Wien

Allgemeine Informationen zu Handymast und Schule

Drei Zitate als Einleitung:

"Die Regierung Portugals ordnet als Reaktion auf die spanischen Krebsfälle die Abschaltung und Entfernung sämtlicher Mobilfunkantennen von Schulen an."
Qu: Portugiesisches Bildungsministerium in 'Europa Press' (15. Februar 2002)

"Jede Schule in Großbritannien erhielt von der Britischen Regierung die schriftliche Empfehlung, sich mit dem verantwortlichen Betreiber in Verbindung zu setzen, um sicherzustellen, dass die Hauptstrahlrichtung von Mobilfunk-Antennen nicht auf das Schulgebäude fällt."
Qu.: The Times, London (27. Juli 2000)

Schulprojekt BORG Bad Aussee erreicht 1. Platz (Juni 2005):
"Einen sensationellen Erfolg konnte das Schulprojekt „Wie gefährlich ist KABELLOS?“, das mit dem naturwissenschaftlichen Zweig der siebenten bzw. achten Klasse am Erzherzog Johann Gymnasium Bad Aussee durchgeführt wurde, erzielen. Die Kommission des Umwelt- und Gesundheitsbildungsfonds des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur und des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft verlieh dem Projekt unter der Leitung von Prof. Mag. Harald Gerstgrasser neben österreichweit 96 eingereichten Projekten im Bereich für Allgemeinbildende Höhere Schulen den ersten Platz!"
Zitat und Infos zum Projekt:
Website des BORG Bad Aussee

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Die Situation in Österreich:
Bezüglich der Mobilfunkstrahlung in Schulen gibt es verschiedene Strahlungsquelle: Handymast neben der Schule, Handymast auf der Schule, WLAN und DECT Stationen im Schulgebäude, mit Handys telefonierende Schüler. Über Messungen der Strahlungsbelastung mit Mobilfunk (= Mikrowelle) in Österreichs Schulen ist bis dato kaum etwas bekannt. Einen anschaulichen Fall gibt es jetzt in Purkersdorf (Bezirk Wien-Umgebung) und zwar im dortigen Gymnasium.
 



Die Strahlungswerte im und beim Gymnasium Purkersdorf steigen von Jahr zu Jahr:



Foto: Purkersdorfer Gymnasium;
© Wien-konkret

Messungen 2002:
Der Wiener Umweltmediziner Dipl.-Ing. Dr. med. Hans-Peter Hutter erstellte im August 2002 ein
Gutachten zur medizinischen Beurteilung GSM-spezifischer Immissionen bei Anrainern von Sendeanlagen in der Stadtgemeinde Purkersdorf. Ergebnis: Der höchste Messwert von Purkersdorf war das Purkersdorfer Gymnasium mit 980 Mikrowatt je Quadratmeter (=0,980 mW/m2).

Auf Seite 5 des Gutachten heißt es: "...Bezüglich des Immissionspunktes Gymnasium Herrengasse 4 ist jedoch darauf hinzuweisen, dass eine weitere Steigerung der Sendeleistung der entsprechenden Basisstationen zu vermeiden ist, da die derzeitige (GSM-spezifische) Immissionsbelastung am Immissionspunkt 1 mit einer Leistungsflussdichte von 0,98 mW/m² den erwä hnten Vorsorgewert breites zur Gä nze ausschöpft. Falls Site-Sharing-Projekte oder die zusätzliche Errichtung von Antennen im Rahmen der Einführung der UMTS-Technologie an jenen Masten, die diese Immissionen verursachen, vorgesehen sind, so dürfen diese Aufstockungen nur nach eingehender Prüfung entsprechender Unterlagen (Expositionsabschätzung für die am stärksten betroffenen AnrainerInnen) und unter Erwägung etwaiger Ä
nderungen in der Antennen-Geometrie vorgenommen werden. ..."

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Messungen im Oktober 2005:
Messungen der NÖ-Umweltanwaltschaft im Oktober 2005 haben nach deren Aussagen beim Informationsabend im Purkersdorfer Stadtsaal ca. 2000 Mikrowatt je Quadratmeter am Schuldach des Gymnasiums ergeben.
Messungen der Firma TriCoTel Telekom GmbH / Mag. Marschall haben am gleichen Tag 1.160 Mikrowatt je Quadratmeter im Eingangsbereich des Gymnasiums ergeben.

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Messungen 20. Sept. 2006:
Messungen der Mobilfunkfirma ONE ergaben im leeren Klassenzimmer 2215 8.980 Mikrowatt je Quadratmeter. Aufgrund der frequenzselektiven Messung der Mobilfunkfirma ONE konnte die Firma Telering als Hauptverursacher der hohen Strahlungswerte identifiziert werden. Messungen von Mag. Marschall ergaben unmittelbar nach der Messung von ONE am gleichen Punkt der Klasse 5.060 Mikrowatt je Quadratmeter.
 
 

Geheime Mobilfunksender im Purkersdorfer Kirchturm / Befragung der Österr. Ärztekammer zu den Messergebnissen abgelehnt

Beim Runden Tisch Mobilfunk am Do. 9. Nov. 2006 in Purkersdorf nahmen Vertreter der Mobilfunkfirmen, der Bürgerinitiativen Purkersdorf und Gablitz, Ex-Innenminister und nunmehr Bürgermeister von Purkersdorf Mag. Karl Schlögl (SPÖ), die Umweltstadträtin Margarete Schmidl (LIB) und die NÖ-Umweltanwaltschaft teil. Am interessantesten war natürlich festzustellen, woher die hohe Mobilfunkstrahlung von Telering kommt. Dabei wurde auf Nachfrage bekannt, dass Telering seine Mobilfunkantennen im Purkersdorfer Kirchturm installiert hat. Dies ist umso mehr verwunderlich, weil der Sendestandort "Purkersdorfer Kirchturm" nicht im Senderkataster enthalten ist.

Zunächst versuchte Bürgermeister Mag. Karl Schlögl (SPÖ) diesen Umstand noch damit zu verteidigen, dass die Angaben im Senderkataster nicht "grundstücksgenau" seien. Doch auch auf den Nachbargrundstücken zur Kirche ist keine Mobilfunk-Sendestandort eingetragen. Wollte man die Mobilfunksender im Purkersdorfer Kirchturm verheimlichen?

Eine Beurteilung der Messergebnisse durch die Österreichische Ärztekammer wurde von den Mobilfunkfirmen strikt abgelehnt. Auch Bürgermeister Mag. Karl Schlögl (SPÖ) - der anfänglich eine Beurteilung der Messergebisse durch die Österreichische Ärztekammer noch sinnvoll erachtete - schlug sich dann doch auf die Seite der Mobilfunker und nicht auf die Seite der Bürgerinitiativen. Bürgermeister Schlögl wolle zuerst ein Gutachten von DI Dr. Hans-Peter Hutter abwarten und erst dann entscheiden, ob eine Beurteilung durch die Österreichische Ärztekammer sinnvoll ist. Zu befürchten sei eine wesentlich ungünstigere Stellungnahme. 

Weiters versucht der Bürgermeister von Purkersdorf Mag. Karl Schlögl (SPÖ) mit dem Argument zu beruhigen, dass eine weitere Messung von der Mobilfunkfirma ONE nur 1.800 Mikrowatt je Quadratmeter ergeben hätten. Schönheitsfehler dabei ist, dass der zweite Messwert von einem Feiertag (15. Nov. 2006) stammt und daher mit einem Schultag nicht vergleichbar ist. Im übrigen sind auch 1.800 Mikrowatt je Quadratmeter ein viel zu hoher Strahlungswert. 

 

Vergleich der Strahlungsbelastung eines „Schülerarbeitsplatzes“ in der Volksschule Gablitz, im Gymnasium Purkersdorf und einem BMW-Arbeitsplatz

Ein Vergleich von Strahlungsbelastungen:
Salzburger Vorsorgewert 2004 in Räumen:……...……1 Mikrowatt je Quadratmeter
BMW Grenzwert für BMW Arbeitsplätze: …......…100 Mikrowatt je Quadratmeter
Hort (oberster Stock) der Volksschule Gablitz: …380 Mikrowatt je Quadratmeter

Musikkustodiat (oberster Stock) Gymnasium Purkersdorf: 8.980 Mikrowatt je Quadratmeter

Wie leicht zu erkennen ist, würde ein Arbeitsplatz im Hort der Volksschule Gablitz und im Musikkustodiat des Gymnasium Purkersdorf den Anforderungen der Automobilfirma BMW nicht genügen. Die Strahlungswerte liegen deutlich über dem BMW-Grenzwert. BMW hat für Maßnahmen zur Strahlungsreduktion im Mobilfunkbereich alleine bis zum Feb 2004 rund 100.000 Euro ausgegeben. BMW setzte offensichtlich im Strahlungsschutz eine zwar teuere, aber notwendige Maßnahme, um die Gesundheit seiner Mitarbeiter zu schützen.
 

Forderungen der Bürgerinitiative Gablitz betreffend der Lage in Purkersdorf:

Da auch viele Gablitzer Kinder ins Purkersdorfer Gymnasium gehen bzw. viele Gablitzer in der Bezirksstadt Purkersdorf Einkaufen oder Behördenwege erledigen, fordert die Bürgerinitiative Gablitz folgende Maßnahmen ein:

* Eine sofortige Offenlegung der Standortdaten der Handymasten in Purkersdorf
* Eine sofortige Ergänzung bzw. Richtigstellung des Senderkatasters
* Eine sofortige Sperre des Kirchturms für Besucher, solange die Mikrowellensender im Kirchturm in Betrieb sind. Siehe auch Sicherheitsbestimmungen der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt AUVA.
* Jede Klasse im Purkersdorfer Gymnasium einzeln zu messen. Es werden recht unterschiedliche Messwerte erwartet, je nach Stockwerk und Blickwinkel zu den verschiedenen Mobilfunksendern (Kirchturm / Postamt / Feuerwehr / Wintergasse 4). Damit weiß man, welche Klassen besonders betroffen sind und geschützt gehören.
* Eine Beurteilung der Messergebnisse durch die Österreichische Ärztekammer durchzuführen. (Dies wird derzeit von den Mobilfunkfirmen und Bürgermeister Mag. Karl Schlögl (SPÖ) abgelehnt).
* Verlegung der Handymasten / Mobilfunksender in unbesiedeltes Gebiet (Wald). Dies wäre technisch möglich
 

Termine:

Einerseits wird es interessant sein, wie nun der Elternverein des Purkersdorfer Gymnasiums reagiert und weiters wie die Stellungnahme des beauftragten Gutachters DI. Dr. Hans-Peter Hutter beim nächsten "Runden Tisch Mobilfunk" am 9. Jan 2007 ausfallen wird. Wien-konkret hält Sie am Laufenden.
 

Quellenangaben zu diesem Thema:

* Artikel in der NÖN Purkersdorf vom 15. Nov. 2006 Seite 9 "Rat von neuem Experten"
* Artikel in der NÖN Purkersdorf vom 29. Nov. 2006 Seite 7: "Der strahlende Kirchturm"
* Artikel in der NÖN Purkersdorf von 6. Dez. 2006 Seite 9: "Entwarnung: Moderater Wert bei zweiter Messung" (Anm.: Aussagen sehr umstritten)
* Presseaussendung der Bürgerinitiative Gablitz vom 10.11.2006
* Presseaussendung der Bürgerinitiative Gablitz vom 7.12.2006
* Informationen zum Senderkataster
* Gutachten DI. Dr. Hans Peter Hutter vom August 2002
 



Weiterführende Informationen zum Thema Mobilfunk:

* Was tun mit dem Althandy?
Welche Frequenzen werden für Mobilfunk verwendet?
* Informationen zum Senderkataster / Standorte der Handymasten
* Gibt es Studien zu den gesundheitlichen Folgen?
*
Mirkowellensyndrom durch Mobilfunk: Die Merkmale 
* Die Handymastensteuer in NÖ. Auswirkungen auf Wien?
* Handy verloren oder gestohlen. Was ist zu tun?
*
Vorsorgewerte, Richtwerte, Grenzwerte für die Mobilfunkstrahlung?
* Die Mobilfunkteilnehmerzahlen und Marktanteile?
* Handymast bzw. Mobilfunkstrahlung und Schulen
* Handymast im Kirchturm
* Strahlungsmessungen zu Hause



Postings / Leserbriefe:

Sehr geehrter Herr Mag.Marschall!

Unabhängig von den einzufordernden uns beiden bekannten Maßnahmen im Sinne der Gesundheit und deren Vorsorge
erstaunt es mich immer wieder, mit welcher Leichtfertigkeit die Kirche, deren offiziellen Vertreter und die Kirchengemeinderäte die Wertigkeit des gesendeten Inhalts im Bereich der mobilen Telekommunikation ignorieren, sobald Geld im  Spiel ist.

Als humanistisch gebildeter und erzogener Mitmensch wundere ich mich schon sehr, wie problemlos die katholische Kirche zu Gunsten einiger leicht verdienter Euro
die Prinzipien der eigenen Lehre und Moralvorstellungen über Bord wirft, die Sie von anderen Menschen einfordert.Gerade dieser von der katholischen Kirche seit Jahrzehnten gelebte Zwiespalt ist mit verantwortlich dafür, daß sich so viele Menschen von der Kirche abwenden und leider muß ich feststellen mit Recht.

Wenn die Kirche gegen gute Bezahlung die Verbreitung von moralisch fragwürdigen Inhalten mittels Mobilfunk / UMTS zuläßt und indirekt sogar fördert muß sie sich die Frage gefallen lassen, ob sie als moralische Instanz noch ernst genommen werden will
Das vielfältig verwendete Argument, mit der Zeit gehen zu müssen, steht der kirchlichen Lehre nicht an und kommt nur kurzsichtiger Anbiederung gleich ohne Linie und Vision.

Sie können mein Schreiben gerne an den Pfarrgemeinderat weiterleiten.

mit freundlichen Grüßen

Dr.Michael Weber                     


Facharzt für Orthopädie
orthopädische Chirurgie
Unfallchirurgie                                       Email: Saalfelden, 8.12.2006