Wien

Gerhard Dörfler (BZÖ), geb. 29.05.1955 in Deutsch-Griffen/Gurktal, war bis zum 23. Oktober 2008 Jörg Haiders Stellvertreter als Landeshauptmann in Kärnten. Am 23. Oktober 2008 wurde er als erster Landeshauptmann von Kärnten gewählt. Von 36 Abgeordneten stimmen 15 der 16 BZÖ Abgeordneten, alle 4 ÖVP Abgeordneten, der einzige FPÖ Abgeordnete für Dörfler, somit 20 von 36. Er wurde am 27. Oktober 2008 von Bundespräsident Fischer angelobt.

Kontakt:
Amt der Kärntner Landesregierung
Arnulfplatz 1, 9020 Klagenfurt
Tel.: ++43/050/536-22601  Fax: DW 22600   E-Mail: gerhard.doerfler@ktn.gv.at

 

Video: Trauerrede von LH Gerhard Dörfler

für seinen Vorgänger als Landes- hauptmann Jörg Haider am 18.10.2008 am Neuen Markt in Klagenfurt
Video 44 MB ©Wien-konkret


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Trauerrede Gerhard Dörfler im Wortlaut:

"Liebe Claudia!
Liebe Ulrike!
Liebe Cornelia!
Liebe Dorli – ich darf hier Du zu Dir sagen, seit diesem traurigen Tag
Liebe Uschi!
Liebe Familie!
Hohe Geistlichkeit!
Herr Bundespräsident!
Herr Bundeskanzler!
Große Trauerfamilie, die hier in Klagenfurt ist, vor den Fernsehern diese so traurige Begegnung und Verabschiedung miterleben muss!

Die Sonne ist in Kärnten vom Himmel gefallen. Die Uhren sind stehen geblieben. So ist es mir vor einer Woche in den Nachtsunden gegangen. Ich glaube, ich kann heute sagen und muss sagen, das war keine Übertreibung. Das war die Stimmung, die mich erfasst hat, die ein ganzes Land erfasst hat. Das Danke-sagen, das Trauern, das Nachdenken, die tausenden Fragen, abertausende Lichtermeere der Kerzen: Das war das gemeinsame Verarbeiten dieser Schockwirkung. Unsere Sonne, unser Jörg ist vom Himmel gefallen. Unsere Uhren sind stehen geblieben. Das hat man in Kärnten eine Woche lange gespürt und ich hoffe, dass dieses Innehalten, vielleicht auch die Entschleunigung – die wir alle öfter notwendig hätten – auch eine Aufgabe ist, die wir aus dieser Woche mitnehmen sollten.

Wer war der Mensch Jörg Haider? Wer war der Politiker Jörg Haider?
Eines steht für mich fest: „Es muss den Menschen gut gehen!“, das ist über all seinem Tun gestanden. Er hat eine neue Politik gemacht. Ich habe als junger Mensch einmal versucht, beim Portier der Landesregierung vorbei zu kommen. Es war nicht möglich vor einigen Jahrzehnten. Er hat dieses Haus seiner Kärntner Bevölkerung geöffnet. Heute kann jede Kärntnerin, jeder Kärntner in das Haus der Kärntner Landesregierung gehen, sagt beim Portier „Grüß Gott“ und kann in jedes Regierungsbüro kommen. Er hat dieses wichtigste politische Haus Kärnten für alle Menschen geöffnet. Das war seine Vision, dass kein es oben und kein unten, kein mehr und kein weniger gibt. Das hat er uns hinterlassen.

Ich würde auch sagen, Jörg Haider war nicht nur ein phantastischer Sportler, sonder er war auch ein politischer Sportsmann. Wie meine ich das? Über all sein tun ist immer Fairness gestanden. Rivalität ja – Feindschaft nein – Fairness ja. Wenn er auch viele Marathons bewältigt hat in New York oder Wien, wenn- wie wir heute gehört haben - was es für ihn bedeutet hat Berge zu erklimmen – auch Berge zu versetzen – dann wissen Sie, was ich meine mit diesem politischen Sportsmann. …

Was wollte Jörg Haider? Er wollte ein vitales Kärnten. Sie wissen – ich habe es einmal so gemeint (Anm. „gesagt“ ?) : "der Sommer in Österreich findet im Süden statt". Jörg Haider hat es verstanden, große Projekte, große Events nach Kärnten zu bringen. Das größte war sein größtes Anliegen, dass auch Kärnten bei der Fussball-Europameisterschaft dabei ist. Dafür hat er vom ersten Tag an mit aller Begeisterung gearbeitet du ich darf mich auch bei Harald Scheucher bedanken, dass es eine Gemeinsamkeit gegeben hat, dieses für das Selbstbewusstsein von Kärnten so wichtige Projekt zustande zu bringen. Ich darf noch an einen „Ironman“, an einem „Stanach“ in den Bergen, „Wenn die Musi spielt“ was er besonders geliebt hat, er hat damit dieses Land verjüngt. Er hat es lustiger, spannender, offener – eben sommerlicher gemacht.

Jörg Haider wollte immer auch ein modernes Österreich. Sein Lebenswerk ist wohl die Koralmbahn. … Es ist für mich das größte Lebenswerk, das Jörg Haider hinterlassen hat, denn es ist die größte Bahninvestition der zweiten Republik …

Das soziale Kärnten: Es muss den Menschen besser gehen. Jörg Haider war davon beseelt, dass es allen Menschen gut geht, das es einen Optimismus gibt, das nicht irgendwelche Organisationen zu entscheiden haben, wer Hilfe braucht, sondern Jörg hat am liebsten selbst mit Menschen Kontakt gehabt und gespürt, wo man Hilfe braucht. Das Kinderbetreuungsgeld, der bekannte Kinderscheck – ein Projekt Jörg Haiders, das heute in Österreich nicht mehr weg zu denken ist, das Schulstartgeld, Lehre mit Matura. Unser Landeshauptmann hat gelitten, wenn ein Junger keine Bildungschance hatte, wenn er für eine Lehre mit Matura Geld ausgeben soll, wenn er keinen Lehrplatz hatte, wenn er einfach keinen Optimismus hatte. Das ist etwas, was mich auch mit Jörg Haider sehr verbunden hat, wir sind beide in guten, aber armen Verhältnissen aufgewachsen und das ist auch eine gute Schule und auch in diesen Zeiten wichtig, wo manch Überfluss zu hinterfragen ist. … Jörg Haider hat ganz besonders auf ältere Menschen immer eine Herzlichkeit, ein Auge geworfen. Das Müttergeld: Das war eine Begegnung einer Frau die ihn in Österreich in Kärnten ihn erzählt hat, das es ein Sozialsystem gibt, das eine Mutter, die viele Kinder groß gezogen hat, die ihr ganzes Leben gearbeitet hat, nicht einmal eine Pension in Österreich hat. Jörg Haider hat sofort erkannt, wie wichtig das ist und hat sofort auch verstanden ein Projekt zu entwickeln, um auch diesen Menschen Danke zu sagen. Er war ein großer Beschützer der Menschen.

Er hat die gesetzliche Sicherstellung der mehrsprachigen Kindergärten sichergestellt. …

Ein guter Freund ist der größte Reichtum.

Jörg,
ich bedanke mich besonders für Deine Freundschaft, die Du ja auch vielen Menschen geschenkt hast. Wenn Jörg Haider einem die Hand gegeben hat, dann war das eine Lebensbeziehung, egal mit wem auch immer.

Jörg, ich danke für das Land Kärnten. Du wirst immer da sein.
Deine Spuren sind ewig.
Lebe wohl.
"


Diese Trauerrede wurde von Gerhard Dörfler am 18.10.2008 am "Neuen Platz" in Klagenfurt gehalten
 



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