Wien
Pestsäule Graben Wien 1

Die Pestsäule am Graben erinnert heute an die größte Pestepidemie, die je in Wien aufgetreten ist: Im Jahr 1679 forderte diese Seuche so viele tausende Menschenleben wie nie zuvor. Besonders während des heißen Sommers stieg die Anzahl der Erkrankten und Toten, so dass ein tödlicher Schrecken die Menschen in der Stadt erfasste. In dieser Katastrophenstimmung wurde von der Wiener Bürgerschaft und einer religiösen Bruderschaft eine Pestsäule geplant, um öffentlich zu Ehren der "Heiligen Dreifaltigkeit" und der "Neun Chöre der Engel" Predigten und Litaneien zur Abwendung der Pest veranstalten zu können. Vorerst sollte diese "Ehrensäule" auf dem damaligen Friedhof der Peterskirche errichtet werden, bekam aber dann "an dem vornehmsten am Graben genannte Platz der Stadt" zwischen den beiden Brunnen ihren Standort.

Die Zeit drängte: Eine Pestsäule aus Holz wurde deshalb vorgesehen. Der Bildhauer Johann Frühwirt (1640-1701) erhielt den Auftrag. Er folgte bei seinem Entwurf dem traditionellen Aufbau solcher Gedenksäulen, bei denen die Darstellung der "Allerheiligsten Dreifaltigkeit" als "Gnadenstuhl" gestaltet war. Dieser Bildtypus - bei dem Gottvater den gekreuzigten Christus in seinen Armen hält - galt seit dem Mittelalter als besonderer Schutz gegen die Pestgefahr. Als Ausgangspunkt dieser in Österreich so verbreiteten Dreifaltigkeitsverehrung gilt die Kirche am Sonntagsberg bei Waidhofen an der Ybbs in Niederösterreich. Das Motiv "Neun Chöre der Engel" gestaltete Frühwirt, indem er neun große Engel auf ein Podest rund um die korinthische Säule gruppierte.

Die hölzerne Vorgängerin der heutigen Pestsäule wurde am 27. Oktober 1679 - während die Pest in Wien wütete - aufgestellt. Männer in Büßerkleidung, das Gesicht durch hohe Kapuzen verdeckt, schleppten vom Rathaus die Skulpturen zum Platz am Graben. Zwei Tage später fand die feierliche Einweihung durch den Abt des Schottenstiftes statt. Von nun an bildete diese Ehrensäule eine Anlaufstelle für volkstümliche Frömmigkeit. Nach dem Erlöschen der Pest fand dann am 17.Juni 1680 ein großes Dankfest bei der Säule statt - veranstaltet von den niederösterreichischen Landständen -, bei dem der Augustinerpater Abraham a Sancta Clara eine seine berühmte Predigt "Danck und Denckzahl" hielt.

Kaiser Leopold I. hatte allerdings bereits während der Pestzeit, und zwar am 18. Oktober 1679, ein Gelübde abgelegt, ein prächtiges Denkmal aus Marmor zu stiften. Der anfängliche Plan, die hölzerne Dreifaltigkeitssäule unverändert in Stein umzusetzen, wurde bald aufgegeben. Vermutlich erst 1682, nach einem neuerlichen Gelöbnis des Kaisers, wurde von kaiserlichen Beamten ein Modell bei dem Bildhauer und Maler Matthias Rauchmiller bestellt und die Beschaffung der Marmorsteine aus Salzburg eingeleitet. Rauchmiller starb während seiner Arbeit im Jahre 1686. In seinem Nachlass befand sich bereits das dreiflügelige Podest für die Säule und drei überlebensgroße Engel, die heute noch auf der Pestsäule zu finden sind.

Quelle Text und Foto: Rathauskorrespondenz