Wien

Johanna Dohnal: Nachruf und Begräbnis am 6. März 2010 in Wien

Johanna Dohnal bei der Amtsübergabe der Frauenministerin Bures an Silhavy am 2. Juli 2008

Johanna Dohnal

Name: Johanna Dohnal, unehelich geborene Johanna Dietz
Geboren: 14. Februar 1939 in Wien
Todeszeitpunkt: 20. Februar 2010
Todesort: Mittergrabern (NÖ)
Todesursache: Herzkrankheit
Kondolenzbuch eintragen: 11-14 Uhr in der Feuerhalle Zentalfriedhof

Aufbahrungszeit: 11-14 Uhr in der Aufbahrungshalle (Feuerhalle Zentalfriedhof), Begräbnis: 6. März 2010 am Wiener Zentralfriedhof, Simmeringer Hauptstrasse 337,
Grabstätte: Urnen-Ehrengrab
Höchste politischen Ämter: Unter Bundeskanzler Bruno Kreisky wurde sie SPÖ-Staatssekretärin für Frauenfragen. Von 1990 – 1995 war sie Bundesministerin für Frauenangelegenheiten.
Parteizugehörigkeit: SPÖ
Familienstand: zuerst war sie mit dem Chauffeur Franz verheiratet, dann geschieden, dann eingetragene Lebenspartnerschaft (Homo-Ehe).
Kinder: zwei Kinder: Sohn Robert verstarb im Januar 2008, Tochter Ingrid



Trauerfeierlichkeiten & Begräbsnis von Johanna Dohnal:

Bilder von den Trauerfeierlichkeiten für Johanna Dohnal (SPÖ) in Wien, 6.3.2010



Bilder von den Trauerfeierlichkeiten für Johanna Dohnal (SPÖ); © Wien-konkret

Um 14.00 Uhr beginnt die offizielle Trauerfeier für Johanna Dohnal.

Trauerreden werden halten:
* Annemarie Aufreiter (Dohnals Lebenspartnerin)
* Elisabeth Rosenmayr (ehemalige Pressesprecherin von Johanna Dohnal)
* Kammerschauspielerin Elisabeth Orth,
* Frauenministerin Hannelore Heinisch-Hosek (SPÖ),
* Vizebürgermeisterin von Wien, Renate Brauner (SPÖ),
* Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (SPÖ), 
* Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ).
    
Beisetzung
Johanna Dohnal hat sich eine Feuerbestattung gewünscht. Die Urne mit den sterblichen Überresten von Johanna Dohnal wird zu einem späteren Zeitpunkt im engsten Familienkreis - unter Ausschluß der Öffentlichkeit - in einem Ehrengrab der Stadt Wien auf dem Wiener Zentralfriedhof eingegraben. Das Ehrengrab von Johanna Dohnal wird sich neben der ehemaligen Wissenschaftsministerin Herta Firnberg sowie der Widerstandskämpferin Rosa Jochmann befinden. Der Weg dorthin: Beim Haupteingang des Zentralfriedhofes geradeaus Richtung Karl-Borromäus Kirche und zwar unmittelbar rechts davor bei den Präsidentengräbern.

Die musikalische Begleitung der Trauerfeier übernimmt das Saxophonquartett "Airplay". Es intoniert unter anderem "Das Lied der Arbeit", den "Glasscherbentanz" und das Lied "Die Arbeiterinnen von Wien".
 

Video: Trauerfeierlichkeiten von Johanna Dohnal 6. März 2010

Video:
Begräbnis Johanna Dohnal am 6.3.2010 in der Feuerhalle es Wiener Zentralfriedhofes

Video 195 MB;
© Wien-konkret


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Trauerrede von Annemarie Aufreiter (Dohnals Lebenspartnerin)

Trauerrede von Annemarie Aufreiter (Dohnals Lebenspartnerin)

Liebe Weggefährtinnen,
Liebe Freundinnen und Freunde!
Werte Trauergäste!

Im Namen von der Familie von Johanna Dohnal begrüße ich Sie und danke Ihnen für die Ehre, die Sie meiner Lebenspartnerin erweisen. Wir danken Ihnen für die Anteilnahme und dafür, dass Sie uns ein Stück des letzten Weges begleiten. Auch wenn wir heute in aller Öffentlichkeit von der Politikerin Johanna Dohnal Abschied nehmen, so möchte ich Ihnen doch sagen, für uns ist die Mutter, die Omi, die Lebensfrau gegangen. All die Liebe, die sie uns gegeben hat, all die Fürsorge, die sie für uns hatte, ist und bleibt in uns. Und in diesem Sinn bitte ich Sie im Nahmen der Familie im Anschluß an diese Feier, von Kondolenzen Abstand zu nehmen. Die Ehrenwache der Kinderfreunde und die Musik werden Sie nach draußen begleiten, um uns noch ein bißchen Ruhe zu gönnen.

Ich danke für Ihr Verständnis und ich danke, Elisabeth Rosenmayr – ehemalige Pressesprecherin von Johanna Dohnal, langjährige gemeinsame Freundin von uns beiden, engagierte autonome Feministin – dass sie sich bereit erklärt hat, für mich persönlich, für die Familie und für die Freundinnen nun als erstes das Wort zu ergreifen.

 

Trauerrede Elisabeth Rosenmayr (ehemalige Pressesprecherin von Johanna Dohnal)

Trauerrede Elisabeth Rosenmayr (ehemalige Pressesprecherin von Johanna Dohnal)

Wie Sie alle, möchte auch ich heute nicht hier sein müssen, aber weil es ist wie es ist, können wir alle heute nirgends anders sein. Liebe Annemarie, liebe Ingrid, liebe Johanna und Sebastian, lieber Peter und Peter. Sehr verehrte Mittrauernde.

Ich habe heute die große und sehr traurige Ehre, als eine der Freundinnen von Johanna Dohnal zu sprechen. Wie wir alle würde ich heute lieber mit Johanna reden, als über sie, aber das geht nicht mehr. Das Reden über Johanna wird also der Versuch sein, ihr in dieser gemeinsamen Erinnerung nahe zu kommen und sie durch diese Erinnerung hineinzuweben in unseren eigenen Alltag und in unsere eigene Lebens- (…?...) Vielleicht können wir Johanna noch einmal nahe kommen, wenn wir versuchen sie in ihrer ganz eigenen persönlichen Art, in Ihrer Eigenart zu verstehen. Deshalb möchte ich über zwei besondere Eigenschaften von Johanna sprechen, über ihre Attraktivität und über ihren „Trotzdem Mut“.
Johannas Attraktivität: Ich habe darüber nachgedacht, was das Geheimnis von Johannas großer Anziehungskraft war. Ich habe mich daran erinnert, wie sie mit uns geredet und diskutiert hat, wie sie mit uns gegessen und gelacht, wie sie mit uns getrunken, gesungen und getanzt hat. Wieso war Johanna Dohnal es so attraktiver Mensch? Johanna war ein liebevoller Mensch, nicht sentimental oder betulich, nicht jovial überheblich, dafür verlässlich und hingebungsvoll. Und Johanna war ein liebbarer Mensch. Sie hat anderen Menschen erlaubt, liebevoll zu sein. Johanna ließ sich lieben. Sie hat anderen Menschen die Möglichkeit gegeben, gut zu ihr zu sein. Und sie war sehr dankbar für diese Liebe. Johanna war nicht selbstgefällig. Sie hat sich nicht in der Bewunderung ihrer Gefolgschaft gesonnt, die aus der Entfernung verehrt und die letztlich fremd bleibt. Johanna ist wirklich in Kontakt getreten. Sie hat sich ungeschminkt anschauen lassen. Sie war berührbar und kränkbar. Sie hat sich oft gefreut und sie hat sich oft geärgert. Menschen sind ihr nahe gekommen und nahe gegangen. Johanna war nicht gerne alleine. Wie jemand die oder der kennt, die Angst kennt, die existenzielle Einsamkeit hervorrufen kann, hat sie die Gemeinschaft von Menschen gebraucht und gesucht und war damit im wahrsten Sinne des Wortes Mitmensch. Sie hat kein Hehl daraus gemacht, wie wichtig Nähe und fürsorgliches Zusammenleben, gemeinsames Nachdenken und Planen für sie war. Ein egozentrisches Lebensmotto „Jeder ist seines Glückes Schmied“, war ihr ein Graus. Das solidarische Engagement mit anderen und für andere Menschen war tief in ihrer Persönlichkeit, in ihrer Eigenart verankert.
Die zweite ihrer besonderen Eigenschaften nenne ich ihren „Trotzdem Mut“.
Der „Trotzdem Mut“ ist die Eigenschaft, Spannungen zu erleben und auszuhalten, in widersprüchlichen, spannungsreichen Situationen hineinzugehen und sie zu ertragen, oft ohne sie aufzulösen, weil sie nicht lösbar sind. Als Feministin war Johanna Parteifunktionärin und Regierungsmitglied. Als Parteifunktionärin und Regierungsmitglied hat sie sich mit den autonomen Frauen bewegt. Als Friedensaktivistin ist sie im Ministerrat gesessen und hat während des Golfkriegs gegen die Überflugsgenehmigungen gekämpft. Sie hat Diskriminierung erkannt und aufgedeckt und bürgerliche Konventionen abgelehnt. Und sie hat sich mit Annemarie verpartnert. …

Johanna hat politische Konflikte in der Arena nicht gescheut und sie hat sehr viele ins sich ausgetragen und ausgehalten. Was Johanna Dohnal kaum ausgehalten hat und doch ertragen mußte, weil sie nicht wegschauen und weghören konnte, waren politischer Kleinmut und Kleingeist, auch der politischer Kleinmut und Kleingeist der die österreichische Migrations- und Immigrationspolitik beherrscht, das ängstliche unentschiedene Herumreden auch in der SPÖ, auch in ihrer eigenen Partei, hat sie mehr als geärgert. …

Johanna hat uns verlassen und hat in uns Platz genommen, wo sie sich verbandelt und unsterblich wird. Wir laden sie ein in den Raum unserer Lebenszeit.

 

Trauerrede Renate Brauner (Vizebürgermeisterin von Wien )

Trauerrede Renate Brauner (Vizebürgermeisterin von Wien )

Liebe Annemarie, liebe Ingrid,
Liebe Freundinnen und Freunde,
Liebe Genossinnen und Genossen!

“Was gehen mich seine Knöpfe an?“ Der Titel von Johanna Dohnals von Susanne Feigl 2002 verfaßte Biografie, steht für Johannas frühes Infrage-stellen von Rollenstereotypen und scheinen uns heute fast schon selbstverständlich. Auch wenn wir wissen, dass traditionelle Rollen leider noch gar nicht überwunden sind zeigt uns dieser Satz aber auch wie viel sich im Geschlechterverhältnis verändert hat, dank Johanna Dohnals Kampf geändert hat. In welchem Ausmaß Johanna dieses Land, unsere Gesellschaft, das Alltagsleben von Frauen verändert hat, geprägt hat, wird uns vielleicht jetzt erst bewußt, wenn wir an diesem traurigen Tag auf Ihr großes Lebenswerk zurückblicken. Johanna hat unglaublich viel bewegt, initiiert, erkämpft, verändert. Und sie war, ist und wird immer eines bleiben: Vorbild für so viele Frauen.

Ich kann mich noch gut erinnern, welch unglaublichen Eindruck für mich als junge Studentin des VSSTÖ die damalige Wiener Frauensekretärin Johanna Dohnal gemacht hat. Eine aktive, kämpferische, innovative, unglaublich mutige Frau die uns junge sofort angesprochen hat, eingebunden hat, motiviert und vor allem gefördert hat. Die sogenannten Vormittagsseminare der Wiener SPÖ-Frauen, Seminare wie „Selbstbewußtsein kann man lernen“, habe die Arbeit der Wiener SPÖ-Frauen geprägt und sind fast genauso legendär, wie die späteren Initiativen der Frauenstaatssekretärin und Frauenministerin „Töchter können mehr“.

Dass viele Themen von damals heute genauso aktuell sind zeigt den Weitblick von Johanna, den sie immer bewiesen hat, aber auch wie zäh und lange dauernd dieser Kampf für wirkliche Gleichstellung in allen Lebensbereichen ist.

Es ist fast nicht vorstellbar und es fällt mir schwer auszusprechen: Johanna Dohnal ist nicht mehr. Aber es bleibt unendlich viel wofür sie gestanden ist: Frauenrechte, Selbstbestimmung, Friedensarbeit, Antirassismus, Gerechtigkeit und Solidarität. Und es bleibt vor allem der Auftrag an uns alle in diesem Sinne weiterzukämpfen und diesen Auftrag würde sie freundschaftlich, humorvoll, aber auch sehr bestimmt und präzise formulieren. Ihre Bedeutung für uns alle, der menschliche Verlust und unsere Trauer und Anteilnahme für ihre Familie ist nicht in Worte zu fassen. Ich möchte deswegen nur eines von Herzen sagen: Danke und Freundschaft Johanna.

 

Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ-Frauenministerin)

Trauerrede für Johanna Dohnal von Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ-Frauenministerin)

Liebe Annemarie, liebe Ingrid! Sebastian, Ingrid und Familie!
Geschätzte Trauergäste!

Eine wirklich Flut von Briefen, Zuschriften, Aufrufen, Anrufen hat uns SPÖ-Frauen und mich als Frauenministerin seit dem Tod von Johanna Dohnal erreicht. Es sind Worte der Anteilnahme, der Betroffenheit, der Trauer. Frauen und Männer schreiben: „Wir haben Johanna Dohnal so viel zu verdanken. Wir sind sprachlos. Wir wissen nicht, was wir sagen sollen. Wir sind unendlich traurig. Ohne Johanna Dohnal hätten wir uns vieles nicht getraut.“

Ja, sie hat uns ihr Leben lang Kraft und Mut gegeben, uns tief beeindruckt und angespornt. Sie ist für uns Frauen zum Leitstern geworden, einfach deshalb, weil sie Rückgrat, Beharrlichkeit, Ausdauer hatte, mit Begeisterung und Leidenschaft Politik machte und für alle Menschen ein offenes Herz hatte.

Ich war gerade Frauensprecherin geworden und habe sofort versucht mit Johanna ins Gespräch zu kommen und gesagt:
„Ich brauch eine Beratung von Dir. Wie mache ich da jetzt. Das ist eine neue Aufgabe für mich
und ich war damals zu Besuch in Grabern – Annemarie hat gekocht – und wir hatten ein gutes langes Gespräch darüber, wie ich´s anlegen könnte als Frauensprecherin.

Sie war eine Feministin, die für die Sache der Frau stets unbeirrbar eingetreten ist und dafür viele Schmähungen einstecken mußte. Aber ihre Lebensfreude und ihren Humor hat sie nie verloren. Über Ihre Anfangsjahre in der Politik sagte sie selbst: „Meine Parteikarriere habe ich genau genommen mit Kasperlspielen begonnen (Anmerkung Red.: also ähnlich wie Jörg Haider), denn da habe ich die eigenen Kinder mitnehmen können.“ Und über ihren Beginn als Frauenpolitikerin sagte sie: „Damals war ich noch brav und nicht feministisch.“ Aber ganz so war es nicht. Schon damals hat sich Johanna Dohnal gewehrt, nur Rote Nelken für den Maiaufmarsch zu basteln. Sie wollte politisch agieren, sie wollte diskutieren. Sie wollte die Frauenarbeit politisieren und nicht nur für Frauen sondern mit Frauen politische Forderungen umsetzen. …
Sie wußte, Frauen wird nichts geschenkt und sie wollte auch nichts geschenkt. Sie wollte, dass Frauen das bekommen, was ihnen zusteht. Und für diese Überzeugung, die bei ihr tief verankert war, nahm sie viele Kränkungen, Beschimpfungen und Häme in Kauf. …
Was sie für uns erreicht hat, bestimmt unser Leben heute. Wir entscheiden heute selbst über unseren Körper (Anmerkung Red.: Heinsich-Hosek spricht dmit die noch immer sehr umstrittene Abtreibungspolitik der SPÖ-Frauen an). …

Johanna, Du bist und bleibst unser Leitstern.

 


Die weiteren Trauereden von Barbara Prammer (... spricht unter anderem über die Rechts-rechten Kreise und der streitbaren Johanna, die die am meisten kritisierte Politikerin in Österreich gewesen sei ... ) und SPö-Bundeskanzler Werner Faymann (... in meinem Kalender steht am Freitag: Johanna Dohnal kommt zum Frühstück ... Johnna wurde von vielen angefeindet und sie wurde oft nicht verstanden ... Quotenregelung & Fristenlösung ... hat vieles nicht erreicht, vieles ist noch vor uns ... ist für die Sozialdemokratie ein riesiger Stolz ... müssen die Demokratie vor dem Demontieren schützen ... Die Vision des Feminismus ist nicht eine weibliche Zukunft. Es ist eine menschliche Zukunft ... ) sind im Video ebenfalls enthalten.
 
 

Lebenslauf:

Johanna Dohnal (71 Jahre), geboren am 14. Februar 1939 in Wien als Johanna Dietz; aufgewachsen bei der Großmutter; Schulbildung: Volks- und Hauptschule; Frauenpolitikerin der SPÖ; verstorben am 20. Februar 2010 in Mittergrabern (NÖ).

Sie war ein Aushängeschild der österreichischen Frauenpolitik und sie setzte sich gegen Frauendiskriminierung ein. Unter Bundeskanzler Bruno Kreisky wurde sie SPÖ-Staatssekretärin für Frauenfragen. Von 1990 – 1995 war sie Bundesministerin für Frauenangelegenheiten. Dann zog sie sich aus der Berufspolitik zurück. Zuletzt trat sie gegen die Anti-Abtreibungsdemonstration der Christen bzw. beim 30. Geburtstagsfest der Fleischmarkt-Abtreibungsklinik öffentlich auf. Johanna Dohnal war geschieden, Mutter zweier Kinder.
 
 

Bundespräsident Fischer zum Ableben von Johanna Dohnal:

In einer Stellungnahme würdigte Bundespräsident Dr. Heinz Fischer das Engagement und die Verdienste von Frauenministerin a.D. Johanna Dohnal. „Mit Johanna Dohnal ist völlig überraschend eine mutige Vorkämpferin für Frauenrechte und Gleichberechtigung verstorben, der sehr viele Frauen in Österreich - und damit das ganze Land -  viel verdanken“, sagte Bundespräsident Heinz Fischer zum Ableben der langjährigen Staatssekretärin und Frauenministerin.

„Manches, das heute in Bezug auf die Rolle der Frau in unserer Gesellschaft als selbstverständlich erscheint, musste in den vergangenen Jahrzehnten mühsam erkämpft werden. Johanna Dohnal hat diesen Kampf um frauenpolitische und sozialpolitische Ziele mit ihrer ganzen Kraft und Persönlichkeit sowie ohne Rücksicht auf die eigene Person geführt“, so Bundespräsident Fischer weiter.
 





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* 28.5.2010 Lunacek: "Dohnal-Witwe darf nicht für politische Versäumnisse von ÖVP und SPÖ büßen müssen"


Rein rechtlich mag die Verweigerung einer Witwenpension für die jahrzehntelange Lebensgefährtin von Johanna Dohnal für die Regierung in Ordnung sein, politisch wie menschlich ist sie ein grober Fehler und schwer diskriminierend", kritisiert die Grüne Europaabgeordnete Ulrike Lunacek die gestrige Ablehnung eines entsprechenden Antrags von Dohnal-Witwe Annemarie Aufreiter im Ministerrat.
Aufreiter war knapp 30 Jahre lang Partnerin der im Februar verstorbenen früheren Frauenministerin. Sofort nach der Einführung des Partnerschaftsgesetzes schlossen Dohnal und Aufreiter Anfang dieses Jahres eine eingetragene Partnerschaft. "Dass sich die Regierung bei ihrer Ablehnung einer Witwenpension auf die im Gesetz festgeschriebene dreijährige Wartefrist beruft, ist eine Verhöhnung, gibt es doch erst seit 2010 die Chance auf Verpartnerung. Wie kommt diese Frau jetzt dazu, für die jahrelangen politischen Versäumnisse der Regierungsparteien SPÖ und ÖVP büßen zu müssen?" fragt Lunacek, die sich als Vorsitzende der LGBT-Intergroup
im Europaparlament europaweit für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender-Personen einsetzt. In dieser Funktion mahnt Lunacek auch die Regierung, dass die EU-Grundrechtecharta seit 1. Dezember 2009 verbindlich ist: "Artikel 20, 21, 23 der EU-Grundrechtecharta schreiben den Gleichheitsgrundsatz und das Diskriminierungsverbot fest und sindeine verbindliche Handlungsanleitung - auch für die SPÖ-ÖVP-Koalition!" Bei weiterer Nicht-Berücksichtigung der EU-Grundrechtecharta durch den Bundesgesetzgeber wird eine Klage beim Europäischen Gerichtshof zu prüfen sein. Lunacek verlangt jetzt umgehend von Bundeskanzler, Vizekanzler und der gesamten Regierung, "ihre gestrige Entscheidung im Ministerrat rückgängig zu machen und der Witwe Aufreiter zu ihrem moralischen Recht zu verhelfen und die Pension zu gewähren, die ihr als Hinterbliebene von Johanna Dohnal zusteht! Genau so wie das bei Witwen von heterosexuellen Ministern selbstverständlich ist."
Rückfragehinweis:  Die Grünen  Tel.: +43-1 40110-6697
OTS0124    2010-08-25/11:32

Anmerkung Wien-konkret: Das Witwenpensionssystem dient zur Versorgung von jene Mütter, die sich um den Nachwuchs gekümmert haben. Damit wird ihr Verdienstausfall zumindest in der Pension ausgeglichen. Dadurch sind sie auch versorgt, wenn ihr Mann stirbt. Das trifft bei Frau Aufreiter offensichtlich nicht zu, wie bei vielen anderen Witwen auch, die sich nur "eingeheiratet" haben. Man darf sich nicht wundern, dass unser Pensionsystem schwer defizitär ist.



Johanna Dohnal verstorben

Ich kann nur den werten Trauerrednern beipflichten. Das war alles Johanna Dohnal und noch mehr. Ich und viele andere Frauen, deren Wege sich mit Johanna Dohnal gekreuzt haben, müssen und sollten stolz sein, solch eine tolle Frau, die sich so für die Frauen-Sache eingesetzt hatte, gekannt zu haben.
Leider gibt es Sie auf dieser Erde nicht mehr, aber Dohnals Gleichbereichtigungskampf und ihr Engagement für die Rechte aller Frauen wird in unseren Herzen bleiben.
Danke nochmals Johanna für all Deine Mühe!!! 

Margarete K.       E-mail 9. März 2010