Wien

4.5.2017: ICOMOS-Appell Flächenwidmung Heumarkt



Der Welterbestatus „Historisches Zentrum von Wien“ beruht auf dem völkerrechtlichen Staatsvertrag der UNESCO mit der Republik Österreich betreffend die UNESCO Welterbekonvention von 1972. Österreich hat diese Konvention 1992 unter der Bundesregierung des Kabinetts Franz Vranitzky III unterzeichnet, kundgemacht im BGBl. Nr. 60/1993.
Das Welterbe ist also nicht bloß Angelegenheit der Stadt Wien, ist schon gar keine Parteienangelegenheit, ist kein wirtschaftlich motivierter Vertrag und daher auch kein Instrument touristischer Interessen und keinesfalls eine Privatangelegenheit.
 
Vor diesem Hintergrund bedeutet die aktuelle Zuspitzung des Falls:
* bewussten, vorsätzlichen Affront gegenüber der Welterbegemeinschaft, die durch die UNESCO repräsentiert wird
* Negation der Verantwortung für das als Welterbe ausgezeichnete höchste Kulturgut
* Verlust der Vielfalt an kulturellem Erbe, das künftigen Generationen vorenthalten wird
* Verstoß gegen soziale Fairness (Stichwort: Luxuswohnungen)
* Verfehlte Interpretation des behaupteten „Mehrwerts“ des Projekts für Wien. Im Gegenteil: der drohende Verlust des Welterbes, der damit verbundene Reputationsverlust der Republik, die Vernachlässigung der sozialen Aspekte und Partizipationsmöglichkeiten der Allgemeinheit am Kulturerbe „Stadtdenkmal“ bedeuten eine eklatante Wertminderung
* Missachtung der Ökologie und Umwelt, aus denen Architektur und Städtebau ausgeklammert werden. Die Auffassung eines „kulturellen Umweltschutzes“ scheint vergessen zu sein
* Angriff auf kollektive Icons, die Gesellschaften brauchen und prägen (u.a. Skyline, „Canaletto-Blick“)
* Bruch von Identitäten, die sich wesentlich auch aus ästhetischen Elementen zusammensetzen
* Entbettung – „disembedding“ – durch entfremdenden Gestaltwandel der Stadt
* insgesamt: eine „Imagekatastrophe“ Österreichs
 
Univ.-Prof. Dr. Wilfried Lipp
Präsident ICOMOS Austria





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