Wien

Landesrat DI Uwe Scheuch (Ex-FPÖ) ist geschäftsführender BZÖ Landesparteiobmann von Kärnten. Weiters ist er derzeit BZÖ Klubobmann im Kärntner Landtag. Seit 23. Oktober 2008 ist er der erste Landeshauptmann-Stellvertreter von Kärnten.

 

Video: Trauerrede von Uwe Scheuch

für seinen "politischen Vater" Jörg Haider am 18.10.2008 am Neuen Markt in Klagenfurt
Video 45 MB ©Wien-konkret


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Trauerrede Uwe Scheuch im Wortlaut:

"Liebe Claudia!
Liebe Ulrike!
Liebe Cornelia!
Liebe Familie Haider!
Meine geschätzten Damen und Herren, Trauergemeinde, Kärntnerinnen und Kärntner!

Lieber Jörg!

Oft hast Du mich in den letzten Jahren vor schwierige Aufgaben gestellt. Immer war ich dort, wo Du wolltest. Heute stellst Du mich vor meine menschliche und auch politisch schwierigste Aufgabe. Und nicht nur mich. Tausende Freunde, Kameraden, Weggefährten, Deine Freunde.

Wir alle sind heute hier her gekommen, um von Dir Abschied zu nehmen. Trauer, Tränen, Kerzen, verzweifelte Menschen waren jene Bilder, die in den letzten Tagen Kärnten, Österreich, ja auf der ganzen Welt geblieben sind. Die Menschen haben geweint. Sie haben getrauert. Sie haben getrauert und tun das noch immer, um unseren Landeshauptmann, Dr. Jörg Haider.

Und meine geschätzten Damen und Herren!
Erlauben Sie mir einen persönlichen Vergleich, um Ihnen zu vermitteln, was für mich und vielen seiner Freunde, Weggefährten, für alle Kärntnerinnen und Kärntner unser Landeshauptmann bedeutet. Es war vor wenigen Tagen. Nach anstrengenden Wochen habe ich mit meiner Frau und meinen Kindern einen Wien-Tag geplant. Wir wollten Freunde treffen. Ich wollte natürlich auch etwas Arbeiten. Und wir wollten mit unseren Kindern in den Prater gehen. Es war Samstag, der 11. Oktober 2008. Es war halb vier Uhr in der Früh, als mich mein Bruder anrief und mir die – für mich heute noch nicht fassbare Mitteilung machte – „das der Jörg nimmer is´ “. Nach Minuten der Trauer und der Tränen haben wir unsere Kinder aufgeweckt, haben sie angezogen, sind ins Auto gegangen und nach Kärnten gefahren, unsere Heimat. Und nach einer gewissen Zeit hat mich mein Sohn – er ist 11 Jahre alt und unverdächtig, politisch motiviert zu sein – von hinten auf die Schulter gestoßen und gesagt: „Papa, warum fahren wir eigentlich nach Kärnten? Du hast mir versprochen, wir gehen in den Prater.“ Ich hab´ gesagt: „Uwe, der Landeshauptmann ist gestorben.“ Er hat mich angeschaut und gesagt: „Papa, das kann nicht sein. Unser Landeshauptmann kann nicht sterben.“

Meine geschätzten Damen und Herren!
Ich glaube, mein Sohn hat das richtige gesagt. Auch wenn wir heute hier trauern, auch wenn wir es nicht verstehen, unser Landeshauptmann kann nicht sterben, denn wir lieben ihn. Und wir lieben ihn deshalb, weil er uns geliebt hat, weil er Kärnten geliebt hat und weil er die Menschen geliebt hat. Es war ein Mann mit Visionen, Zielen, Emotionen. Es war ein Mann, dessen Leben davon geprägt war, uns zu begeistern, die Menschen zu begeistern.  …

Jörg Haider war niemanden egal. Niemand war Jörg Haider egal.
Wir alle, wir alle die wir heute hier zusammen gekommen sind und trauern, wir alle haben unsere Geschichte mit Jörg Haider. Jeder von uns hat eine Erfahrung, ein Gespräch, eine Diskussion, eine Auseinandersetzung, was auch immer, jeder, vom Bundespräsidenten abwärts bis zu den tausenden einfachen Menschen hier im Land - Arbeiter, Pensionisten, Hausfrauen – sie sind zu tausenden heute hier her gekommen und sie trauern zu hunderttausenden, weil sie diese Geschichte in ihrem Herzen haben.

Meine geschätzten Damen und Herren!
Liebe Kärntnerinnen und Kärntner!
Liebe Menschen quer durchs Land!

Tragen sie diese Geschichte im Herzen, vergessen Sie sie nie. Erzählen sie sie weiter. Erzählen Sie sie ihren Kindern, erzählen sie ihren Freunden von diesen Geschichten, von diesen Begebenheiten und tragen Sie damit auch mit uns gemeinsam dieses Erbe voran. …

Es ist an der Zeit Danke zu sagen, denn er hat dieses Kärnten gestaltet, hat es sozialer gemacht, er hat es moderner gemacht, er hat es offener gemacht. Kärnten ist gerechter geworden. Kärnten ist aber auch freundlicher geworden. Kärnten ist musikalischer geworden, traditioneller geworden. Ich möchte sagen, Kärnten ist schöner geworden und ein gutes Stück besser geworden. Und nun liegt es auch an uns, auch in dieser schweren Stunde, an uns allen, dieses Erbe, das er uns hinterlassen hat, es aufzunehmen, es anzunehmen und weiterzutragen …

Irgendwann, wenn wir dieses Erbe aufgenommen haben, irgendwann, wenn wir dieses Erbe unser Vater, unseres politischen Vaters, weiterentwickelt haben, werden wir alle gemeinsam, jeder der seinen Beitrag geleistet hat, irgend wann einmal ins Bärental fahren – wo er seine letzte Ruhestätte haben wird – und wir werden dort hingehen mit aufrichtigen Blick und werden sagen können: Jörg, wir haben Dein Erbe aufgenommen. Wir haben Deine Vision weiter getragen. Jörg, Du kannst stolz auf uns sein.“ Wenn uns das gelingt, dann glaube ich, war weder sein Leben, noch sein Tod, noch seine Mission umsonst. …

Sehr geehrter Herr Landeshauptmann!
Lieber Jörg!

Ich verspreche es Dir, heute, jetzt und hier, wir alle sollten es ihm ersprechen:
Jörg, wir passen auf Dein Kärnten auf. Jörg, pfiat Gott. Leb´wohl. Die Kärntner Erde Deines so heiß geliebten Bärentals sei Dir immer eine leichte
."


Die Trauerrede wurde von Uwe Scheuch am 18.10.2008 am "Neuen Platz" in Klagenfurt gehalten
 



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