Wien

Wenn i einmal ins Postkastl schau, wird mir im Magen flau...

Liebe Leserinnen und Leser!                              Wien, 17.03.2008

Ich weiß nicht, ob Sie das Lied eines bekannten österreichischen Sängers kennen, aber unter anderem heißt es darin:

Wenn i einmal ins Postkastl schau,
wird mir im Magen flau.
Mein Leben kost' mi mehr, als i verdien ...

So viel ich weiß, hat er diesen Text schon in den 90er Jahren geschrieben, verändert hat sich allerdings seither nichts - zumindest nicht zum Positiven!
Daher habe ich ihm unlängst folgendes Mail geschickt:

Lieber Peter!                                          Wien, 27.01.2008
Dein Song ist schon so alt und doch aktueller denn je ...
Es ist eine traurige Tatsache, dass selbst in einem "Sozialstaat" wie Österreich die Armen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden. Ich habe mir zum Ziel gesetzt, dagegen etwas zu unternehmen. Leider bin ich als einfache Volksschullehrerin zu unbekannt, daher ignoriert man mich in den diversen Ministerien ziemlich einhellig. Das ärgert mich gewaltig! Wäre ich gewaltbereit, hätte ich sicherlich schon mehr Aufmerksamkeit erregen können, aber so ...
Naja! Findest du das richtig? Als ich heute wieder einmal dein Lied gehört habe, ist mir eine "friedliche" Idee gekommen - ungewöhnlich, aber vielleicht wirkungsvoll. Hättest du nicht Zeit und Lust, an einem schönen Frühlingstag mit mir gemeinsam vor dem Finanzministerium dein Lied zu singen? Viel kann ich dir leider nicht bezahlen, weil ich nur eine halbe Lehrverpflichtung habe, aber ich bin sicher, wenn du ein Idealist wärst wie ich, könnten wir uns einigen. Falls du glaubst, dass ich vielleicht verrückt bin, muss ich dir beipflichten, mit der Einschränkung - POSITIV verrückt, nicht krankhaft! Ich würde mich ehrlich freuen, von dir zu hören, auch wenn ich dich nicht dazu bewegen kann, mich zu unterstützen.n In diesem Fall muss ich mir dann halt etwas anderes einfallen lassen. Ich empfinde es nur als Wahnsinn, dass manche meiner Kinder sich nicht einmal mehr das Fahrgeld für Schulveranstaltungen leisten können und niemand dafür zuständig ist ...

Herzliche Grüße!
Romana M.



Leserbrief zur Kinderarmut in Wien:

Liebe Österreicherinnen und Österreicher!                           Wien, 12.02.2008

Viele von Ihnen wissen sicher aus eigener Erfahrung, wie schlimm es ist, wenn man jeden Euro fünf Mal umdrehen muss, um letztendlich fest zu stellen, dass man sich eine bestimmte Sache dann doch nicht leisten kann.

Diese Problematik wird leider immer schlimmer!

Ich habe früher immer gedacht, in unserem Land wäre das anders, aber da habe ich mich wohl getäuscht. Ich bin seit 28 Jahren Volksschullehrerin in Wien und muss immer wieder mit Entsetzen feststellen, dass manche meiner Kinder sich nicht einmal mehr die Fahrscheine für Schulveranstaltungen leisten können!

Anfangs war ich ziemlich ärgerlich wegen der Mehrbelastung, die man hat, wenn man einer Sache ständig hinterher rennen muss … Aber als das erste Kind dann ganz verschämt zu mir gekommen ist und mir mitgeteilt hat, dass es sich nicht um Vergesslichkeit, sondern um Geldmangel handelt, sah alles für mich gleich ganz anders aus. Ich habe rasch und unbürokratisch gehandelt und die Kosten aus eigener Tasche bezahlt. Als das Problem allerdings immer intensiver wurde, habe ich mir gedacht, dass es keine Lösung auf Dauer sein kann, das "Loch immer wieder selber zu stopfen".

Mein wichtigster Ansprechpartner war das Finanzministerium.
Ich habe mein Problem geschildert und gehofft, dass man mir, bzw. "meinen" Kindern, möglichst rasch helfen könnte. Das war leider nicht der Fall … Man hat mir freundlicher Weise mitgeteilt, dass es im Jahr 2009 oder 2010 eine Steuerreform geben würde! Ich habe darauf hin gefragt, was ich bis dahin machen solle. Diese Antwort ist man mir schuldig geblieben … Wer mich allerdings persönlich kennt, weiß, dass ich nicht so schnell aufgebe. Ich habe das Finanzministerium noch einmal angeschrieben und Empfehlungen für die weitere Vorgehensweise erbeten. Man hat mich dann gnädiger Weise an eine andere Stelle verwiesen, diese wiederum an eine andere und so weiter. Ich wurde sozusagen mehrere Monate lang fröhlich im Kreis herum geschickt.

Kurz vor Weihnachten kam mir dann eine ganz andere Idee …
Da die meisten Menschen in dieser Zeit viel Spenden freudiger sind als den Rest des Jahres über, habe ich die MitarbeiterInnen des Finanzministeriums um eine Sachspende in Form einiger Kinderfahrscheine gebeten.

Die Antwort liegt mir heute noch im Magen:
Wir bedauern die von Ihnen geschilderte Situation und können Ihre Sorgen und Wünsche durchaus nachvollziehen. Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass im Bundesministerium für Finanzen keine budgetären Mittel für eine direkte finanzielle Unterstützung, bzw. für die Übernahme der Kosten für Kinderfahrscheine zur Verfügung stehen. Um Ihnen dennoch weiter zu helfen, erlauben wir uns, Ihnen einen in Frage kommenden Ansprechpartner zu nennen ...

Was soll ich dazu bloß sagen?

Kinder sind unsere Zukunft und ich finde, man sollte sie pfleglicher behandeln.
Man sollte ihnen das geben, was sie brauchen:
Aufmerksamkeit, Liebe und vielleicht auch ...
... ein paar Kinderfahrscheine.

Mit freundlichen Grüßen
R. M.