Wien

Ausgangslage 2013: Hochhaus am Heumarkt, 1030 Wien





Bilder: ZVG Martin Kupf

An einer für das Stadtbild völlig ungeeigneten Stelle wurde seinerzeit das Hotel Intercontinental errichtet, das anlässlich seiner Fertigstellung vom bekannten Wiener Architekturexperten Friedrich Achleitner als ein zu seiner Umgebung völlig beziehungsloser Koloss und Fremdkörper bezeichnet wurde. Als ob das Hotel Intercontinental das Wiener Stadtzentrum nicht schon genug beeinträchtigen würde, soll jetzt nach dem Plan der Errichtungsgesellschaft ein Turm daneben gestellt werden, dessen Höhe von geplanten 73 m die des Hotels um fast 30 m überschreiten soll. Dazu ein massiver Baublock am Heumarkt, der bis zur Höhe der Traufe des Konzerthauses reichen soll und damit die tiefer liegende Bebauung auf der anderen Straßenseite noch tiefer in eine Grube gerutscht wirken lässt.
   Geschickt wurden bei einer Pressekonferenz (28. 2. 2013) und einer anschließenden Ausstellung die angeblichen Vorzüge und Qualitäten des Projektes präsentiert. Es wurde behauptet, dass für die Erhaltung des Freilufteislaufplatzes, für „freiere Sicht und Öffnung nach außen“, für „zeitgemäße Eleganz in Architektur und Nutzungsangebot“ etc. eine beträchtliche Vergrößerung des Bauvolumens notwendig wäre, ohne die sich das Projekt für die Betreibergesellschaft nicht rechnete. Die allgemeine Aufmerksamkeit wird geflissentlich davon abgelenkt, dass die vorgebliche Durchlässigkeit und freiere Sicht durch wesentliche Erhöhung der Gebäude auf der Heumarktseite und durch den neben dem Hotel Intercontinental zu errichtenden Turm für die Anrainer erheblich eingeschränkt wird und den Effekt einer zusätzlichen Barriere hat.
   Der Turm soll in den oberen Etagen Luxuswohnungen beinhalten, deren Bewohner dann wohl die einzigen wären, die von dem angeblich freieren Blick profitieren würden.
Für das hervorragende Marketing des Projektes hat sich ein „Expertenteam“ gefunden, das dem geplanten Baukörper Leitfunktion und Signalwirkung attestiert, wobei man unsachlich auf den weit entfernten Ringturm als Referenzobjekt hinweist. Auf Probleme mit den Richtlinien und Kriterien für das Weltkulturerbe wird nicht hingewiesen, obgleich sich das Bauvorhaben in der Kernzone befindet, in der Hochhäuser dieses Ausmaßes nicht errichtet werden dürfen.  Das Gerichtshochhaus in Wien Mitte ist niedriger und liegt nur in der Pufferzone des Weltkulturerbes.
   Gerade in diesem Zusammenhang hätte der Hochhausturm nicht nur auf die freie Sicht in der unmittelbaren Umgebung negative Folgen, sondern auch in der Fernwirkung.
   Seitens der Projektbetreiber wurden, vermutlich aus gutem Grund, keine Projektansichten aus der näheren Umgebung präsentiert. Aus diesem Grund haben wir den Versuch unternommen, mittels Fotomontagen der Öffentlichkeit ein realistisches Bild der Wirkung des neuen Baukörpers sowohl auf die nähere Umgebung als auch vom Belvedere aus gesehen zu vermitteln. 
   Die Fotomontagen wurden mit Hilfe des publizierten Computermodells hergestellt, welches die Erhaltung des gegenwärtigen Hotelbaues vorsieht und vom  Expertenteam für eine allfällige Umsetzung empfohlen wurde. Durch Projektion der Grundrisse auf die Stadtkarte war es möglich, die geplante Position auf diese einzuzeichnen. Die Gebäudehöhen wurden aus den Modellfotos ermittelt.





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Stellungnahmen zur Politik in Wien und Österreich,

20.3.2013 Initiative Denkmalschutz deckt auf: Stadt Wien verstößt gegen ihre eigene Welterberichtlinie!

Noch 2008 hat sich der damalige Stadtrat für Stadtentwicklung Rudi Schicker im Gemeinderat zu einer Umwidmung des Eislaufvereins kritisch geäußert: Das Areal liege "unmittelbar am Rande des Weltkulturerbes, es stehen viele anrainende Liegenschaften in einer Schutzzone, also es wäre undenkbar, an dieser Stelle Hochhäuser zu errichten" (29.2.). Jetzt, nachdem Eislaufverein und das benachbarte Hotel Intercontinental verkauft wurden (und die "Richtigen" daran verdient haben?), sollen plötzlich Hochhauswidmungen kein Problem mehr darstellen? Die Rahmenbedingungen, nämlich die Lage in der sensiblen historischen UNESCO-Welterbe-Kernzone, sind dieselben wie 2008! 
    Alle Welterbeareale der Stadt sind Hochhausausschlusszonen!
Die Publikation "Wien, Weltkulturerbe - Der Stand der Dinge" (MA 19), die 2006 erschien und seitens der Stadt Wien als "integrierender Bestandteil" des Managementplanes "gemäß den Richtlinien der UNESCO" bezeichnet wird (OTS 6.12.2006), kommt daher ganz richtig zum Schluss: "Alle Welterbeareale in Wien" seien Ausschlusszonen für neue Hochhäuser (S.95)! Bezug genommen wird dabei auf die Hochhausrichtlinie der Stadt aus 2002 (MA 18), in der sensible Sichtachsen und Blickbeziehungen untersucht werden (S.11f., Kriterium A und B). Der nun geplante Turm würde den berühmten Canaletto-Blick vom Belvedere als zentrales Störelement zerschneiden und ist gemäß der genannten MA 19-Welterberichtlinie daher nicht genehmigungsfähig. 
Rückfragehinweis: Markus Landerer und Claus Süss, Verein Initiative Denkmalschutz
www.idms.at, tel. 0699 1024 4216, eMail: office@idms.at



28.2.2013 Hochhausprojekt Wiener Eislaufverein - ein Anschlag auf das Stadtbild !

Erstmal wird inmitten der Kernzone des UNESCO-Weltkulturerbes "Historisches Zentrum von Wien" ein Hochhaus geplant.
Während sich das zuletzt lange und heftig umstrittene Hochhausprojekt Wien-Mitte noch außerhalb der Welterbe-Kernzone, in der "Pufferzone" befand, plant die Stadt Wien jetzt erstmals innerhalb der Kernzone ein Hochhausprojekt. Die Initiative Denkmalschutz zeigt sich ob der gestrigen Projektpräsentation schockiert. Das neue Hochhaus neben dem Hotel Intercontinental soll etwa 30 Meter(!) höher werden als das bestehende Hotel und die Höhenmaße sollen an den weit entfernt gelegenen, 1953-55 erbauten Ringturm (wieso eigentlich?) Bezug nehmen (ca. 73 m). Das Hotel Intercontinental war dabei schon vor seiner Erbauung 1960-64 ob der geplanten Höhe in dieser städtebaulich sensiblen Lage sehr umstritten und wurde in der Folge auf etwa 44 Meter reduziert (als Gegenleistung wurde damals eine Sondergenehmigung für niedrigere Raumhöhen gewährt, um keine Quadratmeter an Fläche zu verlieren).

Initiative Denkmalschutz: Welterbe-Kernzone muss Ausschlusszone für Hochhausplanungen sein!
2002 hat die Stadt Wien ihr "Hochhauskonzept", die "Städtebaulichen Leitlinien - Richtlinien für die Planung und Beurteilung von Hochhausprojekten" publiziert (siehe: http://www.wien.gv.at/stadtentwicklung/studien/b007383.html). Darin werden Ausschlusszonen von Hochhäusern definiert, ein Kriterium wären z.B. "wesentliche denkmalpflegerische Zonen". Während in diesem Zusammenhang das "Weltkulturerbe Schloss Schönbrunn" und sogar "sein Umfeld"(!) als Ausschlusszone definiert wird (Seite 11f.), scheint die Stadt Wien mit Hochhausprojekten in der Kernzone des Welterbes Wiener Innenstadt nur bedingt Probleme zu haben. Unser Verein fordert daher ein klares Bekenntnis der Stadt Wien die Kernzone als Ausschlusszone für Hochhäuser zu deklarieren und das aktuell präsentierte Verbauungsprojekt "Hotel Intercontinental – Wiener EislaufvereinKonzerthaus" an der Ecke Lothringerstraße / Johannesgasse entsprechend stark zu redimensionieren.

Rückfragehinweis:
Markus Landerer und Claus Süss
im Namen des Vorstandes
Verein Initiative Denkmalschutz
Mobil: 0699 1024 4216