Wien


Foto: Dr. Michael Häupl bei seiner Ansprache zum Tag der Arbeit (1. Mai 2006) am Wiener Rathausplatz; © Robert Marschall

Ansprache von
Dr. Michael Häupl
(SPÖ-Wien Parteivorsitzender)
am Tag der Arbeit, 1. Mai 2006 am Wiener Rathausplatz:

“Liebe Wienerinnen und Wiener, liebe Genossinnen und Genossen!
Zunächst einmal muss ich es einfach sagen – es muss einfach raus – ich bin so stolz auf euch, dass zu einem Zeitpunkt, wo viele nur darauf gewartet haben, dass die Wiener Sozialdemokratie eine Schwäche zeigt, heuer noch mehr gekommen sind, als im Vorjahr. Ich danke Euch.

   (Anm. Applaus des Publikums)

Über 120.000 Teilnehmer an den Wiener Maifeiern, ist die Antwort darauf, auf das hämische, schadenfreudige Grinsen in den Gesichtern mancher Reaktionäre.

   (Anm. Applaus des Publikums)

Liebe Genossinnen und Genossen!
Die Ereignisse rund um die BAWAG, die vor sechs Jahren passiert sind, kann ich nicht ungeschehen machen und niemand von uns will sie schönreden, obwohl der Wetterwechsel fast verführerisch dazu wäre. Sondern die neue Führung in der BAWAG mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die neue Führung im ÖGB als Eigentümer sind daran gegangen, mit einer fast herkulischen Anstrengung, diesen Sauhaufen, der hier passiert ist, zu beseitigen. Und dazu sage ich Euch, dass diese neue Führung, so wie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der BAWAG, unser Vertrauen verdient haben. Und lieber Rudi. Was immer wir dazu tun können, dass wollen wir auch beitragen, wenn Du meinst, dass es auch richtig ist in dieser Frage.

   (Anm. Applaus des Publikums)

Man braucht in der Geschichte nicht allzu weit zurück zu gehen. Man braucht gar nicht im Heimatland des ÖVP Generalsekretärs herumkramen, sondern man möchte sich nur wünschen, dass in einem anderen Bundesland, beispielsweise Kärnten, bei einem Bankenskandal genauso rasch, konsequent und kompromisslos vorgegangen wird.

   (Anm. Applaus des Publikums)

Aber was wir noch weniger schönreden könnten – wenn wir wollten – das ist der Skandal der letzten sechs Jahre. In diesen letzten sechs Jahren sind im Gegensatz zu dem, was Regierungsmitglieder gerade in den letzten Wochen immer wieder verkündet haben – nämlich es sei den Österreicherinnen und Österreichern noch nie so gut gegangen – das Gegenteil ist war. Oder korrekter Weise muss man sagen: Ja es gibt schon welche, die es nach diesen sechs Jahren besser geht. Man braucht sich ja nur manche Bilanzen, manche Einkommen von Wirtschaftsfunktionären höherer Kategorie anschauen. Aber den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, den Pensionistinnen und Pensionisten, den Schülern und Studenten, denen ist es in diesen sechs Jahren nicht besser gegangen, sondern ganz im Gegenteil. Wir haben Rekordarbeitslosigkeit in diesem Land, man hat Studiengebühren eingeführt und gleichzeitig das Bildungsangebot verschlechtert. Man hat die Pensionen gekürzt, man hat bei allem – selbst bei der Sicherheit – gespart. Man hat kein einziges Problem in der Frage der Finanzierung des Gesundheitswesens gelöst. Im Gegenteil. Wir befinden uns auf dem Weg, dass sich Spitzenmedizin in der Tat nur mehr Reiche leisten können. All das ist der Verdienst dieser Bundesregierung. Und daher sage ich Euch liebe Freunde, in diesem Herbst geht es nicht um die Frage von Bankenskandale, in diesem Herbst geht es um die Zukunft einer sozialen Gerechtigkeit, eines Wirtschaftswachstums, um eine faire Verteilung des erarbeiteten Gutes.

   (Anm. Applaus des Publikums)

Daher liebe Genossinnen und Genossen, haben wir die Pflicht, uns vor einem allfälligen da oder dort auftauchenden Selbstmitleid blitzartig zu befreien, die Auseinandersetzung aufzunehmen um die Zukunft, dieser unserer Heimatstadt Wien, aber natürlich auch unseres Heimatlandes Österreich. Der Kampf um eine soziale Gerechtigkeit in diesem Land, den Kampf um eine soziale Geschlossenheit unserer Gesellschaft und der wesentliche Teil unserer sozialen Verantwortung für dieses Land heißt die Schüssel-Regierung abzuwählen, liebe Freunde.

   (Anm. Applaus des Publikums)

Deshalb verspreche ich Dir lieber Alfred Gusenbauer, dass die Wiener Sozialdemokratie sich dieser Verantwortung ganz außerordentlich bewusst ist und daher einen Beitrag zu deinem Wahlsieg - zu Deiner Möglichkeit Österreich neu zu gestalten - beitragen wird, der dazu reichen wird, dass wir diese Verantwortung auch übernehmen können.

Es lebe der 1. Mai

Auf eine soziale, gerechte und fröhliche Zukunft unseres Landes.“

   (Anm. langer Applaus des Publikums)


Moderator:Wir danken Bürgermeister und Landeshauptmann Dr. Michael Häupl. … Auf dieser positiven Perspektive aufbauend, darf ich nun Dr. Alfred Gusenbauer bitten, dass Wort an uns zu richten“ => Klick.