Wien

Wichtige Informationsseiten zum Heumarkt-Areal:

* Initiative Stadtbildschutz

* ÖSTERREICHISCHE GESELLSCHAFT FÜR DENKMAL- UND ORTSBILDPFLEGE

* BLOG Christian Kühn

* Initiative Denkmalschutz

* AKTION 21 - PRO BÜRGERBETEILIGUNG

* Projektwerber WertInvest

* Medien-Beiträge zum Heumarkt-Hochhaus  (Rechnungshofbericht, Innenminister, ...)



Initiative Stadtbildschutz gegründet


Sonntag, 30. März 2014: Wiener BürgerInnen haben sich formiert, um ihre Empörung über das jüngst gekürte Hochhausprojekt auf den Gründen des Wiener Intercontinental Hotels und Eislaufvereins zu manifestieren. Unmut richtet sich nicht nur gegen die Banalität und mangelnde Ästhetik des Siegerprojekts, das die wohl bekannteste Wiener Stadtansicht vom Belvedere auf die Stadt gröblichst verunstalten würde. Unmut richtet sich auch dagegen, wie dieses Projekt beworben und schöngeredet wird.
Rückfragehinweis:
DI Franz Neuwirth, Mobil: 0664 4010742
IS-Sprecherin Aglae Hagg, Mobil: 0676 6147212
Facebook: www.facebook.com/InitiativeStadtbildschutz
Email: i-stadtbildschutz@aktion21.at

Herbert Rasinger, Obmann Initiative Stadtbildschutz  0664-4197573

Webseite => http://www.stadtbildschutz.at/tag/heumarkt/



Die Zukunft des Areals Hotel Intercontinental, Wiener Eislaufverein, Wiener Konzerthaus





ÖSTERREICHISCHE GESELLSCHAFT FÜR DENKMAL- UND ORTSBILDPFLEGE
A-1010 WIEN, KARLSPLATZ 5,  KÜNSTLERHAUS
http://www.denkmal-ortsbildpflege.at
e-mail: gesellschaft@denkmal-ortsbildpflege.at
 



BLOG Christian Kühn: Heumarkt: ein drittklassiges Projekt

Christian Kühn ist Professor an der TU Wien, Studiendekan der Fakultät für Architektur und Raumplanung und Vorsitzender der Architekturstiftung Österreich und des Baukulturbeirats im Bundeskanzleramt.

Christian Kühn nennt drei Gründe, die gegen die Realisierung des umstrittenen Heumarkt-Projekts in seiner jetzigen Form sprechen.
1. Der Erste ist das nur oberflächlich transparente Verfahren.
2. Der zweite Aspekt ist das Weltkulturerbe.
3. Der dritte und letzte Punkt ist für mich die stadträumliche und architektonische Qualität des Projektes per se. Es ist ein drittklassiges Projekt an einem erstklassigen Standort.

=> https://solidbau.at/a/heumarkt-ein-drittklassiges-projekt



Initiative Denkmalschutz


Der Verein Initiative Denkmalschutz setzt sich für den Erhalt und den Schutz gefährdeter Kulturgüter sowie von Kulturlandschaften ein, dies insbesondere im Rahmen der Denkmal-, Orts- und Stadtbildpflege sowie unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit.

Markus Landerer
Initiative Denkmalschutz
Verein für den Schutz bedrohter Kulturgüter
Fuchsthallergasse 11/5, 1090 Wien / Vienna
Österreich / Austria
mobil: 0699 1024 4216  tel/fax: 01 310 22 94
www.initiative-denkmalschutz.at
www.facebook.com/initiative.denkmalschutz
email: office@idms.at



AKTION 21 - PRO BÜRGERBETEILIGUNG


ist eine überparteiliche und unabhängige Vereinigung von Wiener Bürgerinitiativen mit dem Ziel, eine wirksame Beteiligung der Bevölkerung an kommunalen Planungen und Vorhaben durchzusetzen, welche sich nachhaltig auf die urbane Lebensqualität auswirken können.
   In dieser Vereinigung sind auch alle Bürgerinnen und Bürger willkommen, denen die Teilhabe der Bevölkerung an der Planung und Entscheidungsaufbereitung von kommunalen Projekten ein demokratiepolitisches Anliegen ist.

Vertretungsbefugte Organe:
Andrea Willson, Obfrau; Klaus Zambra, Obfrau Stellvertreter; Franz Pelda, Finanzreferent; Wolfgang Mor, Schriftführer

Adresse: Keilgasse 6/6, 1030 Wien
Mobil: 0699- 182-05-372   Email: office@aktion21.at  
Webseite => http://www.aktion21.at/



Projektwerber WertInvest

WertInvest Hotelbetriebs GmbH
Johannesgasse 28, 1030 Wien
Tel: 01-9619538

Architekten: Isay Weinfeld, Sebastian Murr
Ansprechpartnerin: Daniela Enzi d.enzi@wertinvest.at

Webseite => https://www.heumarkt-neu.at/

Befürworter des Projekts:
* Norbert Kettner:
Direktor Wien-Tourismus
* Dr. Christian Konrad: Präsident Wiener Konzerthaus
* Josef Bitzinger: Viepräsident Wirtschaftskammer
* Johannes Neubert: Indendant der Wiener Symphoniker
* Christine Wenkheim: Aufsichtsrätin der Ottakringer Brau AG
* Birgit Aichinger: Leitung Marketing und Verkauf Inland, Vöslauer Mineralwasser
* Professor Markus Allmann: Juryvorsitzender des internationalen Jurywettbewerbs
* Dr. Andreas Theiss: Rechtsanwalt Kanzlei Theiss Wolf



Medien-Beiträge:

* Volksanwälte kritisieren "Wunschwidmung" für Heumarkt-Investor
Die Volksanwaltschaft kritisiert das Vorgehen der Stadt Wien bei der Neugestaltung des Heumarkt-Areals. Die Flächenwidmung hätte unabhängig von dem individuellen Bauprojekt erfolgen müssen und nicht als "Wunschwidmung" für den Investor, sagte Volksanwältin Gertrude Brinek (ÖVP) am Freitag bei der Präsentation des Wien-Berichts für das vergangene Jahr. Generell ist die Zahl der Beschwerdefälle gestiegen. Die Änderung der Flächenwidmung sei zwar erst am Donnerstag beschlossen worden, davor aber schon jahrelang "auf Basis der Pläne eines Investors" verhandelt worden. "Das heißt, der zweite Schritt wurde vor dem ersten gemacht", kritisierte Brinek. "Das ist ein Missstand, der sich hoffentlich nicht mehr wiederholt", so die Volksanwältin. Auch im Fall der geplanten "Danube Flats" an der Reichsbrücke – ebenfalls ein Hochhausprojekt – sei es zu einer "willkürlichen Begünstigung eines Investors" gekommen, meinte Brinek.
=> Der Standard vom 6.7.2017

 
* Das Milliardengeschäft vom Heumarkt
... Der renommierte Immobiliensachverständige Christian Lippert hat nun mit Hilfe aller vorhandenen Angaben den Mindesterlös des Projekts errechnet, wobei er ohnedies von eher mäßigen Verkaufspreisen für die 77.000 geplanten Quadratmeter ausgeht (angesichts der zentralen Lage des Projekts und des überhitzten Wiener Wohnungsmarktes sind die angenommenen Quadratmeterpreise – je nach Stockwerk – zwischen 7500 und 20.000 Euro sicher erzielbar. Andere Experten erwarten sich sogar noch höhere Quadratmeterpreise). Abzüglich aller Kosten – für Grundstückskauf und Bau etwa – kommt Lipperts Schätzung auf einen Reingewinn von sagenhaften 430 Millionen Euro. Mindestens. Denn er hält es durchaus für möglich, dass der Profit bis über eine Milliarde steigen kann...
=> Andreas Unterberger Artikel vom 12.4.2017 


31.5.2017: Problemzone Heumarkt und der Turm des Anstoßes
... "Es geht bei diesem Projekt nicht nur um ein paar Meter mehr. Es geht um Vertragsbruch, um eine heikle, innenpolitische Entscheidung und um die Frage, wie die Verantwortlichen mit dem eigenen Wort und ihren Richtlinien umgehen", sagt Dossier-Chefredakteur Florian Skrabal. "Die Diskussion um die Höhe von Häusern gibt es, seit die Wiener Innenstadt Weltkulturerbe ist. Jetzt lässt man es drauf ankommen. Das alles mutet schon sehr seltsam an." ...
=> NEWS vom 31.5.2017 

 
7.3.2017: Wiener Bauen in Rot: Die Renditen des Investors am Heumarktareal
"... Jeder Meter, den ein Gebäude zusätzlich nach oben wachsen kann, erhöht den Profit der Investoren. Die Erlaubnis dafür lässt sich die Stadt abkaufen, indem ein angeblicher “Mehrwert” für die Allgemeinheit produziert wird. Sei dies ein mickriger öffentlicher Kinderspielplatz wie am Beispiel der Danube-Flats, der für die Flächenumwidmung und Baugeschosserhöhung “rausgeschlagen” wurde. Oder sei dies die “Erhaltung und Modernisierung” des traditionsreichen Wiener Eislaufvereins. Das Grundstück hatte der Stadterhaltungsfonds übrigens 2008 verscherbelt. ...Das Grundstück, das der Wiener Eislaufverein pachtet und nutzt, hatte 2008 jemand ganz anderes erworben. Und das für 4,2 Millionen Euro von der öffentlichen Hand, zu einem Spottpreis. Was bereits zur Rechnungshofkritik führte. Dieser meinte, der Verkauf durch den Stadterweiterungsfonds hätte so niemals stattfinden dürfen. Denn für das Grundstück habe es zur selben Zeit Angebote für 9 Millionen gegeben, was immer noch deutlich unter seinem Schätzwert liegt. ... Der damalige Käufer, eine Firma mit dem schillernden Namen Buntes Wohnen, wurde niemals aktiv. Ihre Homepage ist tot, in den städtischen Verzeichnissen gemeinnütziger Bauträger scheint sie noch als Relikt auf. ... Über Umwege wurde das Ganze 2012 an den jetzigen Investor Michael Tojner übertragen. Dieser brachte auch das benachbarte Hotel Intercontinental in seinen Besitz, noch im selben Jahr. Dafür musste er 50 Millionen hinblättern. "
=> Semiosisblog vom 7.3.2017


* Bericht des Rechnungshofes zum Stadterweiterungsfond, 2013
Darin ging es auch ganz massiv um das Heumarkt-Areal.
=> Rechnungshofbericht zum Stadterweiterungsfond


* Wer war im Jahr 2008 Innenminister in Österreich?
Wilhelm Molterer (ÖVP) bis 30.6.2008 und Maria Fekter (ÖVP) ab 1.7.2008.
=> Innenminister der Republik Österreich 

* Interview der Wiener Zeitung mit Michael Schmid:
"... Aber es gibt weitere Bedrohungen. Etwa die Trabrennbahn Krieau. Auch da soll gebaut werden. Und wenn dann dort, statt der alten Ställe, neue Türme stehen, haben wir die Diskussion aufs Neue. ..."
Michael Schmid ist seit zwei Jahren ist er Obmann der Grünen Bildungswerkstatt Wien.
=> Wiener Zeitung vom 31.5.2017

* Flächenwidmung am Heumarkt im Wiener Gemeinderat beschlossen
=> Wiener Zeitung vom 1.6.2017 



Offener Brief von ERICH BRAMHAS, Architekt

Betrifft:  Meine drei OFFENEN  BRIEFE  und die Antworten dazu.

Mein OFFENER BRIEF  (OB1) an Frau Vassilakou bzgl. Offenlegung aller Inhalte aller  STÄDSTEBAULICHEN  VERTRÄGE  (StV) wurde am 26.5.17  beantwortet. Danke. Wirklich neu daran ist der Hinweis, dass nach der Bauordnung „keine besonderen Auskunftsrechte“ bestehen. (Ich habe jedoch nur um EINSICHTNAHME ersucht.)  Der Abschluss bisheriger StV wurde jeweils vom Gemeinderat bewilligt. Allerdings wurde in der Zwischenzeit der  StV  HEUMARKT bereits veröffentlicht. Der Widersinn, DASS  STÄDTISCHES  NICHT  ÖFFENTLICH  IST, bleibt für den Rest der StV bestehen.

Mein OFFENER BRIEF  (OB2) an Herrn Tojner/WERTINVEST  bzgl. Veröffentlichung des Commitments (deutsch: Verpflichtung, Bindung)  der Stadt Wien ihm gegenüber, von dem er in einem Artikel des  WIRTSCHAFTSBLATTS vom 4.6.14 spricht, ist noch immer nicht beantwortet worden. Der entscheidende Satz im Artikel (bezüglich Hochhaus) lautet: „Die UNESCO wird sich aufregen, ja. Aber die Stadt hat ein Commitment gegeben, das umzusetzen“.

Mein  OFFENER  BRIEF  (OB3)  an die Architektenkammer Wien, deren Mitglied ich bin, ist beantwortet worden. Es ging um die Durchleuchtung der Umstände, die zur Freigabe / Kooperationserklärung beim Architektenwettbewerb HEUMARKT führten. (Für Nicht-Architekten: Mit der Freigabe/Kooperationserklärung und der damit verbundenen Nennung von KammerpreisrichterInnen  bestätigt die Standesvertretung, dass hinsichtlich der Teilnahme von Architekten am Wettbewerb fachlich und ablaufmäßig keine Bedenken bestehen.)

Zwischenbemerkung: Die folgenden Infos stammen größtenteils aus den umfangreichen Dokumenten, auf die mich die Kammer hingewiesen hat, z.B.  http://www.architekturwettbewerb/ , aber auch von der Kammer- veranstaltung  (STADT FINDEN)  am 23.5.17, an der ich teilnahm. Die Kennzeichnung  KV bedeutet Info von Kammerveranstaltung.

KV  Zu OB1  STÄDTEBAULICHE VERTRÄGE (StV)  erklärt Planungsdirektor Madreiter, er wäre auch für die Offenlegung aller StV.

KV   Zu OB2  Commitment erklärt Madreiter, dass im StV Heumarkt ohnedies stünde, dass alle Nebenabreden zum Vertrag nichtig sind. Am 24.5.17 habe ich den  StV-Text im Netz allerdings nicht finden können. Ein Einwand zur Aussage Madreiters wäre , dass es sich gar nicht um eine Nebenabrede sondern um eine Hauptabrede, vielleicht sogar um eine Häuplabrede handeln könnte, auf der Tojner seine Hochhausstrategie aufgebaut hat.

Nun zu den Infos, auf die ich von der Architektenkammer hingewiesen worden bin:
  
Entscheidend für die Freigabe/Kooperationserklärung sind zwei Dokumente: Das vom  12.8.2013,
gerichtet als Brief an einen Herrn Christian Lehmhaus in Berlin, offenbar der von Tojner/WERTINVEST gewünschte Verfasser der Auslobungsunterlagen, in dem die Kammer 1  die Freigabe / Kooperationserklärung abgibt  2  die Preisrichter / Ersatzpreisrichter-Nominierungen vornimmt          3     und nach dieser Freigabe / Kooperationserklärung, also nachträglich, die fehlende klare Positionierung zum Weltkulturerbe kritisiert: „Wenn solche Vorgaben vage oder wie in diesem Verfahren zum Teil nicht vorhanden sind, dann werden die Beiträge der einzelnen Teilnehmer/innen eher zum Gegenstand einer „Lotterie“ denn ein Beitrag, der an Hand transparenter, nachvollziebarer und fairer Parameter juriert wird.“

Welches Recht hat die Kammer, statt für einen fairen Wettbewettbewerb den Startschuss für ein Lotteriespiel zu geben, und wie kann sie das gegenüber den Teilnehmern / Preisrichtern verantworten, die diesen Satz möglicherweise gar nie zu Gesicht bekommen haben?

Das zweite Papier vom 3.9.13, also rund drei Wochen nach der Freigabe/Kooperationserklärung – ohne Briefkopf und Unterschrift – trägt den Titel   ERGEBNISSE  DER  GESPRÄCHE  ZU  DEN  VERFAHRENSMERKMALEN  und enthält plötzlich das Wort „Bedingungen“ im Hinblick auf das, was mit dem Auslober verhandelt worden ist und was durchgesetzt bzw. nicht durchgesetzt wurde. Die wichtigen Anliegen  OFFENER  WETTBEWERB  und  ANONYMITÄT konnten nicht durchgesetzt werden. Aus Datum und Inhalt des Papiers geht nicht hervor, was vor der Freigabe/Kooperationserklärung verhandelt worden ist und was danach – und eben deshalb -  nicht durchgesetzt werden konnte.

Die Architektenkammer hat somit im Vorfeld der Freigabe/Kooperationserklärung sehr konfus reagiert. Dass es ein Fehler war, den Wettbewerb so frühzeitig freizugeben, wurde bei der KV am 23.5.17 von einem Kammervertreter auf meine dezidierte Anfrage hin coram publico bestätigt.

Mit den von der Kammer genehmigten Vorraussetzungen hatte                             Tojner/WERTINVEST extreme Möglichkeiten, das Wettbewerbsergebnis zu beeinflussen, was der Kammer offenbar entgangen ist. Als Veranstalter des Wettbewerbes konnte er steuern, welche der Kammereinwände/ -kritiken er den Teilnehmern und Preisrichtern weitergibt. Da er einen Teil der Preisrichter und Teilnehmer wählen konnte, konnte er beeinflussbare wählen. Da es keine Anonymität gab, konnte er sich mit einem oder mehreren Teilnehmern im Hinblick auf seine Projektwünsche absprechen, was zwar unfair gegenüber dem Rest der „Lotteriespieler“ ist, aber nicht verboten war und nicht nachgewiesen werden konnte. Da er Grundeigentümer und Preisrichter war, konnte er im Endspurt der Projektbewertung ein begründetes Veto gegen  ihm nicht genehme Projekte einlegen, das wegen Tojners Grundeigentümerschaft von allen anderen Preisrichtern respektiert werden musste.

Ob Tojner alle diese Beeinflussungsinstrumente einsetzen musste/ brauchte/ wollte, ist nicht klar. Das Wettbewerbsergebnis und dessen Vermarktung durch WERTINVEST zeigen jedoch, dass es den Renditevorstellungen Tojners voll entspricht.

Das weitaus größte Versagen der Architektenkammer liegt allerdings darin, dass sie nicht Baukultur eingefordert hat. Baukultur ist die Kernkompetenz der Architekten. Baukultur ist ein Mehrwert bei sonst nur renditeorientierten Investorenprojekten und funktionskonformen Technikbauten. Die kann man auch bei Baugesellschaften und Banken bestellen. Baukultur gelingt viel zu selten. Aber fast jeder Architekt tritt mit dem Ehrgeiz an, sie verwirklichen zu wollen: Berufsethos.

Der Beleg für die baukulturelle, bauhistorische und städtebauliche Bezugnahme auf das Stadtganze liegt nicht so sehr in der Einhaltung einer bestimmten Höhengrenze, diesem Aspekt wäre im Wettbewerb durch die Forderung an alle Teilnehmer entsprochen worden, in ein beigestelltes Foto der Stadtsilhouette, vom Eingang des Oberen Belvedere aus gesehen, ihren Projektvorschlag einzutragen. (Interessanterweise fotografieren jetzt viele von den Zehntausenden kulturinteressierten Belvederebesuchern von dort entlang der zentralen Gartenachse des Prinzen Eugen die Silhouette der tiefer gelegenen Innenstadt.)


Von Eugen wurde diese bis zum Unteren Belvedere 520m lange Achse bewusst auf die Silhouette der Stadt als Ganzes ausgerichtet, der Stadt, die ihm, dem Migranten, endgültig zu seiner geworden war,  nachdem er durch die Siege im Osten deren Bedrohung abgewendet und damit ihrer Entwicklung zur barocken Metropole den entscheidenden Schub verliehen hatte.

In dieses Band der Stadtsilhouette wollen Tojner/Vassilakou/Weinfeld/Chorherr in 1,2km Entfernung das klotzige Hochhaus  von Weinfeld setzen,  das fast im Zielpunkt von Eugens Achse liegt und damit, und wegen seiner Höhe, zum wichtigsten Bau im wichtigsten Panorama der Stadt werden würde. Für vielleicht 100 Jahre (?)

Wie das aussieht, kann man sich auf der Fotomontage von Prof. Martin Kupf anschauen. Die kann man unter   m.kupf@aon.at    anfordern.

Wie zum Hohn beschließt wenige Wochen nach Ende des Wettbewerbs der Wiener Gemeinderat  die    BAUKULTURELLEN  LEITSÄTZE,  wie zum Gegenhohn beschließt die  Architektenkammer später das Wort  ARCHITEKTEN   aus  der Kammerbezeichnung zu streichen, und wie zur Bestätigung des Gegenhohns soll der Wiener Gemeinderat am 1. 6. 2017 die Flächenwidmung entsprechend  den    Tojner/Vassilakou/Weinfeld/Chorherr  -  Vorstellungen  beschließen.

DIESES   PROJEKT  IST  EIN  PARADEBEISPIEL  FÜR  NEOLIBERALEN  PRIVATSTÄDTEBAU.  „WER  ZAHLT,  SCHAFFT  AN.“  EIN  BEITRAG  ZUR  BAUKULTUR  WIENS  WURDE  NICHT  GEFORDERT,  WURDE  NICHT GELIEFERT UND  NACHHER  AUCH  GAR  NICHT  BEHAUPTET.  NICHT  EINMAL  VOM  ARCHITEKTEN. 

Schuld an dem Debakel ist nicht Tojner, sondern ein an Baukultur zu wenig interessierter Bürgermeister, eine ebensolche Planungsstadträtin,ein ebensolcher Kulturstadtrat und ein ebensolcher Präsident der Wiener Architektenkammer.  Ich personalisiere absichtlich. Kultur hängt vom  ENGAGEMENT  VON  VERANTWORTLICHEN  ab,  nicht von der ihnen nachgeordneten Bürokratie.

Es wäre unerträglich, wenn jetzt Politiker an der Leiche herumdoktern würden. Der total verbockte
„Wettbewerb“ gehört teilnehmerfreundlich begraben und durch einen neuen ersetzt, der  von Architekten genau nach dem Wettbewerbsstandard Architektur 2010 als offener, anonymer Wettbewerb ausgeschrieben wird, am besten von Architekten aus den westlichen Bundesländern.

Vorher wollen wir aber noch wissen, was hinter dem „Commitment“ steckt !

27. 5. 17                                     ERICH  BRAMHAS                                 d16@aon.at
                                                           Architekt

Geht an Chefs/Chefinnen der Gemeinderatsfraktionen, Medien, interessierte Personen



WAS STECKT HINTER DEM COMMITMENT ?

Von wegen Transparenz / Heumarkt

Frage an
MICHAEL  HÄUPL,  MARIA  VASSILAKOU


WAS  STECKT  HINTER  DEM COMMITMENT
( DEUTSCH:  VERPFLICHTUNG,  BINDUNG ),
AUF  DAS  SICH  MICHAEL  TOJNER  IN  EINEM  ARTIKEL  DES  WIRTSCHAFTSBLATTS  VOM  4.6.2014  beruft ?

„Die  UNESCO  wird  sich  aufregen,  ja.
Aber  die  Stadt  Wien hat das Commitment  gegeben,  das umzusetzen.“

WER ?
WAS  ?
WANN  ?
WOZU  ?

Erich  Bramhas
1190  Dreimarksteing.16
d16@aon.at   440 42 30                                                                                   29.5.2017





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Bestechung und Parteienfinanzierung?

5 Millionen!?
Das riecht heftig nach Bestechung und Parteienfinanzierung.
Peter J.   6.7.2017



EUGENS ACHSE UND MARIAS KLOTZ



Das Foto zeigt den Blick vom Oberen Belvedere entlang der 540m langen Mittelachse des Belvederegartens zum Unteren Belvedere. (Die Fassade des Oberen Belvederes liegt hinter dem Fotografen.) Das Ensemble des Belvederes mit dieser Gartenachse bietet aus Fußgängerperspektive den bei weitem umfassendsten und wichtigsten Blick auf die Wiener Innenstadt als Ganzes. Der Garten ist zur Stadt hin leicht geneigt, mit einem Höhensprung im unteren Bereich. Der Höhenunterschied zwischen dem Erdgeschoss der beiden Gebäuden beträgt 23m. Es entsteht optisch und psychologisch eine Einladung an den Besucher, sich bergab der  Stadt  zu nähern.
   Die Gartenachse hatte und hat aber keinen identifizierbaren Zielpunkt. Der Betrachter, der den Standpunkt unseres Fotografen einnimmt, schaut etwa auf der Höhe des Firsts des Unteren Belvederes hinweg auf ganz Wien.
   Das war eben das großartige Raumkonzept des Prinzen und seines Architekten Johann Lukas von Hildebrandt, als dessen Meisterwerk das Belvedere gilt: ein geneigter Garten als Vorgarten zur ganzen Stadt. Der Blick wird auf das breite   Panoramaband flach gelagerter Bauten mit darüber sitzenden Turmzwiebeln, Kirchturmspitzen und Kuppeln gelenkt. So wird das auch empfunden, so wurde es oft gemalt, nicht nur von Canaletto, und so wird es heute noch viel häufiger fotografiert. Darin lag auch, heute längst verschüttet, eine machtpolitische Bedeutung, vor allem für Eugen selbst: Es war die Genugtuung, als italienischer Franzose, also als Migrant, dem neuen Dienstgeber und seinem Adel den Sprung über die beengenden Stadtmauern in die prachtvolle Weite der schönen Umgebung verschafft zu haben, die jetzt gegen feindliche Einfälle endgültig gesichert war. Die Genugtuung, wenn er „runtersah“, auf die Baustelle seiner Stadt. Er war als erfolgreicher Feldherr Ermöglicher eines Baubooms, in dessen Verlauf aus Wien, der leicht zurückgebliebenen und von den Türken ständig bedrohten Grenzstadt des Reiches, eine barocke mitteleuropäische Metropole werden sollte. 
   Die barocke Bauwut überrollte einfach alles. Karlskirche, Schönbrunn, Peterskirche, Hofstallungen und dazu viele Palais´ in der Innenstadt entstanden dann in rascher Folge, während die Fürsterzbischöfe von Salzburg die ganze Stadt dem neuen Stil entsprechend zumeist von italienischen Architekten ummodeln ließen.
   Die ganz große Baukunst gab es aber schon lange: Die geniale Konstruktion der Doppelschalenkuppel des Doms von Florenz von Brunelleschi war schon mehr als zwei Jahrhunderte alt, und Michelangelos spätere Adaption für den Petersdom ist so gewaltig, dass der Turm des Stephansdoms in ganzer Höhe reinpassen würde. Das Tadsch Mahal existierte schon. Auch die Süleymaniye-Moschee in Istanbul, von Yusuf Sinan gebaut, stand in all ihrer Pracht bereits da, als der kleine Savoyer als 20-jähriger Offizier mit dem Entsatzheer 1683 die (gottlosen ?) Heiden bekämpfte. 
   Für eine bestimmte Art von Touristen, die man Kulturtouristen nennen kann, gehört  zum Raumerlebnis des Belvederes sicher auch der Kunstgenuss der großartigen Ausstellungen und Sammlungen dazu, welche die beiden Häuser bieten. Es ist eine besondere Spezies von Besuchern. Eine japanische Reiseführerin und ihre Schutzbefohlenen gehören leider nicht dazu. Sie hat mir erklärt: „Drei Tage Wien im Parkhotel Schönbrunn, davon einer für Budapest und einer für Prag.“
   Man kann sagen, die Kulturtouristen wären eine Minderheit, und erst recht die, welche sich für Geschichte interessieren. Immerhin: Beim Belvedere werden es schon einige Zehntausend jährlich sein, und sie werden, zusammen mit den kulturinteressierten Wienern, immer mehr. Und besteht nicht die Anziehungskraft der Kulturstadt Wien und jeder Kulturstadt, gerade in dem Angebot einer sehr großen Anzahl spezialisierter Erlebnisse und Genüsse, deren Summe erst die Anziehungskraft ergibt ? Wir werden uns also doch sehr genau überlegen müssen, wie wir an diesem besonderen Ort Heumarkt in den kulturhistorischen Zusammenhang mit dem Belvedere eingreifen können.

Da sind wir jetzt bei Tojner und Weinfeld und ihrem Projekt.  Ist das „Baukultur“ ?

Zuerst einmal: Wir sind nicht in New York. Dort hat Donald Trump bei seinem Trump-Tower, der mit seinen goldglänzenden special effects für die Seiten- blickegesellschaft viel interessanter ist, als es das Weinfeld- Hochhaus je sein können wird, die Widmung des fünfgeschoßigen Atriums für public use  gegen eine Mehrhöhe von 20 Geschossen oben drauf eintauschen können. Auch 30 wären nicht sonderlich aufgefallen, weil New York, anders als Wien, Paris und Rom, eine Hochhausstadt ist. Zu deren DNA gehört, dass die Gebäude nach oben wachsen dürfen. Das stimuliert das Wirtschaftswachstum und gleichzeitig die Segregation in der Vertikalen. Termin bei der Pressekonferenz des Präsidenten in der Sky-Lobby  ganz oben: Ja.  Kindsein unten in der Schlucht: eine Katastrophe. Es gibt ja auch kaum Familien mit Kindern in Midtown Manhattan, so wie man Kinder in Spielhöllen auch nur selten sieht. Alle Skandale, Tricks und Intrigen, einschließlich der Vernichtung von Kulturwerten im Auftrag von Trump selber, kann man, mit Preiszettel versehen, in der englische WIKIPEDIA nachlesen. Auch, dass jetzt Sophia  Loren und Steven Spielberg im Trump Tower eine Wohnung haben. Tojner wird das alles sicher schon wissen. 
Wir sind in Wien. Ist das Projekt des Kollegen Weinfeld unter den besonderen Bedingungen Wiens nun ein Beispiel für Baukultur ?
   Es gibt Vergleiche. Hans Holleins kompromisslos modernistisches Statement am Stephansplatz ist ein wildes Aufbegehren gegen die unbesiegbare  Überlegenheit des Doms, und gerade wegen seiner Aussichtslosigkeit akzeptabel. Das ist an diesem Ort das Kulturthema. Das beginnt allmählich auch die Fraktion des Publikums zu verstehen, die üblicherweise meint, „das passt  hier nicht.“

Das Museumsquartier: zwei Kisten, wie eben optimierte Museumskubatur weltweit aussähe, wenn sie nicht mit allerlei nettem Gschnas aufgeputzt würde, aber sanft umfangen von der breit gelagerten historischen Substanz, auf Zurückhaltung setzend, ganz ohne Hochhaus, das als „Leseturm“ auch diskutiert worden ist. Viele Proteste. Bürgermeister Zilk hat damals einen Rückzieher verordnet. Das Museumsquartier, als „gemischter“ Kulturort ist eine geradezu phänomenale Erfolgsgeschichte geworden. Aber es ist auch aus der Sicht der Projektabwicklung interessant. Am Anfang war Chaos. Eine Fehlbeauftragung musste teuer abgelöst und stillschweigend entsorgt werden. Dann kam Heinz Fischer,  damals Wissenschaftsminister und später Bundespräsident, ins Spiel. Er war für die Sammlungen zuständig. Ich glaube es war seine Idee, die Standesvertretung der Architekten einzuladen, mit einem Architektenwettbewerb für eine fachliche qualifizierte Vorgangsweise zu sorgen. Die Standesvertretung hat ihrerseits drei Kollegen damit betraut, die erste Stufe des Verfahrens auszuschreiben: Hermann Czech, Helmut Kunze und mich. Wir haben uns bemüht, Wege zur Baukultur anzulegen. Ortner + Ortner sind den richtigen gegangen, wie man heute sagen kann.
   International hat die Architektenschaft in den letzten zwei, drei Jahrzehnten geradezu ein Feuerwerk kultureller Höchstleistungen abgebrannt. Vor kurzem wurde die Elbphilharmonie eröffnet. Zwei Beispiele sind für uns besonders relevant, weil sie in einem historischen Zusammenhang stehen. Die Louvre-Pyramide von Ieoh Ming Pei. Auch sie hebt, wie Hollein, den Kontrast zu den alten Mauern besonders hervor. Aber sie ist nicht renitent. Sie ist klassisch. Bemerkenswert an diesem Fall ist weiters, dass die Idee zur neuen Erschließung der Museumsräumlichkeiten, also das Organisationskonzept, das hier vor allen architektonischen Bemühungen zu stehen hatte, von einem dafür beauftragten Betriebsberater stammte. 
   Das zweite Beispiel ist die Glaskuppel des Berliner Reichstags von Norman Foster. Da hat ein Engländer ein abstoßend bombastisches Monstrum kaiserlich-deutscher Präpotenz in eine Ikone der neuen deutschen Demokratie verwandelt, und zwar so erfolgreich, dass sich Besucherschlangen vor dem Eingang bilden. Die extrem komplizierten Konstruktionspläne dazu kamen übrigens aus Wien. Wir können stolz darauf sein.
   Wien ist eine Weltstadt. Wien ist vergleichsweise klein, aber es hat alles, was eine Weltstadt ausmacht. Hier hat man Chancen. Wir haben auch aus einem alten, vergammelten Krankenhaus, das vor 200 Jahren supermodern war, ein lebendiges Studentenquartier gemacht, und aus einer lärmgestörten Einkaufsstraße einen der ganz großen Fußgängerboulevards Europas. Bei allen Vorbehalten gegenüber der chaotischen Holzhackermethode, mit der das zu Lasten vieler Betroffener geschah: Das ist ein Erfolg, der erst mit Verspätung geschätzt werden wird, wie das auch bei der Fußgängerzone Kärntnerstraße der Fall war.
   Wir können uns auch beim Heumarkt einen Kulturbeitrag leisten. Aber wie kommt es, dass ein einzelner, besonderer Investor, an diesem besonderen Ort Heumarkt als einziger im Umkreis die besondere Ausnahme bekommen soll, gegen alle bisher gültigen Regeln ein Hochhaus zu bauen ? Sonderbar.
Und wenn schon: Haben Tojner und Weinfeld verschlafen, dass es jetzt auch schöne, interessante, ökologische, elegante und modische Hochhäuser gibt ? Oder hat das gar die Jury verschlafen ? Sonderbar.
   Als Architekt sage ich: Das Projekt des Kollegen Weinfeld ist mau. In einem  geschichtsträchtigen und kulturtriefenden Umfeld nimmt es nicht Stellung, weder zur Kultur noch gegen sie noch zu sonstwas. Es spricht nicht, es sagt nichts, es ist nichtssagend und deshalb indiskutabel im eigentlichen Sinn des Wortes. Viele Wiener, die es nicht so ausdrücken können oder wollen, spüren es, auch die Politiker, die jetzt verstört um den Brei herumreden. Das ist auch der Grund, warum nicht einmal die Befürworter imstande sind, die besonderen Qualitäten des Projektes anzupreisen, sondern immer nur von den sorgfältigen Vorbereitungen unzähliger Beteiligter reden und immer nur vom Umwegnutzen „Eislaufverein“ gesprochen wird. Und der Architekt, der jetzt kommen müsste, um sein Projekt zu erklären und zu verteidigen, hält sich bedeckt und schweigt. Hallo Kollege, warum verstecken Sie sich ?

Den Gegnern geht es ebenso. Ein indiskutables Projekt kann auch nicht heruntergemacht werden.
Es ist nicht gut, es ist nicht schlecht, und wenn es mittelmäßig ist, warum kommt es dann so hoch, so groß und präpotent daher, dass es mit Gewalt auch die Limits eines Staatsvertrags der Republik überspringen will, und stellt sich bedeutungsvoll in der Sichtachse des wichtigsten Panoramas von Wien nahe an den bedeutendsten Platz in der Mitte ?
   Die „Frankfurter Allgemeine“ titelt „Klotz“. Diese Bezeichnung nehme ich gerne auf. Denn da wird mit einem einzigen Wort die Großspurigkeit dieser Bedeutungslosigkeit klar umrissen.
   Und wenn ich einmal die Planungsstadträtin treffen sollte, durch Zufall, denn anders kann einer wie ich sie nicht treffen, werde ich ihr sagen: „Liebe Frau Vassilakou, mit diesem Projekt als ausgewählt bestes ist Tojners Architekturwettbewerb grandios gescheitert. Wenn das Hochhaus aber gebaut werden sollte, was ich nicht glaube, wird es Ihnen als Entscheidungsträgerin nachhängen, noch lange, wenn Tojner und Weinfeld und Ihre eigenen sonstigen Verdienste längst vergessen sind.   Vielleicht 100 Jahre ?(!)   Marias Klotz.  Das würde ich mir an Ihrer Stelle lieber nicht antun wollen.“ Ohne Spitznamen wird es ja nicht gehen.
Wir sind in Wien. „Geldkoffer“ möchte ich auch noch schnell in die Arena werfen, bevor ich schließe.

Erich Bramhas,     Architekt       30.5.2017