Wien

Dieter Böhmdorfer war ein langjähriger beruflicher Weggefährte von Jörg Haider. Als langjähriger Rechtsanwalt des ehemaligen FPÖ-Obmannes Jörg Haider führte er zahlreiche Prozesse gegen seine Wiedersacher. Im Jahr 2000 wurde Dieter Böhmdorfer, der zwar kein Parteimitglied war, als Nachfolger Michael Krügers zum Justizminister angelobt.

 

Video: Trauerrede von Dieter Böhmdorfer

für seinen Freund und Mandaten Jörg Haider am 18.10.2008 am Neuen Markt in Klagenfurt
Video 25 MB ©Wien-konkret


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Trauerrede Dieter Böhmdorfer im Wortlaut:

„Sehr geehrter Herr Bundespräsident!
Hohe Geistlichkeit!
Sehr geehrte Vertreter des öffentlichen Lebens!
Liebe Familie Haider!
Verehrte Trauergemeinde!

Es geht eine Welle der Trauer und Anteilnahme durch das Land, die Österreich meines Wissens bisher in dieser Form und in dieser Intensität nicht gekannt hat. Die trauernden Bürger nehmen zwei bis drei Stunden Wartezeit in Kauf, um zu den Kondulenzbüchern vordringen zu können. Die Trauer ist berührend, sie kommt vom Herzen und sie ist echt und ehrlich. Und was mich zusätzlich ergriffen gemacht hat heute, ist das Erlebnis des Betretens dieses Platzes, das auch diejenigen, die Österreich öffentlich repräsentieren und pflichtgemäß zu solchen Begräbnissen kommen, eine echte Menschlichkeit berührt hat und wirklich diese Trauer teilen. Das ist unverkennbar und das ist ein später Dank an Jörg Haider, den - ich glaube wir alle - , in dieser großen Form nicht erwartet haben.

Jörg Haider hat die Menschen verstanden. Er hat ihre Probleme erkannt und er hat Lösungen angeboten. Das alleine macht es aus, dass wir vor einer außerordentlichen Persönlichkeit sprechen können, eben jene außergewöhnliche Persönlichkeit, die ich bereits im Jahre 1969 - als er das Studium in Wien begann - kennen lernte und als er sich bereits als Multitalent auf mehreren Ebenen entpuppte: im Sport, im Studium, in der Rhetorik. Immer und alles was Jörg Haider anpackte war großartig, war von Ehrgeiz geprägt und war in bester Form erledigt. Nach einem Blitzstudium bekam er von dem Universitätsprofessor Dr. Winkler – heute im Kreise der Familie – das Angebot einer Assistentenstelle. Winkler – selbst damals 26-jähriger Dozent – wusste, wo die Talente sind und hat viele österreichische Verfassungsrechtler in der Folge ausgebildet.  Schon damals machte Jörg Haider anerkannte wissenschaftliche Arbeiten, so zum Beispiel über die sozialen Grundrechte, etwas, was ihm manche heute noch nicht zutrauen.

1976 begründete er seine Familie, heiratete Claudia seine Frau, die ihm immer das Fundament war für seine politische Tätigkeit, die ihn mit einer Liebe betreute, die man anderswo nicht feststellen konnte: Ulrike und Cornelia wurden geboren. Claudia und die Töchter haben immer und in jeder Situation und auch wenn der Gegenwind noch so stark war und auch in den letzten Tagen fest zu ihrem Mann und Vater gestanden. Damals hat man auch die Entscheidung getroffen nicht ein Stipendium nach Fulbright anzunehmen, sondern Jörg Haider wollte sich in die Politik begeben. Er begann als Landesparteisekretär der FPÖ wurde sehr schnell Nationalrat im Alter von weniger als 30 Jahren, war Landesrat, übernahm die Bundesparteiobmannschaft 1986, wurde Landeshauptmann, Sie kennen seinen Lebensweg. Was man aber manchmal vergisst ist folgendes: Er schuf dies alles aus eigener Kraft. Er hatte keine großartige Parteiorganisation. Seine Fähigkeit andere zu begeistern war es, die alle diese Erfolge ermöglichte. Und er wurde in der Folge auch zu einem bestimmenden Faktor der österreichischen Politik. Und einer der hier Anwesenden hat mir vor einer halben Stunde gesagt: Er wird uns über all dies hinaus, was man ihm heute an Anerkennung nachbringt auch zusätzlich fehlen, weil er in der österreichischen Innenpolitik nicht nur ein Faktor war, sondern auch ein Mahner und Katalysator, einer der wusste, was gesagt werden muss und es auch so sagte, wie es die Leute verstanden.

Der Mittelpunkt seines Lebens war immer die Familie. Und denken Sie bitte einige Sekunden besonders an diese Familie, was sie insbesondere in der letzten Woche mitgemacht haben, als es für Jörg Haider und seine Familie nicht eine Sekunde Stillstand des medialen Interesses gab und überlegen Sie auch, wie dieses Interesse gehandhabt wurde. Denken Sie an die 90-jährigen Mutter, die noch gestern zu Herrn Professor Winkler gesagt hat: Er hat mich nie enttäuscht. Denken Sie an seine Schwester Uschi, die ihm in die Politik gefolgt ist und die genau weiß, was es bedeutet, dass solche Angriffe gegen ihn und seine Familie geführt werden, wie sie und warum sie entstehen. Denken Sie an seine Frau Claudia und seine Töchter Ulrike und Cornelia, denn diese haben ihn immer verstanden, haben immer zu ihm gehalten und diese waren und sind immer stolz auf ihm. Die Familie – mit der ich gestern noch gesprochen habe – hat mir versichert, er war immer in den wesentlichen Zeitpunkten, als man ihn benötigt hatte da. Er stand immer zur Verfügung. Er war ein treusorgender Familienvater. Am 11.10 war er auf einmal nicht mehr da.

Ruhe in Frieden lieber Jörg Haider."


Die Trauerrede wurde von Dieter Böhmdorfer am 18.10.2008 am "Neuen Platz" in Klagenfurt gehalten
 



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