Wien

Wiener Börse

Börse Wien 1

Adresse: Schottenring 16, 1010 Wien
Verkehrsanbindung: U2-Station Schottentor

Die Börse wurde 1874 bis 1877 von Theophil von Hansen im Stil der Neorenaissance, einer Form des (für die Ringstraße typischen) Historismus, errichtet. Von seiner Errichtung bis zum Umzug der Wiener Börse AG in das Palais Caprara-Geymüller im Jahr 2000 war das Gebäude "Wiener Börse" Sitz dieser Institution "Wertpapierbörse". Heute ist es eine der vielen Sehenswürdigkeiten an der Wiener Ringstraße und seine Säle werden für Veranstaltungen vermietet. Das Gebäude befindet sich im Eigentum einer von Karl Wlaschek 2015 hinterlassenen Stiftung.
 
Geschichte
Die Wiener Wertpapierbörse, eine der ältesten Börsen der Welt, nahm 1. 9. 1771 aufgrund des Börsepatents von Kaiserin Maria Theresia den Handel auf. Zunächst wurden nur Anleihen, Wechsel und Devisen gehandelt, der Aktienhandel wurde erst 1818 mit Namensaktien der Nationalbank aufgenommen. 1860 übersiedelte die Börse gemeinsam mit der Nationalbank in die Herrengasse 14 (Palais Ferstl).
   Hemmungslose Spekulationen in Erwartung der Weltausstellung lösten am 8. 5. 1873 einen Börsenkrach aus, der eine schwere Rezession zur Folge hatte. Dies führte zum Börsegesetz vom 1. 4. 1875 in dem ein Börsekommissar zur Überwachung des Handels festgelegt wurde. Nach wiederholtem Ortswechsel bezog die Wiener Börse das von Theophil Hansen 1874-77 erbaute Gebäude am Ring.

Gegenwart:
1997 kam es zur Gründung der Bundeswertpapieraufsicht (heute Finanzmarktaufsicht) als unabhängige Behörde, weiters wurde der Kassamarkt in die Terminbörse (ÖTOB) eingebracht und die so entstandene Gesellschaft in Wiener Börse AG umbenannt. Gleichzeitig wurde der Parketthandel eingestellt. In Folge wurde die Wiener Börsekammer aufgelöst. Die neue Gesellschaft firmierte zuerst in der Strauchgasse, seit dem Jahr 2000 in der Wallnerstrasse. Seit 1999 ist die Wiener Börse vollprivatisiert und im Besitz von mehr als 60 Teilhabern, die meisten davon sind Banken bzw. in Wien notierte Unternehmen.
Nachdem die ÖTOB bereits ab 1991 ein vollelektronisches Handelssystem besass, wurde im Jahr 1999 der Kassamarkt auf das XETRA-System der Deutschen Börse umgestellt und das erst 1996 eingeführte EQOS-System abgelöst.
Die Wiener Börse hält eine 30% Beteiligung an der neuen österreichischen Energiebörse EXAA ("Energy Exchange Austria"). Handelsstart an der EXAA war am 21. März 2002, gehandelt werden Energieprodukte, derzeit ausschliesslich Strom.
Im Sommer 2004 wurde ein Mehrheitsanteil (ca. 68 %) an der Budapester Börse (BÉT) durch ein österreichisches Konsortium erworben. Die Wiener Börse selbst hält dabei 14 % an der Budapest Stock Exchange, eine weitergehende Zusammenarbeit wird angestrebt.
Im April 2005 kam es zum bisher grössten IPO in Wien, die Emission von Aktien der Raiffeisen International mit einem Volumen von 1,1 Milliarden Euro.
Am Freitag, 17. Juni 2005 konnte der ATX erstmals über der "magischen" 3000 Punkte Marke bei 3020,66 schliessen.

Ausblick
Die Wiener Börse zeichnete sich in den letzten Jahren, besonders seit 2003, durch eine hervorragende Performance aus. Diese ist einerseits durch die jahrelange Unterbewertung und die gegenwärtige Ostphantasie zu erklären. Andererseits stellt sich die Frage, wieweit - auf die nächsten Jahrzehnte gesehen - kleine regionale bzw. nationale Börsen lebensfähig sind (bzw. bleiben). Dazu kommt, dass im internationalen Vergleich die Marktkapitalisierung relativ gering ist, die grössten Unternehmen erreichen international gesehen nur die Ebene von Mid-Caps. Andererseits hätte Wien den Vorteil, durch das jahrelange Know-How im Bereich der Ost-Indices attraktive Produkte anbieten zu können, es stellt sich somit die Frage nach der strategischen Ausrichtung durch das Management und inwieweit Versuchen politische Einflussnahmen begegnet werden kann.

Indices
Die Wiener Börse berechnet und verteilt eine Reihe von Indices, darunter auch auch mehrere Osteuropa-Indices (CEE). Der wichtigste, von der Wiener Börse berechnete Index ist der Fliesshandelsindex ATX, der die (derzeit 22) liquidesten wiener Werte umfasst. CEE-Aktienindizes gibt es für Tschechien (CTX – Czech Traded Index), Ungarn (HTX – Hungarian Traded Index) und Polen (PTX – Polish Traded Index), sowie als Index für die gesamte Region (CECE Composite Index). Weiters bedeutsam ist der RTX – Russian Traded Index für russische Aktien.

Weblinks
    *
Homepage der Wiener Börse
    * Indices

Literatur
    *
Die Geschichte der Wiener Börse. Ein Viertel Jahrtausend
      Wertpapierhandel; Autor: Dr. Johann Schmit ISBN: 3-9500956-3-2


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Kategorie: Wiener Wahrzeichen, Sehenswürdigkeiten in Wien