Wien


Foto: Leopold Gratz

Altbürgermeister Leopold Gratz verstorben

Von 5. Juli 1973 bis 10. September 1984 Bürgermeister der Stadt Wien - Am Donnerstag, 2. März 2006, in Wien verstorben.

Altbürgermeister Leopold Gratz ist Donnerstag Früh, 2. März, in der Krankenanstalt Rudolfstiftung nach längerer Krankheit gestorben. Gratz war von 5. Juli 1973 bis 10. September 1984 Bürgermeister und Landeshauptmann von Wien und hat die Entwicklung der Stadt in dieser Zeit - vom U-Bahn-Bau bis zum Bau der Donauinsel - wesentlich geprägt.
 
 

Abschied - Trauerfeierlichkeiten - Begräbnis:



Foto: Trauerfahne am Wiener Rathaus

 

Landeshauptmann und Bürgermeister a.D. Mag. Leopold Gratz, der am 2. März 2006 im 77. Lebensjahr gestorben ist, wird am 16. März 2006 in einem Ehrengrab der Stadt Wien auf dem Wiener Zentralfriedhof feierlich beigesetzt. Die Trauerfeierlichkeiten erstrecken sich über zwei Tage.
 



Foto: Säulengang zur Volkshalle des Wiener Rathauses


Am Mittwoch, 15. März 2006, bestand die Möglichkeit sich zwischen 9.30 und 18.00 Uhr in der Volkshalle des Wiener Rathauses vom Verstorbenen zu verabschieden und sich in die Kondolenzbücher einzutragen. Die ersten, die sich in die Kondolenzbücher eintrugen, waren Bürgermeister Michael Häupl, Vize-Bürgermeister Sepp Rieder und Landtagspräsident Johann Hatzl.

Die Ehrenwache beim Sarg wechselte sich ab, zu Anfang war es Vertreter der Rathauswache, am Abend waren jene der "Roten Falken". Alle Trauergäste erhielten ein Abschiedsbild mit den Worten "Was wir lieben, kann nicht sterben".






Fotos: Aufbahrung von Leopold Gratz in der Volkshalle des Wiener Rathauses


Am Donnerstag, 16. März 2006, besteht die Möglichkeit zur Verabschiedung und zum Eintrag ins Kondolenzbuch für die Öffentlichkeit zwischen 9.00 und 12.00 Uhr in der Friedhofskirche zum Hl. Karl Borromäus (Lueger-Kirche) auf dem Zentralfriedhof, Tor 2.






Fotos: Friedhofskirche zum Heiligen Karl Borromäus am Zentralfriedhof; Foto: Wien-konkret

 
Nach der Trauersitzung im Festsaal des Wiener Rathauses um 9.30 Uhr sowie nach der Trauersitzung im Parlament um 11.00 Uhr beginnt um 14.00 Uhr die Trauerfeier in der Friedhofskirche zum Hl. Karl Borromäus.






Fotos: Känze vom Bürgermeister von Wien - Michael Häupl, vom Bundeskanzler, vom Bundespräsidenten, vom Präsidium des Nationalrates, der SPÖ Wien und seinen Burgenländischen Freunden; Fotos: R.M.


Foto: Trauerrede von Fred Sinowatz in der Kirche

Der gebrechliche Ex-Bundeskanzler Fred Sinowatz hielt eine bewegende Trauerrede für seinen Freund, dem langjährigen Bürgermeister, Bundesminister, Präsidenten des Nationalrats und Ehrenvorsitzenden der SPÖ.

Fred Sinowatz: "Die Stunde des Abschieds von Leopold Gratz macht mich sehr betroffen, erfüllt mich mit großer Traurigkeit. Denn für mich ist es ein Abschied von einem Teil meines Lebens. Leopold Gratz ist ein treuer Freund gewesen, der auch in schweren Zeiten zu seinen Freunden gestanden ist. Er wird als Mensch in Erinnerung bleiben... Seine politischen Gegner sah er nicht als Feinde, sondern als Partner am anderen Ufer ..."

Anschließend spielte ein einzelner Cello-Spieler das "Ave-Maria". Es folgten die Worte des Pfarrers der Michaelakirche Wolfgang Worsch, der Leopold Gratz dankte, dass Gratz ihm immer ein Ohr für seine Anliegen schenkte. Pfarrer Worsch erwähnte weiters, das Leopold Gratz in der Michaelakirche bei ihm heiratete.


Unter den viele Trauergästen waren die Familie von Leopold Gratz, Nationalratspräsident Dr. Heinz Fischer, SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer, Alt-Bundeskanzler Dr. Franz Vranitzky, die Wiener Stadträte Mag. Renate Brauner - Mag. Ulli Sima - Werner Faymann - Dr. Johannes Hahn, die ehemaligen Wiener Stadträte Brigitte Ederer und Helmut Braun, AK-Präsident Herbert Tumpel, SPÖ Klubobmann Josef Cap, der Klubobmann der Wiener ÖVP Matthias Tschirf, Frau Margot Klestil-Löffler, Dagmar Koller und viele mehr...






Foto 1: Alfed Gusenbauer (mitte)..Foto 2: Fred Sinowatz (rechts sitzend)...Foto 3: ehem. Stadträte Ederer und Braun (links unten)

Es erfolgt die feierliche Beisetzung in einem Ehrengrab der Stadt Wien. Die Musikkapelle spielte zu Ehren Leopold Gratz "Das Lied der Arbeit". Der Sarg wurde in das Grab hinabgelassen.

Seine letzte Ruhestätte  liegt am Ende der Hauptallee des Zentralfriedhofes rechts vor dem Kreisverkehr (Gruppe 14C, Nr. 54B). Zufahrt über das Tor 2 des Zentralfriedhofes.
Öffentliche Verkehrsmittel: Straßenbahnlinie 71.






Fotos: Trauergäste nehmen Abschied am Grab; R.M.

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Bürgermeister Häupl zum Ableben von Altbürgermeister Gratz

Mit tiefer Bestürzung reagierte der Wiener Bürgermeister, Dr. Michael Häupl, auf das Ableben von Leopold Gratz. "Der Tod reißt einen engagierten Mitstreiter und lieben Freund aus unserer Mitte", drückte Häupl seine tiefe Trauer aus. "Viele gesellschaftliche und soziale Errungenschaften, die von so immenser Bedeutung für unsere Stadt und unser Land sind, wären ohne den Politiker Leopold Gratz nicht möglich gewesen. Der Aufstieg unserer Stadt zu einer weltoffenen Metropole und zur Stadt des Miteinanders ist zu einem großen Teil das Verdienst von Leopold Gratz", hob Häupl hervor.
 

Altbürgermeister Leopold Gratz - Lebenslauf

Leopold Gratz wurde am 4. November 1929 in Ottakring geboren. Nach dem Besuch des Realgymnasiums studierte er an der Universität Wien Rechtswissenschaften und schloss das Studium mit der dritten Staatsprüfung ab. 1952/53 war er als Vertragsbediensteter beim Landesarbeitsamt Wien tätig und arbeitete von Mai 1953 bis zum Dezember 1954 als Angestellter des Klubs der Sozialistischen Abgeordneten und Bundesräte, ab 1. Jänner 1955 als Parlamentsbediensteter.

1963 wurde Leopold Gratz Zentralsekretär der SPÖ. Ebenfalls 1963 wurde er in den Bundesrat entsandt, dem er bis 6. März 1966 angehörte.

Als Nachfolger Franz Olahs zum Bezirksparteiobmann von Wien-Hernals gewählt, zog Leopold Gratz am 30. März 1966 als Abgeordneter in den Nationalrat ein, dem er bis zum 15. Juni 1973 angehörte. Nach der Etablierung der Minderheitsregierung Kreisky I gehörte ihr Leopold Gratz ab dem 21. April 1970 bis zum 4. November 1971 als Bundesminister für Unterricht und Kunst an; in diese Zeit fallen vor allem eine Bundestheaterreform, die Sistierung der Aufnahmeprüfung an den Allgemeinbildenden Höheren Schulen und Ausweitungen der Schulversuche.

Von November 1971 bis Juni 1973 fungierte Leopold Gratz als Geschäftsführender Klubobmann des Klubs der Sozialistischen Abgeordneten und Bundesräte, bis er als Nachfolger des zurückgetretenen Felix Slavik zum neuen Wiener Bürgermeister gewählt wurde. Als solcher setzte er sich für eine Modernisierung der Stadtverwaltung ein und legte den Hauptakzent seines Regierungsprogramms auf die Sektoren "Gesundheit", "Verkehr" und "Wohnungswesen". Nach den Ereignissen um den Einsturz der Reichsbrücke am 1. August 1976 wurde das "Technische Sicherheitskontrollamt" geschaffen.

Zu den großen kommunalen Leistungen und Reformen während seiner Amtszeit zählen unter anderem die Neugestaltung des Donaubereiches, die Fertigstellung des U-Bahn-Grundnetzes, die Revitalisierung der Inneren Stadt mit der Schaffung der großen Fußgängerzonen, die Wende zur Stadterneuerung, der Ausbau der sozialen Dienste und des Bürgerdienstes, die Einleitung der Dezentralisierung sowie die Reform der Stadtverfassung.

In der Amtszeit von Bürgermeister Gratz waren auch so diffizile Probleme, wie der Neubau des Allgemeinen Krankenhauses und die Wiederverwertung beziehungsweise Aufbereitung der immer mehr ansteigenden Müllberge zu bewältigen.

Von September 1984 bis Juni 1986 war Leopold Gratz Bundesminister für Auswärtige Angelegenheiten im Kabinett Sinowatz.

Ab Dezember 1986 gehörte Leopold Gratz wieder dem Nationalrat an, zu dessen Ersten Präsidenten er wenig später gewählt wurde. Im Februar 1989 trat Gratz von allen politischen Funktionen zurück.

Vom Land Wien wurde Leopold Gratz 1979 mit dem "Großen Goldenen Ehrenzeichen mit dem Stern" ausgezeichnet. Im Juni 1995 wurde Leopold Gratz Ehrenbürger der Stadt Wien.



mehr Infos über den => Zentralfriedhof 

Quelle Text: Rathauskorrespondenz und R.M.
Quelle Fotos: Oberstes Foto ist von der Rathauskorrespondenz; alle übrigen von Robert Marschall