Wien

Fred Sinowatz, "Kanzler wider Willen"

Foto: Bundeskanzler Fred Sinowatz 1986; © Bundeskanzleramt / BPD

Foto: Bundeskanzler
Fred Sinowatz 1986; © Bundeskanzleramt / BPD

SPÖ-Bundesparteivorsitzender 1983 - 1988
Bundeskanzler 1983 - 1986

Sinowatz wurde am 5. 2. 1929 in Neufeld an der Leitha im Burgenland geboren. Der Historiker begann Ende der Fünfziger Jahre seine politische Karriere in der SPÖ.

Von 1961 bis 1978 war er Landesparteisekretär der SPÖ Burgenland, und von 1961 bis 1966 Abgeordneter im Burgenländischen Landtag, dessen Präsident er zugleich von 1964 bis 1966 war. Von 1966 bis 1971 war er dann Landesrat für Kultur.

In den 70iger-Jahren schaffte er den Durchbruch in der Bundespolitik. Von 1971 bis 1983 war er nicht nur im Parlament aktiv, sondern auch Bundesminister für Unterricht und Kunst. In dieser Funktion setzte er eine Vielzahl an Reformen im Schulwesen durch.

Von 1981 bis 1983  war Sinowatz stellvertretender Bundesparteivorsitzender und somit gleichzeitig Vizekanzler hinter Kreisky.

Nachdem Bruno Kreisky nach 12 Jahren die absolute Mehrheit bei den Nationalratswahlen 1983 verloren hatte, folgte ihm Fred Sinowatz nach. Von 1983 bis 1988 war Sinowatz schliesslich Bundesparteivorsitzender der SPÖ.

Über seine Amtszeit als Bundeskanzler:
* 1983 bis 1986: Österreichischer Bundeskanzler in einer SPÖ-FPÖ Koalition
* 22. Dezember 1984: Fred Sinowatz verordnete Nachdenkpause für Hainburg und verhindert damit drohende Gewalthandlungen der Arbeiter / Gewerkschaft (ÖGB) gegen die protestierenden Studenten in der Au. Die Nachdenkpause dauert bis heute - wir schreiben das Jahr 2008 - an. Das Donaukraftwerk Hainburg wurde nicht gebaut
* Skandale in seiner Amtszeit: Wein-skandal, VÖST-Skandal, AKH Skandal, Lucona-skandal
* Resümee Sinowatz: "Es ist alles sehr kompliziert" und "Ohne die Partei bin ich nichts".
* Juni 1986: Rücktritt als Bundeskanzler am Tag der Angelobung von Kurt Waldheim als Bundespräsident

1988 trat Sinowatz von all seinen politischen Ämtern und Funktionen zurück. Unvergessen bleibt sein unfreiwillig komischer Ausspruch, das alles "so kompliziert" sei!

Sinowatz war wohl einer der unterschätztesten und unglücklichsten Politiker der zweiten Republik.

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Fred Sinowatz starb am 11. August 2008 an einer Krankheit.
Infos & Nachrufe => Begräbnis für Fred Sinowatz