Wien

Rede von Matthias Wölfle am 26.4.2008: EU-Vertrag & Volksabstimmung

Wer: Matthias Wölfle ist freier Journalist und Fotograf
Was: Rede zum Thema, Demokratie und Medien (Fernsehen & Zeitungen)
Wann: 26. April 2008,
Wo: 1010 Wien Ballhausplatz, vor dem Bundeskanzleramt



Rede Matthias Wölfle am 26.4.2008: EU-Vertrag & Volksabstimmung

Foto: Matthias Wölfle bei seiner Rede am Ballhausplatz Wien 1. Bezirk am 26.4.2008; © Wien-konkret

Foto: Matthias Wölfle bei seiner Rede am 26.4.2008;
© Wien-konkret

Meine sehr verehrten Damen und Herren!

Ich begrüße Sie auf das Herzlichste. Ich danke Ihnen, dass Sie sich hierher bewegt haben. Die Bewegung ist eine der wichtigsten Dinge in unserem Leben, viele vergessen es. Ich werde Ihnen gleich einige Aspekte dazu sagen.

Ich stehe hier als Journalist im Sinne eines demokratischen Diskurses, in Gedanken an die Zukunft meiner beiden Kinder."

Publikum: Applaus

Matthias Wölfle: "Ich darf nicht nur hier sein, es ist meine Pflicht."

Publikum: Bravo-Rufe & Applaus

Matthias Wölfle: "Meine Damen und Herren!
Ich möchte mich kurz fassen. Ich komme gleich in medias res.
Eine der wichtigsten Fragen,  die im Journalismus verwendet wird, ist „cui bono“ – wem dient es? Sie sind herzlich eingeladen, darüber zu reflektieren und diese Frage in Zukunft auch für sich zu verwenden, wenn Sie einmal eine Nachricht bekommen, die Sie nicht sofort verstehen oder zuordnen können: WEM DIENT ES ?

Ich habe nicht die Gelegenheit und auch nicht die Absicht, hier zu weit in die Tiefe zu gehen. Ich sagen Ihnen nur in Bezug auf die öffentlichen Medien – teilweise herausgefiltert den ORF – einige Dinge, die Sie sicherlich wissen sollten.

Die meisten von Ihnen waren zum Glück noch nicht in der schicksalhaften Zwangslage, mit anzusehen, wie ein Mensch stirbt durch ein Gewaltverbrechen. Manche von Ihnen – vielleicht des reiferen Semesters – waren beim 2. Weltkrieg dabei. Aber ich weiß, nahezu 100 Prozent von Ihnen hat noch nie in der Natur ein Gewaltverbrechen gesehen. Wenn ich jetzt schaue auf einen Spruch, den Sie kennen, von Berthold Brecht gemeinsam mit Carl Sandburg, einem amerikanischen Poeten: „Stell Dir vor es ist Krieg, und keiner geht hin, dann kommt der Krieg zu Euch“

Über 90% von Ihnen hat einen Fernseher und verwendet ihn auch täglich. Wenn Sie undifferenziert den Zapper in die Hand nehmen und die ganzen Kanäle durchgehen, sie werden es nicht schaffen, auch nur eine Stunde zu verhindern, dass auf ihrem Bildschirm ein Gewaltverbrechen gezeigt wird, und das in ihrem Wohnzimmer! Meine Damen und Herren, bedenken Sie das: Der Krieg kommt zu uns ins Wohnzimmer. Ich möchte nicht sagen, dass es schlecht ist fernzusehen. Vielleicht ist es aber gut, so etwas zu wissen."

Publikum: Bravo-Rufe und Applaus

Matthias Wölfle: "Ich komme nachher noch zu Alternativvorschlägen, denen Sie gerne näher treten können, wenn es für Sie passt. Ich persönlich vermisse sehr viele Informationen im ORF."

Publikum: Wir auch Rufe + Applaus

Matthias Wölfle: "Ich merke, Sie auch."

Publikum: Applaus

Matthias Wölfle: "Einer der größten Irrtümer, meine Damen und Herren, die auch vom ORF und anderen Medien nicht ausgeräumt werden, ist der Aspekt des Staates. Es heißt immer: „Der Staat hat entschieden“. Meine Damen und Herren, das ist ein Irrtum, eine Unrichtigkeit. Der Staat sind wir, das Volk."

Publikum: Bravo-Rufe & Applaus

Matthias Wölfle: "Und entschieden hat die Staatsführung. Das ist etwas ganz anderes. Das hängt aber auch zusammen mit der Struktur in der wir leben und - die Selbstkritik sei erlaubt – mit einer gewissen Schwäche des Systems, das auch von uns ausgeht. Wir leben in einer repräsentativen Demokratie – offiziell zumindest. Es ist allerdings keine, ich werde Ihnen auch gleich sagen warum. Und diese Zusammenhänge, die uns die Kraft geben würden, neue alternative Modelle hervorzubringen, die uns und unserer Zukunft und unseren Nachfahren dienen, diese Informationen werden uns nicht gegeben. Und ich glaube, da ist eine gewisse Absicht dahinter."

Publikum: Applaus

Matthias Wölfle: "Ich komme auch nur auf einen einzigen, einen offensichtlichen Grund zu sprechen, den Sie auch kennen. Es handelt sich hierbei um die Presseförderung. Es gibt ja eine allgemeine, die Sie kennen, und eine besondere, die sie sicher nicht kennen. Und es gibt den Spruch: „Beiße nicht die Hand, die Dich füttert.“ Sie können sich also vorstellen, womit Sie abgefüttert werden."

Publikum: kurzer Applaus

Matthias Wölfle: "Wer von Ihnen sich dafür interessieren mag, welche Staatsform wir nun tatsächlich haben, ist eingeladen einmal nachzuschauen, in einem sehr guten Buch des deutschen Universitätsprofessors Dr. Johannes Heinrich von der Humboldt Universität. Das Buch heißt: Revolution der Demokratie

Und darin, und das lehrt er auch auf der Universität, wird genau beschrieben, warum bei einem Mehrparteienstaat eine Demokratie nicht möglich ist. Wir haben automatisch eine Oligarchie. Die Kraft geht von einer kleinen Clique aus. Und ich glaube, das können wir auch sehr gut nachvollziehen."

Publikum: Applaus

Matthias Wölfle: "Und ich darf in diesem Zusammenhang nur zwei Sätze zitieren, alleine nur aus dem Vorwort dieses Buches: „In einem Mehrparteienstaat ist eine Demokratie nicht möglich. Das Parlament kann seine Aufgabe nicht erfüllen. Vorherrschend sind nämlich Parteigehorsam, nicht aber die Erkenntnis des Wahren und Richtigen.“

Das vielleicht sollten Sie auch wissen, denn viele oder nahezu alle Medien sagen Ihnen das nicht." 

Publikum: Applaus

Matthias Wölfle: "Was mich persönlich sehr überrascht ist eine gewisse Zwiespältigkeit im Denken der öffentlichen Medien. Und ich sage Ihnen eine Sensation im positiven Sinne: Am Donnerstag dem 6.11.2007 –vergangenes Jahr, hat der ORF 1 um 22:25 eine Dokumentation gebracht der US Amerikanerin Sofia Smallstorm mit dem Titel: 9/11 mysteries : Die Zerstörung des World Trade Centers. Und in dieser – ich denke ca 75 Minuten war die lang – Dokumentation wurde genau gezeigt, wie die drei Türme des World Trade Centers mit Thermit gesprengt worden sind im Auftrag von Politikern in Washington. Und sogar das Sprengunternehmen „Controlled Demolition“ wurde interviewt. Auch das hat der ORF gesendet, ohne in weiterer Folge irgendetwas an seiner politischen Berichterstattung zu ändern. Können Sie das verstehen? Ich nicht."

Im Publikum: Na, i a net; Pfui-Rufe

Matthias Wölfle: "Meine Damen und Herren! Es liegt an uns die Dinge zu verändern. Es ist nicht möglich, dass wir das, was wir brauchen oder wünschen einfach nur einfordern. Wir müssen die Dinge verändern und dann verändern sie sich auch im Außen. Es muss mit einem Irrtum als aller erstes aufgeräumt werden. Wir glauben, dass die Medien, die öffentlichen Medien, die Zeitungen und das Fernsehen uns berichten, wie die Welt ausschaut. Das ist der erste und größte Irrtum. Es ist tatsächlich so, dass die Welt so ausschaut wie sie ist, weil es die öffentlichen Medien jeden Tag behaupten."

Publikum: Pfui-Rufe & Applaus

Matthias Wölfle: "In diesem gesamten Entertainment, in das wir über die Jahrzehnte der immer leichter werdenden Unterhaltung hinein getrieben worden sind, haben wir auch unsere menschlichen Qualitäten an entsprechender Stelle abgebaut. Ich weiß, das ist ein Vorwurf, dem ich mich aber genauso selbst stelle. Es gilt für uns, dass wir uns vorstellen, was wir uns wünschen. Wir brauchen wieder unsere Ideale. Wir brauchen wieder unsere Phantasie. Wir brauchen wieder unsere eigenen Wunschvorstellungen und wir brauchen wieder die Vorstellung der Zukunft, die wir brauchen, die wir wünschen, die für uns angenehm ist, die für uns opportun ist.

Das, meine Damen und Herren, werden sie nicht aus den öffentlichen Medien erfahren. Und je eher Sie abdrehen, den Fernseher, desto leichter wird Ihnen das auch gelingen. Denn wie stellen Sie sich etwas Schönes vor, wenn vor Ihren Augen ein Fernseher gerade Mord und Totschlag zeigt?

Publikum: Bravo-Rufe & Applaus

Matthias Wölfle: "Und zum Abschluss noch ein Hinweis: Ich persönlich werde auch von Kollegen immer wieder gefragt – übrigens von Kollegen, von denen ich einen Satz noch anfügen darf: Die sagen – und ich schließe mich dieser Meinung auch an – das undifferenzierte Anschauen von Nachrichten entspricht dem sich Wälzen auf einer mit Kuhmist frisch wieder gedüngten Wiese. Was halten Sie davon?"

Publikum: Applaus

Matthias Wölfle: "Und nun als Gedankenanregung ein Hinweis für Sie, wie man an Informationen herankommen kann. Ich persönlich mache das seit Jahren so. Ich habe keinen Fernseher mehr in Verwendung."

Publikum: Bravo-Rufe & Applaus

Matthias Wölfle: "Es gibt sehr viele online-Nachrichten Dienste. Und in diesem Fall kommen drei wichtige Faktoren zur Geltung: Ich informiere mich zu dem Zeitpunkt, wo es mir passt, nicht um halb acht, weil gerade Zeit im Bild wäre. Der zweite Punkt ist das: Ich kann bestimmen, worüber ich mich informiere, denn in der Überschrift sehe ich schon, worum es sich handelt und ich kann dann herausfiltern. Wenn ich mit einer Fernsehsendung berieselt werde, ist das nicht möglich, weil ich müsste jedes Mal vom Fernseher weggehen. Und das dritte – und das ist das Ausschlaggebenste – ich kann Fragen stellen. Wenn Sie nur Nachrichten sehen im Fernsehen, können Sie nie nachher Fragen stellen. Da werden Sie immer nur berieselt. Wenn Sie aber eine Frage haben, zum Beispiel bei online-Diensten – dann unterbrechen Sie den Informationsfluss und machen Querrecherchen. Sie schauen einfach nach, was bedeutet dieses, was bedeutet jenes, was schreiben andere Zeitungen dazu.

Meine sehr verehrten Damen und Herren!
Nochmals herzlichen Dank für Ihr Kommen. Bleiben Sie am Drücker und glauben Sie das, was Sie sich vorstellen, was Sie brauchen und was Sie sich wünschen, unabhängig davon, was irgendwelche Medien erzählen.

Danke"

Publikum: Bravo-Rufe & großer Applaus

 

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