Wien
Foto: Gewerkschaftspräsident Rudolf Hundstorfer bei seiner Ansprache zum 1. Mai 2007 am Wiener Rathausplatz; © Wien-konkret

Foto: Gewerkschaftspräsident Rudolf Hundstorfer bei seiner Ansprache zum 1. Mai 2007 am Wiener Rathausplatz; © Wien-konkret

Ansprache von 
Rudolf Hundstorfer
(ÖGB-Präsident) am Tag der Arbeit, 1. Mai 2007 am Wiener Rathausplatz:

Liebe Genossinnen und Genossen!

…aus der Sicht sozialdemokratischer Gewerkschafter und aus der Sicht des ÖGB Resümee zu ziehen; Resümee zu ziehen über ein Jahr der harten Arbeit, die hinter uns liegt. Teilweise waren dies Tage sehr schmerzhaft und sehr, sehr mühsam. Und viele unserer Gegner haben sich schon vor einem Jahr schadenfroh die Hände gerieben über das vermeintliche Ende einer starken Arbeitnehmervertretung. Aber sie haben sich zu früh gefreut. Unsere Arbeit war und ist auch weiterhin hart, aber sie ist von Erfolgen gekrönt – Erfolge, die nicht viele erwartet haben. Erfolge, die nicht viele erwartet haben. Erfolge, die mit der Stärke und dem Vertrauen unserer Mitglieder möglich waren. Wir haben im Vorjahr 494 Kollektivverträge neu gestaltet und eine Lohnsumme von 102 Milliarden Euro bewegt. (Anmerkung die Red.: Wohin ???)

Blenden wir doch ein Jahr zurück. Wir sind hier zusammen gestanden, wütende und verärgert über den Skandal, den uns einige beschert haben. Und ich habe damals nur eines versprechen können: Dass wir radikal Ordnung machen. Und ich habe dabei nur eines gehofft: Dass ihr uns das auch zutraut und uns solidarisch unterstützt. Jetzt, ein Jahr danach – hier und heute – ich darf sagen: Wir sind immer noch da. Und wie wir da sind, Genossinnen und Genossen.

Und ich möchte danke sagen, danke sagen bei denjenigen, die solidarisch bei uns geblieben sind, bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Übermenschliches geleistet haben, bei den 100.000-den, die sich in den Reformprozess des ÖGB mit Ideen und Vorschlägen eingebracht haben. Was wir heute feiern, ist ihr gemeinsamer Erfolg. Der ÖGB hat aus eigener Kraft die Bedrohung abgewendet (Anmerkung die Red.: Ist leider falsch. Den österr. Steuerzahlern wurde von den Politikern im Parlament die Haftung für 900 Millionen Euro aufgezwungen; siehe BAWAG-Gesetz) 

und gleichzeitig die Ärmel aufgekrempelt und begonnen, sich grundlegend zu reformieren. Jetzt stehen wir hier. Und wir haben nicht nur den Flurschaden im Gewerkschaftsbund aufgeräumt
(Anmerkung die Red.: ÖGB Mitarbeiter wurden gekündigt bzw. abgebaut und die ÖGB Pensionen massiv gekürzt).

– das ist ein Grund zum Feiern -  wir dürfen auch zufrieden sein. Ich schränke ein: Ein „bisschen“ zu frieden zu sein, wiewohl noch vieles zu tun ist. Und wir denken auch mit bedauern an jene, die im ersten Zorn unserer Bewegung den Rücken gekehrt haben, weil sie nicht an unsere Selbstreinigungskraft geglaubt haben. In den kommenden Auseinandersetzungen werden sie uns fehlen. Und aus ganz persönlicher Bewegung rufe ich ihnen zu: Wir vermissen Euch, wir wünschen uns: Kommt zurück – besser heute als morgen.

- 1. Applaus -

Aber eines – das gibt mir jeden Tag neue Kraft – ist noch immer da und sehr, sehr lebendig: Unser Kampfgeist, unsere Schlagkraft. Und wir werden viel davon brauchen. Denn das sage ich bei allen Feierlaune ganz unverblümt: Wenn wir jetzt beginnen uns auszuruhen, dann tun wir ganz genau das Falsche.

Kolleginnen und Kollegen!
Die SPÖ wurde am 1. Oktober gewählt mit einem massiven Arbeitsauftrag. Vieles wird von uns erwartet. Die arbeitenden Menschen haben der SPÖ den Auftrag gegeben, den Wohlstand aller, den hart verdienten Lohn zu verteidigen und gerecht zu verteilen:
* gegen eine Wirtschaft, die Kosten und Risiken bereitwillig verstaatlicht, aber ihre Rekordgewinne strikt privatisiert,
* gegen Standorterpressung und Kapitalverschiebung
* gegen Turbokapitalisierung.

Man erwartet von der Gewerkschaftsbewegung Sozialdemokratie, * dass wir die Ungerechtigkeiten beseitigen, die in den letzten Jahren gesetzt wurden,
* dass wir Grenzen setzen, wo Menschen unter die Räder kommen,
* dass wir einen Kurs klar abstecken und ein neues, besseres Österreich muss unser gemeinsames Ziel sein.

Ein Land, das seine Menschen als das größte Kapital versteht und daher Fairness und Solidarität braucht. Ein Land, das den schwerverdienten Erfolg gerecht und fair verteilt. Ein Land, in dem es die solidarische „Wir-AG“ gibt und nicht Millionen von „Ich-AGs“, gefangen in prekären Lebens- und Arbeitsverhältnissen.

- 2. Applaus -

Ein Land, das seiner Jugend nicht nur Handys und Playstations zu geben hat, sondern auch und vor allem: Ausbildung -  Arbeit – Zukunftsperspektive. Ein Land, indem die Wirtschaft nicht über Facharbeitermangel jammert, sondern Lehrstellen bereit stellt und Frauen nicht nur gleiche Arbeit aufbürdet, sondern auch gleichen Lohn und gleiche Aufstiegschancen bietet.

- 3. Applaus -

Ein Land, das seinen Wohlstand nicht nur in Aktienkursen bemisst, sondern vor allem mit der Qualität seines Sozialnetzes. Ein Land, wo nicht der Ellbogen, sondern das Herz der wichtigste Körperteil ist.

Genossinnen und Genossen!
Ein besseres Österreich, eine bessere Welt ist möglich. Weil wir das wissen, sind wir heute hier. Weil wir dafür kämpfen, das Österreich das Vertrauen das wir zurück erobern konnten. Laßt uns hinaus gehen und dieses Vertrauen jeden Tag rechtfertigen. Unser Land braucht uns.

Ein herzliches Freundschaft

- Applaus des Publikums -
 

Moderator:

Danke lieber Rudi Hundstorfer und Glück auf für Deine wahrlich nicht einfache Aufgabe der Restrukturierung des Österreichischen Gewerkschaftsbundes, als unverzichtbares Element der österreichischen Arbeiterbewegung.

Es spricht nunmehr die Vorsitzende der Wiener SPÖ-Frauen, unsere neue Vizebürgermeisterin und Stadträtin für Finanzen, Wirtschaftspolitik und städtische Unternehmungen,
Vizebürgermeisterin Magister Renate Brauner.