Wien

Wahlverhalten bei der letzten Nationalratswahl:

Diagramm: Wählerverhalten in % der Wahlberechtigten als "Torte"

Diagramm: Wählerverhalten in % der Wahlberechtigten als "Torte"

So verhielten sich die Wähler bei der Nationalratswahl 2008:
Wahlberechtigte: 6.332.931   Wahlbeteiligung: 78,8%     
gültige Stimmen: 4.887.304   ungültige Stimmen: 103.396 

Im Jahr 2008 gab es die meisten "Weiß"-Wähler (Nichtwähler und Ungültig-Wähler) mit ca. 1,445 Millionen "Unterstützern". Der "Weiß"-Wähler-Anteil erreichte im Wahljahr 2008 22,8%. Interessant ist es auch, dass im Jahr 2008 die Weißwähler die stimmenstärkste Fraktion mit 1,446 Millionen Stimmen - noch vor SPÖ mit 1,430 Millionen und ÖVP mit 1,269 Millionen Stimmen - ist.

Hier die Verteilung der gültigen Stimmen:


2008: SPÖ: 29,3 %  ÖVP: 26,0 %  FPÖ: 17,5 %   BZÖ: 10,7 %  Grüne: 10,4%   
LIF: 2,1 % Dinkhauser: 1,8 % KPÖ: 0,8 %  Rettet Österreich: 0,7 %  Die Christen 0,6 %  Rest 0,1 %

Quelle BMI Innenministerium 6. Oktober 2008, 19:39 Uhr




* 21.09.2008 - Wählen gehen und wenn ja, wen?

In genau 1 Woche, am 28.09.2008 ist es soweit: Österreich wählt einen neuen Nationalrat.
Und diese Wahl wird eine der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste in der gesamten 2. Republik.

* Zum 1. Mal werden Minderjähige wählen gehen dürfen (ab 16 Jahren)
* Fakt ist, dass noch nie in der 2. Republik so viele Listen wie bei dieser Wahl angetreten sind: Sowohl 10 bundesweit kandidierende Listen, gemeinsam mit 4 in einzelnen Bundesländern kandidierden, insgesamt 14 Listen - das ist absoluter Rekord.
* Zum 1. Mal wird - soferne die Meinungsforscher Recht behalten - keine Partei mehr als 1/3 der Stimmen erhalten und somit auch über keine Sperrminorität beim Beschluß von Verfassungsgesetzen verfügen.
* Zum 1. Mal besteht die realistische Möglichkeit, dass mehr als 5 Parteien den Einzug in den Nationalrat schaffen.
* Und es steht auch noch die Entscheidung aus, wie es nach dem irischen NEIN mit dem EU-Vertrag von Lissabon weitergeht. Gewinnen die Befürworter oder die Gegner einer österreichischen Volksabstimmung über den EU-Vertrag von Lissabon?
* Und noch etwas war wohl noch nie zuvor so groß wie diese Mal: Die Politikverdrossenheit, der Vertrauensverlust in die Parteien und das persönliche Ohnmachtsgefühl der Wähler. Aussagen wie "Die da oben machen, was sie wollen und wir können nichts dagegen tun" hat es zwar schon immer gegeben, aber noch nie so häufig, wie dieses Mal.

Doch wie schon Oliver Janzek geschrieben hat: Gerade, wenn man unzufrieden mit der Politik ist, sollte man erst recht wählen gehen. Und einen oft geäußerten Stehsatz vieler Wahlberechtigten muss man unbedingt zurückweisen: "Ist ja eh egal, wen man wählt, die sind doch alles gleich (schlecht)!"

Nein, denn nicht nur die Anzahl der kandidierenden Listen war so hoch, wie dieses Mal, auch inhaltlich hat es wohl noch nie zuvor eine solche Breite wie 2008 gegeben: Von Recht über Mitte bis Links, von wirtschaftsliberal bis staatsregulatorisch, von gesellschaftlich progressiv bis weit in die Vergangenheit gerichtet, von EU-fanatisch bis sehr EU-kritisch. Und bei einer solchen zahlenmäßig wie inhaltlichen Vielfalt - da ist für so gut wie jeden Wahlberechtigten etwas Wählbares dabei. Dass keine Partei voll mit den eigenen Ansichten übereinstimmt ist klar - es sei denn es ist die eigene 1-Mann-Partei. Ein Signal an die Mächtigen, mit dem man sich persönlich identizieren kann, kann aber wirklich jeder einzelne Wähler bei diesen NR-Wahlen setzen. Wer mit den 5 Parlamentsparteien unzufrieden ist, kann je nach Bundesland aus 5-7 weiteren, kleinen Listen auswählen.

Damit jeder mündige Wahlbereichtigte klare Fakten als Grundlage für die Entscheidungsfindung zur Verfügung hat, bringt Wien-Konkret in Kürze ein Tabelle, wo bei zahlreichen wichtigen Fragen die Positionen der einzelnen Parteien übersichtlich aufgelistet sind.

Abschließend möchte auch ich an jeden einzelnen wahlberechtigten Bürger appellieren: Das Wahlrecht ist ein Recht, das sich unsere Vorfahren mit viel Blut und Tränen hart erkämpfen haben. Gerade dann, wenn wir mit der herrschenden Politik unzufrieden sind, sollten wir nicht die Flinte ins Korn werfen, sondern erst recht von unserem Wahlrecht Gebrauch machen. Und jeder, der mit den etablierten Parteien unzufrieden ist, hat noch nie eine so große Auswahl gehabt, wie diese Mal, um seinen Protest Kund zu tun.

Darum: Gehen Sie am 28.09.2008 wählen und bestimmen Sie mit, wie die Zukunft Österreichs und Europas aussehen soll!

Ulrich L.
 

Wählen – ein lästiges Übel oder eine wichtige Verantwortung jedes Einzelnen?

Es gibt in Österreich mehr als sechs Millionen stimmberechtigte Menschen. Diese haben am 28. September 2008 nun auch die Möglichkeit, per Stimmabgabe in den Wahllokalen oder per Briefwahl die entsprechenden Volksvertreter bzw. Parteien oder Gruppierungen zu wählen. Die Legislaturperiode wird sich für die kommende Regierung auf fünf Jahre ausweiten (bisher waren es vier Jahre).

Auch wenn die derzeitige Politik bei so manchem Wähler eine Politikverdrossenheit hervorruft – ist es da nicht umso nötiger, seiner Stimme bei der Nationalratswahl am 28. September 2008 Gewicht zu geben? Etwa 50 % der Wahlberechtigten sollen – nach öffentlichen Befragungen – bis dato noch unentschlossen sein, wem sie ihre Stimme geben. Dies ist eigentlich eine gute Voraussetzung dafür, sich einmal mit der Politik etwas näher zu beschäftigen und genau zu überlegen, was welche Partei oder Gruppierung eigentlich machen will, wenn sie ins Parlament einzieht.

Tatsache ist, dass es das Schlechteste ist, seine Stimme nicht abzugeben - nur um damit durch die Nichtwahl seinen Protest auszudrücken. Denn dies ist kein Protest, dies ist nur die Zustimmung zu jedem Resultat, das die Wahl bringt! 

Genauso ist eine ungültige Stimmabgabe kein geeignetes Mittel, seinen Protest auszudrücken!

Wir brauchen nicht weit zu reisen oder in ferne Vergangenheit abschweifen – die Zeit von Ein-Parteien-Systemen lag bis zum Abschütteln der gescheiterten sozialistischen Systeme vor unserer Haustür – in Tschechien, der Slowakei, Ungarn usw. Hier konnten sich die Menschen nicht aussuchen, wer sie im Parlament vertreten sollte. Doch wir haben das Recht, demjenigen Volksvertreter oder derjenigen Partei unsere Stimme zu geben, von dem wir annehmen, dass er unsere Interessen im Parlament vertritt. Wir haben das Recht, und wir sollten davon Gebrauch machen.

Neben den fünf derzeitigen Parlamentsparteien – SPÖ, ÖVP, Grüne, FPÖ und BZÖ (+ 1 Abgeordneter des LIF, den die SPÖ 2007 ins Parlament holte und der auf der Liste der SPÖ zur Wahl stand) – gibt es noch weitere Parteien und Gruppierungen, die am 28. September 2008 zur Wahl antreten (wollen). Diese brauchen zuerst einmal Unterstützungserklärungen in gewisser Anzahl österreichweit, damit sie überhaupt zur Wahl antreten dürfen. Bevor diese im nachfolgenden aufgelistet werden (dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf taxative Aufzählung!), will der Autor darauf hinweisen, dass diese in den Medien meist kaum Beachtung finden.

Weitere Parteien neben SPÖ, ÖVP, Grüne, FPÖ und BZÖ, welche am 28. September 2008 bundesweit zur Wahl antreten werden, sind:

* LIF
* Rettet-Österreich
* KPÖ
* Die Christen
* Bürgerforum Österreich

In 5 Bundesländern, nämlich in Wien, Salzburg, Tirol, Oberösterreich und dem Burgenland kandidiert auch das Wahlbündnis "Linke".
In Wien steht ausserdem nach die "Tierrechtspartei" auf dem Stimmzettel, in Kärnten die "Liste Stark".

Übrigens, dieser Artikel ist keine Wahlempfehlung für irgendeinen Volksvertreter, irgendeine Partei oder Gruppierung. Aber dieser Artikel soll dazu aufrufen, Parteiprogramme zu studieren und die Aussagen der Politiker genau zu studieren; er soll die Wähler dazu anregen, sich ihre eigene Meinung zu bilden und am 28. September 2008 (oder mit der Briefwahl davor) seine Stimme abzugeben.

Demokratie bedeutet, dass alle Macht vom Volke ausgeht: Nutzen wir alle unser Recht!

Oliver Janzek