagt, derzeit betrifft uns dieses Thema in Österreich nicht. Wir haben ausschließlich Mitarbeiter unseres Hauses, die entsprechend die Filialen führen und keine selbständigen Kaufleute.“

Publikumsfrage:
„Es gibt den Ansatz in Gesellschaften, dass es ein Bürgerrecht ist, sich jederzeit – rund um die Uhr – mit Lebensmittel zu versorgen. So kann man es auch sehen.“

Prof. Schnedlitz (WU-Wien):
„Sozusagen das Modell was früher war: Gemeindebau und darunter eine Konsumfiliale und eine BAWAG (Anm…Gelächter und Applaus…) Könnten kleinere Einheiten wieder eine Renaissance erleben?“

Herr Mag. Lenz (REWE Austria):
„Ich glaube persönlich nicht an ein österreichisches Modell 24 Stunden Öffnungszeit reüssieren könnte. Ich glaube das nicht, weil man muss hier schon die Amerikaner von den Österreichern unterscheiden. Und ich glaube nicht, dass der Österreicher um 3 Uhr in der Nacht einkaufen geht. Ich glaube, dass wir noch in geordneten Bahnen leben (Anm…Applaus des Publikums…). …“

 

Publikumsfrage:
„Wird der SPAR nach Deutschland expandieren?“

Herr Dr. Drexel (SPAR):
Die Frage kann ich deutlich und eindeutig beantworten. Wir – die SPAR Österreich – haben nicht vor, in Deutschland Fuß zu fassen. Das wäre so ziemlich das Dümmste, was man vorhaben könnte. Ausgerechnet auf den saturiertesten Markt, den es in Europa gibt – der dazu noch vor den aller ärgsten Preisschlachten gekennzeichnet ist, als letzter in der Biografie in einem verteilten Markt – der nur noch Negativwachstum hat – dort einzusteigen. Also das haben wir sicherlich nicht vor, obwohl uns das schon einige Male angeboten wurde. Wo wir aber noch viel vor haben ist im restlichen benachbarten Ausland. Wir sind ja in fünf Nachbarländern tätig – Norditalien, Slowenien, Ungarn, Tschechien und neulich Kroatien – wenn man das als Nachbarland bezeichnen kann, dort sind wir tätig. Haben mittlerweile einen Umsatzanteil des Auslandsgeschäftes von 33%, eine sehr gute Rendite im Ausland, die wir dort erzielen, und vor allem ein hohes Wachstum. Ein rapides, starkes, nachhaltiges Wachstum. Da sind wir sehr froh darüber. Unser strategischer Ansatz im Ausland ist geprägt einerseits von einer „Ring-Strategie“ und einer „Top-Down-Strategie“. „Ring-Strategie“ heißt, wir bilden einen Ring um Österreich herum – ausgenommen Deutschland wohlgemerkt – einen Ring um Österreich herum, weil wir glauben, wir können dadurch – wenn die Absatzgebiete geografisch zusammenhängen – wesentlich mehr Synergiepotenziale, beispielsweise im Einkauf, beispielsweise mit den Lieferanten – haben, als wenn wir jetzt in Österreich tätig wären und in der Ukraine. Da gibt es wenige Synergien, auch im Sortiment wohl kaum. Dann haben wir die „Ring-Strategie“ rund um Österreich herum einerseits und zweitens die „Top-Down-Strategie“. „Top-Down-Strategie“ heißt, wenn wir in ein Land neu hinein gehen, beginnen  wir mit dem stärksten Format, das wir haben, mit den Interspar Hypermärkten, damit wir gleich ein gutes Image bekommen und die großen Pflöcke einschlagen in den großen Städten. Wenn wir mit dem Interspar so weit sind, dass wir einen Namen haben, ein Image haben, dann kommt die Strategie der Marktpenetration, der Marktverdichtung, indem wir dann mit Nahversorgern, mit den größeren Nahversorgern – den SPAR-Supermärkten - …
Und mit dieser Strategie haben wir bisher sehr gute Erfolge gesammelt.“

Prof. Schnedlitz (WU-Wien):
„Was gibt es noch für ein Potenzial in Österreich? Es sagen die verschiedensten Strukturanalysen: Mehr als 4500 Filialen verträgt dieses Land nicht. …“

Herr Dr. Drexel (SPAR):
 „Das ist sicherlich eine sehr berechtigte Frage, die sie ansprechen, Herr Professor Schnedlitz. Das ist sicherlich auch ein ungelöstes Problem, dadurch dass die Akteure am österreichischen Lebensmittelmarkt derart stark expandieren – expandiert haben – oder auch in Zukunft expandieren wollen, ist einfach im internationalem Vergleich das Phänomen da, das ich ganz offen ansprechen möchte. Wir haben in Österreich ein „Overstoring“, das es in diesem Ausmaß in fast keinem Land in Europa in diesem Ausmaß gibt. Wenn man einfach sagt: Wie viel Verkaufsfläche gibt es in unserem Land pro Einwohner? Es gibt kaum ein Land mit einer derart überhöhten Dichte an Verkaufsfläche und damit an Stores – wie Lebensmittelstores – und das führt dann dazu, das ist eine einfache Rechnung, dass der Umsatz pro Quadratmeter im Durchschnitt eben nur halb so hoch ist, wie beispielsweise in England oder in Frankreich oder in der Schweiz oder in anderen wohlhabenden Ländern. Das heißt – betriebswirtschaftlich gesprochen – es wird immer mehr Grenzbetriebe geben, die dann irgendwann einmal aus dem Lebenszyklus ausscheiden. Das wird es immer geben, in allen Landesorganisationen, weil wir derart überbesetzt sind. Auch da wird irgendwann einmal die Vernunft einsetzen müssen, weil jeder Akteur im Handel sagt jedes Jahr  stereotyp „und heuer nachmals 50 neue Märkte und jedes Jahr nochmals 50“, dann wird dieser Prozess noch viel exzessiver werden.“

Prof. Schnedlitz (WU-Wien):
"Pi mal Daumen. Wie viele SPAR Märkte werden noch kommen?“

Herr Dr. Drexel (SPAR):
Ja da fällt mir nur ein Spruch ein, abgewandelt an den bekannten BMW-Chef, der einmal gesagt hat – abgewandelt auf die SPAR – „Mag sein, dass es in Österreich zu viele Lebensmittelgeschäfte gibt, es gibt immer noch zu wenig SPAR Geschäfte“. (Anm…Gelächter & Applaus…)

Herr Mag. Lenz (REWE Austria):
„Was wir sicher machen werden, ist im Sommer die 1000 Billa-Filiale eröffnen. … Es ist auch unsere Strategie, nicht in Österreich das große Wachstum zu suchen, sondern in den zentral- und osteuropäischen Ländern die Chance nutzen. Hier gibt es großartige Möglichkeiten. …


Es folgten verschiedene Fragen und Antworten. Die wesentlichsten Aussagen waren:

* Hohe Fluktuation am Point-of-Sale. Deshalb ist es so schwer, überall ein gleiches Dienstleistungsniveau anzubieten.
* Glauben nicht recht an die Hauszustellung, erst recht nicht bei kühlbedürftiger Ware und bei frischer Ware
* Qualitätssicherung ist ein ganz großes Thema * Die meisten so genannten Innovationen sind nur „Me-too-Produkte“
* Der Markt gibt die Idee vor, der Markt gibt den Bedarf vor.
* Von Fusionen bei Lieferanten werden günstigere Preise erwartet
* Die Zukunft der Handelsmarken wird prächtig eingestuft. Alternativ werden auch die Markenartikel angeboten. Der Kunde soll wählen dürfen.
 

Schlussstatements:

Herr Dr. Drexel (SPAR):

* Lernen Sie Sprachen
* Gehen Sie ins Ausland
* Verstärken Sie ihr analytisches und ganzheitliches Denken
* Werden Sie kein Fachidiot Verbessern Sie ihre „social skills"
* Lernen Sie in Resultaten zu denken Lernen Sie kompetitiv zu denken und zu handeln


Herr Mag. Lenz (REWE Austria):


A: Seien sie mobil. Das ist ein riesiges Problem in Österreich
B: Suchen Sie sich einen Job, der ihnen Spaß macht!
 

Buffet

Ende 20:45

Es folgt der direkte Vergleich des Angebots von SPAR und REWE beim Buffet. Die Zuhören ließen es sich nicht nehmen, die Köstlichkeiten, Weine und Fruchtsäfte bis in die späte Nacht zu verkosten.






Foto: Buffet von SPAR und Merkur (REWE);
© R. M.