Wien

Hausbesetzung:

Zwischen Samsatg 6.9. - Di. 9.9.2008 kam es laut Medienberichten zu einer Besetzung des Areals. Weiters gab es am Dienstag eine Pressekonferenz mit dem Architekten des Areals Anton Schweighofer. Die Polizei verhielt sich zunächst beobachtend. Am 9.9.2008 begann die Polizei mit 50-60 Mann das Gelände zu räumen.

 

Stadt des Kindes: Pflegeheim für Kinder soll abgerissen werden

Bilder: "Stadt des Kindes" im August 2008; © Wien-konkret



Bilder: "Stadt des Kindes" im August 2008; © Wien-konkret

Die "Stadt des Kindes" wurde Anfang der 1970-ziger Jahre von der Stadt Wien gebaut. Sie diente schwer erziehbaren Kindern als neues zu Hause. Kinder leben hier schon seit ca 6 Jahren nicht mehr. Statt die Anlage zu renovieren und wieder für Kinder zugänglich zu machen, soll die "Stadt des Kindes" nun teilweise abgerissen werden und Wohnungsanlagen errichtet werden, somit einer kommerziellen Nutzung zugeführt werden.

Adresse: Wien 14. Bezirk, Mühlberggasse 7  (Auhof)
 

Stadt des Kindes Ende August 2008

Fotos: Pflegeheim "Stadt des Kindes" Ende August 2008; © Wien-konkret






Fotos: Pflegeheim "Stadt des Kindes" Ende August 2008; © Wien-konkret

Das Areal "Stadt des Kindes" liegt am Rande des Wienerwaldes. In der letzten Augustwoche 2008 begannen nun die Abbrucharbeiten. Die Anrainer wurden - wie meist bei größeren Bauvorhaben in Wien - gar nicht oder zu wenig informiert. Die Anrainer fürchten sich vor den geplanten 240 Wohnungen und ca 300 zusätzlichen Autos. Architekten meinen, dass dieses Objekt unter Denkmalschutz stehen sollte / müßte und gar nicht abgerissen werden dürfte.
 

Die Bürgerinitiative zum Stopp des Abrisses der "Stadt des Kindes"

Fotos: Demonstration der Bürgerinitiative am 29. August 2008 vor der "Stadt des Kindes"; © Wien-konkret



Fotos: Demonstration der Bürgerinitiative am 29. August 2008 vor der "Stadt des Kindes"; © Wien-konkret

Wenige Stunden bevor die SPÖ ihren Wahlkampfauftakt zur Nationalratswahl 2008 in der Stadthalle begann, fand eine Demonstration zur Erhalten des Pflegeheims "Stadt des Kindes" vor Ort statt. Es versammelten sich ca 70 Anrainer und ehemalige Kinder des Kinderheims.
 

Die Demonstration am Fr. 29. August 2008 vor Ort:

Christa Riedel (Sprecherin der Bürgerinitiative):

"Vielleicht ein bisschen etwas zur Information, was in den letzten Tagen so alles passiert ist. Wir haben vor 2 Wochen begonnen, die Bürgerinitiative zu gründen, was noch nicht wirklich sehr lange ist …
Wir hatten letzte Woche am Freitag eine kleine Versammlung. Da waren wirklich noch ganz, ganz wenige anwesend. Ich freue mich, dass heute doch um einige mehr gekommen sind und hoffe, dass das noch mehr werden.
Wir können offensichtlich den Abbruch – so wie das ursprünglich geplant war – nicht mehr ganz verhindern. Sie haben unsere Initiative und auch die Initiative von vielen anderen Betreibern – wir sehen es hier – zum Anlass genommen, nachdem wir keine Ruhe geben, absolut mit der Zerstörung. Es hat begonnen am Montag (Erg. 25.8.2008) – vergangenen Montag – mit dem ersten Haus hier. Das ist noch nicht einmal komplett abgerissen worden. Es sind gestern dann viele Presseaussendungen hinausgegangen an diverse Medien und sie haben, wie sie diese Sendung bekommen haben, sofort angefangen, das zweite und dritte Haus zu zerstören. Wirklich total willkürlich. Sie hinein gefahren. Da war kein Plan mehr dahinter. Das war reine Panik, so wie sie reagiert haben. Einfach um kaputt zu machen. Einfach um zu sagen: „NEIN. Das soll wegkommen.“
Ich habe mich gestern wahnsinnig aufgeregt. Es geht mir nicht wirklich gut dabei, aber es schürt auch irgendwo den Zorn, dass mit uns einfach so vorgegangen wird. Dieses Objekt ist vor 30 Jahren gebaut worden und ist für soziale Zwecke gebaut worden, ja. Mit Steuergeldern, muss man auch dazu sagen. Ja, mit unserem Geld damals. Und was wollen sie heute d´raus machen? Reine Wohnungen – wobei gegen Wohnungen absolut nichts einzuwenden ist. Nur es gibt so viele Wohnprojekte, die notwendig wären und offen wären. …
Rein diese Vorgangsweise, wie es da passiert ist, dieses willkürliche „Kaputt-machen“ – daweil haben wir einen Termin avisiert beim Stadtrat Schicker kommen Freitag von 12-13 Uhr. Der ist vereinbart. Da gibt es Gesprächstermine die offen sind und dann kommen solche Dinge. Einfach hineinfahren und kaputtschlagen. Das ist keine Kultur in meinen Augen. "


Großer Applaus im Publikum
 




Video: Demonstration von Anrainer am 29.8.2008 vor der "Stadt des Kindes in 1140 Wien (Auhof). Sprecherin Christa Riedel



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© Wien-konkret




Architekt Anton Schweighofer

Architekt Anton Schweighofer gewann damaligen Ausschreibungs-Wettbewerb; Nach seinen Plänen wurde in den Jahren 1970 bis 1974 die "Stadt des Kindes" - also eine bewusst künstliche Stadt mit Häusern, Straßen und Plätzen - verwirklicht. Architekt Schweighofer besteht auf seinem Urheberrecht, wonach eigendlich ohne seiner Zustimmung gar nicht abgerissen werden dürfte.

Zitat Die Presse vom 12.6.2008 (Printausgabe 13.6.2008):
"Schweighofer dementiert Aussagen aus dem Rathaus, dass er dem Abriss zugestimmt haben soll. „Weder zu einem Abriss noch einer wesentlichen Veränderung habe ich Ja gesagt.“ "



Weitere Artikeln in anderen Medien:

* Der Standard 9.9.2008: Hausbesetzung bei Kaffee und Kuchen

* Wirtschaftsblatt 4.9.2008: Streit um Stadt des Kindes

* freiraum.lnxnt.org: Chronologie der Besetzung des Areals "Stadt des Kindes"

* Die andere Zeitung: Stadt des Kindes besetzt

* Grüne Wien: Stopp der Zerstörung der "Stadt des Kindes"

* www.ipetitions.com: Petition zur Erhaltung der Stadt des Kindes

 

Kontakt:

Frau Christa Riedel: 0699-10915691 (Anrainerin)  
E-mail: KunstundKulturARCHESdK@gmx.at  

Frau Herta Wessely: 01-5457730 (Aktion 21 - Pro Bürgerbeteiligung)
E-mail: office@aktion21.at
 



9.9.2008 Grüne Wien: Stopp der Zerstörung der Stadt des Kindes


Eine Aufrechterhaltung des Stopps der Abbrucharbeiten der "Stadt des Kindes" bis die Pläne und Nutzungen offengelegt sind, fordert die Planungssprecherin der Grünen Wien, Sabine Gretner im Rahmen einer Pressekonferenz vor Ort gemeinsam mit dem Architekten Schweighofer, und der Initiative Freiraum. Daniela Musiol, Klubdirektorin der Grünen und Wiener Kandidatin für die Nationalratswahl konnte gestern nachmittag einen weiteren Aufschub der Abbrucharbeiten erwirken. "Die Lage ist ernst. Es ist für alle Anwesenden schwer, die Anlage aufzugeben und die kurzsichtige Entscheidung von ARWAG und Stadt zu verstehen. Auch nachdem die Polizei das Gelände abgesucht hat, ist es nicht auszuschließen, dass sich noch Personen auf dem Areal befinden. Den Abriss jetzt fortzusetzen, wäre gefährlich. Bürgermeister Häupl muss jetzt dringend einen Stopp der Abbrucharbeiten erlassen," so Musiol.
Werner Faymann hat als ehemaliger Wohnbaustadtrat der Stadt Wien 2002 den Grundstücksdeal mit den Bauträgern ARWAG und Mischek eingeleitet. Im Auswahl-verfahren gab es klare Vorgaben, das Areal zu erhalten und sowohl soziale, als auch kulturelle Nutzungen sicherzustellen. Bis dato gibt es weder Pläne des Neubauprojektes noch der geforderten Nutzungen. "Die durch die Abbrucharbeiten alarmierte Initiative Freiraum und die BI Kunst- & Kulturarche 'Stadt des Kindes' setzen sich mit kreativen Mitteln für eine soziale Nutzung des Areals mit Räumen für selbstbestimmte Wohnformen, offenen Werkstätten und kultureller Nutzung ein. "Faymann und sein Nachfolger Wohnbaustadtrat Ludwig könnten hier beweisen, dass sie soziale Anliegen ernst nehmen und diese Initiativen unterstützen. Leider steht die SPÖ schon lang auf der falschen Seite und hat mit dem Grundstücksverkauf der ARWAG ein herrliches Areal günstigst zur Zerstörung überlassen", so Gretner abschließend.
Rückfragehinweis: Pressereferat, Tel.: (++43-1) 4000 - 81814,