Wien


Foto: Gewerkschaftspräsident Rudolf Hundstorfer bei seiner Ansprache zum 1. Mai 2006 am Wiener Rathausplatz; li: MIchael Häupl - mi: Renate Brauner © R. M.

Ansprache von 
Rudolf Hundstorfer
(ÖGB-Präsident) am Tag der Arbeit, 1. Mai 2006 am Wiener Rathausplatz:

“Liebe Genossinnen und Genossen. Die Vergangenheit können wir nicht mehr verändern. Was wir aber tun können, ist die Zukunft gestalten. Wir können – die Vergangenheit ist für uns der BAWAG Skandal. Erwarten sie von mir hier nicht, dass ich irgendetwas schönrede. Die Fakten sind klar. Kriminell handelnde Manager, die viele, viele Jahre unkontrolliert arbeiten durften, falsche Solidarität von einigen wenigen ÖGB Funktionären, Blauäugigkeit – wenn ich das so bezeichnen darf – es haben sich auch einige der ÖGB Funktionäre sehr unwürdig benommen. Wenn sie und wir alle hier „angressn san“, satt san, ich bin es auch. Aber glauben sie mir: Wir räumen auf. Wir räumen auf ohne Rücksicht. Die Gerichte werden arbeiten.

   (Anm: Applaus des Publikums)

Dieser Skandal gehört schnell, ehrlich und auch ohne falsche Rücksichtnahme aufgearbeitet. Und wir werden nicht wehleidig sein. Weitere harte Konsequenzen werden nötig sein. Aber bitte, Kolleginnen und Kollegen, Genossinnen und Genossen, wenden wir uns ganz schnell wieder denen zu, die von uns eine Perspektive erwarten. Im Herbst wird nicht der Vorstand der BAWAG gewählt, im Herbst wird nicht das neue Kontrollstatut des ÖGBs gewählt, im Herbst wird gewählt für eine aktive Arbeitnehmerinnenpolitik in diesem Land, damit die 300.000 Arbeitslosen der Vergangenheit angehören.

   (Anm: Applaus des Publikums)

Dass wir heute so zahlreich hier stehen, dass so viele daran teilgenommen haben und teilnehmen, dass ist bereits die erste große Enttäuschung unserer gesellschaftspolitischen Feinde, der Feinde der Gewerkschaftsbewegung, diejenigen neoliberalen Kräfte in diesem Land, die meinen: „Was brauchen wir die da überhaupt?“. Und wir alle werden beweisen: Österreich braucht eine starke, stabile Gewerkschaftsbewegung. Und es wird auch kein Platz zwischen der sozialdemokratischen Fraktion im ÖGB und der SPÖ sein. Das war in der Vergangenheit nicht so und wird auch in Zukunft nicht sein.

   (Anm: Applaus des Publikums)

Wir lassen uns nicht auseinander dividieren.
Wir lassen uns nicht auseinander spielen.
Und das wird die nächste bittere Enttäuschung unserer Gegner sein. Und diejenigen, die jetzt meinen, na ja ein bisserl ist jetzt die Kampfkraft – weil es ja da vielleicht a bisserl Probleme gibt, glaubt uns:
Wir sind weiter kampf- und agitationsfähig. Wir werden das aber so einsetzen, wie in der Vergangenheit – mit Vernunft, mit Intelligenz und wenn es notwendig ist, dann sehr rasch.

   (Anm: Applaus des Publikums)

Und ich darf  Euch jetzt alle bitten: Gehen wir in die nächsten Monate mit Optimismus. Und ich weiß, dass viel Betriebsrätinnen und Betriebsräte, viele Personalvertreterinnen und Personalvertreter sehr schwierige Diskussionen haben. Aber ich kann alle nur einladen: Lassen wir nicht den Kopf hängen. Wir haben für dieses Land irrsinnig viel erreicht in der Vergangenheit. Und jetzt geht es darum, mit erhobenen Haupt: JA wir haben Fehler im ÖGB gemacht. Wir sind dabei sie auszuräumen und haben sie schon ausgeräumt. JA, die BAWAG Geschichte ist ein Skandal. Aber wir haben aufgräumt. Die anderen, die viel größeren himmelschreienden Skandale in dieses Land, die können wir aber nur abschaffen.

Liebe Genossinnen und Genossen!
Wenn wir gemeinsam solidarisch die Zeit nützen bis zur Wahl, wenn wir die Ärmel aufkrempeln, wenn wir den Besen in die Hand nehmen und wenn ma´s angeh´n. Der Herbst kommt, die Wahl kommt, die Zukunft kommt. Und wenn wir jetzt vorwärts schauen, statt rückwärts jammern, dann liegt diese Zukunft in unserer Hand.

Und zum Schluss:
Ein herzliches Glückauf in aller Freundschaft"

   (Anm: Applaus des Publikums)





Bilder: Gewerkschaftspräsident Rudolf Hundstorfer bei der 1. Maifeier 2006 in Wien;
© Robert Marschall

Moderator: „Danke, lieber Rudi Hundstorfer. Der anhaltende Applaus zeigt mir, …(?)… Die ganze sozialdemokratische Bewegung steht hinter dir. Eine Pflichtverletzung der Manager und mangelnde Kontrolle bis hin zur Finanzmarktaufsicht und das Finanzministerium werden die Gelassenheit und die Kampfkraft der Sozialdemokratie nicht schwächen.

Ich darf als nächsten Redner, die Frauenvorsitzende der SPÖ-Wien, Stadträtin Magistra Brauner bitten, zu uns zu sprechen“



Ansprache von Renate Brauner => Klick