|
Ex-ÖVP Gemeinderat von Wien und NEWS Herausgeber Alfred Worm ist tot: |  | 
|  Foto: Aufbahrung von Alfred Worm in der Aufbarungshalle 2 am Zentralfriedhof 14.2.2007; © Wien-konkret
|
Name: Alfred Worm Geboren: 14. Juni 1945 in Gmünd (NÖ) Todeszeitpunkt? 5. Feb. 2007 in der Nacht (61 Jahre) Todesort? zu Hause Todesursache? Herzinfarkt Begräbnis: 14.2.2007 - Valentinstag Grabstätte: Wiener Zentralfriedhof, Grab im Ehrenhain der Stadt Wien in der Gruppe 40 (links von der Karl-Borromäus Kirche) Höchstes politisches Amt: ÖVP Gemeinderat von Wien 1984 - 1988 Kinder: ?
Begräbnis-Wetter: Sonnig, windstill, warm (ca. 25 Grad Celsius) 

Versammeln der Trauergemeinde vor und in der KircheAb 12 Uhr versammelten sich die Trauergäste vor in der in der Kirche des Zentralfriedhofes. Es kamen neben den Angehörigen sehr viele Journalistenkollegen (unter anderen "Gruner+Jahr" Vorstand Torsten-Jörn Klein, "profil"-Herausgeber Christian Rainer, die "Österreich" Herausgeber Wolfgang und Helmut Fellner, "Kurier"-Chefredakteur Christoph Kotanko, ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz) und Politiker. 
 | 
|  | 
|  | 
|  Fotos: Die Trauergäste vor der Kirche; Altbürgermeister Helmut Zilk trägt sich ins Kondolenzbuch ein; Ex-Staatssekretär Franz Morak im Gespräch mit dem Ehepaar Lohner - Gürtler; © Wien-konkret
|
Überraschend war, dass wesentlich mehr SPÖ Politiker kamen, als ÖVP Politiker, obwohl Alfred Worm doch ÖVP Gemeinderat von Wien war. Unter Ihnen Altbürgermeister von Wien Helmut Zilk (SPÖ) und Alt-Vize-Bürgermeister von Wien Sepp Rieder (SPÖ), Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ), Frauenministerin Doris Bures (SPÖ), die Wiener Vize-bürgermeisterin Renate Brauner (SPÖ), Ex-Innenminister Karl Blecha (SPÖ). SPÖ Bundeskanzler Alfred Gusenbauer kam 15 Minuten zu spät und versäumte daher die Trauerrede des Bischofs und die Trauerrede von Altbürgermeister Helmut Zilk.
Von der ÖVP kamen der ehemalige Vize-Bürgermeister von Wien Erhard Busek und der ehemalige Staatssekretär Franz Morak.
Vom BZÖ kam Landeshauptmann Jörg Haider aus Kärnten angereist. Er wurde von Alfred Worm fast 30 Jahre bekämpft, brachte mit ihm allerdings im Jahr 2005 auch ein gemeinsames Buch heraus. (Jörg Haider starb eineinhalb Jahre später an einem Verkehrsunfall => Nachruf Jörg Haider)
Durch Abwesenheit glänzten: Vize-Kanzler und Bundesobmann der ÖVP Wilhelm Molterer (ÖVP), Wissenschaftsminister und Landesparteiobmann der ÖVP-Wien Johannes Hahn (ÖVP), Ex-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP), Bundespräsident Heinz Fischer (SPÖ), sowie Bürgermeister von Wien Michael Häupl (SPÖ). 
 | 
|  | 
|  | 
|  Fotos von den Trauergästen in der Aufbahrungshalle 2; Jörg Haider im Gespräch mit Dagmar Koller; die politische Prominenz; © Wien-konkret
|
Trauerrede Bischof Egon Kapellari |  | 
|  Foto: Bischof Egon Kapellari;
© Wien-konkret
|
Alfred Worm ist leise fortgegangen: über eine Grenze, die jedem von uns noch bevorsteht. Die ihm zugemessene Lebenszeit war - nach heutigen Maßstäben – kurz, aber er hat sie ungemein intensiv genützt und hat die Vielzahl seiner Begabungen in einem weiten Spektrum entfaltet. Er war kein Stiller im Land, und so gab und gibt es nun einen großen Chor von Stimmen, die ihn und sein Lebenswerk respektvoll würdigen, denn er war ein Mann von außergewöhnlichem Format. Sein Einsatz gegen Korruption lässt an Worte von Ingeborg Bachmann in ihrem Gedicht „Was wahr ist“ erinnern. Dort heißt es: „Was wahr ist, streut nicht Sand in deine Augen … Was wahr ist, rückt den Stein von deinem Grab … Was wahr ist, zieht der Erde einen Scheitel … (es) treibt, was wahr ist, Sprünge in die Wand.“
Alfred Worm war ein Journalist aus Leidenschaft. Er war aber nicht nur ein unbequemer Spurensucher, sondern auch ein Mann, der vielen Menschen sehr einfühlend geholfen hat und dessen Fähigkeit zu freundlicher Milde, zumal in der letzten Zeit seines Lebens, die von Krankheit überschattet war, immer deutlicher zu Tage trat. Eines seiner Lebenselixiere war die Musik, und zu den großen Themen, die ihn durch Jahrzehnte immer wieder befasst haben, zählte besonders die Religion. Seine Jesus-Biographie hat nicht in die Tiefe des Christusmysteriums geführt, und daher auch meinerseits Widerspruch gefunden. Die katholische Kirche begleitete Alfred Worm mit einer kritischen, aber im Ganzen respektvollen Aufmerksamkeit. Fasziniert war er vom Vatikan, wohin ich ihn noch im vergangenen Jahr begleiten konnte.
„Er ist nicht mehr“, sagt man oft über einen Verstorbenen. „Er ist bei Gott“, sagt dagegen lapidar der freilich oft tief angefochtene christliche Glaube. „Vita mutatur non tollitur“ – „das Leben wird im Tod nur gewandelt, nicht genommen“ – singt die Präfation der Totenmesse. „Es ist kein Honig, wenn man nicht an ein ewiges Leben glauben kann“, hat Simone de Beauvoir in ihrer Biographie „Der Lauf der Dinge“ gesagt. Alfred Worm hat sich aus dem Magnetfeld dieses Glaubens trotz aller kritischen Einreden nicht entfernt. Das vielstimmige Gedenken an ihn mündet für christlich Glaubende daher in das Gebet für ihn. Trauerrede Helmut Zilk: |  | 
|  Foto: Trauerrede von Altbürgermeister Helmut Zilk; © Wien-konkret
|
Zunächst erinnert Helumt Zilk daran, dass gestern das eingetreten ist, wofür Alfred Worm gekämpft hat (Er meinte damit offensichtlich die Heimholung von Helmut Elsner und seine Einlieferung in die Justizanstalt Wien). Worm war der erste Besucher bei mir am Krankenbett, als mir ein Bürger eine Bombe in die Hand gedrückt hat. Ebenso wie nach meiner Herzoperation ... So wie er aufdeckender Journalist war, so wie ich ein helfender Journalist war. ... Alfred Worm hat sein Leben gewidmet dem Austrocknen von Sümpfen. Da hat es einige gegeben ... Er hat nicht nur Kritik geübt, sondern er hat beim Aufbau geholfen. Er hat auch den Weg gewiesen für andere. ...
Liebe Trauergemeinde! Es ist ein trauriger Tag heute. ... In diesem Sinn gedenke ich seiner. Trauerrede von "News"-Generalgeschäftsführer Oliver Voigt: |  | 
|  Foto: Trauerrede von Oliver Voigt; © Wien-konkret
|
Sehr verehrte Frau Worm! Sehr geehrte Frau Mag. Birgit Worm! Sehr geehrter Herr Bischof! Sehr geehrter Herr Bundeskanzler! Sehr geehrter Herr Altbürgermeister! Sehr geehrter Herr Landeshauptmann! Sehr geehrte Ministerinnen! Verehrte Stadträte! Liebe Trauergemeinde!
Nun sind wir hier versammelt, ein letztes Mal gemeinsam mit Alfred Worm an diesem Ort beisammen. Wir haben der schönen Musik ergriffen gelauscht und wissen doch nicht, wie wir das unabdingbare begreifen, geschweige denn annehmen sollen. Für mich persönlich ist dies ein im doppelten Sinne ganz besonderer Tag, der Valentinstag, der Tag der Liebe. Wir haben strahlenden Sonnenschein und auf den Tag genau vor 5 Jahren habe ich meinen Papa beerdigt. Nun stehe ich hier und darf mich von unserem hochgeschätzten und viel zu früh verschiedenen Kollegen, Alfred Worm, in unser aller Namen verabschieden.
Erlaubt sei ein Blick zurück. Bereits im 1999er Jahr, fiel mir Alfred Worm persönlich auf. Denn der große Aufdecker, die "österreichische Watergate-Legende" hatte immer Zeit für ein nettes Wort. Wenn ich ab und an im 9. Stock der Galaxy, wo auch er sein Büro hatte, das Redaktionskonferenzzimmer mit irgendwelchen Verlagsagenden belegt habe, kam die "Legende" auf mich zu, interessiert und anerkennend, was wir Verlagsleute da alles taten.
Dieses Interesse an jungen Leuten, an anderen Themen, wenn auch deutlich unbedeutender als seine eigenen, machten einen Teil seiner Aura aus. Alfred Worm gab einem das gute Gefühl, dass das was man tat interessant und sinnvoll sei. Oft habe ich im vergangenen Jahr Alfred Worm mit vielen jüngeren Kolleginnen und Kollegen in der Redaktion beobachtet. Er gab allen genau dieses gute Gefühl und die Wertschätzung auch kleineren Sachverhalten gegenüber. Dass er praktisch nebenbei in seinem letzten Jahr noch einmal volle journalistische Fahrt aufnahm und eine Geschichte nach der anderen bzw. den entsprechenden Akt brachte, sei heute hier nur am Rande erwähnt. Denn während Alfred Worm Woche für Woche neue Ungeheuerlichkeiten aufdeckte, war seine unnachahmliche Freundschaft und Hilfsbereitschaft für alle, die mit ihm zu tun hatten spürbar und erlebbar. Die NEWS-Redaktion behält ihren Herausgeber deswegen immer in folgender Erinnerung: bescheiden, kollegial und hilfsbereit. Einfach ein ganz großer Mensch! Diesem großen Menschen möchten wir ein bleibendes Zeichen setzen und wollen in der Zukunft junge, unerschrockene Journalisten mit dem "Alfred Worm-Preis" für investigativen Journalismus auszeichnen.
"Ein Nachruf ist der hilflose Versuch einer ultimativen Schadensgutmachung." Dies schreibt Alfred Worm in seinem letzten Nachruf für seinen Freund Helmut Voska. Aus diesem Nachruf darf ich zitieren:
In diversen Nachrufen wurde seine bis heute unerreichte Interviewführung bereits gewürdigt, doch greift es viel zu kurz, Voskas historische Verdienste auf kritische Hinterfragungen zu beschränken. Helmut Voska war um vieles mehr als der beste Interviewer des Landes: Er war als blattmachender Chefredakteur die Klagemauer der Redaktion; er war der Felsen in der Brandung aufeinander prallender Meinungen und Emotionen; und er war die Initialzündung für zahllose Geschichten von historischer Dimension, die ohne seinen Anstoss nie in Druck gegangen wären. In diesem Sinn war Helmut Voska nicht nur Wegbegleiter, sondern auch journalistischer Beteiligter an österreichischer Zeitgeschichte. Und er prägte jenen kritischen Journalismus mit, der – fernab jeder boulevardesker Anmutung – den Dingen gnadenlos auf den Grund ging. Stories in den frühen profil-Jahren konnten Dutzende Seiten umfassen, allesamt getragen von mühevoll beschafften Dokumenten, deren Veröffentlichung nicht selten zu Serienbeschlagnahmen des profil – noch öfter freilich zum Rücktritt von Managern, Politikern und Günstlingen führten. An der Neudefinition des sogenannten „investigativen Journalismus” wirkte Helmut Voska in gnadenloser Unbestechlichkeit mit. All das Gesagte hat der bescheidene Alfred Worm über seinen Freund Helmut Voska geschrieben und sehr wohl gelten seine eigenen Worte doch auch so sehr für ihn selbst.
Die Verlagsgruppe NEWS verneigt sich vor Alfred Worm. Einem großen Journalisten, aufrechten Menschen und ausgesprochen kollegialen Kollegen, in tiefster Verbundenheit.
In der Parte von ihnen, liebe Frau Worm und Frau Mag. Worm, zitieren sie trefflich Konfuzius: "Leuchtende Tage – nicht weinen, dass sie vorüber, sondern lächeln, dass sie gewesen." Daran wollen wir uns heute, aber vor allem in der Zukunft erinnern. Natürlich ist Alfred Worm viel zu früh von uns gegangen und dies macht uns traurig und wütend. Ich darf ihnen zum Schluss ein Gedicht verlesen, welches von einem vielleicht 12-14 jährigem Mädchen kurz vor ihrem Ableben auf der Onkologie des AKHs geschrieben wurde. Ich hoffe, dass diese Zeilen ihnen, liebe Frau Worm, und uns allen, ein klein wenig Trost spenden.
Der Tod ist nicht, was er scheint. Ich bin nur in das Zimmer nebenan gegangen. Ich bin ich, ihr seid ihr, das, was ich für euch war, bin ich immer noch. Gebt mir den Namen, den ihr mir gegeben habt, gebraucht keine andere Redeweise. Seid nicht feierlich oder traurig. Lacht weiterhin über das, worüber wir gemeinsam gelacht haben, erinnert euch, tanzt, denkt an mich, damit mein Name im Hause ausgesprochen wird, ohne irgendeine Bedeutung, ohne Spur eines Schattens. Das Leben bedeutet das, was es immer war. Der Faden ist nicht durchgeschnitten. Warum soll ich nicht in euren Gedanken sein. Nur weil ich nicht in eurem Blickfeld bin? Ich bin nicht weit weg, ich bin nur auf der anderen Seite des Weges.
Adieu Alfred. Trauerrede vom NEWS Kulturchef Heinz Sichrovsky:...wer hätte die Ganoven am Ohr genommen, wenn er Kulturjournalist geworden wäre?...
Ein Opportunismus und Populismus war ihm undenkbar...
Es wird ein Teil unseres Lebens sein, ihm nie zu vergessen...
Trauerzug zum Grab:
 | 
|  | 
|  | 
|  Bilder: Der Trauerzug verläßt die Aufbarungshalle; © Wien-konkret
|

|  | 
|  | 
|  Bild links: Das Ehepaar Koller - Zilk, Oliver Voigt, Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, Jörg Haider; © Wien-konkret
|

|  | 
|  | 
|  Bild Mitte: Der Trauerwagen Bild rechts: vorbei an der Karl-Borromäus Kirche; © Wien-konkret
|
Einsegnung des Grabes:Bischof Kapellari beim Besprengen des Sarges: "Alfred, im Wasser und im Heiligen Geist wurdest du getauft. Der Herr vollende an Dir, was er in der Taufe begonnen hat." - und im Besprengen der mitfeiernden Angehörigen: "Durch die Taufe bleiben auch wir mit unserem Verstorbenen ewiglich verbunden, im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes - Amen!" 
 | 
|  | 
|  | 
|  Bilder: Der Sarg Alfred Worms erreicht das Grab und wird beim Hinablassen ein letztes Mal gesegnet;
© Wien-konkret
|
Erde Streuen und Rosen für Alfred WormDie geistlichen Worte machen das Ritual verständlich: "Dein Leib ist der Vergänglichkeit ausgesetzt; jetzt kehrt er zur Erde zurück. Der Herr aber wird dich auferwecken." Die Trauergemeinde streut dem Verstorbenen Erde nach, seine Journalisten-Kollegen schmeißen ihm auch eine gelbe Rose mit ins Grab. 
 | 
|  | 
|  | 
|  Bild links: Bundeskanzler Alfred Gusenbauer am Grab, dannach Helmut Zilk und Gattin,
Bild Mitte: Jörg Haider verabschiedet sich von Alfred Worm
Bild rechts: Oliver Voigt streut Alfred Worm Erde nach, links neben ihn Frauenministerin Bures und die Wiener Vize-Bürgermeisterin Brauner; © Wien-konkret
|


Lebenslauf: Die wichtigste Stationen in Alfred Worms Leben:1945: Alfred Worm wird am 14. Juni in Gmünd (NÖ) geboren 1964: Abschluss der HTL für Tiefbau; dann 10 Jahre in der Baubranche 1973: Alfred Worm deckt den Bauring-Skandal maßgeblich mit auf 1974: Beginn seiner journalistischen Laufbahn beim Magazin „profil“ 1980: Alfred Worm deckte den AKH Skandal maßgeblich mit auf 1980: Bundespräsident Rudolf Kirchschläger fordert bei der Welser Messe ein „Trockenlegen der Sümpfe und sauren Wiesen“. Alfred Worm ist einer der wenigen, die sich diese Aufforderung zum Lebensmotto machte und zum "Aufdecker" und „Anti-Korruptions-jäger“ wurde. 1981: Auszeichnung mit dem Dr. Karl Renner Publizistik Preis 1983 - 1988: Alfred Worm ist Wiener Gemeinderat (ÖVP) 1985: Worm wird Universitätslektor für Recherche an der Universität Wien 1985: Enthüllung des Noricum-Skandals 19xx: Worm enthüllt die Androsch-Affäre („Wahlonkel“); Angelegenheit über Jahre 1986: Alfred Worm enthüllt die Affäre Sinowatz betreffend Waldheims angeblicher Vergangenheit. Bundeskanzler Sinowatz verliert alle Prozesse 1994: Wechsel von profil zu NEWS 2006: Natascha Kampusch Geschichte, Enthüllungen zum BAWAG-Skandal 2007: 3 Tage vor seinem Tod wird Alfred Worm vom Branchenmagazin "Der Österreichische Journalist" als Journalist des Jahres 2006 geehrt. 
 |

Weitere Infos zu Alfred Worm:Ein Mal im Jahr wird seit dem Jahr 2008 zur Ehren von Alfred Worm der Alfred-Worm-Preis für investigativen Jounalismus vergeben. |