Wien

1978: Die AKW-Zwentendorf-Volksabstimmung / 50,5% dagegen

Zwentendorf Volksabstimmung 1978;

Volksabstimmung vom 5. November 1978 über ein Bundesgesetz zur friedlichen Nutzung der Kernenergie in Österreich (Inbetriebnahme des Kernkraftwerkes Zwentendorf):

Fragestellung:
"Soll der Gesetzesbeschluss des Nationalrates vom 7. Juli 1978 über die friedliche Nutzung der Kernenergie in Österreich (Inbetriebnahme des Kernkraftwerkes Zwentendorf) Gesetzeskraft erlangen?"

Lage des Atomkraftwerkes:
Das AKW Zwentendorf liegt nur 30 Kilometer weit von Wien entfernt, noch dazu Donau-aufwärts. Das heißt, bei einem Reaktorunfall wäre das radioaktiv verseuchte Wasser nach Wien geronnen! Weiters liegt das Atomkraftwerk in einer Erdbebenzone. Am 16. April 1972 gab es in Zwentendorf ein Erdbeben der Stärke 5,3 gemäß der Richterskala. Das Erdbebenrisiko brachte die Stimmbürger auch nicht gerade zum Wohlfühlen.
Über ein Endlager für den Atommüll konnte der damals mit absoluter Mehrheit regierende Bundeskanzler Dr. Bruno Kreisky (SPÖ) bis zum Abstimmungstag keine Auskunft machen.
Waldviertler Bauern: "Wenn ein Bauer einen Saustall baut, dann muss er wissen, wo er den Mist hintut!". Diese Bauernschläue hatte die SPÖ-Regierung leider nicht, aber immerhin war Kreisky schlau genug, um lieber eine Volksabstimmung zu verlieren (5. Nov. 1978), als eine Nationalratswahl (6. Mai 1979). Bei der nachfolgenden Nationalratswahl holte Kreisky mit 51% der Stimmen wieder die absoulte Mehrheit für die SPÖ.

Weiterer Atomkraftwerke waren in Österreich geplant:
Wäre die Atomkraftwerks-Volksabstimmung mehrheitlich PRO Nutzung der Krenkraft ausgegangen, so wäre der zweite Atomreaktor Österreichs in St. Pantaleon (Bezirk Amstetten, NÖ) und der dritte Reaktor in St. Andrä in Kärnten gebaut worden. Dazu kam es dann nicht mehr.

Bundeskanzler Dr. Bruno Kreisky (SPÖ)
über Atomgegner bei der Demonstration am Nationalfeiertag 1978 in Wien am Ballhausplatz:
"Sie wissen ja, daß Neozanis und Maoisten und alle hier da, das zu ihrer Sache gemacht haben ..."

Wissenschaftler damals über Atomkraft:
Diese sind sicher, sauber, unerschöpflich.

Zeitpunkt der Volksabstimmung:
3 Tage nach Allerseelen war ein denkbar schlechter Tag für die Abstimmung eines technisch riskanten Großprojekts. Aus Sicht der Atomgegner war das ein Glücksfall.

Empfehlungen:
SPÖ, ÖVP, Industriellenvereinigung (IV) und der Gewerkschaftsbund (ÖGB) waren für die Inbetriebnahme des ersten österreichischen Atomkraftwerkes, welches schon fertig gebaut war. Man hätte nur mehr Einschalten müssen. (Wobei angeblich ein Probebetrieb ohnedies bereits durchgeführt wurde. Die ÖVP schwenkte kurz vor der Abstimmung noch auf ANTI-Zwentendorf-Kurs, da Bundeskanzler Bruno Kreisky, SPÖ, seinen Rücktritt für den Fall einer Volksabstimmungs-Niederlage ankündigte. Die Hoffnung der ÖVP erfüllte sich aber nicht, da Kreisky seine Rücktrittserklärung trotz Niederlage bei der Volksabstimmung zurücknahm.)

Der Widerstand im österreichischen Volk:
Die Atomgegner hatte kaum ein Budget, aber einen enormen Willen.
Die Gegner wurden immer mehr, von links bis rechts, von Müttern, Bauern, Studenten bis zu Wissenschaftern. Die Anti-AKW-Bewegung war ein massives Zeichen der österreichischen Zivilgesellschaft gegen die etablierte Politik und der Beginn der Direkten Demokratie in Österreich. Die Folge war die erste Volksabstimmung in Österreich.

Das Volksabstimmungs-Ergebnis:
* In ganz Österreich stimmten 50,5% dagegen.
* In Wien stimmten 55% für die Inbetriebnahme vom AKW Zwentendorf.
* In Vorarlberg stimmten 84% dagegen und das war für diese Volksabstimmung spielentscheidend. Grund für ds Ergebnis in Vorarlberg: Die Schweiz kündigte an, ein zu Österreich (Vorarlberg) grenznahes Atomkraftwerk nicht zu bauen, falls Österreich dagegen stimmt. Das heißt, die Vorarlberger haben sich dieses Risiko ersparen wollen und waren damit erfolgreich.

 Bundesland

 Stimm-
 berechtigte  

 gültige
 Stimmen

    JA

    NEIN 

 JA
  %

 NEIN
 % 

 Burgenland

    187.879

  124.384

    74.377

     50.007

 59,8 

 40,2 

 Wien

  1,171.613

   730.187

   404.808

    325.379

 55,4

 44,6

 Kärnten

     355.219

  217.911

   117.841

  100.070

 54,1

 45,9

 Steiermark

    793.746

  452.423

   238.851

   213.572

 52,8

 47,2

 Niederösterreich

    964.048

  672.154

   341.831

   330.323

 50,9

 49,1

 Oberösterreich

    809.904

  537.965

   254.337

   283.628

 47,2

 52,8

 Salzburg

    277.141

  165.523

     71.576

     93.947

 43,3

 56,7

 Tirol

    355.164

  156.160

     53.357

   102.803

 34,2

 65,8

 Vorarlberg

    169.065

  126.779

     19.731

   107.048

 15,6

 84,4

 Gesamt Österreich 

 5,083.779

 3,183.486

 1,576.709

 1,606.777

 49,5

 50,5

Qu: Website des Bundesministerium für Inneres

   Das Atomkraftwerk Zwentendorf bei Tulln (NÖ) ging nie in Betrieb. Es wurde dann weitere 8 Jahre für eine spätere Inbetriebnahme konserviert. Die österr. Bevölkerung wurde von den SPÖ & ÖVP-Politikern nach Bekanntwerden des Ergebnisses jahrelang für dumm hingestellt. Erst nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl 1986 wurde das Abstimmungsergebnis von 1978 von den SPÖ-ÖVP-Politikern als klug akzeptiert. Plötzlich waren die Politiker mächtig stolz auf "ihr kluges Volk", das so weit vorausgedacht hatte und schon 1978 eine kluge Entscheidung für die Nicht-Inbetriebnahme getroffen hatte.

1985: Die Gesellschafter der GKT beschließen „stille Liquidierung“ des AKW.
1986: Die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl am 26. April brachte das endgültige Ende des AKW-Zwentendorfs. Eine für Herbst 1986 geplante neuerliche Volksabstimmung über die Inbetriebnahme des AKW-Zwentendorfs wurde abgeblasen.
2005: EVN kauft das Atomkraftwerk Zwentendorf.
2010: Seit dem Jahr 2010 kann das AKW von jedermann besucht werden. 
 

40 Jahre später läuft das EURATOM-Ausstiegs-Volksbegehren

Argumente für den EURATOM-Ausstieg Österreichs,


40 Jahre nach der Zwentendorf-Volksabstimmung
läuft in Österreich das EURATOM-Ausstiegs-Volksbegehren.
Zumindest bis 30. Nov. 2018 kann man noch für das Einleitungsverfahren unterschreiben. 
Per 4.11.2018 fehlen nur mehr 779 Unterstützungserklärungen.
 



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